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Reisebericht: Faakersee - Der Himmel auf Erden
Faakersee - Der Himmel auf Erden
Diese unendliche Ruhe, diese Einsamkeit am frühen Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen haben die Nebelschwaden, die noch vor kurzem über dem Faaker See waberten, hinauf zu den Karawanken geschickt. Haben in aller Stille den frühen Tag bestimmt. Durch die seidige Morgenluft sind wir mit unserem kleinen Holzboot hinaus gerudert. Vorsichtig, langsam, nur ja kein Aufsehen in dieser Stille erregen. Und irgendwann, inmitten des Wassers, lege ich die Ruder zur Seite und wir beobachten die Fische im glasklaren See, als könnte die spiegelglatte Oberfläche „kein Wässerchen trüben.“ Nicht weit von uns entfernt ein Angler in seinem Boot, der lange schon fast regungslos dort sitzt. Da lauschen wir den Stimmen der Wasservögel, die meinem Schatz jetzt ein süßes Ge-burtstagsständchen hier hinüber schicken.
Dabei habe ich dieses Stückchen Erde in Verdacht, dass es bloß Ansichtskarte zu sein scheint. Sie will mir nur vortäuschen, dreidimensional zu existieren. Eine von wenigen Stellen, in denen Wasser, Wiesen, Felsen und Dörfer auf so natürliche Weise verteilt sind, dass mir eine innere Stimme sagt, dass das doch eigentlich alles nicht sein kann. Aber, man kneife mich, es ist so.
Dass es aber auch flotter zugehen kann, beweisen die Reichen und Schönen nebenan in Velden, die ihren Lebensinhalt vor-wiegend mit Partys und Wasserskilaufen auf dem Wörthersee verbringen. Aber das ist nebenan, weit, ganz weit weg
Das Frühstück haben wir nach unserer Bootspartie verdient. Und so wird auf der ausladenden Terrasse ein schattiges Plätzchen ausgesucht und das aufmunternde Frühstücksbuffet erobert. Dabei fallen die vielen regionalen Produkte sehr positiv auf.
An einem der nächsten Tische unter einem ausladenden Baum wird es dann auch hek-tisch. Da kommt das halbe Restaurant-Personal zusammen und der Küchenchef persönlich trägt einen kleinen Schokoladenkuchen mit brennender Kerze zu einem Geburtstagsgast. Ein nettes kleines Volkslied wird angestimmt, und der Applaus ist diesem besonderen Gast sicher. Ein lächelnder Blick von meinem Schatz zu mir hinüber, und wir frühstücken in aller Seelenruhe weiter, da sie solche Zeremonien nicht mag.
Blicken wir doch bereits seit einigen Tagen von unserem Südbalkon auf einen unverschämt aufreizenden, ferienblauen Himmel und in ein karibisch türkises Wasser mit ein paar dahin getupften
weißen Segeln. Haben erfahren, dass die Kalkpartikel aus den nahen Bergen des Kärntner Unterlandes hier in den Faaker See geschwemmt werden und somit am Boden das Sonnenlicht reflektieren und für eine unglaublich gute Stimmung sorgen.
Da fällt aber auch der Blick oftmals über das Bergmassiv hinüber zum Hausberg, zum alles übertrumpfenden Mittagskogel. Mit seinen 2145 Metern Höhe ist er einer der höchsten Berge dieses Karawankenmassivs, der nur einen Steinwurf vor der österreichisch-slowenischen Grenze thront.
Und dass die Hausgäste unseres Hotels diesen stolzen Berg schätzen, das belegen die guten Anmeldezahlen. Der erfahrene heimische Bergwanderer Walter Mamedof führt sie sicher mit stärkender Frühstücksjause dort hinauf und am frühen Nachmittag wieder zum Hotel zurück. Wir dagegen schätzen unser kleines, hauseigenes Ruderboot. Für uns wird da der Kopf klar und der Alltag liegt ganz fern.
