Die Aids-Waisen von Mosambik

Reisebericht

Die Aids-Waisen von Mosambik

Reisebericht: Die Aids-Waisen von Mosambik

Die Aids-Waisen und Besuch bei den Straßenkindern von Mosambik:
Unterwegs mit der Deutschen Welthungerhilfe

Mosambik - Unterwegs mit der Deutschen Welthungerhilfe

Als die Sonne an einem dieser Tage hinter der perfekt renovierten viktorianischen Bahnhofsfassade in Maputo versinkt, springt Alberto hoch und läuft zu seinem Kunden. Hier auf dem Bahnhofsvorplatz hat er sein Auto über Stunden bewacht und hofft nun auf ein paar Meticais, seiner mosambikanischen Währung. Alberto liebt seine Freiheit und lebt mit seinen Freunden Tiger und Felix und weiteren 40 Jungen auf der Straße am Fuße eines Kriegerdenkmals. Später werden sie die Nacht auf ihrem Pappkarton auf dem Rasen verbringen. Die Mittelinsel auf diesem sauberen großen Bahnhofsvorplatz ist seit Jahren ihr zuhause. Hier werden sie auch regelmäßig von Walburga Greiner, der Leiterin des Regionalbüros der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH) in Mosambik, besucht. Sie führt mit Ihnen Gespräche, hört sich ihre Sorgen und Nöte an, und versucht ihnen zu helfen. Maputo ist von den Straßenkindern unterteilt in Reviere. Und jedes Revier akzeptiert das andere. Klauen oder Taschen entreißen wollen sie nicht. Und deshalb schwärmen sie am Tage auf dieser vielbefahrenen Kreuzung aus und versu-chen, Autos zu waschen. Immerhin ver-dient Alberto etwa einen Euro durchschnittlich am Tag, womit er meistens sei-nen bescheidenen Lebensunterhalt bestreiten kann. Niemand weiß, wie viele Stra-ßenkinder in Maputo, der Hauptstadt Mo-sambiks, leben. Gehört dieses Land doch zu den ärmsten Ländern der Welt. Von schlimmen Folgen eines erbitternden Bür-gerkrieges zermürbt und dann im Jahre 2000 von einer unvorstellbaren Flut heim-gesucht mit anschließender, alles zermürbender Trockenheit.

Dabei gibt es Häuser, in denen Straßenkinder unterkommen können. Eines von ihnen ist das Dom Bosco Heim des Salesianderordens, der seit 1992 seine Pforten geöffnet hat. Dort wartet Irma Silvana mit vielen engagierten Kräften auf die jungen Ärmsten der Armen mit gutem Essen, sauberen Betten und einer guten Schulausbil-dung. Und man hört diesen Kindern zu, die unsägliches Leid hinter sich haben. Um-berto mit seinen 23 Jahren hat es geschafft. Ihn haben im Jahre 1994 die Schwestern auf der Straße davon überzeugen können, ein geordnetes Leben mit guter Berufsaus-bildung einzugehen. Und so hat er wie alle anderen, die ihr Schulziel erreicht haben, für seinen Start ins Leben ein kleines Stück Land und eine bescheidene Hütte bekom-men.

Luxus und Elend liegen in der geschätzten 2 Millionen-Metropole Maputo dicht ne-beneinander und das 21. Jahrhundert trifft auf uralte afrikanische Traditionen. Damit die Menschen mit ihren täglichen Problemen fertig werden, haben engagierte Leute wie der 26 jährige Amando Fondo die Stadt in mehrere Stadtteile aufgeteilt. Dort arbeiten sie mit 13 bis 17 Jährigen Jugendlichen in der Prävention. Vermitteln ihnen Werte, halten kleine Kurse in frisieren, Fahrradreperaturen und spielen mit ihnen Fußball. Den Mitgliedern der Jugendban-den soll so auch ihr Aggressionspotential gemindert werden.

