Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: Yukon Extrem - Eines der letzten Abenteuer der Erde - Teil 1
110 Jahre nach den berüchtigten Goldfunden am Bonanza-Creek reisen zwei Studenten nach Kanada ins Yukon Territory um drei Monate lang zu Fuß, dem Kanu und einem Floß den Spuren von Jack London & Co. zu folgen….
Der Chillkoottrail – Das Tor zum schnellen Reichtum
Gold am Klondike! Im Jahre 1897 war diese Schlagzeile der Auslöser für den beispiellosesten Goldrausch den die Welt bisher gesehen hatte. Bonanza Creek, Yukon, der wilde Norden Kanadas mit unermesslichen Goldnuggets beherrschte das Denken junger Wilder aus ganz Amerika, die sich in Scharen zu tausenden auf den Weg in die Wildnis des Yukons machten. Doch vor dem vermeintlichen Reichtum stand ihnen ein beschwerlicher Weg von Alaska bis nach Dawson City bevor. Der Chilkoot Pass sowie der unberechenbare Verlauf des Yukons über mehr als 800 km ließen den Traum vom schnellen Goldfund für viele schon am Anfang dieser Odyssee zerplatzen!
Ziemlich genau 110 Jahre später ohne die Hoffnung auf Faustgroße Nuggets machten wir uns auf den Weg in den Hohen Norden, um die berühmten Geschichten von Jack London und Robert Service mal auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Im Gegensatz zu Jack London, der zwar kein Gold fand, aber durch seine Bücher wie „The Call of the Wild“ und „White fang“ unsterblich wurde sind wir nicht von San Francisco aus mit dem Schiff nach Skagway gefahren, sondern trafen Mitte Juli am Internationalen Flughafen von Whithorse im Yukon Territory ein. Um nun dieses Unternehmen von gnadenloser Härte ein wenig zu erleichtern machten wir uns zu Fuß und per Anhalter auf den Weg nach Süden. Skagway sollte wie vor über hundert Jahren der Ausgangspunkt unserer Reise sein. Von den 174 km die noch vor uns lagen verbrachten wir abwechselnd unzählige Kilometer auf der Ladefläche eines rostigen Pickup-Trucks, um über den Alaska-Highway gen Süden zu kommen.
Der Chillkot Trail sowie der White-Pass waren der einzige Weg, um von Alaska nach Norden in den Yukon zu kommen. Im Jahr 2008 laufen wir durch ein 53km langes Museum, das durch extreme Veränderungen in der Landschaft, der Vegetation und des Klimas fasziniert. Eigentlich nur ein 1.140 Meter hoher Gebirgspass in den Rockymountains, aber mit Schnee, Eis, Bären sowie Gaunern und Ganoven bot er damals doch seine Tücken. Erfreulicherweise wurde den Banditen schon während des Goldrausches durch ein ausgeklügeltes System der Lynchjustiz Einhalt geboten. Also sorgten wir uns mehr um das sich ständig wechselnde Wetter und die durch unzählige Warnschilder nicht zu vergessende Anwesenheit von Bären. Da der gesamte Trail als „Chilkoot Trail Yukon National Historic Site“ bezeichnet wird und deshalb ein Nationalpark ist hat dieser erste Abschnitt unserer Tour doch ein wenig von seiner einstmals unbezähmbaren Wildheit verloren. Tagsüber ist es möglich als Einzelkämpfer durch den Busch zu toben, doch am Abend muss jeder Wanderer eines der 10 Camps aufsuchen. Wild-campen ist zum Schutz der Umwelt und dem Vermeiden von nächtlichen Bärenbegegnungen verboten. Diese Camps besitzen klingende Namen wie Canyon City, Pleasant Camp oder Deep Lake. Jeder dieser historischen Orte war im vorletzten Jahrhundert ein Wespennest voll mit Abenteuerlustigen. Manche Camps wuchsen innerhalb von einem Jahr zu kleinen Städten mit Hotel, Bordell und Bar. Heute ist davon bis auf ein paar verrostete Schaufeln oder löchrige Ofenwracks nichts mehr zu erkennen. Fast jeder Baum fand sein jähes Ende als Feuerholz oder Baumaterial für Floße, Boote oder Hütten!
Im Jahre 1898 musste jeder, den das Goldfieber gepackt hatte 1 Tonne Lebensmittel und Ausrüstung vorweisen, um in das gelobte Land Kanada einreisen zu dürfen. Wir haben uns mit je 35 kg Marschgepäck begnügt und die erste Etappe bei Dauerregen in Angriff genommen! Es regnet, es ist kalt und die ersten Kilometer des Trails erinnern eher an Dschungel als an die Rocky-Mountains. Jeder Tag bot uns eine neue Vegetation und ein paar gnädige Sonnenstunden. Das Highlight und die wohl größte Schwierigkeit waren die Golden Stairs, an denen schon viele Goldsucher verzweifelten. Mit unserem vergleichsweise bescheidenen Gepäck konnte es aber eher mit einem Sprung über die Innsbruck Nordkette verglichen werden. Das einzige Manko, das wir jeden Tag wieder schmerzlich erfahren sollten, war die nichtvorhandene Schokolade in unseren Rucksäcken. Schokolade als Energiereserve hatte ein Jack London auch nicht in seiner Lodenjacke, also verzichteten wir auch darauf! Nach diesem ersten Abschnitt lagen großartige Landschaften hinter uns, von fast tropischen Wäldern, über Geröllfelder bis zu atemberaubenden Gletscherlandschaften hat das Goldrauschduo von 2008 alles überstanden.
Der offizielle Trail endet in Bennett, unsere Reise war aber nach dieser ersten Etappe noch lange nicht vorüber. Zuerst stellte sich nun die Frage, wie wir aus Bennett wieder an den Highway kommen: Möglichkeit eins wäre die sündhaft teure Nostalgiebahn gewesen, unsere einzige Option war somit ein 50km langer Spaziergang auf den Schienen nach Carcross. Der Weitermarsch auf den Gleisen ist allgemein nicht sehr populär, da erstens der Weg verdammt lang ist, er zweitens aufgrund seiner Beschaffenheit äußerst unangenehm zu laufen ist und es zu guter Letzt sogar verboten ist. Es dauerte dann aber nur 13 Stunden strammen Marsches und wir erreichen das verschlafene Nest Carcross, 419 Einwohner, Dritt-Größte Stadt im Yukon Territory! Die letzte Meile wird zu einem grässlichen Martyrium. Unsere Füße sind mit Blasen geschmückt und unsere Wirbelsäulen zerquetscht, aber wir sind endlich da! In Carcross erwartet uns schon der örtliche Indianerhäuptling, der mit seinen Stammesgenossen den Abend bei Bier, Whiskey und rohem Fisch ausklingen lässt. Da auch er bei der Whitepass-Bahn angestellt ist hat er unseren Weg den gesamten Tag über Funk verfolgen können. Als kleines Trostpflaster gibt es eine heiße Dusche, gegrillten Fisch und einen sicheren Zeltplatz im Garten. Das Angebot ein paar Tage mit den Indianern auf Kariboujagd zu gehen schlagen wir am nächsten Morgen aus und schleppen uns mit müden Gliedern zum Highway. Carcross ist bei Sonnenschein das Paradies an der Grenze zu Alaska! Strand, Sonnenschein und von schneebedeckten Bergen umrahmt! Doch uns zieht es weiter nach Norden. Auf die Mutter aller Flüsse, den Yukon River.
Persönliche Meinung von davidus:
Zu empfehlen bei Ankunft in Bennett ist jedenfalls mit dem schönen Nostalgiezug entweder zurück nach Skagway oder weiter nach Carcross zu fahren, denn der illegale Marsch über 50 km auf den Gleisen mit 40 kg auf dem Rücken ist, obwohl sehr schön, die Ersparnis der 80 Dollar für den Zug nicht wirklich wert...
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen