Ein Tag unterwegs in Beijing

Reisebericht

Ein Tag unterwegs in Beijing

Reisebericht: Ein Tag unterwegs in Beijing

In Tianjin, wo ich lebte, war nicht viel los. Beijing liegt zum Glueck nur eine gute Stunde mit dem Zug entfernt. Daher nutzte ich hin und wieder die Ausfluechte, um durch die grosse Stadt zu bummeln.
Am Bahnhof angekommen, sprang ich stets als erstes in die U-Bahn und schon konnte es los gehen ...

Tiananmen Forbidden City

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China Rail Highspeed

Irgendwie war ich mir sicher, ich hatte Zugtickets für 7.47 Uhr bestellt, Softseater. Als der kurier sie nun lieferte, war es für den 9.44 uhr Zug, Hardseater. That’s China. Ich nehme also Zähneknirschend die Fahrkarte an mich. Was sollte ich mich nun beschweren? Dann wuerde ich morgen wieder auf den Kurier warten müssen, der stets kam, wann er es für richtig hielt. Und das konnte auch schon mal um 0.00 Uhr sein. Im Grunde war es egal, ich hatte ja keine Termine.
Vom Tianjin’s klapprigen Temporären Bahnhof mit seinem Blechhütten-Charme ging es dann mit dem modernsten Zug, den die chinesische Eisenbahn zu bieten hatte, nach Nordwesten, in die Hauptstadt. Vor etwa einem Jahr wurde in China das Programm „China Rail Highspeed“ gestartet. Es verband die größten Städte des Landes mit neuen Hochgeschwindigkeitszügen. So hatte man etwa deutsche ICE oder französische TGV eingekauft. Auf meiner Strecke verkehrte dagegen ein abgewandelter japanischer Shinkansen. Derzeit brauchte er noch 1:10 Stunden fuer die Strecke, doch schon im Sommer diesen Jahres würde die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke in Betrieb gehen. Da über 80 % der Strecke aufgeständert auf Viadukten und Brauecken verlief, wurde sie als „Hochbahn“ bezeichnet. Das implizierte im Chinesischen eine Art S-Bahnverbindung zwischen beiden Städten, war jedoch ein wenig übertrieben. Vorbei führen wir zuerst am neuen Hauptbahnhof in Tianjin, bei dessen Anblick ich mich einmal mehr wunderte, wie dieser innerhalb von einem halben Jahr bis zu den Olympischen Spielen noch fertig werden sollte. Das gleiche fragte ich mich, beim Anblick des neuen Südbahnhofes in Beijing. Und ich fragte mich auch, warum man erst eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke über 150 Kilometer baute, um 40 Minuten Fahrzeit zu sparen, wenn man dann den Zug im Südbahnhof am Rande der Stadt enden ließ, wo man noch einmal 20 bis 30 Minuten ins Stadtzentrum unterwegs sein würde ...



Beijing Metro

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Metrofahrt und Stadtmodell

Noch kamen die Reisenden am Hauptbahnhof in Beijing an. Hier hielt die Linie 2 der U-Bahn Beijing, die Ringlinie. Das war Hightech. Das war Russland. Das waren die 1960er Jahre. Der Bau der ersten Linie war 1965 nach sowjetischen Vorbildern begonnen worden und noch immer sah man ihr dieses Vorbild an. Immerhin waren die Bahnsteige angenehm großzügig gestaltet und auch das Gedrängel, wie etwa in Shanghai, hielt sich in Grenzen.
Die Streckenführung der Linie 2 orientierte sich weitgehend an der zweiten Ringstrasse, für deren Bau die frühere Stadtmauer abgerissen worden war. Derzeit war man dabei, die U-Bahn für die Olympischen Spiele im August 2008 fit zu machen. Elektronische Fahrkarten würden bald die Papiertickets ersetzen, die vor dem Betreten des Bahnsteiges kontrolliert wurden. Zu den vorhandenen fünf Linie sollen in den nächsten Monaten noch drei neue hinzukommen.
Jede Fahrt kostete in Beijing 2 RMB, etwa 20 Eurocent. Mein erstes Ziel führte mich heute Morgen lediglich zwei Stationen weiter, bis Qianmen. Hier am südlichen Ende vom Platz des Himmlischen Friedens lag die „Beijing Planning Exhibition Hall“. Der moderne Bau lag genau gesagt in der Qianmen Dong Dajie und beherbergte wissenswertes über Beijing’s Stadtentwicklung. Leider war bisher nur wenig auf Englisch übersetzt, daher etwa die Ausstellung über den aktuellen Masterplan nur wenig informativ. Beeindruckend jedoch ist auf jeden Fall das Stadtmodell, welches allein schon ein Stockwerk einnimmt.



