Amerikas wilder Westen

Reisebericht

Amerikas wilder Westen

Condor



Wir haben Glück an diesem Morgen. Ein strahlend schöner Tag. Gestern haben noch kühle Wolken auf dem Plateau des Grand Canyons gehangen. Grelle Blitze erleuchteten hin und wieder die einzelnen roten Gesteinsschichten der weit entfernten gegenüberliegenden Canyonseite als Urgewalt der Natur. Dabei fällt diese Steilwand über tausend Meter tief hinab zu den tosenden Wassern des Colorado. Die unglaublich staunenden Augen haben Einblick in zwölf Millionen Jahre Erdgeschichte. In dieser Zeit haben die braunen Flutmassen Schicht für Schicht den Aufbau der Erde bis hin zum Beginn der Erdgeschichte, dem Präkambrium, freigelegt.

Diebisch freuen wir uns zu dieser frühen Morgenstunde darauf, die Wildnis dieser widerspenstigen Fluten von oben kennen zu lernen. Bis hin zum Lake Powell mit dem zivilisatorischen Meisterwerk des Glen Canyon Damm, der diese braunen Fluten in eine friedliche Seenlandschaft gezähmt hat, werden wir fliegen. Auf einem Zwischenstopp am Monument Valley zeigen uns Navajo Indianer ihre Welt aus riesigen, steil aufragenden, einzeln in der Wüste stehenden Felsen, die jedes Kind bereits in seinen Träumen auf einem Pferderücken als Indianerhäuptling stolz durchritten hat.



Pilot Greg G. Beaman

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Und dann geht alles ganz schnell. Pilot Greg G. Beaman öffnet die Türe seiner achtsitzigen Cessna, klappt die Einstiegstreppe aus, und wir steigen ein. Freundlich lächelnd, die Sonnenbrille hängt locker in seiner Fliegerjacke, kontrolliert er unsere Anschnallgurte. Seit elf Jahren fliegt er diese Strecke, kennt jeden Winkel dieser naturgewaltigen Widerborstigkeit.

Das Dröhnen des Propellers wird beim Anblick des weit in der ferne liegenden Canyons nebensächlich. Noch aber wechselt sich unter uns eine Zwerglandschaft mit Wacholderbüschen und hohen Ponderosakiefern ab. Wird diese Gegend doch „Black Forest“, Schwarzwald, in Werbebroschüren genannt.

Geänderte Winde kündigen die sagenhafte Schlucht an und lassen den kleinen Flieger hin und her tanzen. Für einen kurzen Moment kommen dabei die drei riesigen Condore in den Sinn, die am Vortag vor unseren Augen in diesen aufsteigenden Winden stolz ihre Runden gezogen haben. Sie wurden von Vogelschützern in diesem Frühjahr ausgesetzt, da sie am Grand Canyon ausgestorben waren.



Grand Canyon



Während Greg über den goldbeschienenen Klippen für uns eine Ehrenrunde dreht, machen sich „Schmetterlinge im Bauch“ bemerkbar. Dabei kann sich das Auge nicht satt sehen, weiß nicht, wohin es zuerst gucken soll. Wandert hastig von den purpurnen Gipfeln über zinnoberrote Felskanten weit hinab zu den Felsschlünden des Coloradobettes. Hastet an einer senkrechten Wand mit tief eingegrabenen Nischen und Grotten hinauf und sucht schon wieder den nächsten Naturhöhepunkt in einer der größten Gewalten, die unsere Erde zu bieten hat.



Karge Landschaft in Utah



Noch bevor das Auge alles begreifen kann, verlässt Greg die unfassbare Schlucht und fliegt über unfruchtbare Erde mit ausgetrockneten Flussbetten. Weit und breit ist von hier oben in dieser steinigen Wildnis nur ab und an eine Ranch in Sichtweite.

Später, viel später, das Auge wandert wieder gelassen und träge über den kargen Boden, erspäht es in weiter Ferne die Umrisse der gigantischen Felstürme des Monument Valley.



