Winter in Krün

Reisebericht

Winter in Krün

Reisebericht: Winter in Krün

Eine Winterwanderreise in ein weitläufiges bayerisches Tal mit geräumten Wanderwegen, gut präparierten Loipen und einer gigantischen Kulisse.

Ach Bayern!

frisch gespurte Landlaufstrecke

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Wenn ich meine Fotos anschaue, will ich wieder dorthin. An jeder Ecke mindestens eine Idylle. Und Ordnung herrscht in allem! In Sachen preußischer Ordnung macht den Bayern niemand was vor. Morgens die Langlaufloipen nach der durchschneiten Nacht pikobello gespurt, mit Rasiermesserscharfen Kanten. Nie würde ich wagen, dieses Werk der Akkuratesse mit den langen Brettern zu betreten, mit den Stöcken die glatten Flächen rechts und links der weißen Vertiefungen aufzuwühlen. Der Schatten des Verbotsschildes für Fußgänger und Hund fällt quer über die geraden Linien der beiden Spuren wie eine Schranke aus violetter Luft.

Man kann ja auch noch was anderes unternehmen, die geräumten Wege bewandern zum Beispiel, damit die Motorkraft der Räumfahrzeuge nicht umsonst eingesetzt wurde. Auf den Wanderwegen darf man allerdings nicht mit den Brettern herumrutschen, streng verboten, mindestens so streng, wie sich von den lauernden Dachlawinen erschlagen zu lassen oder zu spät zum Abendessen zu kommen. Es wird abends schon abgefragt, was am nächsten Tag gegessen werden will. Wenn man das System einmal durchschaut hat, nämlich entweder mittags mit Suppe und Nachtisch oder abends mit Suppe und Nachtisch, dann aber mittags nicht und wenn abends doch, dann ohne, aber was anderes als mittags, ist es ganz einfach auszuwählen und auch einleuchtend, dass die Küche es 24 Stunden vorher wissen muss. Am besten auch die Getränke gleich am Vorabend mitbestellen, dann klappt es reibungslos, selbst wenn der Speisesaal voll ist. Dafür sind wir dann gerne bereit, die Dreistundenwanderung am Morgen in zweieinhalb Stunden zurückzulegen und uns nicht dauernd von schönen Aussichten aufhalten zu lassen. Wir wollen auf keinen Fall riskieren, dass in der Küche irgendwas durcheinander gerät, nur weil wir ein paar Berge betrachten wollen. Berge gibt es hier schließlich genug, an jeder Ecke sozusagen, nicht jedoch Köche und Küchenpersonal!

Was nicht so gut geordnet ist, muss ich leider anmerken, ist das Wetter. Es ist zwar Schnee genug vorhanden, um einen anständigen Winterurlaub zu verbringen, aber es ist auch arg kalt dabei. Manchmal auch nicht, zum Beispiel auf der Piste gegen Mittag, dann, wenn ein paar Banausen das morgendliche Werk schon gründlich zerstört haben und wir uns auch trauen, Stockspuren zu hinterlassen. Nach einer halben Stunde etwas wird es so warm, dass wir die Hälfte der Zwiebelschichten abziehen, umbinden und im Rucksack verstauen müssen, die Sonne würde das Zeug sonst wahrscheinlich entzünden. Leider sind die Loipen bei aller Sorgfalt nicht so angelegt, dass es die meiste Zeit bergab geht, das trägt erheblich zu den Hitzeschüben bei.