Während das Geburtstagskind lesend den Balkon schätzt, gehe ich über das ausladende Hotelgrundstück – auf dem einmal die Vorfahren vor gut einhundert Jahren eine große Landwirtschaft betrieben haben - zum Badestrand hinunter. Setze mich in eine der drei Hollywoodschaukeln gleich
am Wasser und lasse meine Seele baumeln.
Herrliche 23 Grad misst die Wassertemperatur, und die laden natürlich zum Schwimmen ein. Während ich mich dann mal wieder genüsslich ins Nass stürze und meine Bahn ziehe, blühen zu meiner linken die herrlichen Seerosen vor dem Bootshaus.
Rechts von mir haben Adi und Hans Melcher mit Liebe zum Detail für die Flucht aus dem Alltag neben ihrer großzügigen Hotel-SPA- und Saunalandschaft ein schönes Holzrefugium übers Wasser gesetzt, die den Hausgästen eine weitere Wohlfühl-Tradition vermittelt.
Während der Gast dort seine Strandmassagen genießen kann, wandert sein Blick über die offene Holztüre hinaus über den See und verliert sich im weit angrenzenden Ufer. Und wem es hier im Baumgarten auf seinem Liegestuhl am Badestrand noch nicht warm genug ist, sucht die Sauna mit eigenem Seezugang auf und legt sich anschließend auf die FKK-Sonnenterrasse, die über allem thront.
Ohne es zu merken, habe ich mein Ziel, eine von zwei schwimmenden Hotelinseln erreicht und fröne mich der wärmenden Sonne.
Mit einer fröhlich jungen, hübschen Dame, bin ich verabredet. Und die sagt von sich selbst, dass sie in früheren Zeiten verbrannt worden wäre. Genauer gesagt, nach meinem staunenden Blick, auf einem Scheiterhaufen. Martina Rudackij nennt sich selber Kräuterhexe. Und das hat sie von ihrer Großmutter.
Die hat sie schon in ihrer Kindheit immer mit in Feld, Wald und Wiesen genommen, um ihr die näher zu bringen. Heute lauschen ihr andächtig viele wissbegierige Kochbegeisterte und Naturliebhaber wie ich.
Dann ist sie urplötzlich mal wieder in irgendeinem Gebüsch verschwunden, rumort darin herum und taucht mit irgend so einem Stängel in der Hand, für mich pures Unkraut, wieder auf. „ Was die fleißigen Gärtner ausjäten,“ so erfahre ich staunend, „geben die weniger fleißigen in den Salat oder in die Suppe.“ Während sie von ihren 1500 Kräutern schwärmt, die alle hier heimisch sind, hält sie mir den gepflückten Ackerschachtelhalm, oder Zinnkraut, entgegen. Für Knochen, Gelenke und Bindegewebe sei er wichtig.
Bei Liebstöckel platzt es dann geradezu aus ihr heraus. „Der heißt ja auch nicht umsonst Liebstöckel oder Liebstock oder Luststock. Es ist ein Aphrodisiakum. Die Frauen haben sich früher darin gebadet, um die Männer anzulocken," zwinkert sie mir mit den Augen zu.
Wie wir weiter ziehen, pflückt sie für mich ein Blatt des Frauenmantels mit einem Tropfen am Rand. „Der Tropfen hier ist ein Pflanzensaft. Die Pflanze saugt sehr viel Feuchtigkeit aus dem Boden und schiebt sie, wenn ein Überschuss da ist, an den Blattrand. Und wenn sie es in der Mittagshitze benötigt, dann saugt sie die Flüssigkeit wieder ein.“ Es ist ein so genannter Gutationstropfen. In der Volksmedizin vor alter Zeit war es bei den Kräuterfrauen der so genannte Sinautropfen für Frauenbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Wechseljahrsbeschwerden.
