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Reisebericht: Stockholm zwischen den Jahren (2)
Von Einkaufstrassen, Essen und dem Verhalten schwedischer Fußgänger…
…werden Sie überrascht sein. Als City mit 1,5 Millionen Einwohnern sind natürlich die Einkaufsstrassen in Stockholm auf die Bedürfnisse einer Metropole ausgelegt. Fünf große Flaniermeilen, teils als reine Fußgängerzonen öffnen nicht nur kauflustige Herzen, sondern auch Geldbeutel und Kreditkarten. Jack Jones, Kenvelo, Dior und etliche andere, z.T. in Deutschland nicht verfügbare, Modegeschäfte und Interieurläden bieten ihre Waren in Einkaufszentren feil. Erstaunlich viele Friseure und Blumengeschäfte sind ebenfalls zu finden. Und alle proppenvoll mit Kunden!
Hinzu kommen mehrere Markthallen, alt und wunderschön und- proppenvoll. Dort kann man nicht nur skandinavische und andersländige Spezialitäten kaufen, man kann dort auch (sozusagen direkt an der Quelle) genießen.
Insbesondere in der kalten, dunklen Jahreszeit machen die Stockholmer ausgiebig Gebrauch von diesem Angebot.
Womit wir wieder einmal in der wichtigen Abteilung der Gastronomie angekommen sind… Schweden sind Kaffeesüchtig!
An jeder Ecke werden Sie Cafes und kleine Bistros, alte, neue, kühl nordisch eingerichtet oder urgemütlich, entdecken. Allen gemeinsam ist, dass sie zu jeder Öffnungszeit Schweden mit einem Kaffeebecher in der Hand beherbergen. Witzigerweise erfreut sich der Instanttrunk einer bekannten Schweizer Firma besonderer Beliebtheit, er steht sogar auf dem Frühstücksbüffet des Hotels … Wo sich unsereins mit Grauen abwendet und nur zur löslichen Brühe greift, wenn er keinen Filter und eine Kaffeekanne zur Hand hat, trinken die Nordländer/innen selbst in zivilisierten Gegenden andachtsvoll ihren N…cafe. Kaffee setzt Serotonin („Lebenslust-Stoff“) frei, ähnlich wie Schokolade. Dieser Stoff steigert die Munterkeit, die Vorstellungskraft und die Aufmerksamkeit. Als dies passiert auch bei Sonneneinstrahlung, die naturgemäß im nordischen Winter extrem gering ausfällt. Wenn es um 3 Uhr nachmittags schon dunkel wird…
Apropos Schokolade: selbstverständlich wird zum Kaffee auch eine Zimtschnecke (nein, nicht unsere Opinio-Kaneelbulle) oder ein Stückchen Torte (Änne und Käthe würde das sehr gefallen) oder ein Teilchen vertilgt. Quasi als doppelte Versicherung gegen Serotonin-Mangel…
In den Markthallen liegen Ihnen nicht nur ausgewachsene Lachse und Jakobsmuscheln drapiert von frischen Austern auf der Kühltheke, sondern auch handgerollte Köttbullar oder - besonders beliebt- asiatische Spezialitäten aus Japan, Thailand, China, der Mongolei usw.. Meiner Theorie nach liegt die Vorliebe für asiatische Kochkunst ja in den scharfen Gewürzen begründet…Sie wissen schon, Serotonin….
Elche, Rene und sonstige Spezialitäten sind bei Touristen die Renner. Die Schweden sehen hingegen das für uns exotische Gaumenerlebnis als selbstverständlich an. Weswegen eine Rentier-Salami oder eine Elchwurst nicht teuerer als eine gute italienische Wurst bei uns sind. Älk-Burger sind normal…
Essen gehen ist in Stockholm nicht so einfach wie in Deutschland. Selbst in der billigsten Speisebude dürfen Sie sich nicht einfach im Lokal umschauen, an den erspähten freien Tisch wandern und Platz nehmen. Nein, ein Kellner fängt Sie meist früh genug schon kurz hinter der Restaurant-Schwelle ab und fragt nach Ihrer Reservierung! Selbst wenn das Lokal nur mit drei einsamen Gästen bestückt ist, kann es sein, dass Sie erst einmal 10 Minuten warten müssen - um dann zum Tisch geleitet zu werden, den Sie sowieso schon im Auge hatten. In der Mittagszeit bieten die meisten Restaurants erschwingliche Menüs (dagens rätt) an, abends wird es noch voller und auch teuerer.
Zu empfehlen sind Jansens Beefhuset auf dem Sveavägen oder das etwas weiter nördlich auf der gleichen Strasse gelegene „Hard Rock Cafe Stockholm“. In dem können Sie nicht nur gut essen, sondern auch Hard-Rock-Cafes-Souvenirs wie T-Shirts etc erwerben.
Abzuraten, und zwar auf das Heftigste, sei allerdings von dem Verzehr der Speisen der „Gato-Köken“. Diese mehr oder weniger im nordischen Wind davonfliegenden Imbissstände bieten vorwiegend an den von Touristen bevorzugten Orten Hot dogs und Ähnliches an. Nicht nur, dass die warmen Hunde überteuert sind, meist schmecken sie noch nicht einmal und sind eigentlich nur als…ähem…Hundefutter zu gebrauchen…
Wenn Sie eine solche Bude entdecken, machen Sie einen großen Bogen drum herum oder wechseln Sie die Straßenseite!
(Elegante Überleitung zum Thema Verkehr, nicht wahr?)
Das Verhalten geschlechtsreifer Stockholmer in Hauptverkehrszeiten ist nicht unbedingt gesetzeskonform. Krei(sel)verkehre gibt es kaum, stattdessen Ampeln über Ampeln. Welche von den fußgängerischen Hauptstadtbewohnern auch mit Enthusiasmus benutzt werden – als Drückmittel und als Taktgeber für die innerlich gesummte Melodie. Das gemächliche Tak---Tak---Tak der roten Ampel wird beim Umspringen auf Grün abgelöst vom hektischen Stakkato Tack-Tack-Tack. Nur sind dann die ungeduldigen Schweden schon längst auf der gegenüberliegenden Straßenseite…Zufälligerweise kam gerade kein Auto oder die Motorkutschen waren ausreichend weit genug entfernt um schon vorher über die Strasse zu flitzen. Manchmal laufen die Stockholmer auch einfach nur los und vertrauen auf den lieben Gott und das Reaktionsvermögen der Autofahrer. Hängt vielleicht auch mit dem Serotonin-Spiegel zusammen…
Überhaupt können Sie alles Sehenswerte auch zu Fuß erreichen. Außer das Schloss Drottningholm, sofern Sie nicht schwimmen wollen – nehmen Sie einfach die Fähre und bestaunen Sie das Wohnschloss von „dat Silvia un ihren Karl Gustav“.
Aber es gibt noch mehr als "Königin-Gucken" !
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