Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: Raus aus dem Winter, rein in die Karibik! Ein Segeltörn vor Süd-Belize
Raus aus dem Wintergrau und rein in die Karibik: 28 Grad und Sonne, über das blaue Wasser segeln, einsame tropische Inselchen erkunden. Und das in einem Revier, wo es kaum Segelboote und keine überfüllten Häfen gibt. Wer das haben will, der sollte es mal mit einem Segeltörn in Belize probieren!
Auf geht’s
Während der Anreise gingen mir tausend Fragen durch den Kopf: Wie werden wir die Klimaumstellung vom winterlichen Deutschland ins tropisch feucht-heiße Belize verkraften? Werden uns auf dem Wasser irgendwelche tropischen Mücken quälen, brauchen wir zum Schlafen ein Moskito-Netz? Kann man immer im T-Shirt segeln oder werden wir auch Ölzeug und Pullover anziehen müssen? Wie werden wir uns auf dem engen Boot vertragen, 6 Personen rund um die Uhr auf ein paar Quadratmetern, darunter ein uns unbekannter einheimischer Captain? Wie sollen wir das mit dem gemeinsamen Essen machen, wenn drei von sechs Personen Vegetarier sind? Was wird der Captain sagen, wenn er nur Gemüse zu essen bekommt?
Aber dann geht alles ganz schnell: Ab 12:00 Uhr haben wir das Boot gechartert, um 12:00 Uhr liegt das Boot fertig da, unser Captain, ein 24jähriger Kreole mit englischen und einheimischen Vorfahren aus Placencia namens Zane, hat den Motor schon angestellt, wir brauchen nur einzusteigen und schon könnten wir ablegen. Doch ganz so schnell geht es dann doch nicht. Unsere Beneteau 41.3 ist mit ihren 12,50 m Länge nicht eben klein, aber wo soll ich nur meinen Koffer verstauen? Blöde Idee, mit einem Hartschalen-Koffer in Segel-Urlaub zu fahren! Und wo die ganzen Lebensmittel hinpacken? Immerhin mussten wir extra ein Großraumtaxi anfordern, um all die Sachen aus dem Supermarkt in Placencia zum Sportboothafen zu bringen. Vom frischen Ingwer bis zum Honig, vom Brot bis zum Rum, wir haben uns für eine Woche eingedeckt - zum Glück, wie sich später zeigte, denn auf den meisten Inseln vor der Küste kann man absolut nichts kaufen, kein Frisch-Wasser, keinerlei Lebensmittel. Doch nach einer halben Stunde ist alles verstaut, nur zwei Koffer stehen immer noch im Weg rum. Macht nichts, wir wollen schließlich segeln. Also fährt unser Captain das Boot durch das sehr flache Wasser der Lagune. Es ist recht grau und windig heute, nicht so besonders karibisch, die Sonnencreme bleibt im Koffer, Pullover oder Wind-Breaker werden ausgepackt.
Schon bald kommen ein paar Delphine gucken, wer denn da heute durch ihr Revier fährt. Sie schwimmen ein Weilchen in unserer Bugwelle und verabschieden sich wieder. Sobald wir das offene Wasser erreicht haben, wollen wir die Segel hochziehen, bei gut 5 Windstärken mit einem Reff im Großsegel. Das erste unerwartete Problem taucht auf, die Seglersprache: Schot, Strecker, Block, Baum, dichtholen und fieren - was mag das alles auf Englisch heißen? Bei Wind und Welle bleibt nicht viel Zeit zum Diskutieren, aber irgendwie klappt es, wir holen die Segel dicht, der Motor wird abgestellt und ich darf steuern. Unser Captain guckt zuerst recht skeptisch, zurecht, denn ich habe so meine Probleme mit dem Boot. Die Welle ist kurz und steil, wenn ich richtig steuere, machen wir 6 - 7 Knoten am Wind. Aber meist steuere ich nicht richtig: Ich bin die Radsteuerung nicht gewöhnt und drehe in Gedanken das blöde Rad ein paar Mal in die falsche Richtung. Und welche Richtung überhaupt? So hoch wie möglich an den Wind gehen, hat der Captain gesagt. Normalerweise kein Problem, aber von meinem Platz hinter dem Luv-Steuerrad kann ich weder den Verklicker noch die nützlichen kleinen Fädchen im Fock-Vorliek sehen, da das große dunkelblaue Sonnendach-Bimini mir komplett die Sicht versperrt. Bleibt nur dieses komische Windrichtungs-Instrument, das nicht so richtig zu funktionieren scheint. Na gut, zum Glück ist keine Konkurrenz auf dem Wasser und wir erreichen nach zwei Stunden ohne größere Zwischenfälle eine Gruppe von flachen Mangroven-Inseln namens Lark Cay - alle Inseln hier heißen Cay (manchmal auch Caye geschrieben, ausgesprochen wird das Wort wie das englische Key).
