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Reisebericht: Zanskar - immer noch ein Abenteuer
Beschreibung der 5tägigen Anreise nach Zanskar
Zanskar immer noch ein Abenteuer.
wieder mal landeten wir nachts um 12:00 in Dehli. Da der Weiterflug nach Leh bereits um sechs Uhr morgens ist lohnt es sich nicht in irgendein Hotel zu gehen. Also ab zum Transfer innerhalb des Flughafengeländes zum Domestic Airport und dann einfach runhängen bis man einchecken kann.
Im allerersten Morgenlicht sitzt man dann gebannt am Fenster des Airbus und fliegt in den Himalaya. Es sei bewölkt und vielleicht kann man nicht landen - gibt der Captain durch. Das wäre natürlich die große Enttäuschung wieder zurück nach Dehli fliegen zu müssen.
Leh ist 3600m hoch und liegt im Industal. Der Flughafen ist eigentlich militärisch, aber seit ein paar Jahren für den zivilen Flugbetrieb freigegeben. Es gibt keine Instrumentlandesystem, weshalb der Pilot nach Sicht anfliegen muss. Das ist natürlich auch für die Passagiere spannend und jeder klebt am Fenster.
Halb acht sind wir durch die Einreiseformalitäten. Da es immer noch militärische Zone ist hat man mehr Formalitäten wie bei der Ankunft aus Europa in Dehli.
Jeder Schritt bringt einem in dieser Höhe erst einmal ausser Atem. Die Leute aus unserem Guesthouse kennen uns schon und begrüssen uns freundlich. Zwei Tage verbringen wir in Leh um uns zu akklimatisieren. Zeit für ein paar Besorgungen, sich von der durchgereisten Nacht zu erholen, das eine oder andere Kloster zu besichtigen und ganz wichtig die Weiterreise zu organisieren.
Es sind nur ca. 500km in einem großen Bogen von Leh nach Padum, das Luftlinien nur 180km südöstlich liegt, aber es sind 2 volle Reisetage, denn die Strassen sind schlecht, man hat einige Checkpoints wo man sich mit Pass und Visum registrieren muss und dazu noch 3 Pässe mit über 4000 Meter. Ja und dann gibt es natürlich immer viel zu sehen und der eine oder andere Fotostop muss sein.
Also muss man einmal übernachten. Üblicher Weise geschieht dies in Kargil. Eine Stadt, die nur 2km von der Pakistanischen Grenze entfernt ist, hauptsächlich muslimisch und seit der Gründung praktisch nur wegen der Durchreisenden Karawanen existiert. Flöhe im Bett sind keine Seltenheit, oder man steigt in einem der beiden extrem teuren Hotels ab, wenn man 2500 Rupien bezahlen möchte.
Dazu kommt, dass man um ein neues (Gelände-)Taxi feilschen muss, weil Gebietsbeschränkungen es unmöglich machen mit einem Fahrer von Leh aus bis Padum durchzufahren. Hat man diese Verhandlungen, die schon mal 2 Stunden in Anspruch nehmen können hinter sich gebracht, geht es früh ins Bett, ohne ein Schluck Wein oder ein erfrischendes Kingfisher Bier. Wie gesagt Kargil ist muslimisch und wir haben es nicht geschafft etwas derartiges Aufzutreiben.
Am nächsten Tag geht es sowieso schon um 6:00 Uhr weiter. Von Kargil bis Padum sind es mindestens 12 Stunden. Diesmal hatten wir eine Reifenpanne. Am Weg gibt es zwar Vulkaniseure, die die Schläuche flicken, aber das Loch, das wir hatten war ca. handtellergroß und zudem war der Schlauch schon 12mal geflickt. Ein neuer Schlauch? - Fehlanzeige. Die Menschen sind so arm, dass sie kein Lager an Ersatz halten können.
Zum Glück hielt der (auch schon profillose) Reservereifen bis zur 4. Station, wo wir endlich einen Ersatzschlauch bekamen. Das kostet Zeit, weil er natürlich gleich montiert wurde.
Vorbei an Ragdum einem Traum von einem Ort ging es weiter auf der Piste. Manchmal mussten man anhalten und warten, bis die Ausbesserungsarbeiter eine Pause einlegten und uns passieren liessen. Dies macht mir wenig aus, denn die Landschaft ist atemberaubend, die Sicht ist glasklar und immer wieder trifft man auf Menschen mit denen man sich kurz austauschen kann, mit den wenigen Touristen genauso wie mit den Einheimischen.
Der höchste Punkt ist der Penzi La. Immer ein Anlass die mitgebrachten Gebetsfahnen aufzuhängen. Diesmal wehte ein eisiger Wind und vereinzelte Schneeflocken stachen in die Haut. Es ist Juli.
Vorbei an einem der größten Gletscher des Himalaya geht es hinunter ins Zanskartal. Zanskar ein Königreich unter indischer Regierung. Das Tal ist praktisch 8 Monate im Jahr vom Rest der Welt abgeschnitten. Und gerade das macht es so speziell. Die Menschen sind so offen und freundlich, man kommt in einen anderen Rhythmus und passt sich dem Leben dort an.
Aber der Weg vom Pensi La nach Padum ist noch weit. Weitere 5 Stunden wird man durchgerüttelt, der feine Staub kriecht durch alle Dichtungen und schon sind die Nasenschleimhäute überfordert.
Die Kamera ist besser dran, sie hält das aus, nicht das erste mal.
Ziel ist STongde, wo die Schule ist, die die Stiftung Rigzin Zanskar unterhält. Mit unseren Verzögerungen schaffen wir es nicht mehr. In der Dunkelheit (und es ist stockfinster) nach einer aberwitzigen Fahrt, da der Fahrer auch schon ungeduldig wurde) erreiche wir Padum und suchen uns für die Nacht ein Zimmer. Wir haben Glück, das Angebot ist beschränkt, aber wir bekommen noch eines. Strom im "Hotel" - Fehlanzeige. Dusche? Aus der Küche bringt man einen Kübel mit heissem Wasser, das direkt aus dem Bach kommt und mehr Schwemmanteile hat, als wir Dreck von unserm Körper abwaschen wollen. Trotzdem es tut gut und bei Kerzenlicht ein Bier (wieder Glück gehabt-es kann passieren, dass für Wochen kein Nachschub kommt) das lässt und die Fahrt verdauen und uns auf unsere Aufgaben für die nächsten Tage freuen.
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Manchmal ist eben der Weg das Ziel ... ;-)
LG Robert -
hallo rolf,
guter artikel mit vielen details und infos.
ein kleiner Fehler hat sich wohl eingeschlichen, zwischen Kargil und Padum kommt man am Kloster RANGDUM vorbei, nicht an Lamayuru, aber beides sind faszinierende Orte ("power places"), wo es sich durchaus lohnt, auch mal ein paar Tage anzuhalten statt bloß durchzufahren, um die Atmosphäre und Faszination der Landschaft einzufangen.
Grüße
Thomas12
Thomas Wilden -
Danke Thomas, da hast Du Recht (mein Namensgedächtnis war schon immer schwach ;-()))
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Hallo Rolf, ein guter Beitrag! Ich hätte Lust gehabt, weiterzulesen, aber da war ja die Anreise- wie die Überschrift lautet- schon vorbei.Wenn man einmal im Himalaya war, wird man das glasklare Licht nie mehr vergessen. Ich war am Zusammenfluss von Indus und Zanskar auf dem Weg nach Lamayuru und habe da sehr an den Film denken müssen "Die Kinder von Zanskar". Wie ich gehört habe, wollen sie nun eine Strasse bauen, die Zanskar direkt mit Ladakh verbindet. Das wird sicher viele Veränderungen mit sich bringen- solche und solche. Schön, dass Du das alte Zanskar noch erleben konntest. Gruß Brigitta
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Hallo Lana, das mit dem Straßenbau dauert noch obwohl sie schon seit Jahren dran sind, da es geologisch sehr schwierig ist.
Hauptgrund ist, dass das indische Miltitär nicht über Kargil - muslimisches Gebiet sehr nahe an der Pakistanischen Grenze - nach Zanskar fahren muss. Und in Zanskar wird ein größerer Miltärstützpunkt errichtet. Seit Pakistan und auch die mehrheitlich muslimische Bevölkerung Kaschmirs selbst Kaschmir übernehmen möchte, wäre damit auch der Zugang zu Zanskar unmöglich.
Gruß
Rolf
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