Reisebericht

Reisebericht: Angola:von Luanda bis Namibe und zurück

 
 
 
 
 
Reisebericht: Angola:von Luanda bis Namibe und zurück

Eine Rucksacktour durch Angola anläßlich des Fußball AfrikaCups 2010

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Vor der Reise

Bei unseren Reisen nach Kamerun und Mosambik manifestierte sich die Idee: Einmal den Afrika Cup vor Ort miterleben, das wär's! Die erste Gelegenheit dazu bot sich mit dem CAN2010 in Angola. Dass es sich um ein touristisch noch unentdecktes Land handelt, war zusätzlicher Reiz und Herausforderung. Das Ziel war also schnell gefunden. Als wir dann feststellten, dass es über Angola nur spärlich (aktuelle) Informationen in Internet und Reiseführer (nur ein Kapitel im Lonely Planet Gesamtafrika) gibt und die Flüge über 1000€ kosten, kamen uns aber doch Zweifel. Muten wir uns da zuviel zu? Außerdem ist Angola ein doch sehr teures Reiseland (Tagesetat war mit 200$ p.P. veranschlagt, Luanda gilt als eine der teuersten Städte der Welt). Aber dann entdeckten wir einen Flug mit der Emirates von München nach Luanda für 550€ und wir buchten spontan. Anfang Dezember erschien dann glücklicherweise auch noch ein Reiseführer, der Bradt Travel Guide (engl.).
Geplant war ein 3wöchiger Urlaub: 2 Wochen Angola und 1 Woche São Tomé & Principe, das von Luanda 2xpro Woche angeflogen wird. Das Visum für São Tomé erhielten wir problemlos in Brüssel, hatten aber nur noch knapp 4 Wochen Zeit für die Erteilung des Angola-Visums, denn am 6.1. ging unser Flug. Vor allem der Nachweis einer gebuchten Unterkunft stellte uns vor größere Probleme. Email-Adressen der bezahlbaren Hotels gab es nicht und die tagelangen Versuche per Fax zu reservieren waren erfolglos. Irgendwann fanden wir dann im Web das "Miramar". Nach Überweisen von 200$ für die 1. Nacht bekamen wir eine Online-Buchungsbestätigung (siehe auch Reisetipps). 2 Tage vor Silvester erhielten wir dann zu unserer Erleichterung unsere Pässe mit Visum zurück, obwohl die Botschaft vom 23.12. bis 5.1.geschlossen war. Allerdings hatten wir nur ein Visum für die einmalige Einreise bekommen, wodurch die geplante Woche São Tomé entfallen musste, denn spätestens für unseren Rückflug hätten wir ein 2. Mal einreisen müssen. Glücklicherweise hatten wir den Flug von Luanda nach São Tomé noch nicht gebucht.
Noch ein paar allgemeine Hinweise, da einige Informationen im Reiseführer selbst kurz nach Erscheinen schon wieder überholt sind: Es gibt inzwischen überall im Land Geldautomaten (Multicaixa), an denen man mit Visacard Geld abheben kann. Am Flughafen standen die Geräte noch verpackt rum, müssten aber in Kürze funktionsfähig sein. Wechselkurs im Jan. 2010: 1€=128 AKO(Kwanza), 1$=90 AKO. Bessere Hotels nehmen Dollars, die einfacheren meist nur K(wanzas).



Die erste Woche:Luanda und Benguela

 
 
 
 
 