Nach einer weitern halben Stunde ziehen aus heiterstem Himmel schiefergraue Wolken auf und wir müssen das ganze Wollzeug aus dem Rucksack wieder rausholen und zwar schnell, weil es so plötzlich kalt wird, wie es uns eben erst warm geworden war. Natürlich fällt immer was hin dabei und dann sind die Handschuhe voll Schnee oder der Schal, was genau so unerfreulich ist. Da es aber sowieso anfängt zu schneien, wird bald auch alles andere voll Schnee sein. Ist das von oben gründlich besorgt, bricht unvermittelt wieder die Sonne durch und das Spiel beginnt von vorn. Auf diese Weise braucht man für die Strecke, die mit zwei Stunden ausgeschrieben ist, etwa drei und schon wird es wieder knapp mit der Zeit fürs Abendbrot. Das gibt es nämlich nur zwischen halb sieben und halb acht. Auf keinen Fall später. Da man als Gast nur frisch geduscht im Speisesaal erscheinen darf und jeder zurückgeschickt wird, der nicht nach dem hauseigenen Duschgel duftet, ist es ratsam, die Nachmittagstouren ebenfalls so zu planen, dass man nicht durch längere Landschaftsbewunderungsaufenthalte oder gar Sonnengenusseinlagen auf einer der täglich freigefegten Bänke den richtigen Zeitpunkt des Wiedereintreffens im gemütlichen Hotel verpasst. Wenn man Sonne will, kann man schließlich dort unter die hauseigene Sonnenbank und Bilder von der Landschaft hängen als Ölbilder überall herum.

Wäre doch gelacht, wenn wir als Preußen nichts zu meckern hätten im Vorzeigeland.

Die Schönheit der Landschaft im Winter ist mit der Kamera nur unzureichend zu erfassen, da Berglandschaften sich grundsätzlich dem Objektiv entziehen, im Winter, finde ich, erst recht. Die Berge sind zu groß und der Schnee ist zu weiß und das Licht zu hell. Man muss hinfahren und selber gucken bis die Augen wehtun von dem Glanz.

Und wenn das noch nicht reicht, empfiehlt sich ein Ausflug zum Walchensee, wenn er zugefroren ist und nach Möglichkeit bei blauem Himmel. Wenn so ein Himmel sich im Eis spiegelt, dürfte kein Gramm Blau mehr hinzukommen, dann wäre die Grenze des Erträglichen erreicht. Auch für kalte Schönheit muss es Grenzen geben!



Krün eingezäunt


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Kommentare

  • Bashi

    hi!
    dein bericht macht extrem lust, sofort zu packen und an den walchensee zu düsen!
    gut geschrieben und schön mit fotos unterlegt!

  • Karu24

    Danke und nur zu! Im größten Café am Ort, ich habe den Namen vergessen, gibt es sündhafte Windbeutel. Das hätte ich noch erwähnen sollen.

  • bezi

    Hallo, habe eben Deinen schönen Bericht gelesen und würde am liebsten auch gleich dorthin fahren. Ich liebe Winterurlaube, Schneelandschaften... und es gibt auch kaum etwas erholsameres.
    LG Bezi

  • Karu24

    Danke für die positive Rückmeldung. Ich weiß nicht, wo Du wohnst. Bei uns am Niederrhein ist es zwar jetzt kalt, aber Schnee haben wir sehr selten. Daher freue ich mich auch immer, wenn ich diese glitzernde Pracht genießen darf.
    LG Karu

  • Blula

    Hallo Erika! Da hast Du einen sehr schönen Bericht geschrieben über eine Gegend, die ich von meinen bisherigen Winterurlauben kenne. Bin Langläuferin und oft in dieser Ecke gewesen, genauer gesagt in Mittenwald oder meistens über der Grenze in Leutasch/Tirol. Eine herrliche Gegend! Danke für diesen Bericht, der bei mir viele Erinnerungen geweckt hat.
    LG Ursula

  • Karu24

    Freut mich, dass Du es wiedererkannt hast.
    Gruß Karu

  • Hortensie7

    Da ist ja noch jemand total verliebt in die Gegend... ;-))) Ich kenne die Gegend auch sehr gut, wie du aus meinen Berichten ersehen kannst! Sehr schön, lg Petra

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  • mamaildi

    Hab deinen wunderbaren Bericht eben erst entdeckt - musste viel schmunzeln. Bilder zum Genießen. Diese Ecke der deutschen Alpen kenne ich noch gar nicht, wir bleiben immer im Allgäu hängen.

  • Wanderspezi

    Toll sind hier auch die kleineren Seen. So kann man im Winter z.B. rund um den Ferchensee wandern. Viel Ausblick gibt es auf der Ederkanzel. Viel wunderbare Winterlandschaft!

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Winter in Krün 4.25 8

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