Als wir uns verabschieden, sagt sie mir noch, dass man in der Natur umweltbewusst ernten muss. Dass man sie nicht ausplündern darf, sondern nur so viel wie nötig, so wenig wie möglich pflücken darf.
Kräuter machen hungrig. Und so freuen wir uns auf ein leckeres Abendessen. Für diesen besonderen Geburtstagsabend haben wir uns ein köstliches Steak und Tartar vom Rindsfilet ausgesucht, die uns auf weißer Pfeffercreme und Kartoffelschaum serviert werden. Zum Nachtisch entscheiden wir uns zu Schokoladetarte mit Holunder und eigenem Sorbet, das von Chefkoch Thomas Guggenberger kunstvoll kreiert ist.
Dabei ist die Philosophie von Patron Thomas Guggenberger ganz einfach. Er versucht, aus „normalen“ Produkten etwas Schönes, modernes zu machen. Dabei verzichtet er zum Beispiel auf Gänsestopfleber. „Warum muss ich sie auf die Karte setzen, wenn ich eine schöne Kalbsleber haben kann. Wo das Tier zwar auch sterben muss, aber halt ohne Schmerzen.“
„Natürlich,“ so argumentiert der erfahrene Zwei Haubenkoch, „ finden sie auf unserer Karte eine Jacobmuschel, aber erst hinter einer Kärntener Lax’n, einer Seeforelle. Sie finden einen Steinbutt aber auch erst hinter einem schönen Wallerfilet, einem Wels oder einem schönen Zanderfilet. Gibt’s Zander nur aus Estland oder Lettland, schreiben wir ihn einfach nicht auf unsere Speisekarte.“
Wie wir dann nach diesem guten Essen wieder mit einem Glas leckeren Rotwein diesen Geburtstagsabend auf unserem herrlichen Balkon beschließen, wird mir bewusst, welche Schätze wir uns jetzt am Ende unseres Urlaubs nicht mehr anschauen können. Befinden wir uns doch hier im Schnittpunkt von drei großen europäischen Sprachkreisen: Der Slawen, der Germanen und Romanen. Hier gibt es in einer Entfernung von 20 Kilometern das Dreiländereck, wo auf einem Punkt drei Länder zusammenstoßen: Slowenien, Friaul-Julisch-Venezien und Kärnten.
Und wäre da nicht in Slowenien Bled, diese alte Stadt am Veldessee, der Boheiner See am Fuße des Triglav-Nationalparks in Slowenen, oder auch Ljubjana, Udine, Triest und sogar Venedig, das man in zwei Autostunden erreichen kann, für einen Besuch interessant gewesen?
Und dann werde ich von einem grellen Blitz aus meinen Tagträumen gerissen. Unmerklich hat sich der Himmel verdunkelt und ein Gewitter ist aufgezogen. Da fällt der Abschied aus dieser Postkartenidylle nicht schwer. Aber wir drohen mit Wiederkommen.
Gerd Krauskopf
Infos
zum Faakersee, Kärnten, Österreich
Anreise:
Wir hatten keinen Anreisestress, da wir einen günstigen Flug von Köln/Bonn nach Klagenfurt gewählt haben. Mit dem Hotelshuttle zum Hotel sind es weniger als eine halbe Stunde.
Hotel:
Wir haben gut gewohnt im Karnerhof, einem Wellness- und Genießerhotel der Familie Melcher, Karnerhofweg 10, 9580 Edd am Faaker See, Österreich. Tel: 0043 (0)4254/2188, Fax: 0043 (0)4254/3630, www.karnerhof.com,
hotel@karnerhof.com
Besonders möchte ich an dieser Stelle die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwähnen, die für jeden Wunsch ein offenes Ohr haben und den Gästen zu jeder Tageszeit ein freundliches Lächeln bei bestmöglich persönlichem Service und höchster Qualität schenken.
Reiseführer:
Polyglott on tour Österreich und speziell für Kärnten den Polyglott on tour Kärnten.
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