Hilfe zur Selbsthilfe, die von der DWHH als eines von vielen Projekten in diesem Land unterstützt werden. Für die engagierte Walburga Greiner ist es wichtig, den Schwächsten materielle Unterstützung zu geben. Außer der finanziellen Beteiligung werden die Familien oder Dorfgemeinschaften durch technische Beratung unter-stützt.. Nur dann, ist sie überzeugt, werden diese Menschen ihr Projekt auf Dauer an-nehmen. Dabei geht es in erster Linie um Überlebensstrategien, die mit örtlichen Partnerorganisatoren durchgesprochen werden. Schließlich sollen tradierte Erfah-rungen ihre Bemühungen um Autonomie stärken. Mit diesen Hilfestellungen ist die Landbevölkerung dann in der Lage, aus den Erlösen von verkauften Lebensmitteln zum Beispiel Getreidespeicher zu bauen, in denen Vorräte für Dürreperioden gelagert werden können. Mit neuen Bewässerungs-systemen und Brunnen sind Bauern in der Lage, ihr angebautes Gemüse und ihre Tie-re durch Trockenzeiten zu bringen.

Fährt man auf der Nationalstraße EN1 gut zwei Tage von Maputo in nördlicher Rich-tung an einfachen Palmgrashütten vorbei, sieht man Frauen mit ihren Babys auf dem Rücken auf den Feldern arbeiten. Andere balancieren schwere Wasserkanister auf dem Kopf oder tragen Brennholz nach Hause. Kokospalmen wiegen sich im Wind und der indische Ozean schimmert türkisblau. Dabei ist Mosambik mit 2700 Kilometern Küste und traumhaften Stränden gesegnet. Viele Orte sind dabei jedoch mehr Transitstationen für Durchreisende, die schnell mal kurz ein kleines Geschäft in Ladenzeilen aus verfallenen, ehemaligen Kolonialhäusern machen wollen. Hier füh-len sich Reisende noch wie Pioniere. Neu-gier und Abenteuerlust werden von offenen und warmherzigen Menschen belohnt.

Abseits der Hauptstraße in Vilankulo trifft man mitten im unendlichen Buschland eine kleine Dorfgemeinschaft von 150 Familien. Sesamsträucher werden angepflanzt. Jetzt haben sie mühselig in Handarbeit die kleinen Kerne aus ihren Schalen gepflückt, die dann mechanisch zu wohlriechendem gutem Sesamöl verarbeitet werden. Gleich nebenan hat Senior Machava von der DWHH Setzlinge für ein kleines Ananasfeld und vier Rinder bekommen. In jahrelanger Fleißarbeit hat er daraus ein blühendes Ananasfeld von acht Hektar und eine stattliche Rinderzucht von 130 Tieren gemacht. Das Schöne ist, so Walburga Greiner, dass solche Menschen wie er Vorbild sind und ihm jetzt andere folgen wollen.

In Pambara an der Fernstraße EN1 am Abzweig nach Vilankulo rasten viele Fern-fahrer. Für die dortigen jungen Mädchen eine willkommene Abwechslung. Nicht selten geben sie ihren Körper für ein Stück Seife oder eine Cola her. Um dies zu un-terbinden, setzt die dortige Schule mit ihrem Direktor Denis Vilankulos auf Präven-tion. Immerhin ist Aids die größte Geisel für die Bevölkerung. 17 Prozent der Ge-samtbevölkerung sind bereits infiziert und die Zahl steigt weiter. Viele Minenarbeiter aus dem benachbarten Südafrika bringen Geld und Aids mit nach Hause. Dabei ist im Laufe von Jahrzehnten ein großer Teil einer gesamten Elterngeneration gestorben. Ihre Kinder hat sie den Großeltern hinterlassen. Ein Erbe, das schwer auf den Schultern der Schwächsten lastet. So auch bei der kleinen dreijährigen Carmen. Ihre Mutter Isabek ist vor sechs Monaten im Alter von 30 Jahren an Aids gestorben und ihr Vater liegt deswegen bereits im Sterben. Auch die kleine Carmen ist vom Tod gezeichnet, da sie von der Mutter gestillt wurde. Niemand wollte die kleine Carmen aufnehmen. Einzig Schwester Rosetta aus Namaacha erbarmte sich ihrer. Sie leitet das Colegio Mania Auxiliadora, das insgesamt 24 Mädchen aus Problemfamilien zum Hort für ein würdiges Leben wurde.