Monument Valley



Nach dem fast einstündigen Flug und einer rumpeligen Landung auf Naturboden, wartet ein offener allradgetriebener Wagen auf uns. Kamen früher kaum Weiße in diese abgelegene Region der Navajo, so werden Gäste heute freundlich begrüßt. Wollen sie doch alle die Kulisse für ihr Bild des „Westens“ sehen, wo Hollywood seine eigenen Legenden schuf. Dabei erfährt der staunende Besucher, dass bis 1924 die hier ansässigen Navajoindianer keine Bürger der USA waren.

Genau diese Navajos steuern heute stolz ihre neugierigen Gäste über den unbefestigten Trail ihres Reservates entlang der bedeutendsten Steintürme vor dem unendlichen Horizont Arizonas. Dabei sieht das geistige Auge die charakteristischen Orte, die die typische Atmosphäre des „Wilden Westens“ darstellen. Der Filmklassiker mit John Fords Postkutsche von 1938 hat da Maßstäbe gesetzt.



Wilder Westen



Hollywood lässt aber auch am Wendepunkt unserer Besichtigungstour, den „Three Sisters“, grüßen. Zeitgenau, als wäre dieser Cowboy auf die Minute genau bestellt, reitet er vor unseren verdutzten Augen filmreif auf eine Felsformation. Schaut von dort hinüber auf die Monolythen-Galallerie aus Licht und Schatten, und verschwindet genauso schnell, wie er gekommen ist. Verzückt vor Glück, die Szene in der Kamera festgehalten zu haben, steigen wir in unser Fahrzeug und steuern unserer kleinen, wartenden Cessna entgegen. Dabei steht die Staubfahne unseres Fahrzeuges auf der unbefestigten Straße noch in der Luft.



Lake Powell



Wieder in luftiger Höhe taucht der Colorado River auf und weist ein weitreichendes System an Canyons auf. Unser Flugziel, der Glen Canyon, ist der Hauptausläufer dieses Systems. Siebzehn Jahre wurde nach dem Bau des gigantischen Glen Canyon Damm hier das Wasser gestaut zum heutigen Lake Powell. So wurde seine Umgebung für immer in einen surrealistischen Wasserspiegel verändert.

Greg verstärkt die Wildnis der steil ins Wasser stürzenden Felsen. Er legt seinen kleinen Flieger mit einem teuflisch jähen Satz gekonnt zur Seite, so dass die in den Sitz gepressten Gäste auf der rechten Seite ins gleißende Sonnenlicht blinzeln und die zur Linken mit weit aufgerissenen Augen in die schartigen Abgründe stieren. Elf Jahre Flugerfahrung von Greg in diesem Labyrinth strahlen dabei Sicherheit aus. Und im Zusammenspiel der Gewalt des Wassers mit der Resistenz der unendlich vielen Felsen fällt von oben dann doch die



Rainbow Bridge

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Rainbow Bridge für den Bruchteil eines Momentes ins Auge. Grub doch die Wildheit des Wassers in unendlicher Geduld diese größte aller natürlichen Brücken der Welt mit einer spannweite von 83 und einer Höhe von 87 Metern.

Beschaulich ziehen wenig später Hausboote auf dem jetzt stahlblauen Wasser unter uns ihrer Wege. Suchen dort unten auf der riesigen, verzweigten Wasserfläche viele Amerikaner ihr Freizeitvergnügen. Von Wildheit urplötzlich keine Spur mehr im künstlichen Becken



. Selbst der Glen Canyon Staudamm und die in unmittelbarer Nähe mit 4000 Tonnen Stahl gebaute zweithöchste Stahlbrücke der Welt strahlen Ruhe aus. Genau so ruhig verlässt der kleine Hüpfer nun besonnen seine luftige Höhe und taucht sauber auf einer geteerten Landebahn im Steppen- und Wüstenbassin ein.



Glen Canyon Staudamm



Gerd Krauskopf



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zu Amerikas wildem Westen



San Francisco:

Hier haben wir Fishermann’s Wharf, Union Square und die ethnischen Viertel Chinatown und North Beach besucht.
Leider hatten wir bei einer Bootstour dichten Nebel, so dass wir mitten unter der Golden Gate Bridge das Ufer der Halbinsel von San Fran Francisco und das ihr gegenüberliegende Ufer von Marin County nur schemenhaft sehen konnten.