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Bei unserer Ankunft wurden wir gleich angenehm überrascht. Der Flughafen von Luanda ist neu und die Kontrollen verliefen freundlich und schnell. Nicht einmal der internationale Impfausweis mit der Gelbfieberimpfung wurde kontrolliert. Stattdessen Kamerateams in der Ankunftshalle. Wegen des CAN kamen viele Sportler und Offizielle an, da wollte man natürlich einen guten Eindruck machen. Geldwechseln war nicht möglich, einen ATM gab es auch nicht, aber für die Fahrt in die Stadt taten es auch unsere Dollars. Beim Verlassen des Flughafengebäudes wurden wir von einer buntgekleideten, jubelnden Menschenmenge empfangen. Der Empfang galt aber wohl nicht uns, sondern dem ankommenden Team aus Mali, das am Sonntag das Eröffnungsspiel gegen Angola bestritt. Wir freuten uns über ein wartendes Taxi, das uns für günstige 15$ zu unserer Unterkunft brachte. Nach Reiseführer ist Angola nämlich ein Land ohne Taxis und wir hatten uns schon auf mindestens 50$ in einem privaten Auto eingestellt. Afri-Taxi ist ein neues, offenbar zum CAN eingerichtetes Unternehmen. Im "Miramar"(s.auch unter Tipp) angekommen, haben wir uns gleich auf Erkundungstour der näheren Umgebung begeben. Wir fanden einen ATM, mit dem wir unsere ersten Kwanzas ziehen konnten, einen Supermarkt und ein Lokal mit frisch gezapftem Bier ganz in Hotelnähe. Bislang lief alles erstaunlich gut. Der erste Dämpfer kam abends im Hotel: mickriges Toast und verfallenes Bier zu Wucherpreisen, serviert im vollgestellten Restaurant, denn das Hotel war eine Baustelle.
Am nächsten Morgen nach einem akzeptablem Frühstück, machten wir uns um 9 Uhr auf ins Zentrum. Das "Miramar" liegt in einem höher gelegenen Stadtteil, sodass wir erst einmal die Serpentinen runterlaufen mussten. Zuerst wollten wir zum Bahnhof, denn seit neuestem sollte der Zug nach Malanje wieder fahren, der Ausgangsstadt zum Besuch der Kalandula Wasserfälle. Der Bahnhof war allerdings nicht in Betrieb und Züge fuhren auch nicht. Also zu Fuß weiter zu einem im Stadtplan verzeichneten Reisebüro. Dort wollten wir dann die Tour zu den Wasserfällen buchen. Als wir endlich das Gebäude gefunden hatten, gab es das Reisebüro nicht mehr. Auch die weitere Suche nach einem anderen Touranbieter blieb den ganzen Tag erfolglos. Bis zum Mittag fanden wir immerhin die Post. Auch sie war wie so vieles in Luanda eine Baustelle. Die Stadt hat sicher ein großes Potential für die Zukunft, was man an der regen Bautätigkeit sieht. Vieles ist noch runtergekommen oder vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg zerstört, aber es tut sich was. Besonders die Uferstraße "Marginal" könnte in einigen Jahren wieder richtig attraktiv werden. Die folgenden 2 Stunden verbrachten wir mit der Suche nach CAN-Tickets. Erwartungsgemäß war das Eröffnungsspiel ausverkauft, aber für das Viertelfinalspiel in Luanda, kurz vor unserer Abreise, wollten wir uns Karten besorgen. Mit Hilfe eines netten Einheimischen liefen wir von Bank zu Bank, denn die Karten wurden in Angola nur in Banken, meist der BAI, verkauft. Aber jede Filiale verkaufte die Karten für ein bestimmtes Spiel, sodass auch unser Begleiter nicht wusste, wo es unsere geben würde. Für alle Vorrundenpiele und sogar fürs Halbfinale hätten wir Karten bekommen, aber was nützt das, wenn wir gerade woanders im Land unterwegs oder bereits wieder daheim sind? Nach 2 Stunden gaben wir schließlich entnervt auf. Als nächstes wollten wir uns eine günstige Unterkunft für unsere letzten beiden Nächte in Luanda vor unserem Rückflug reservieren. Im Reiseführer hatten wir uns das Hotel Globo ausgesucht. Nachdem wir es endlich gefunden hatten, war aber trotz angebotener Vorauszahlung keine Reservierung möglich. Schließlich fanden wir dann doch noch die Pensão Invicta, wo wir gegen Bezahlung von 100$ pro Nacht reservierten. Inzwischen war später Nachmittag und wir wollten zurück zum Hotel. Da der Stadtplan im Reiseführer nicht alle Straßen benennt, taten wir uns mit der Rückkehr zum Hotel schwer. Nicht einmal die Polizisten konnten uns den Weg sagen. Erst die hilfsbereiten DHL- Mitarbeiter gaben uns die entscheidenden Hinweise. Nach 9 Stunden zu Fuß in Luanda kamen wir doch noch im Hotel an! Die fehlenden Taxis und das für Fremde auf die Schnelle nicht zu durchschauende Minibussystem (Candongueiros) sind ein großes Problem. Dazu ein Temperaturunterschied von fast 40 Grad - Luanda reichte uns fürs erste.
Am folgenden Tag wollten wir mit dem Linienbus nach Malanje und erhofften uns Informationen in unserem Hotel. Aber der Hotelmanager konnte uns weder einen Transport zum kilometerweit außerhalb liegenden Busbahnhof besorgen (angeblich waren die Straßen zu schlecht), noch die Abfahrtszeit in Erfahrung bringen. Fast eine Stunde wurde mit anderen angolanischen Gästen ergebnislos über die Abfahrtszeit diskutiert (5 Uhr oder doch erst um 9Uhr). Irgendwann reichte es uns und wir beschlossen, am nächsten Tag nach Benguela zu fahren. Die Aussicht, 3 Tage später erneut in Luanda zu sein und alles wieder zu erleben, erleichterte uns die Entscheidung. Außerdem fahren nach Benguela mehrere Busse. Es war auch ein Spielort und dort wollten wir ohnehin im Anschluss an Malanje hin. Ein Mitbewohner bot sich an, uns für 50$ um 7 Uhr raus zum Busbahnhof zu fahren. Als wir dann endlich alles geregelt hatten und zum Essen ins nahegelegene Lokal gingen, war es bereits zu. Da auch kein anderes Lokal in der Nähe geöffnet hatte, gab es nur Kekse und unsere Getränke aus dem Kühlschrank.