Fährt man tief betroffen von solchen Schicksalen weiter und wagt sich allradge-trieben über eine sandig breite Buckelpiste weit hinein ins karge Hinterland, vorbei an uralten Baobab-Bäumen, stößt man ir-gendwann im scheinbar menschenleeren, unendlichen Trockenbuschwald, auf die kleine Ortschaft Mabote. 42 000 Menschen leben hier im weiten Umkreis. Der Ortsteil Magalaze ist ein Außenbezirk der DWHH. Nach der Fertigstellung eines Brunnens war der Bau einer Schule das neueste DWHH-Projekt in dieser Region. Die Einweihung des Gebäudes war ein Fest für Jung und Alt: Umringt von einer großen Kinderschar saßen die dorfältesten Män-nern mit ihrem Oberhaupt Amiel Jossefa Matarele unter einem Baum und dankten förmlich auf ihre Weise den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Walburga Greiner. Beim westlichen Dank schütten sie zuerst Rotwein aus einem Tetrapack auf den san-digen Boden vor der Schule für die Ahnen, bevor der nächste Schluck mit großem Beifall in die Münder der offiziellen Delegation wandert. Das gleiche Ritual wird auf afrikanische Weise mit Palmwein zelebriert. Nach der offiziellen Schlüssel-übergabe betreten die Honoratioren des Dorfes mit ihren deutschen Gästen das Gebäude und begutachten neugierig die beiden Klassenräume. In zwei Unterrichtsschichten werden 33 Kinder vormittags und 50 Kinder nachmittags unterrichtet. Der zweite Klassenraum dient dem offiziellen Alphabetisierungsprogramm, zu dem sich 45 Erwachsene gemeldet haben. Unter ihnen ist sogar ihr Dorfchef Amiel Jossefa Matarele.

Große Kümmernisse macht sich Walburga Greiner um alte alleinstehende Frauen. Auch hier im kleinen Magalaze erfährt man hinter vorgehaltener Hand von Aus-wüchsen häuslicher Gewalt gegen diese armen alten Menschen. So erzählt man von Schlägen, schweren Verletzungen, dass sie ausgeraubt, misshandelt und vergewaltigt werden. Ja man nimmt ihnen sogar das Land ab, das sie jahrzehnte lang bepflanzt haben. Dann bleibt ihnen nur noch die Möglichkeit, wie Tiere in den Wäldern zu hausen und dort auf den Tod zu warten. In den Städten sieht man sie vermehrt stinkende Müllhalden nach Essbarem zu durchwühlen. Ihnen bietet das Leben in Mosambik keine Chance mehr. Alberto, Tiger und Felix verdienen mit der Autowäsche wenigstens einige Meticais zum Überleben. Eine lebenswerte Perspektive bietet den drei Jungs und den anderen Straßenkindern die DWHH mit ihren zahlreichen Projekten in diesem Land. Walburga Grei-ner wird nicht müde werden, sie in ihrem Revier vor dem Bahnhof zu besuchen, um sie davon zu überzeugen, ein anderes Leben zu führen.

Gerd Krauskopf




Mosambik

Die Straßenkinder von Maputo

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Unterwegs mit der DWHH



Aidswaisenkinder in einem Waisenhaus


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Kommentare

  • Arminia-Man

    Lieber Herr Krauskopf,
    ich bin gerade aus Mosambik zurückgekommen - meinem diesjährigen Sommerurlaub. Ihren Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen und kann das Meiste so nur bestätigen. Und doch möchte ich noch einen weiteren Aspekt anfügen.
    Ich selbst bin nahezu jedes Jahr einmal in Mosambik im Auftrag einer Kirche, die in der Provinz Inhambane Solarprojekte initiiert bzw. begleitet. Ziel ist u.a. die Versorgung mit sauberem Trinkwasser auch in ländlichen Gebieten zu verbessern. Meine Beobachtung in den letzten Jahren ist, dass sich vieles in diesem Land durchaus positiv entwickelt. Gerade im Bildungssektor habe ich festgestellt, dass in den Provinzen Gaza und Inhambane große Fortschritte gemacht werden. Viele kleine Dörfer haben seit kurzer Schulen. Ich denke, auch damit wird langfristig etwas getan. Wer eine Schulbildung hat eine Chance auf Arbeit und muss nicht sich und den eigenen Körper verkaufen.
    Zugegeben vieles liegt noch im Argen in diesem Land. Aber es gibt gute Ansätze, die es lohnt zu unterstützen. Auch Tourismus, der nicht nur Halt macht in teuren Lodges, die Südafrikanern gehören, ist ein Weg.
    Nochmals Danke für Ihren Bericht!

  • venus

    ... auch von mir

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