Reisebericht

Reisebericht: Marokko - Kultur und Wüstenabenteuer

 
 
 
 
 
Reisebericht: Marokko - Kultur und Wüstenabenteuer

Wir starten in Marrakesch und fahren über den hohen Atlas an einigen Kasbahs vorbei - das eigentliche Ziel ist aber die Sahara: Sechs Tage zu Fuß durch die Wüste, wir schlafen in Zelten oder unter den Sternenhimmel, besuchen die Berber und werden dann in Agadir wieder unsanft mit der Zivilisation konfrontiert.

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Marrakesch

Schneechaos in Deutschland. Unser Flieger nach Marrakesch via Casablanca startet ab Frankfurt, also nehmen wir lieber einen Zug früher zum Flughafen. Die Deutsche Bahn hat sogar nur 10 Minuten Verspätung, das Flugzeug hat dann allerdings vier Stunden Verspätung. Von dem von der Fluggesellschaft spendierten Verzehrgutschein gönnen Stephan und ich uns jeder ein großes Bier und harren der Dinge. Irgendwann geht es los, in Casablanca bekommen wir sogar noch einen Anschlussflieger. Allerdings scheint meine Reisetasche diesen Anschluss nicht bekommen zu haben. Leicht verzweifelt stehe ich eine halbe Stunde nach Ankunft immer noch ohne Gepäck vor einen Gepäckband, auf dem sich etwa 10 Koffer im Kreis drehen, die niemand haben will. Ich bekomme einen Zettel in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung mich morgen wieder zu melden, dann sei der Koffer wieder da. Na hoffentlich.

Am nächsten Morgen schauen wir uns erstmal Marrakesch an, die Stadt die momentan einen Besucheransturm erlebt. Alle wollen unbedingt in das mystische und exotische Marrakesch, mal schauen ob es wirklich so toll ist. Unser Stadtführer führt uns durch die Highlights der Altstadt, die Saaditengräber, einen Palast, den Souk und in einen Gewürzladen. Die Fliesenmosaike und Schnitzereien begeistern mich gleich wieder, ich kann mich gar nicht satt sehen. Mustafa erklärt uns alles und lässt für Chauvisprüche keine Gelegenheit aus. Aber ich glaube, er will eigentlich nur provozieren und amüsiert sich köstlich. In dem Gewürzladen bekommen wir für ein paar Dirham auch noch eine Nackenmassage – die Männer vom Masseur, die Frauen von einer Masseurin. Das hat alles seine Ordnung hier.

Die Souks von Marrakesch sind ein verwirrendes Labyrinth, in denen ich total die Orientierung verliere. Unserer Reiseleiter Brahim wird uns später erzählen, dass selbst die Einheimischen, die in den Souks arbeiten, nur den Weg von Zuhause zu ihren Laden kennen, im Rest der Gassen kennen die sich auch nicht aus.

Aus Ägypten hatten wir Geschichten gehört, dass dort die Touristen fast schon in die Geschäfte gezerrt und genötigt werden etwas zu kaufen. Wir hatten die Befürchtung in Marokko würde das ähnlich sein, aber wir sind angenehm überrascht, als wir feststellen, dass die Verkäufer ein zweites entschiedenes „Nein“ akzeptieren und wir mit denen dann sogar ganz entspannt plaudern können. Aber entspanntes Bummeln und Umschauen ist das dann natürlich auch nicht.

War am ersten Tag das Wetter noch ganz o.k., regnet es am zweiten Tag. Vormittags besuchen wir einen eigentlich wunderschönen Garten, im Regen wirkt der aber nicht so richtig gut. Wir nehmen ein Taxi und fahren wieder in die Altstadt und laufen durch die Gassen des Souks. Wir finden im Gassengewirr sogar die von Brahim empfohlene Koranschule mit Museum, das war nicht so selbstverständlich, denn genaue Straßenkarten des Souks gibt es nicht. Die Koranschule ist ein wunderschönes Gebäude und das Museum mit den Berberexponaten auch sehr nett. Vor allem ist es dort trocken. Also schauen wir uns ausführlich um und als wir aus dem Museum herauskommen ist das Wetter auch schon besser geworden. Den Nachmittag verbringen wir Minztee trinkend auf der Dachterrasse eines Cafés am „La Place“, indem wir einfach nur das Treiben auf dem Platz beobachten. Zahlreiche Schlangenbeschwörer spielen die Tröte, um die Geschichtenerzähler sammeln sich Menschentrauben und bunt gekleidete Wasserverkäufer dienen tatsächlich nicht nur als Fotomotiv, sondern verkaufen auch immer noch Trinkwasser an Passanten. Alles in allem erscheint mir dieser Djemaa el Fna-Platz nicht als die reine Touristenveranstaltung, wie ich es erwartet hatte. Im Gegenteil – die Marokaner sind stark in der Überzahl.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • sigurd 26.03.2010 | 17:06 Uhr