Am nächsten Morgen ging es ohne Frühstück um 7 Uhr los. Die Fahrt dauerte eine halbe Stunde auf guter Straße (sollte doch angeblich so schlecht sein, dass man kein Fahrzeug organisieren konnte). Unser netter Fahrer besorgte uns noch die Tickets (2500 Kwanzas pro Person). Um 9 Uhr war Abfahrt. Nach 9 Stunden im guten SGO-Bus auf hervorragenden Straßen erreichten wir Benguela. Am Busbahnhof in Benguela war es wieder wie gehabt: kein Taxi oder Motorradtaxi für den Weg zum Hotel. Auch da übernahm ein Einheimischer für 20$ den Taxidienst. Das von uns ausgewählte Hotel Luso war mit dem Team von Ägypten voll belegt. So ließen wir uns zum Hotel Wassa, nur 400 Meter vom Busbahnhof entfernt, bringen. Immerhin hatten wir so schon mal eine erste Stadtrundfahrt. Das "Wassa" bot DZ für 110$ incl.Frühstück und gefiel uns auf Anhieb. Gleich um die Ecke gab es eine Pizzaria und eine Cevejaria (Bierbar). Die Verpflegung war also gesichert.
Den Sonntag verbrachten wir mit Erkundung der Stadt. Sie machte einen sehr guten Eindruck: breite,asphaltierte Straßen, Grünanlagen und schöne Gebäude. Alles recht sauber. So eine Stadt hatten wir bislang in Afrika noch nicht erlebt. Nach dem Kauf je eines CAN T-Shirts und einem Abstecher zum Strand, vom Hotel aus in 5 Minuten erreichbar, machten wir uns auf die Suche nach einer Bar mit Fernseher, denn am Abend ging es endlich los. Im "Lolly Burger", einer Art Biergarten an einem der beiden Hauptplätze, schauten wir uns die tolle Eröffnungsfeier und das Spiel Angola-Mali an. Es war eines der unglaublichsten Spiele, die ich bislang gesehen habe und stellte selbst das legendäre Finale Bayern-ManU noch in den Schatten. Die begeisterten Angolaner um uns herum feierten schon bei einer 4:0 Führung in der 75.Minute. Nach dem 4:1 in der 77.Min. war noch keiner beunruhigt, beim 4:2 in der 88.Min.liefen die ersten schon vor zum Bildschirm, um die verbleibende Spielzeit zu sehen. Nachdem in den 4 Minuten Nachspielzeit noch das 4:3 und praktisch mit dem Schlusspfiff das 4:4 fiel, war der Schock deutlich spürbar und es begann eine Massenflucht aus dem Lokal.
Am folgenden Montag wollten wir uns dann die Tickets für die beiden Dienstagsspiele besorgen. Dass es sie bei der Bank gibt, wussten wir inzwischen. Nur bei welcher? Morgens bei der BAI wurde uns gesagt, es gäbe sie dort ab 13 oder 14 Uhr. Natürlich gab es sie dann doch nicht. Ausnahmsweise gäbe es sie an diesem Tag ab 14 Uhr in einer anderen Bank, die wir dann sogar nach etwas Suchen fanden. Nach 45 Minuten Schlangestehen in der prallen Sonne, hatten wir um 15 Uhr endlich unsere lang ersehnten Tickets in den Händen. Es gab sie nur im Doppelpack. Der Preis von nur 450 Kwanzas (5 $) für 2 Spiele war sensationell günstig. Zur Belohnung ging es in den Biergarten, um im TV die Spiele des Tages anzuschauen. Wir haben alle Spiele entweder im Stadion oder im TV gesehen. So waren wir immer von 16.30 bis 21.30 beschäftigt, denn unternehmen konnte man in den Städten nur wenig.
Den nächsten Vormittag verbrachten wir in der Stadt. Es gibt in Benguela sogar 2 Internetcafes. Der Bus, mit dem wir am nächsten Tag weiter nach Lubango in den Süden fahren wollten, war bereits ausgebucht. So war noch ein weiterer Tag Benguela angesagt. Das Hotel Wassa wurde unser Hauptquartier der gesamten Reise. Nachmittags ging es dann endlich ins neuerbaute, 35000 Zuschauer fassende Stadion, das 5 km außerhalb der Stadt liegt. Hin kamen wir mit einem vom Hotel organisierten Afri-Taxi. Auch in Benguela gibts davon schon die ersten. Als wir dann ca. 45 Minuten vor dem Anpfiff am Stadion ankamen, ging es total chaotisch zu: 2 schmale Eingänge, immer nur von der berittenen Polizei kurzzeitig freigegeben. Die unruhigen Pferde sorgten für Panik bei den Fans, das übrige besorgten die Hundeführer, die mit ihren Hunden immer in die Menge liefen, um für Ordnung zu sorgen, aber das Gegenteil erreichten. Ein chaotisches Rennen und Stürzen war die Folge. Die Scanner direkt vor dem Stadion wurden einfach niedergerannt. Unglaublich! Wenn es bei der WM in Südafrika auch so abläuft, dann viel Spaß! Wir waren froh, heil zum Anpfiff auf unseren Plätzen angekommen zu sein. Viele Zuschauer kamen erst in der Halbzeitpause. Mannschaftsaufstellungen und Auswechslungen wurden natürlich auch nicht durchgesagt. Das 1.Spiel war gleich ein Knaller: Titelverteidiger Ägypten gegen Nigeria. Ein sehr gutes Spiel mit einem verdienten 3:1 Sieg der Ägypter. Im 2.Spiel standen sich mit Benin und Mosambik zwei afrikanische Fußballexoten gegenüber. Auch das Spiel war unterhaltsam und endete 2:2. Bereits beim Schlusspfiff war das Stadion halb leer. Was wir beide insgeheim schon die ganze Zeit befürchtet hatten, trat auch ein: es gab keinen Rücktransport in die Stadt. So traten wir um 21.30 Uhr zusammen mit Tausenden anderen unseren knapp 2 stündigen Rückmarsch durch die dunkle Nacht zum Hotel an. Jetzt wussten wir auch, warum so viele Zuschauer schon lange vor Spielende das Stadion verlassen hatten.
Den nächsten Tag vertrödelten wir wieder in Benguela, bevor es am Donnerstag um 6 Uhr morgens mit dem SGO-Bus für 2500K endlich nach Lubango ging. Da der Busbahnhof nur 400 Meter vom Hotel entfernt lag, konnten wir mit unserem Gepäck hinlaufen.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • 238EWT 16.03.2010 | 08:27 Uhr