Eine Betonnung gibt es nicht, gibt es vor Belize nirgends. Dummerweise wären Tonnen unbedingt nötig, hunderte von Tonnen, denn überall lauern Riffe oder Sandbänke unter der Wasseroberfläche. Die GPS-Seekarte hilft auch nicht viel weiter, sie verkündet ungerührt und nicht eben hilfreich: Achtung, die zahlreichen Untiefen in dieser Region sind nicht vollständig erfasst. Nun, das war der Hauptgrund, weshalb wir ein Boot mit Captain gechartert haben. Er übernimmt also das Ruder und hält fleißig rechts und links Ausschau, um zwischen den Riffen hindurch in die geschützten Gewässer zwischen den Inselchen von Lark Cay zu kommen. Er findet einen schönen ruhigen Ankerplatz, neben uns liegt schon ein Katamaran von der gleichen Chartergesellschaft wie unser Boot, später folgen noch drei andere. Lark Cay scheint der Standard-Schlag für den ersten Nachmittag zu sein.
Der kühle Nordwind bläst unverändert stark, die Wolken hängen tief, kein Wetter, um sich auf das Deck zu setzen und einen milden Abend zu genießen, kein Wetter, um mal gerade ins Wasser zu springen. Wir erkunden die Umgebung mit dem Beiboot, als richtige Ökos verschmähen wir zum Erstaunen unseres Captains den Außenbordmotor und paddeln Richtung Mangroven. Die Inseln sind unbewohnt, man kann auch nicht anlegen, es sei denn, man turnt über die dünnen Zweige der im Wasser stehenden Krüppelbäumchen. Das Wasser ist klar, Seesterne liegen auf dem Sandboden, seltsame rötliche Unterwassergewächse, kleine unscheinbare Fische. Korallen? Keine Ahnung, wie Korallen aussehen, ich habe Angst, dass wir mit dem Gummiboot gegen so ein scharfkantig aussehendes Ding unter Wasser stoßen. So lassen wir uns still am Rande der Mangroven dahintreiben und genießen die Windstille zwischen den Baumgruppen. Das wollen sich die Segler von einem der anderen Boote auch ansehen, leider nehmen sie nicht die Paddel, sondern den Außenborder, außerdem haben sie für die Erkundungstour ein paar Büchsen Bier mitgenommen, was bekanntlich Laune und Lautstärke hebt.
Dass es zum Abendessen weder Fisch noch Fleisch gibt, trägt unser Captain glücklicherweise mit professionellem Gleichmut. Er hat sowieso wenig Hunger, sagt er und isst nur wenig. Sogar die Sonne lässt sich noch etwas blicken.
Auf dem großen Katamaran nebenan wird derweil der Generator angeworfen, denn die Klimaanlage muss schließlich mit Strom versorgt werden. Aber das Geräusch stört mich nicht wirklich, Segeln in der Karibik scheint anstrengend zu sein, die Sonne lässt sich noch ein wenig blicken, das Schaukeln des Bootes wirkt einschläfernd, Mücken scheint es auch keine zu geben und so ist für mich der erste Abend an Bord schon um kurz nach 20:00 Uhr vorbei.
-
Als Karibik - Segelboot - Fan habe ich deinen Bericht gerne gelesen! Dieses Revier kenne ich zwar nicht aber es sind soviele Gemeinsamkeiten mit den Antillen enthalten, dass ich mich sofort vertraut fühle. Die Einsamkeit, die du beschreibst ist wohl der einzige Unterschied zu unseren Törns. Und die Armut der Bevölkerung.
Interessant finde ich dass Moorigs - Yachtcharter hier eingestiegen ist! Sollten da noch Projekte laufen? Wäre sehr; sehr schade!
LG Christina -
Netter Bericht. Aber dass du als erfahrener Segler mit einem Hartschalenkoffer ankommst verwundert mich doch ein wenig!
'Joe
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen