Äthiopien – magischer Diamant am Horn von Afrika - Teil 2: Der Süden

Reisebericht

Äthiopien – magischer Diamant am Horn von Afrika - Teil 2: Der Süden

Reisebericht: Äthiopien – magischer Diamant am Horn von Afrika  - Teil 2: Der Süden

Dreiwöchige Studienreise in den christlichen Norden und ethnischen Süden
14. November bis 5. Dezember 2009
Teil 2 – Der Süden
Im Geländewagen in den äußersten Südwesten des Landes zum "Museum der Völker". Stämme, die teilweise wohl vor 40 Jahren noch nicht gewußt haben, dass außer ihnen noch jemand existiert. Bis heute leben sie so traditionell und authentisch wie eh und je.

Ab in den Süden

Das typische Bild in Äthiopien

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Am zeitigen Vormittag des 10. Reisetages geht es mit der uns inzwischen bereits vertrauten Fokker 50 zurück nach Addis Abeba – der zweite Teil unserer Exkursion kann beginnen. Der schon auf uns wartende Toyota-Landcruiser mit Schnorchel-Auspuffrohr in Dachhöhe erzeugt unmittelbar das Gefühl von Abenteuer, wenngleich Jeremy, unser Fahrer, Sicherheit und Souveränität ausstrahlt. Das Gepäck wird eingeladen – und los geht’s in den touristisch noch wesentlich weniger erschlossenen Süden dieses wirklich großen, relativ dünn besiedelten und äußerst vielfältigen Landes, dreimal so groß wie Deutschland und in weiten Teilen aus Gebirge bestehend, dem nördlichen Teil des ostafrikanischen Grabenbruchs.
Nachdem wir die Industrie- und Gewerbezonen im Süden von Addis Abeba hinter uns gelassen haben, geht es auf guter Asphaltstraße übergangslos hinein in eine ländlich geprägte Savannenlandschaft mit Lehmhütten, Euphorbien-Hecken zum Schutz der Gehöfte, Viehherden und Eselsgespannen auf dem Weg zu den Trinkwasserstationen. Nach etwa 200 km erreichen wir unser Ziel, den Langano-See. Direkt am Ufer beziehen wir in der weitläufigen Lodge unsere Bungalows. Nachts werde ich vom typischen Grunzen der Flußpferde geweckt, die sich im hohen Sodagehalt des Seewassers sichtlich wohl fühlen.
Leider bleibt keine Zeit zum Verweilen an diesem stimmungsvollen See. Es liegt noch eine weite Fahrtstrecke vor uns. Also geht es weiter im ostafrikanischen Graben. In Shashemene, dem ersten größeren Ort am heutigen Tag mit 8000 Einwohnern machen wir einen kurzen Halt und erfahren, dass hier die meisten der in den sechziger und siebziger Jahren aus Jamaika eingewanderten Rastafaris leben.
Wir verlassen die intakte Savanne und fahren hinein in eine verwüstet wirkende Landschaft mit viel Staub und Gestrüpp. Die früheren Akazienwälder wurden abgeholzt, um Land für Ackerbau zu gewinnen.



Gebirgslandschaft des Riftvalleys im Süden

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Der gebirgige grüne Süden...

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Langsam, aber stetig geht es eine gute Schotterstraße hinauf in die immer grüner werdenden Berge des Rift Valleys, bis wir auf 3.200 m Höhe das Dorf Chencha erreichen. Seine Bewohner vom Volk der Dorze waren einst als Krieger berühmt. Heute sind sie sesshafte Ackerbauern und leben in einzigartigen, aus Bambus geflochtenen, bis zu 10 m hohen Hütten, die wie überdimensionale Bienenkörbe aussehen.



Bienenkorbhäuser der Chencha im südlichen...

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Lake Abaya und Lake Chamo bei...

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Durch herrliche, saftig grüne Landschaft führt uns der Weg auf Serpentinen wieder bergab zur Provinzhauptstadt Arba Minch mit ihrer einmaligen Lage: Auf drei Seiten ist die südlichste Universitätsstadt Äthiopiens von hohen Berghängen in facettenreichem Grün umgeben.
Unser Hotel für diese Nacht liegt auf einer Anhöhe mit fantastischem Blick auf die beiden Seen Abaya und Chamo, nur getrennt durch eine schmale Landbrücke mit dem Nechisar-Nationalpark, unserem nächsten Ziel. Am beeindruckendsten ist die Zufahrt zum 1974 gegründeten Park.



Gar nicht scheue Zebras im...

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Über ausgespültes Lavagestein und Felsabstufungen arbeiten wir uns über die Götterbrücke im steilen Gelände hinauf zu einer weiten Ebene mit weißem Gras, das dem Park seinen Namen gab: Nechi Sar. Außer gar nicht scheuen Zebras treffen wir hier kaum Tiere an, von ein paar Gazellen, Affen und Marabus einmal abgesehen. Die für Afrika so typische Fauna mit Großkatzen, Elefanten und Giraffen gibt es hier nicht mehr. Ausgerottet und vertrieben von Nutzland suchenden Siedlern. Das ist auch der Grund für die nicht ständig in Flucht begriffenen Zebras: die natürlichen Feinde fehlen.



Fischer auf dem Lake Chamo...

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Umso abenteuerlicher ist die nachmittägliche Bootsfahrt auf dem Lake Chamo. Er ist voll von Flußpferden, riesigen Krokodilen und unzähligen Pelikanen. Und mittendrin Fischer vom Stamm der Gudji, die völlig angstfrei zu sein scheinen.



Auf dem Lake Chamo bei Arba Minch im Süden Äthi...

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Der Weg zu den Naturvölkern

Angekommen im Museum der Völker...

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Die Piste führt zuerst durch intensiv landwirtschaftlich genutztes Flachland, einem ehemaligen Seeboden, bis wir nach etwa zwei Stunden ein Dorf mit einem Marktplatz erreichen, der unsere volle Aufmerksamkeit weckt. Nach zwei Wochen im vergleichsweise sehr zivilisierten Nordteil Äthiopiens sind wir angekommen in einer völlig anderen Welt.



Ari-Frau im Süden Äthiopiens in...

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Mit Glasperlen und Kauri-Muscheln geschmückt hocken die Einheimischen unter hohen Bäumen auf der Erde, nur bekleidet mit bunten Lendenschürzen oder Ziegenlederhäuten. Allerdings haben wir heute noch einen weiten Weg vor uns und können leider nicht lange verweilen.



Ari-Frau

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Konso-Frau im südlichen...

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Kurze Zeit später erreichen wir, wieder im Bergland des Grabenbruchs, das Siedlungsgebiet der Konso, einer großen Ethnie, die berühmt ist für ihren kunstvollen Terrassenanbau an steilen Berghängen. Frauen in weiten bunt-gestreiften Röcken schleppen tiefgebückt, wie überall im Land, Brennholz oder die Erträge ihrer Felder.



Jahrhundertealtes Konso--Dorf im Süden Äthiopiens

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Konso-Frau beim Holzholen

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Sie wohnen in uralten Dorfgemeinschaften, streng aufgeteilt nach Clans mit Generationenbäumen und den berühmten geschnitzten Grabstelen. Hier sind wir durch das faszinierendste Dorf unserer gesamten Reise gewandert. Dicht besiedelt und vollkommen intakt, mit Fußwegen zwischen den reetgedeckten Gehöften, kunstvoll eingefriedet durch uralte knorrige Wacholderwurzeln. Zentraler Mittelpunkt ist ein Platz mit Gemeinschaftshaus, Ahnenbäumen und Basaltsäulen, die für Sieg oder Niederlage nach kriegerischen Auseinandersetzungen stehen.



Ahnenbäume, Basaltsäulen, die Siege und...

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Hochland im südlichen...

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Ab jetzt geht es stetig bergab durch Täler und Furten nach Westen in eine sehr heiße Ebene, kaum besiedelt, nur ein paar Rundhütten in Sichtnähe. Äußerst schlanke, hochgewachsene und reich geschmückte Viehhirten der Aari und Benna am Straßenrand verleiten uns stets aufs Neue zum Fotografieren. Weiß bemalte Buben auf Stelzen warten nur darauf, gegen ein bisschen Kleingeld geknipst zu werden. Weitere Indizien dafür, dass wir angekommen sind bei den Ethnien im äußersten Südwesten Äthiopiens.



Ankunft im Museum der Völker

Jinka, Provinzstädtchen Süden,...

