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Reisebericht: Mit dem Bus nach Büffelkacke
Eine aufregende Busfahrt ins abgelegene Örtchen Attapeu
Attapeu heißt „Büffelkacke“ und auf ähnlichem Niveau verläuft die Anreise. Nicht, dass ich auf einem Wasserbüffel geritten wäre – obwohl das wahrscheinlich die bequemere und nur unwesentlich langsamere Variante gewesen wäre. Stattdessen aber ging’s mit dem zwischen etlichen Reis- und Zementsäcken gerade noch als Personenbeförderungsmittel identifizierba-ren Bus über’s Bolaven Plateau nach Büffelkacke.
„Pai bó?“, ruft der Fahrer – vielleicht zwei oder drei Jahre jünger als ich – mir voller Enthusiasmus zu. „Pai!“ rufe ich zurück und im bis zum Bersten beladenen Bus bricht das Lachen aus. Einen Falang, also Ausländer, der nach Attapeu fährt, das gibt’s nicht Alletage. Einen Falang, der Laotisch spricht schon gar nicht.
Als sich die Gespräche über den Falang gelegt haben – zehn Kilometer auf der Straße – gehen wir auf Tuchfühlung. Die alte Frau auf dem Sitz neben mir (sie kam als letzte und musste somit den einzig verbleibenden freien Platz neben mir nehmen) tätschelt meine weißen Arme und ruft dem Publikum zu, dass Falangs Arme ganz schwabbelig sind. Die Tatsache, dass Falang alles verstehen kann scheint sie vergessen zu haben.
Weitere zehn Kilometer auf der Strecke, als auch meine Beine und mein Gesicht bereits aus-giebig inspiziert waren, breitet sie ihr pinkfarbenes Handtuch über meinen Schoß aus und legt sich hin. „Nüai“, sagt sie, sie ist müde. Und, ob ich vielleicht meinen linken Arm alternativ positionieren könne, so jedenfalls sei es nicht sonderlich bequem. Kein Problem.
Wir rumpeln weiter auf Route 18 gen Osten, durch Kaffee- und Teeplantagen, vorbei an Laven-, Alak- und Katu-Dörfern, die der Fahrt wenigsten ein wenig Idylle verleihen. Und auch vorbei an den meisten Möchtegern-Fahrgästen, die winkend am Straßenrand den Bus zum Anhalten zu bringen versuchen – auf die asiatische Art eben. Aber dieser Bus ist mehr als voll, das sieht man doch! Versucht’s morgen noch mal & Viel Glück!
Attapeu rückt nach fast fünf Stunden näher und meine Sitznachbarin erwacht aus dem Tiefschlaf – was für meine demolierten Beine wohl noch eine Weile dauern dürfte.
Im lieblichen Attapeu verabschiedet sich meine neue enge Freundin auf Englisch mit „Bye Bye“ (einmal noch alle lachen!) und plötzlich stehe ich alleine da. Alle Gästehäuser, und das sind nicht viele, sind voll. Weit und breit kein Tuk-Tuk, kein Songthaew, kein Samlor. Fußmarsch tut ja auch mal gut, bei 40°C mit 20Kg auf dem Rücken geschnallt. Erst beim Attapeu Palace Hotel kommt mein Glück zurück – Zimmer frei (anderes wäre bei einem riesigen Betonklotz sozialistischer Architektur in einem winzigen Dorf auch äußerst suspekt). Also residiere ich im Büffelkacke Palasthotel. Und das, mal ganz abgesehen von den wundervollen, freundlichen Menschen hier, ist schon allein die Reise wert.
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Lustig und unterhaltsam geschrieben.
Ich würde gerne wieder mit dir auf diese Weise verreisen.
Nimmst du mich bitte mit? -
Ich schließe mich Chinomso an. Das einzige was ein bisschen stört (nur ganz leicht), sind die Trennstriche.
So ein Erlebnis a la weißer Arm habe ich auch mal gehabt, allerdings kurz hinter der Grenze zu Kambodscha an einer Landstrasse, an der Touristen wohl sonst so gut wie überhaupt nicht halten. Khmer spreche ich nicht. Da ich fast überhaupt nicht braun werden haben meine Mitreisenden (denen ähnlich geschah) und ich das Ganze dann auf die ziemlich weiße Haut bezogen. Hmm, war wohl ein Irrtum :-) Auf jeden Fall hat unsere Truppe einen ziemlichen Auflauf verursacht.
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Ja, mir ist das ja auch schon öfters passiert...gab auch noch viel schlimmere Situationen in der Mae Hong Son Province (Nordwest Thailand), da war mein T-Shirt schneller hochgezogen als ich gucken konnte...die liebe Lahu-Frau wollte mal w i r k l i c h weiße Haut sehen :-(( Aber naja, so ist das nun mal wenn Exoten aufeinander treffen.
Die Trennstriche habe ich rausgenommen - sorry dafür, die sind anscheinend aus der Word-Datei nicht richtig übernommen worden. -
Servus Carolin!
Ist schon ein Erlebnis der besonderen Art mit öffentlichen Verkehrsmitteln fremde Länder zu bereisen! Danke für deinen amüsanten Bericht!
Konnte auch schon einiges an Erfahrung mit fremden Kulturen in Bussen und Bahn machen (Myanmar, Thailand, Transsib, China...). Vor Allem abseits der Touristenpfade eine wundervolle Art, Land und Leute zu erleben!
Liebe Grüße,
Andy -
Grias di Andy!
oh ja...die öffentlichen Verkehrsmittel...irgendwie verfluche ich sie immer, weil alles viel zu eng und klein ist für mich, aber dennoch setz ich mich immer wieder rein, weil - wie du schon sagst - es einfach ein besonderes Erlebnis ist, auf diese Weise Land und vor allem Leute kennen zu lernen...
LG,
Carolin -
Sehr schön geschriebener Bericht mit Wiedererkennungscharakter der Szenen :-))
Viele Grüße
Jürgen -
*grins*
Ja, ich glaub durch solche Busfahrten muss wohl jeder mal durch :-)
Aber das ist ja das Schöne am Reisen, dass mam solche tollen Erlebnisse hat und einzigartige Erfahrungen macht :-) -
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Herrlich!
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danke :-)
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Abenteuerreisen müssen wohl nicht immer lang sein, eine Fahrt mit dem Linienbus in Laos reicht da halt aus. Den Bericht fand ich schön lustig, der ist bestimmt auch was für Deine Zeitung!
Schöne Grüße
Ralf -
Stimmt, manchmal ist jeder Tag eine Abenteurreise für sich, besonders wenn man eine gewisse Anziehungskraft für das Chaos hat :-)
Mal schaun ob ich den Bericht mal in der Zeitung unterbringen kann...bin zur Zeit sowieso in der Reiseredaktion :-) -
Schöner Bericht. Bisher haben mich meine Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht in solch exotische Regionen geführt. Aber diese Art des Reisens ist die Beste um mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen.
LG
Markus -
Sehr schöne und amüsant geschriebener Kurzbericht, der mich zum Schmunzeln brachte!
Danke
LG Robert -
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Wieder einer Deiner großartigen Berichte, wenn auch leider viel zu kurz! Aber ein dicker Extrapunkt für den Titel!
LG Beate -
Eigentlich ist schon alles gesagt zu deinem Tollem Reisebericht ! Ich finde es war eine Reise um die dich sicher viele von uns Beneiden werden ! LG Hans
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Wunderbar! Sehr schöner autentischer Bericht. Genau so kenne ich das Reisen in Laos - und liebe es! Sieht der Busbahnhof in Attapeu noch so verschlafen aus wie auf dem Bild in meinem Blog http://asiaadventuretravel.blogspot.com/2011/01/reise-abenteuer-in-sudost-asien-in-laos.html ? Ich war 2007 dort und kenne das Palasthotel übrigens auch.
Bin gerade vor 4 Wochen aus Laos zurückgekommen und könnte nach deinem Bericht gleich wieder losfahren ;-)
LG Rainer -
du sprichst laotisch?!
verdammt, ich werf mich in den Staub vor Dir!
ich spreche höchstens chaotisch!
ein Bericht der klingt wie von einer begabten Nachwuchsjournalistin
sehr geil
neidische grüsse
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Danke für das Lob! Naja nein, ich spreche kein Laotisch (also raus aus dem Staub), aber dafür Thai und das ist dem Laotischen ziemlich ähnlich, die meisten Laoten verstehen es und ich verstehe sie wenn sie Laotisch sprechen :-)
LG
carolin -
Amüsant und informativer Reisebericht! Liebe Grüsse, Ursi
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Ein Bericht nach meinem Geschmack !
Nette Grüße von Josef
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