Wasserwandern in Mecklenburg

Reisebericht

Wasserwandern in Mecklenburg

Reisebericht: Wasserwandern in Mecklenburg

Die Mecklenburgische Seenplatte. Da wollte ich schon lange mal hin. Seit Jahren malte ich mir aus, was das dort wohl für ein Erlebnis wäre. Vor meinem inneren Auge erschien stets eine weitläufige, vernetzte Seenlandschaft, eingebettet in herrliche Natur, viel Abenteuer und Genuss. Das wollte ich nun endlich real erleben. Auf einer Solo-Kajaktour im Gebiet des Müritz Nationalpark.

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Mein Tourverlauf



Einleitung

Die Mecklenburgische Seenplatte, ein Relikt der letzten Eiszeit, ist das größte und wird als das schönste Paddelrevier Deutschlands bezeichnet. Manche nennen es auch das Land der tausend Seen, was durchaus keine Übertreibung ist. Die Vernetzung der Gewässer ist dabei derart umfangreich, dass man sowohl von der Ostsee, wie auch von Berlin aus problemlos auf dem Wasserweg in das Gebiet des Müritz Nationalparks gelangt, der das 322 km² große Herzstück der Region darstellt. Hier liegt auch der größte sich vollständig auf deutschem Boden befindende Binnensee, die Müritz, mit ihren 112,6 km² Wasserfläche. Ihr Name leitet sich aus dem Slawischen ab und lässt sich mit "Kleines Meer" übersetzen. Durchaus angemessen, wie ich inzwischen weiß.

Kurzentschlossen war die Entscheidung, in diesem Gebiet eine Kajaktour zu unternehmen. Wohl alles zu kurzfristig für die Paddelkollegen aus meinem Verein. Aber was sollte dagegen sprechen, einfach solo aufzubrechen? Eben nichts. Ich bin ja schließlich ein aufgeschlossener Mensch mit einem Mund zum Kommunizieren und im Seekajak genug Platz für Lesestoff und mein kleines Netbook. Langweilig sollte es mir wirklich nicht werden.
Vorher musste die Tour aber erst einmal geplant werden. Aus logistischen Gründen wollte ich eine möglichst große Rundtour paddeln. So hätte ich keinen Stress mit meinem Auto und dem Bootstransport.
Meine Recherche begann Im Internet. Viele Kanuverleiher bieten auf ihrer Internetseite Tourenvorschläge an, von denen ich mich inspirieren ließ. Ebenfalls interessant ist die Seite www.flussinfo.net, auf die ich hier zur Planung besonders hinweisen möchte.
Gerade zu einer größeren Paddeltour gehört aber auch eine vernünftige Gewässerkarte. Sehr hilfreich war mir hier der wirklich ausführliche Jübermann Touren-Atlas TA6 - Mecklenburg-Vorpommern, dessen Kartenblätter im Maßstab 1:75.000 gehalten sind und zum Beispiel auch die Gewässer-Kilometer enthalten. Dank übersichtlichem DIN A4 - Format war es leicht, mir von den Kartenblättern des auserkorenen Gebietes im Copyshop Farbkopien zu ziehen und jeweils eine Doppelseite wasserdicht einzulaminieren. So konnte der Tourenatlas im Stauraum geschont werden und die einlaminierten Kopien hatte ich immer griffbereit im Gepäcknetz stecken. Zusätzlich machte ich mir sogar die Arbeit und legte Wegpunkte von Kanalein- und -ausfahrten, Campingplätzen, Schleusen und dergleichen für mein GPS an. Manchmal war das unterwegs tatsächlich ganz nützlich.

Noch zu klären blieb der Start- und Zielpunkt der Rundtour. Dort wollte ich am ersten und letzten Tag übernachten und vor allem mein Auto stehen lassen. Da ich mit dem eigenen Kajak anreisen wollte, erhielt ich von dem einen oder anderen Kanuverleiher gleich eine Absage, andere wollten eine extra Parkgebühr berechnen. Dann erinnerte ich mich aber meiner Jugendherbergsmitgliedschaft und wurde schließlich bei der Jugendherberge Mirow fündig. Diese teilen sich ein großzügiges Areal mit der Kanustation Mirow, verfügen über einen Campingplatz und einen schattigen Platz für mein Auto. Perfekt, aber teuer.



13.07.2010

Anfahrt

Ein Hauch von Mark Twain

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Vor jedem Urlaub steht erst einmal die Anreise. In meinem Fall etwa 740 Kilometer mit dem Auto, die ich natürlich zeitig angehen wollte. Mein Gepäck war schon seit ein paar Tagen im Wohnzimmer immer weiter angewachsen, wichtige Dinge, wie Schlafsack und Zelt bereits in wasserdichte Packsäcke, Verpflegung in Plastiktüten und einer elektrischen Kühlbox für die Fahrt verstaut. Der Dachgepäckträger war montiert und ich musste nur noch morgens am Bootshaus unseres Vereins vorbei, um mein Kajak aufzuladen. Allerdings stand mir eine weitere furchtbar warme Nacht bevor und ganz so früh aus dem Bett zu kommen war nicht drin. Nunja, außer der Anreise stand ja für heute eh nichts auf dem Plan.