Golden Gate Bridge



Die schönste Straße der Welt: Der Highway 1

Südlich von San Francisco verläuft die Kultstraße, der Highway 1. Es ist der Mythos schlechthin mit mächtigen Felsküsten, Sandstränden und hübschen Ortschaften der Reichen und Schönen an der azurblauen Pazifikküste.



Highway 1



Los Angeles:

Sehenswert sind der Universal Studios von Hollywood, die diese unattraktive Stadt weltberühmt gemacht haben. Die Spezialeffekte und Shows hinter den Kulissen der Filmwelt waren da schon sehr beeindruckend.



Hollywood



Die Spielerstadt Lughlin:

In der Spielerstadt Laughlin im Staate Nevada an der Grenze zu Arizona beeindruckten uns die Spielsüchtigen an Spieltischen und Automaten.



Glücksspiele



Bryce Canyon:

Im Mormonenstaat Utah bleibt für ewig das rot gefärbte Felsenlabyrinth des Bryce Canyon mit seinen bizarren Felsformationen in unserem Gedächtnis.



Bryce Canyon



Las Vegas:

Unvergessen die Tage der Wüstenstadt Las Vegas, in denen wir uns aufgemacht haben, die interessanten Kasinos entlang des Las Vegas Strips und in Downtown zu erkunden. Da flimmert vor dem geistigen Auge das Mirage, Treasure Island, Caesar’s Palace, New York, Luxor und die Gondeln von Venedig.



Las Vegas



Death Valley:

Das Tal des Todes klingt bedrohend und düster, ist einer der wärmsten und trockensten Gegend der Welt. An den meisten Tagen flimmert das Tal in einer unbarmherzigen Hitze. Die Luft ist rein, so rein, dass entfernte Punkte näher wirken.



Death Valley



Yosemite Nationalpark:

Nach dem Glimmer von Las Vegas dann die absolute Ruhe im Yosemite Nationalpark, der zu den abwechslungsreichsten und beliebtesten Parks der USA zählt. Behauptete John Muir, der bekannte amerikanische Naturschützer und „Vater der Nationalparks“ einst richtigerweise, dass kein von Menschenhand geschaffener Tempel sich mit der Schönheit Yosemite’s vergleichen ließe.



Yosemite Nationalpark



Interessante Menschen auf meiner Reise:

Interessante Menschen auf meiner Reise:



Menschen in Amerika



Tolle amerikanische „Schlitten“

Tolle amerikanische „Schlitten“



Amerikanische "Schlitten"


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Kommentare

  • lilli.28

    Kompliment: Thema, Fotos, Text mit guten Infos: sind klasse.
    Von einem Reiseprofi! eben!
    Grüsse aus dem regnerischen Köln

  • mamaildi

    Da werden Erinnerungen wach. Für diesen Reiseklassiker hatte ich nach dem Studienabschluss luxuriöse 2 Monate Zeit. Die habe ich damals genossen, natürlich, aber auch heute beim Lesen deines Berichtes. Wie immer mit erstklassigen Bildern in Szene gesetzt!

  • RELDATS

    Erstklassiger Report mit tollen Fotos!
    Nette Grüße, Josef

  • agezur

    Dein Reisebericht liest sich für mich wie die Dokumentation unserer Reise! Mit den selben Stationen und den selben Eindrücken. Wie ein Film, den man ein zweites Mal ansieht. Danke!
    Liebe Grüße Christina

  • BernieMayer

    Da werden wieder Erinnerungen wach und die Lust schon wieder rüberzufliegen steigt...
    lg, Bernie

  • ursuvo

    Dein Kurzbericht mit den sehr schönen Bildern hat auch in mir Erinnerungen geweckt - wir waren schon einige Male im "Wilden Westen", entdecken dort immer wieder was Neues - und wollen immer wieder dorthin!
    LG Ursula

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