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Ein langer Reisetag mit vielen aufregenden Begegnungen geht zu Ende, als wir im südlichen Hochland, auf 1800 m Höhe, die kleine Provinzstadt Jinka erreichen. Wir lassen es uns nicht nehmen, noch einen Rundgang über den bunten und lebendigen Markt zu machen und sehen die ersten Tellerlippenfrauen vom Stamm der Mursi.



Jinka

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Auf dem Weg zu den Mursi

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Frühmorgens starten wir zu unserem Besuch bei dem kleinen, aus weniger als 4000 Menschen bestehenden, Volksstamm der Mursi. Es ist, als würden wir die Zivilisation verlassen, nachdem wir etwas außerhalb von Jinka einen Fluß durchqueren. Bald erreichen wir in einem lichten Hochwald den Checkpoint zum Mago-Nationalpark. Die Bezeichnung ist vielsprechend. Allerdings ist das Gebiet nur eine riesige geschützte Waldlandschaft, die von bergigen Höhenzügen hinab führt ins Flachland des Omo-Flusses. Großtiere gibt es auch hier schon lange nicht mehr. Immer tiefer geht es hinein in den Busch, bis wir nach zwei Stunden das anvisierte Mursi-Dorf erreichen. Als eine der wenigen Ethnien leben sie noch völlig traditionell als Halbnomaden in einfachen Grashütten, die aussehen wie grüne Iglus, und ernähren sich hauptsächlich vom frischen Blut und der Milch ihrer Kühe und bauen auf den kargen Böden etwas Getreide an.



Mursi Dorf im Omo-River-Gebiet

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Mursi-Frau

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Jetzt fühlen wir uns wirklich wie in einer anderen Welt: Teilweise riesige Lippenteller in den Unterlippen von in Leder und bunte Stoffe gehüllten, hochgewachsenen Frauen kommen uns entgegen und verbreiten ein eigenartiges Gefühl. Bis zu 15 cm Durchmesser haben die bemalten, mit Mustern dekorierten runden Tonteller und stecken in den aufgeschnittenen und mühsam gedehnten Unterlippen.



Bei den Mursi

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Mursi-Frau

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Mursi-Frau

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Die schräg stehenden, schmalen Augen verstärken zusätzlich den strengen Gesichtsausdruck. Heutzutage sind die Lippenteller zum Schönheitsideal mutiert, doch in früheren Zeiten waren sie Abschreckung gegen kriegerische Angriffe feindlicher Stämme.



Mursi-Frau

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Bei den Mursi

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Auffällig sind zudem kunstvoll in die tiefbraune Haut geritzte Schmucknarben an verschiedenen Stellen der schlanken Körper sowie äußerst fantasievoller Kopfschmuck aus Tierhörnern, Flechtwerk oder einem kreativ arrangierten Sammelsurium aus Metallteilen und anderen Relikten der Zivilisation.



Bei den Mursi

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Mursi-Mann

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Die Männer, oft am ganzen Körper rituell weiß bemalt, stellen sich lässig in Szene. Nachdem es schon lange kein Großwild mehr zu jagen gibt, ist der Obulus für geschossene Fotos eine wichtige Einkommensquelle bzw. um an Bargeld zu kommen.



Mursi

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Markt in Jinka

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Auf dem gleichen Weg durch den Wald geht es zurück nach Jinka, wo wir nachmittags nochmals über den Markt schlendern und etwas abseits den Viehmarkt entdecken mit zahlreichen unterschiedlichen Rindern und das lautstarke Handeln beobachten.



Ruhepause auf dem Markt in Jinka

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Die Hauptverbindung nach Turmi,...

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Nur über eine ausgewaschene Sandpiste, die eher an ein trockenes Flußbett erinnert und tiefe Furten durch reißende Flüsse, immerhin begleitet von lichter Savannenlandschaft mit imposanten Schirmakazien, erreichen wir Turmi, einen kleinen Ort nahe der kenianischen Grenze.



Alle sind immer irgendwie unterwegs. Irgendwo...

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Hamar-Frau mit ihrem Kind auf dem Weg nach Turmi

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Die Hamer-Frauen, für ihre Schönheit berühmt.

