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Reisebericht: Die Niederlande einmal anders: Auf Kunstwegen und in Wassergärten unterwegs
Die Niederlande sind bekannt für ihre Nordseeküste, für Käse und Holzschuhe. Doch auch die Grenzregion zu Deutschland in der Provinz Overijssel hat ihre Reize. Bei dem deutsch-niederländischen Projekt "Kunstwegen" können Kunstobjekte in der freien Natur entdeckt werden und in Ada Hofmans Wassergärten gibt's Anregungen für den eigenen Garten.
Drachen in der Provinz Overijssel
Im idyllischen Stadtwald von Gramsbergen in der niederländischen Provinz Overijssel gibt’s auch heutzutage immer noch echte Drachen. Wer ihnen begegnen möchte, muss allerdings einige Zeit für die Suche einplanen. Zumindest im Sommer, wenn der dichte Blätterwald der stattlichen Buchen nur wenig Sonnenlicht bis an den Boden dringen lässt. Und er könnte schließlich mit einem steifen Nacken zurückkehren. Denn die Drachen verstecken sich hoch oben in den Baumwipfeln. Und da sind sie im Blättergestrüpp gar nicht so leicht zu entdecken. Die Sorge, dass sich plötzlich ein Feuer speiendes Ungeheuer auf die Suchenden herunterstürzt, ist aber unbegründet, bei den Drachen handelt es sich nämlich um ein Objekt aus der deutsch-niederländischen Reihe Kunstwegen.
Die fünf Drachen aus Fiberglas und Edelstahl, die dort oben in den Buchen schweben, symbolisieren nach der chinesischen Tradition die unbezwingbaren Mächte der Natur im Frühling. Skylight ist die Bezeichnung der Installation des Künstlers Cai Guo-Qiang. Es gehört zu den mehr als 60 Objekten, die seit dem Sommer 2000 unter der Bezeichnung „Kunstwegen“ auf einer Strecke von rund 140 Kilometern zwischen Nordhorn in Deutschland und Zwolle in den Niederlanden eines der größten Freilichtmuseen Europas bilden. Und was die Besucher dieses Museums besonders freuen dürfte: Überall ist der Eintritt frei.
Nur etwa eine halbe Fahrradstunde vom Gramsbergener Wald entfernt hat Ilya Kabakov an der deutsch-niederländischen Grenze den Gedanken aufgegriffen, was Menschen verbindet und trennt. „Wortlos“ hat er die Kombination der Drahtgeflechtskulpturen benannt, die jeweils auf der Wiese am Ufer der Vechte sitzen, über den Fluss hinüber ins andere Land schauen, so nah und doch so unerreichbar für den anderen.
Es bedarf erneut nur weniger kräftiger Tritte in die Pedale, und das nächste Objekt der Kunstwegen-Route ist erreicht, diesmal auf deutscher Seite. Für ihre Skulptur „Chain Reaction“ wählte Bonnie Collura die Nähe einer alten Galeriewindmühle bei Laar. In ihrem prächtigen Objekt aus Stahl, Fiberglas und Lack hat sie eine Fülle von Motiven ineinander verwoben: Da ist das Geweih eines prähistorischen Hirsches, der 1836 in Laar gefunden wurde, nachempfunden, das Gesicht der Heiligen Ludovica, einer Grabskulptur des römischen Künstlers Gianlorenzo Bernini, ist ebenfalls vorhanden, und die Nase einer Mickymaus darf ebenfalls nicht fehlen. Und das alles mitten auf einer Wiese, nur durch einen Elektrozaun von den grasenden Kühen getrennt, mit Blick auf die Windmühle aus dem Jahre 1806.
Wer die Skulpturen mit dem Rad erfahren möchte, findet im Kunstwegen-Reisebuch sowie in sechs Fahrradkarten detaillierte Beschreibungen zu den einzelnen Objekten, Pläne der Routen, Informationen über die jeweilige Region sowie Vorschläge für einzelne Etappen. Das Reisebuch ist zum Preis von 15 Euro erhältlich, die sechs Fahrradkarten kosten 4,95 Euro. Nähere Informationen und einige exemplarisch zusammengestellte Rundtouren finden sich im Internet unter www.kunstwegen.org.
Die Wassergärten von Ada Hofman
Wer seinen heimischen Garten umgestalten möchte und die Anlage eines eigenen Teiches plant, dem sei ein Besuch der Botanischen Teichgartenanlage von Ada Hofman im niederländischen Gramsbergen empfohlen. Zwischen 20 000 und 40 000 Besucher zählt die Anlage nahe der deutsch-niederländischen Grenze am Rande der niedersächsischen Grafschaft Bentheim jedes Jahr. Rund 200 Kilometer von Düsseldorf entfernt sind die Gärten auch ein lohnendes Ziel für einen Tagesausflug aus dem Rheinland, der mit einem Spaziergang im nahen Vechtetal ergänzt werden kann.
Ada Hofman hat sich in den Niederlanden durch verschiedene Fachbücher über die Teichflora einen Namen gemacht. Auf rund 2,25 Hektar hat sie bei Gramsbergen etwa 30 Themengärten angelegt, in denen mehr als 50 Teiche untergebracht sind. Über 3000 verschiedene Pflanzen wachsen auf dem Gelände, das von Ende März bis Ende Oktober zugänglich ist, tauchen es immer wieder in neue Farbkombinationen. Im Filmsaal können sich die Besucher regelmäßig darüber informieren, was bei der Anlage eines Teiches beachtet werden muss, um ein möglichst ungetrübtes Vergnügen an den Wasserflächen im eigenen Garten zu genießen. Ada Hofman selbst hat sich übrigens inzwischen aus der ersten Reihe zurückgezogen, genießt in der Nähe ihren Ruhestand. Die Gärten werden aber in ihrem Sinne von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn weitergeführt.
Botanischer Teichgarten Ada Hofman, Gramsberen, Westeindigerdijk 3, geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr. Internet: www.adahofman.nl
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