Als ich schließlich gegen halb acht auf unserem Vereinsgelände ankam, traf ich dann noch einen Vereinskollegen, der sich gerade auf eine kleine Rheintour vorbereitete und mir schnell noch beim Aufladen helfen konnte. Dann konnte es endlich losgehen.

Mit dem Seekajak auf den Ovalbügeln konnte ich natürlich nicht ganz so schnell fahren, aber bis auf einen kleinen Stau rund um Frankfurt kam ich ganz gut voran. Auf einer Autobahntankstelle bei Braunschweig legte ich eine kleine Rast ein und prompt parkte neben mir ein älteres Ehepaar aus dem Odenwald. Fast Nachbarn, wie witzig.

Als ich endlich von der Autobahn abfuhr, war das eine große Erleichterung. Nur noch siebzehn Kilometer sagte mein Navi. Und dann fuhr ich doch tatsächlich an der Einfahrt zur Jugendherberge vorbei. Das Navi sagte noch, dass ich dann gleich abbiegen solle, aber ich realisierte die etwas versteckte Abfahrt zu spät und musste drehen. Fängt ja gut an.

Die eigentliche Jugendherberge war schon weit im Voraus ausgebucht. Größere Kinder- und Jugendgruppen, Berlitz-Sprachcamp, da war Leben. Dafür war der sonnige Campingplatz fast leer. Dort gab es überdachte Holzsitzgruppen, die mir sehr gelegen kamen. Dann kam die Überraschung: Als ich ein paar Tage zuvor abends beim Probepacken probieren wollte, wie gut der wasserdichte Packsack den Zeltbeutel aufnahm, hatte ich doch glatt, ohne näher hinzuschauen, das falsche Zelt gegriffen und gleich im Packsack belassen! Nun hatte ich mein kleinstes und am wenigsten belüftetes Zelt dabei, statt des komfortablen Ultralightzeltes. Sehr ärgerlich, aber die beiden Packsäcke waren im Halbdunkel des Flurs, wo sich die Schränke mit meiner Ausrüstung befinden, halt fast identisch und ich hatte das Zelt vor der Abfahrt nicht mehr beachtet. Hätte ich bloß das Licht angemacht, oder danach noch mal den Packsack kontrolliert, aber man lernt nie aus.

Nachdem mein Auto ausgeladen und geparkt war, wollte ich mir den Anleger der Jugendherberge anschauen. Das Boot sollte direkt oben am Zeltplatz beladen und dann mit dem Bootswagen zum Anleger gerollt werden. Allerdings schaute ich da die Stufen einer Steintreppe entlang den Hang hinunter. Dort das voll beladene Kajak hinunter zu bugsieren begeisterte mich nicht gerade. Der Anleger selbst entpuppte sich als leicht schwankendes, flach im Wasser liegendes Ponton. Hier konnte man das Kajak immerhin problemlos ins Wasser schieben.

Vor dem Anleger lag ein kleines Floß mit kleinem Außenbordermotor und einfachem Kabinenaufbau. Auf dem Vordeck lümmelten zwei junge Berliner in ihren Deckchairs herum und genossen den Tag. Irgendwie musste ich bei dem Anblick an den Mississippi und Huckleberry Finn denken. Es gibt übrigens verschiedene Anbieter in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, bei denen man Flöße in unterschiedlichen Größen für seinen Urlaub mieten kann. Ein Hauch von Mark Twain.


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Kommentare

  • Schoena

    War richtig schön, diesen Bericht zu lesen und auch einiges Neues über ein Gebiet zu erfahren, dass ich glaube, recht gut zu kennen. Auch südlich des hier beschriebenen Gebietes gibt es noch viele schöne kleinere Seen und Wasserstraßen.

  • shootingstar

    hallo Kongo,
    toller Bericht, gerade was mir noch fehlte um das endlich mal anzugehen. Habe leider nur ein aufblasbares Kajak, meinst du, das ginge auch ???
    LG Claudia

  • Kongo

    Hallo und danke für das Lob!
    Claudia, wenn man mal bedenkt, dass es gerade in diesem Revier viele Paddler mit Faltbooten gibt, dann sollte man davon ausgehen, dass ein Luftkajak auch funktioniert. Zumindest, wenn es sich bei dem Material nicht um dünnes PVC, wie es bei billigen Luftmatrazen zu finden ist, handelt. Aber Achtung, ggf. geringerer Tiefgang könnte zu erhöhter Windanfälligkeit auf größeren Seen führen.

    LG
    Kongo

  • shootingstar

    Hallo Kongo
    Das hört sich ja gut an für mich, denn mein Boot ist von stabiler Qualität. Danke für die Antwort und die Warnung. LG Claudia

  • Knurrhahn

    Hallo Kongo,
    das ist ein sehr kurzweiliger,interessanter Reisebericht.Er ladet ein zum "Nachfahren".
    Ahoi
    Knurrhahn

  • Kongo

    Hallo Knurrhahn,
    danke! Der Name kommt mir übrigens bekannt vor. Das Nachpaddeln kann ich nur empfehlen. Landschaftlich sehr nett und man begegnet einer bunten Schar von Menschen.

    Ahoi von Kongo

  • JorgePe

    Hallo Kongo,
    toller Bericht. Bin gerade dabei eine Tour nach McPomm auf die Platte zu planen. Nach dem ich Deinen Bericht gelesen habe, hat sich dass mit der Planerei erledigt.
    Was würdest du anders machen wenn Du die Tour noch mal machen würdest bzw. welche Tipps könntest Du uns geben? War Dein Kajak das richtige für die Tour?(Seayak classic, oder?).
    Danke, JorgePe

  • nach oben nach oben scrollen
  • Kongo

    Hallo JorgePe,

    erst einmal vielen Dank für Deinen Kommentar zu meinem Reisebericht. Mein Kajak ist ein älteres Modell des Prijon Seayak. Ich liebe das Boot eh, also würde ich darüber wohl nicht viel Negatives berichten. Gerade für Gepäckfahrten hat man in Bug und Heck halt auch super Stauraum und es läuft voll geladen noch relativ schnell. Wenn ich mich recht erinnere, dann gab es einzig zu Beginn der Schwanhavel ein, zwei enge Biegungen, wo ich mit dem doch verhältnismäßig langen Boot etwas langsam machen musste, aber alles in allem war es für die Tour gut geeignet.

    Was würde ich anders machen? Nun, ich würde vielleicht nochmal auf die Müritz paddeln, dann aber eventuell nur noch bis zum Bolter Ufer. Die Müritz hoch hat nämlich nicht mehr unbedingt etwas mit Genusspaddeln zu tun. Sie ist halt ein Großgewässer mit einigem Sportboot- und Ausflugsschiffverkehr, kann aber auch eine Herausforderung sein. Eventuell würde ich die Runde in Richtung Kratzeburg verlegen, also nach dem Jäthensee nicht gleich den Shuttleservice nutzen, sondern in Richtung Käbelick-See paddeln. Am Ostufer gibt es dort einen Campingplatz. Von dort wieder runter bis zum Anleger, den Shuttle zum Leppinsee und ggf. über die Alte Fahrt nochmal ans Bolter Ufer. Man könnte von dem Campingplatz aus mit dem Schiff (Weiße Flotte) einen Ausflug nach Waren machen, paddelnd eine Müritzrunde drehen, oder in südlicher Richtung über die Müritz-Havel-Wasserstraße zurück. Allerdings, wie der Name schon sagt, ist das eine Wasserstraße. Der landschaftlich schönste Weg geht definitiv über die Alte Fahrt wieder zurück und von dort runter nach Mirow.

    Ach ja, die Jugendherberge in Mirow war auch für Camper soo billig nicht. Die JH und die Kanustation Mirow teilen sich ein Ufer und liegen direkt nebeneinander. Sie teilen sich also auch eine Zufahrtsstraße und die äußeren Parkplätze, direkt unterhalb der Landstraße, wo auch ich geparkt hatte. Meine erste Anfrage, auch wegen meines Autos, ging an die Kanustation, aber die hätten mir doch tatsächlich Parkgebühren nach Tagessatz berechnet. Ich würde dort wohl erst garnicht mehr mein Auto erwähnen, sondern einen Zeltplatz buchen, anfahren, abladen, Auto draußen parken und meinen Urlaub beginnen. Die können doch garnicht überblicken, welches Auto zu ihnen und welches zur JH gehört, die für den selben Platz nunmal nichts von mir verlangt hat.
    Von der Kanustation hat man über einen kleinen Strand übrigens einen erheblich besseren Zugang zum Ufer, als wenn man von der JH aus einbooten möchte.

    Viel Spass und schönes Wetter bei Deiner Tour.

    LG
    Kongo

  • JorgePe

    Hallo Kongo,

    vielen Dank für die Tipps. Die Befahrung der Müritz stellen wir erst einmal hinten an. Wenn es schlechtes Wetter ist, dann hätten wir sowieso ein Problem. Keiner von uns ist so fit beim Kajakfahren um gefahrlos bei Wind und Wetter die Müritz zu umrunden. Wir beschränken jetzt mal auf die "kleineren" Seen und hoffen, dass nicht soviel Paddler unterwegs sind. Nach allem was ich gelesen habe wäre es Mitte September, in welcher wir fahren wollen, die beste Zeit um dort zu paddeln.

    Vielen Dank für deine Antwort,

    Gruß, JorgePe

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