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Menschen, wie von einem anderen Stern

Hamar-Frauen

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Wir sind mitten im Siedlungsgebiet der Hamer mit etwa 40.000 Mitgliedern angekommen. Sogleich machen wir Bekanntschaft mit diesem äußerst imposanten Volk, das weitverzweigt in angestammten Dörfern siedelt, größtenteils unbeeinflußt von der modernen Zivilisation. Sie sind Analphabeten und leben als Animisten mit ihren Naturgöttern in friedlicher Eintracht. Ich zwicke mich am Arm, glaube zu träumen, vermute mich zurückversetzt in die Steinzeit: Dutzende von braunen, ölig-glänzenden Gestalten kommen uns zügigen Schrittes entgegen.



Die Hamar - auf dem Rückweg vom Bulljumping

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Hamar-Frau, die Erstfrau, am...

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Die meist sehr kleinen, für ihre Schönheit und Anmut berühmten Frauen, tragen Glasperlen-bestickte Ziegenhäute, viel auffälligen symbolischen Schmuck um den Hals, die pagenkopfkurzen Haare zu fettigen Würstchen gezwirbelt und beobachten uns scheu zurückhaltend, aber doch neugierig. Hochgewachsene schlanke Männer mit knappen Lendenschürzen, plakativem Halsschmuck, die Haare mit farbiger Erde zu einer Kappe geformt und durch eine schwarze Quaste auf der Stirn imposant dekoriert, betrachten uns ernst mit undurchdringlichem Blick - die obligatorische Kalaschnikoff eindrucksvoll über die Schulter gelegt.



Hamar-Frau - der Ruf der Schönheit eilt ihnen...

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Ein Hamer in Turmi

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Die gesamte Gruppe ist auf dem Rückweg vom traditionellen Bullensprung, einer Mutprobe und Initiationsritual für junge Männer. Leider sind wir zu spät, um diesem einmaligen Erlebnis beizuwohnen



Das Gewehr - mehr Statussymbol...

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Karo-Dorf über dem Omo-Fluß

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In diesem südwestlichsten Teil Äthiopiens scheinen sich tatsächlich sehr unterschiedliche Völker mit ihren herkömmlichen Lebensweisen bis in die heutige Zeit erhalten zu haben, die alle der omotischen Sprachgrupe des südlichen Hochlands angehören, wie die Mursi, Hamer, Karo, Surma und Erbore. So geht es auch am nächsten Morgen erneut in die Wildnis hinaus zu einem weiteren Volksstamm. Über einen kaum erkennbaren Fahrweg durch sandiges Gelände, vorbei an Termitenhügeln und fedrigen Schirmakazien erreichen wir nach zwei mühsamen Stunden, hoch über dem Omo-Fluß, ein Dorf der Karo.



Der Omo-River im Südwesten Äthiopiens

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Nur etwa 3000 Menschen zählt diese Ethnie, die als Ackerbauern und Viehzüchter die fruchtbaren Uferzonen des Omo nutzen. Auch sie sind Schmuck-Fanatiker und verarbeiten alles, um sich und ihre Körper zu verschönern. Selbst alte Schlüssel und Uhrbänder sowie wie Blüten, Blätter und Maiskolben. Zusätzlich verbringen die Männer täglich Stunden zur rituellen Bemalung ihrer Körper. Nachdem wir den herrlichen Ausblick auf den dunkelbraun schimmernden Omo-Fluß und das dahinter aufragende Gebirge genossen haben, führt uns der gleiche Fahrweg zurück nach Turmi.



Ein Karo mit den typischen Statussymbolen

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Ein Karo-Junge in voller ritueller Bemalung hoc...

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Die Hauptstraße in Turmi

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Hier haben wir nun Gelegenheit, uns im Marktgeschehen der Hamer auf dem sandigen Dorfplatz treiben zu lassen. Auffällig ist, dass kaum Obst und Gemüse verkauft wird, dafür mehr Tabak, Getreide und Kaffeeschalen. Ein Zeichen dafür, dass sich auch die Hamer hauptsächlich von Rinderblut und Milch ernähren. Allerdings ist auch nicht zu übersehen, dass selbstgebrauter Alkohol zahlreiche Abnehmer findet. Und so ist es ratsam, stets wachsam zu sein, denn die friedliche Stimmung kann sehr schnell in Aggressivität umschlagen.



Auf dem Hamer-Markt in Turmi

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Kurz vor Sonnenuntergang erwartet uns noch ein ganz außergewöhnliches Erlebnis: Wir wandern in ein Hamer-Dorf mit zahlreichen einfachen Rundhütten, etwa 20 min. außerhalb von Turmi und erleben einen herrlichen Sonnenuntergang. Ausnahmsweise dürfen wir teilhaben am Tanz junger Burschen, die mit Singen, Stampfen und Gestikulieren um Mädchen buhlen, die gegenüber stehen und erst einmal unbeeindruckt scheinen, später aber doch dem Werben nachgeben und mittanzen. Immer rhythmischer, ekstatischer, erotischer wird es und endet schlagartig, ganz abrupt. Mit Gekreische rennen die Mädchen davon – wir folgen ihnen sofort und sehen im Halbdunkel der aufziehenden Nacht, wie sie sich als Mutprobe ihre nackten Rücken von Burschen aus dem Nachbarort mit Weidenruten auspeitschen lassen. Nach ein paar Minuten ist der Spuk zu Ende – nur noch die Stille der afrikanischen Nacht….



Hamer beim Tanzen in ihrem Dorf

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Ab jetzt geht’s nur zurück

Bei den Erbore im heißen...

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Nur, wenn es nicht geregnet hat, können wir die Route nehmen, die uns zum Volk der Erbore führt. Ansonsten kann der reißende Cascade-Fluß über die tiefe Furt nicht überquert werden. Doch das Glück ist auf unserer Seite und so fahren wir auf einer kaum befahrenen Piste durch zauberhafte Flußtäler mit hoch aufragenden Bergen. Nach einiger Zeit erreichen wir die Ebene des trockenen Stefanie-Salzsees, wo auch bald schon die Papyrus-Hütten der Erbore im heißen Flachland auftauchen. Wieder ein Volksstamm vollkommen abseits der Zivilisation. Und wieder ein ganz anderer Typus Mensch. Meist groß gewachsen, tiefschwarz mit stark negroiden Zügen. Aber auch sie sind mit zahlreichen Glasperlen geschmückt, die Männer außerdem mit Federn und kunstvoll gepunkteter Bemalung. Diese wüstenähnliche Gegend wird im Abstand einiger Jahre von großen Dürreperioden heimgesucht – ein Überleben ist nur durch Hilfslieferungen zu gewährleisten.



Junge Erbore in vollem Schmuck

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Bei denBorana-Oromo südlich von...

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Eine ganze Weile fahren wir Richtung Norden durch Baumwollplantagen und Sorghum-Felder auf dem flachen Boden des ehemaligen Sees, der von den Bergen des Rift-Valleys umgeben ist. Wir passieren wiederum das fruchtbare Gebiet der Konso und fahren weiter nach Osten bis Yabelo an der Hauptstraße Richtung Kenia. Hier im Kernland der Borana-Oromo sehen wir große Kamelherden durch die sandige Savannen-Landschaft ziehen, fahren durch Dörfer mit grasbedeckten Lehmhäusern und Moscheen. Ein Zeichen, daß die Bevölkerung hier hauptsächlich moslemisch ist. Auffällig sind außerdem die Frauen mit ihren wallenden stoffreichen Kleidern in grellen Farben. Schöne Farbtupfer in der eintönigen Graslandschaft.



Borana-Oromo-Frauen in ihren farbigen Kleidern

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Der Elsod-Krater mit Sodaseee

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Wir halten am Elsod-Krater, einem erloschenen Vulkan und steigen 300 Höhenmeter hinab, um zu beobachten, wie ausgemergelte Männer in archaischer Arbeitsweise salzhaltigen Schlamm aus dem Kratersee holen, der dann in getrockneter Form als Viehsalz Verwendung findet. Ein weiteres Ziel sind die „Singenden Brunnen“. Hier wird aus den Tiefen eines Brunnenschachts Wasser geschöpft, über Rampen singenderweise nach oben gehievt und damit Viehtränken mit Wasser gefüllt.



Rinderherden - der ganze Stolz

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Kaffee-Produktion im südlichen...

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Ab jetzt führt uns unsere Route nur noch nach Norden, zurück Richtung Addis Abeba. Zuerst durch tropisches Bergland mit Ananasfeldern, Bananenplantagen und Kaffeesträuchern. Es wirkt hier wesentlich wohlhabender, als in vielen anderen Gebieten, die wir gesehen haben. Geräumige Hütten, geschnitzte Türen und Fensterläden sowie gepflegte Vorgärten mit Zierpflanzen inmitten der üppigen Vegetation. Sehr wohltuend für unser Auge. Riesige Kaffeetrocknungsanlagen entlang der Straße bestätigen zudem, dass Kaffee das Hauptexportgut von Äthiopien ist.