    Hallo,
    Kompliment. Sehr anschaulich geschrieben. Durch die Gliederung sehr gut zu lesen. Sehr schöne Fotos.
    Bemerkenswert finde die Erfindungsgabe der Marokkaner, auch anderswo in Afrika, auf einigermaßen anständige Art an Geld zu kommen. Mit dem Gebissverkäufer hast Du bestimmt Recht. Das geht in keinem Fall so, Gebisse vom Straßenhändler.
    Der Junge ist clever. Davon will sicherlich jeder ein Foto machen und er bekommt einen Obolus dafür.

    Gruß
    Sigi

  • Blula 26.03.2010 | 19:13 Uhr

    Auch mir hat dieser Bericht, der so lebendig und anschaulich von Dir geschrieben ist, sehr gut gefallen. Habe ihn sehr gerne gelesen und mich an meine Studienreise durch Marokko erinnert.
    LG Ursula

  • 238EWT 27.03.2010 | 01:49 Uhr

    Hallo Stefanie,

    eine lebendig geschilderte Wüstensafari bei Wind und Wetter und viele interessante Aufnahmen haben mich an einen ebenfalls verregneten Urlaub in einem Januar erinnert. Die Reise von Agadir nach Marrakech in einem gemieteten klapprigen Renault R 5 über die Atlas-Pässe führten an Erdrutschen vorbei. Da die Scheibenwischer wohl nur der Dekoration dienten, konnte ich die mit Affentempo entgegenkommenden Lastwagen nur schemenhaft erkennen. In Marrakesch fand ich ein wunderschönes 4*-Hotel mit kühlender Klimaanlage, so dass sich die Zimmertemperatur der Außentemperatur von ca. 5° Celsius anpasste. Zusätzliche Decken waren bereits vergriffen. Die Hotelgäste standen deshalb in Mänteln an der Bar und bestellten Cognac zum Aufwärmen - den Drink für umgerechnet 10 Euro. Aber schön war es doch.
    LG Eberhard

  • Jabba 27.03.2010 | 15:14 Uhr

    Schön, danke Stefanie!
    Gelernt hab ich vor allem, für eine Marokkotour eine andere Jahreszeit zu wählen! ;-)
    VG, Kathrin

  • Frau_Mue 27.03.2010 | 17:00 Uhr

    vielen Dank für eure positiven Rückmeldungen! Ich bin mir auch sicher, dass ich nochmal nach Marokko reisen werde, dieses Land hat mich begeistert.

    @Kathrin: Mein Reiseleiter meinte, wenn es in der Wüste regnet, dann im Februar, aber soviel Regen wie bei uns hätte er auch noch nicht erlebt. Er hat den März als beste Reisezeit empfohlen, da blühen sehr viele Pflanzen, und im April ist es oft schon zu heiß.
    LG Stefanie

  • trollbaby 27.03.2010 | 17:18 Uhr

    Hallo Stefanie!
    Ich habe zuerst Deine Fotos aus Marokko gesehen, bevor ich Deinen Bericht dazu entdeckt habe. Fotos wie Bericht sind sehr beeindruckend, vor allem auch, da ich für nächstes Jahr eine Reise in dieses Land im "Hinterstübchen" habe und durch Dich nun schon einiges erfahren habe. Nur werde ich auf eine Wüstentour verzichten. Scheint mir eine zu nasse Angelegenheit zu sein! ;-)
    LG Susi

  • brandriba 06.04.2010 | 12:29 Uhr

    Hallo Stefanie
    Schöne Reise, lebendig geschrieben und spannend zu lesen. Seit meiner Tour in den späten 70ern hat sich offensichtlich nicht alles verändert, erstaunlich in unserer schnellebigen Zeit! Trockene Wüste kann ja jeder haben... :-))))
    Danke fürs "Mitreisenlassen" LG DAni

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  • maria1 28.08.2010 | 22:28 Uhr

    Regen bzw, Gewitter in der Sahara, das ist schon ungewöhnlich, ein beeindruckender Reisebericht.

  • tunarouz 03.11.2011 | 17:39 Uhr

    Hallo, ich habe die gleiche Reise im September/ Oktober 2006 auch mit Brahim und einer super Truppe gemacht und wusste gar nicht, dass es so heftig gewittern kann....wir hatten eher so die 50° und kein Schatten Tour...sehr interessant dein Bericht, schön, es auch mal aus einer anderen Persepektive zu lesen. Herzlichen Dank.
    LG tunarouz (den Namen habe ich von Brahim damals bekommen...)

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