Beijing Stadtmodell

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Yonghegong - Lama Tempel

Anschließend ging es wieder in die U-Bahn zurück. Den Platz des Himmlischen Friedens – Tiananmen Square – und die verbotene Stadt kannte ich bereits. Von hier aus wären sie jedoch am Mao Mausoleum vorbei zu Fuß zu erreichen. Ich wollte stattdessen in den Norden der Innenstadt, zum Lama Tempel.
Eine Station zurück am Chongwenmen stieg ich daher in die erst im Oktober 2007 eröffnete Linie 5, die die Stadt von Norden nach Süden durchfuhr. Sechs Stationen waren es nur bis zur Station Yonghegong, wo sich der Lama Tempel befand. Schon die Bahnsteiggestaltung verbreitete „Tempel-Atmosphaere“. Bahnhofsarchitektur faszinierte mich ohnehin. Weiter oben enttäuschte dann jedoch die Decifix ähnliche Wandoberfläche der Ausgänge erheblich. Auch die Gestaltung anderer Haltestellen erinnerte mit ihren grellen Farben doch mehr an die 1970er Jahre.
Der Lama Tempel selber war jedoch einen Besuch wert. Auch wenn ich gestehen musste, dass ich schon viele Tempel in China gesehen hatte und sie für mich doch alle sehr ähnlich waren. Ich bezahlte gern die 25 RMB Eintritt und genoss die Anlage.



Yonghegong - Lama Tempel

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CCTV Tower

Nach dem Tempelbesuch hatte ich Hunger. Mit der U-Bahn ging es zurück nach Downtown. Ich stieg an der Station Dengshikou aus. Hier war ich im letzten Jahr mehrfach geschäftlich lang gefahren. Jedoch stets spätabends – daher wollte ich mir die Läden hier einmal am helllichten Tag ansehen
Die Gegen war schön, alles kleine, alte Gebäude. Von hier ließen sie verschiedene Hutongs zu Fuß erkunden. Doch ich fand nichts zu essen. Ich verhedderte mich und lief in eine Richtung, in die ich eigentlich gar nicht wollte. Schließlich fand ich die U-Bahnstation
Naja, viel zu Essen gab es nicht. Dafür einen sehr guten CD Shop und die Möglichkeit, von ihr verschiedene Hutongs – die traditionelle Beijinger Bebauung - zu besuchen. Ich bummelte ziellos umher, bevor ich an der Station Dongsi wieder in die Metro stieg.
Ich entschloss mich, zur Station Guomao zu fahren, das war inklusive Umsteigen in die Linie 1 in Dongan lediglich fünft Stationen entfernt. Hier entstand das CCTV Gebäude des Architekten Rem Koolhaas. Nach Entwürfen des niederländischen Architekten wurde in Höchsttempo an der neuen Zentrale des chinesischen Staatsfernsehens gebaut. Ich fragte mich, wie das 230 Meter hohe Gebäude in 6 Monaten fertig gestellt werden sollte, um rechtzeitig zu den Olympischen Spielen im August seinen Betrieb aufzunehmen. Es konnte sich dabei nur um eine Vorab-Inbetriebnahme oder etwas ähnlichem gehen ... Wie auch immer, das künftige höchste Gebäude Beijings wuchs ein paar Straßen weiter in die Höhe. Der neue Central Business District der Stadt würde hier entstehen.



CCTV Tower

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Architektur

Insgesamt lief ich stets mit den Augen eines Architekten durch Beijing. Und obwohl ich eine starke Brille hatte musste ich feststellen, dass Beijing doch eine ansprechendere Architektur als Shanghai zu bieten hatte. Die Fassaden in Shanghai waren sehr kurzweilig gestaltet und bestanden zumeist aus Glas und Stahl. Die Hochhäuser mussten funkeln und strahlen und vor allem schnell gebaut werden. Innerhalb der inneren Ringstrassen waren in Beijing jedoch keine Hochhäuser - Wolkenkratzer - gestattet. Dies führte dazu, dass nicht ganz so viele, nicht ganz so deutliche Solitäre in der Innenstadt entstanden.
Ich lief die Straße ein Stück entlang, wo das Sofitel Hotel und das Wanda International Plaza stark an Entwürfe des deutschen Architekten Otto Steidle erinnerte, ich aber nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob sie wirklich von stammten, und beendete meine Metro-Tour hier. Ich wartete auf meinen Bekannten, der in der Stadt lebte und zog mit ihm weiter. Weiter nördlich in der Stadt führte er mir einen bombastischen DVD Laden vor. In China gab es keine Ketten, wie Media-Markt oder Saturn – entweder kaufte man CD´s und DVD auf der Straße aus Kartons oder von der Rikscha oder aber man besuchte kleine Läden, wo sie für umgerechnet etwa 50 bis 80 Cent verkauft wurden. Da das chinesische Fernsehen kaum Filme im Originalton zeigte und auch das Kino selten westliche Filme bot, war dies die beste Möglichkeit, wenn man hier lebte, aktuelle Filme zu kucken.



Architektur in Beijing

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Der Abend

Anschließend trafen wir uns am Rande des Barviertels Sanlitun noch im „Rikschaw“. Eine nette Bar, in der man gemütlich Pool spielen konnte und die u.a. einen genialen Chili Hot Dog bot. Wir schlugen das Essen hier jedoch aus und fuhren stattdessen weiter, um thailändischen Hot Pot zu essen. Hot Pot – oder Feuertopf – konnte man am einfachsten als Art Fondue erklären ... wobei es dem nicht ganz gleich kam. Eigentlich eine sehr scharfe Speise, die es meist in mongolischer oder Sichuan Geschmacksrichtung gab. Bei den vielen Taxifahrten verlor ich leider die Orientierung. Als wir abends bei meinem Kumpel daheim ankamen, wusste ich nicht im geringsten, in welchem Stadtteil ich mich befand. Der Zug, den ich für den Rückweg vorgesehen hatte, war längst ohne mich abgefahren. Somit nahm ich gern das Sofa für die Nacht und fuhr erst am nächsten Morgen wieder nach Tianjin.



Tiananmen Forbidden City

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Auf dem Rückweg beeindruckte Beijing einmal mehr durch seine schiere Größe. Das Stadtgebiet war fast annähernd so groß, wie die Fläche Belgiens. Die Fahrt ließ den Eindruck aufkommen, Beijing hatte keine Vororte, die Stadt war einfach nur Stadt. Was natürlich nicht so war, auch Beijing war umgeben von Landkreisen und ländlichen Gebieten. Die Ankunft in Tianjin war dagegen beinahe das Gegenteil – kam der Zug im Bahnhof zum stehen, fragte ich mich jedes Mal, „waren wir etwa schon in der Stadt ... ?“



Eisenbahn

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Kommentare

  • nepalgoods (RP)

    Sehr interessanter Bericht für mich. Ich kenne Beijing seit 1988 und war zuletzt 2005 dort. Tianjin fehlt mir noch.

  • andishitou

    Hallo Freunde,
    ich bin durch Zufall in der Reisecommunity gelandet, da ich Berichte über die Neubaustrecke Tianjin - Beijing gesucht habe. Ich hatte das Glück, bei der Realisiierung dieser Strecke mitzuwirken. Es ist beeindruckend, mit welcher Zielstrebigkeit die Chinesen solche Projekte realisieren. Dabei habe ich in diesem einen Jahr Licht- und Schattenseiten gesehen.
    Dieser Arbeitsaufenthalt hat bleibende Spuren hinterlassen und ich habe viele chinesische Freunde gewonnen.
    Vieles in dem Bericht kann ich bestätigen. Ein Großteil meiner Freizeitaktivitäten habe ich mir durch die Nutzung von Bus, U-Bahn, Eisenbahn sowie durch ausgedehnte Radtouren erschlossen. Ich habe dabei die Gelegenheit genutzt, viele Einheimische kennen zu lernen. Zu den schönsten Erfahrungen gehörte, dass die einfachen Menschen in China sehr aufgeschlossen und freundlich sind. Eine wichtige Erkenntnis war außerdem, dass die Sprache und die chinesischen Zeichen der Zugang zur chinesischen Kultur bedeuten und es mir heute noch Spaß macht mit meinen Freunden in dieser Sprache zu kommunizieren.
    Die Stadt Beijing hat trotz ihrer Größe für mich das gewisse Etwas. Ich habe viele schöne Plätze entdeckt. Im Gegensatz zu Deutschland findet das Leben in China auf der Straße. Die Leute treiben Sport in Parks, abends tanzen sie zu improvisierter Musik, in Teehäusern lassen sie die Seele baumeln, um sich vom allgemeinen Stress zu erholen.
    Ich hatte oft den Eindruck das viele Chinesen glücklich sind, trotz des viel geringeren allgemeinen materiellen Wohlstands.
    Ich hoffe, dass ich bald wieder die Gelegenheit habe in dieses Land zu fliegen.
    Andi Shitou

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