    Hallo Jochen,

    drei Dinge braucht der Angola-Reisende: Gute Nerven, ein gehobenes Budget und die Gabe, über die Reise so unterhaltsam berichten zu können, wie Du es tust.
    LG Eberhard

  • trollbaby 16.03.2010 | 10:28 Uhr

    Für Euren Pioniergeist, nach Angola zu reisen, gebühren Euch schon auf alle Fälle 5 Punkte! War sehr interessant, mal etwas über dieses Land zu erfahren, aber mir wäre die Fortbewegung dort zu mühsam.
    LG Susi

  • Jabba 16.03.2010 | 12:08 Uhr

    "D I A" - Das Ist Afrika!
    Guter, sehr informativer Bericht. Danke!
    Trotz empfundener Sicherheit finde ich den Trip doch sehr mutig, wenn man in diesem Zusammenhang an den Anschlag auf Togos Mannschaft denkt.
    LG, Kathrin

  • Trotadippen 29.03.2010 | 13:34 Uhr

    Der Bericht ist super!
    Ich bewundere euch wirklich für diese Reise. Da muss man schon Fußball- und Reiseverrückt sein (im positivsten Sinne).
    Danke für diesen schönen Beitrag!

  • rosimueller 16.07.2010 | 08:29 Uhr

    entlich mal ein positiver Bericht aus Angola!
    Rosi

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