Der tropische Süden Äthiopiens - Ananas-und Kaf...

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Fischverarbeitung an Ort und...

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Nach einer weiteren Nacht in der wirklich gemütlichen Lodge am Langano-See beginnt unser letzter Tag in Äthiopien. Am Zway-See, schon in Reichweite von Addis Adeba, machen wir einen letzten Stopp. Dutzende Marabus stolzieren hier im seichten Wasser der Ufergefielde und warten auf die Karkassen verarbeiteter Fische. In großen Mengen wird am Ufer Pangasius zu Filet verarbeitet, nicht weit davon Wäsche und ein Fahrrad gewaschen, ein Pferd mit Kutsche in den See geführt. Entspannt, immer mit einem Lächeln für uns, geht jeder seiner Tätigkeit am Wasser nach - die Marabus völlig ungeniert mittendrin. Nur ungern verlassen wir diesen friedlichen Ort.
In Addis Abeba angekommen, müssen zuerst dringend notwendige Besorgungen getätigt werden: CDs und Bücher kaufen, nach weiteren Souvenirs Ausschau halten und nochmal einen starken äthiopischen Kaffee schlürfen. Unseren letzten Abend in Äthiopien verbringen wir in einem sehr gepflegten Lokal, wo uns zum letztenmal das Nationalgericht Injeera serviert wird, ein saurer Fladen mit scharfen Soßen, Gemüse und Fleisch, und wir mit einem musikalischen Folkoreprogramm unterhalten werden.
Verabschiedung von unserem sympathischen, souverän fahrenden Chauffeur Jeremy und unserem sehr qualifizierten Reisebegleiter Brook, der uns drei Wochen mit Leidenschaft und großem Engagement durch sein Land führte.
Äthiopien – adieu! Du bleibst ein nachhaltig beeindruckendes Land!



Die Wirkung der Uniform - Wachpersonal in Yabelo

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Anmerkung: wir waren eine 3-Personen-Kleingruppe und begaben uns organisiert auf diese Tour. Unangenehme Begegnungen oder sogar Überfälle blieben uns dadurch womöglich erspart. Außerdem konnte in der, trotz drei Wochen, knappen Zeit das absolute Maximum besucht und gesehen werden.




Abendstimmung am Langano-See

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Kommentare

  • windweit

    Hallo anna.laselva,
    gut geschrieben, Deine beiden Berichte.
    Insbesondere zum Besuch des Südens würde mich interessieren, wie die besuchten Leute auf Dich und Deine Reisegruppe reagiert haben.
    Viele Grüsse,
    Gabi

  • Zeitreisende

    Das Lesen der beiden Berichte war sehr interessant. Schade, dass es schon vorbei ist !!!! LG Zeitreisende

  • anna.laselva

    Hallo Gabi,
    danke für Deinen Kommentar.
    Also, generell waren die Menschen im Süden zurückhaltend höflich bis freundlch. Teilweise aber schon irgendwie unberechenbar und wir waren entsprechend zurückhaltend und vorsichtig, insbesondere bei denjenigen, die wir auf freier Strecke angetroffen haben. Dann sind wir ja noch gezielt in Mursi- Karo-, Hamer- und Erbore -Dörfer gegangen bzw. gefahren. Dort war es ähnlich, allerdings warteten die dort auf Touris, die gegen 2 Birr ein Foto machen durften. Ist ja auch in Ordnung, da dies ein Teil ihres Einkommens ist, auch, um auf den Märkten einkaufen zu können (leider allerdings auch Alkohol). Aber unser Reiseleiter hat stets zur Vorsicht gemahnt, dass die Stimmung sehr schnell umschlagen kann....
    LG Gisela

  • trollbaby

    Hallo Gisela!
    Auch Teil 2 Deiner Äthiopien-Reise war wahnsinnig beeindruckend zu lesen! Der Besuch der verschiedenen Dörfer muss unvergesslich sein! Vielen Dank, dass Du uns an dieser faszinierenden Reise hast teilhaben lassen!
    LG Susi

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