A day out: Ostseeküste mit dem Rad

Reisebericht

A day out: Ostseeküste mit dem Rad

Reisebericht: A day out: Ostseeküste mit dem Rad

Nur einen Tag Zeit? Es darf nicht zu weit weg sein? Wenn man in Hamburg wohnt, bietet sich die Ostseeküste an - mit Bahn und Rad.

Auch wenn die Dithmarscher beharrlich diesen Titel für sich reklamieren: Eines der letzten Abenteuer Europas ist für mich - die Ostsee zwischen Kappeln und Flensburg. Fernab größerer Städte (in der Nähe von Kappeln liegt die kleinste Stadt Deutschlands, Arnis) und Touristenzentren sagen sich hier noch Fuchs und Hase - und vielleicht noch ein zugereister Berliner - gute Nacht. Die Landschaft ist kleinräumig, hügelig. Und irgendwie ist man immer an der Küste. Der Blick schweift über Strandhafer, die Sahnehäubchen der Schaumkronen, bis zur süddänischen Inselwelt. Wo es - aber nur vielleicht - noch schöner ist.



Gar nicht schlimm: Bahn und Rad

Los gehts mit einem Schleswig-Holstein-Ticket mit Fahrrad (33,50 Euro) in der Tasche. Hamburg-Dammtor bis Kiel, dann umsteigen in einen charmanten Triebwagen, der über Eckernförde und Süderbrarup seinen Weg nach Flensburg sucht. In Süderbrarup steige ich aus, das Wetter ist grandios, mich umfängt herbstilche Wärme und wohltuende Provinzialität. Und los geht's mit energischem Rückenwind - an die Ostsee! An Kappeln nördlich vorbei (Topografische Karte 1:50000 ist Pflicht). Beim malerischen und oft, vielleicht allzu oft reproduzierten Leuchtturm von Falshöft treffe ich auf die See. Dass zwar vereinzelt Leute halbnackt an geschützten Stellen im Strandsand liegen, aber keiner badet, stachelt mich an: ab ins Wasser! Einmal geht noch, auch wenn wir fast Oktober haben.



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Als ich wieder aufgetaut bin, nehme ich die Geltinger Birk in Angriff, eine Landzunge unter Naturschutz mit angeblich herrlichem Wanderweg rund um die Küste. Der Weg ist dann auch tatsächlich wunderschön. Etwas störend nur: Offenbar wird der Weg von den lokalen Tourismus-Machern so gut beworben, dass auch unter der Woche viele Wanderer hier ihr Heil suchen. Zum Radfahren ist der Feldweg nur bedingt geeignet. Dazu kommt, dass man den 10-20 m entfernten, schönen Sandstrand nicht betreten darf: dem steht der Naturschutz entgegen. Bleibt immerhin der grandiose Blick über Küste und Meer, zu den dänischen Inseln Langeland, Ärö und Alsen mit der Stadt Sonderburg und den Düppeler Schanzen, wo anno 1864 die Preußen den Dänen eine empfindliche Niederlage beibrachten.



Querfeldein auf dem Radwanderweg

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Der Weg ist teilweise besser zu Fuß zu bewältigen, aber wunderschön. Am Südende, am Geltinger Noor, einer kleinen Meeresbucht, bietet die Mühle Charlotte einen malerischen Anblick. Und weiter geht's, die Küste hinauf, durch den kleinen Sporthafen von Gelting. Weiter auf dem Ostseeküsten-Radwanderweg. Der Weg ist recht gut beschildert und führt teilweise direkt am Wasser entlang, teilweise muss man auf holprigen Pfaden unwegsame Stellen umrunden, Entwässerungsgräben überwinden, Waldstücke durchqueren (besonders schön: alter Buchen- und Eichenwald, der bis an den Sandstrand reicht). Auf jeden Fall ist für Abwechslung gesorgt. Vielseitig ist sie nun wirklich, diese Landschaft.



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Bei Habernis mache ich noch einen Abstecher an den Strand, der hier nun endgültig verlassen und verträumt ist, und genieße noch einmal den Blick zurück zur Geltinger Birk. Dann mahnt die Uhr. Also weiter, quer durch's Landesinnere - der letzte Zug wartet nicht - nach Husby, der letzten Eisenbahnstation vor Flensburg. Als Souvenir nehme ich nach Hamburg eine teils fingerdicke Schlammschicht auf meinem Fahrrad mit. Wenn man auch die ganz kleinen Wege befährt, weil sie auf der Karte so malerisch-einsam ausschauen, muss man damit leben.


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Kommentare

  • daniel.olzien

    Süderbrarup - das hört sich wirklich schön nach Provinz an. Auf dem einen Foto meinte ich fast einen Weg aus meiner Jugend - auch auf dem Dorfe (Wienhausen) - zu erkennen.
    Klasse!

  • UliS

    Da kann man mal sehen, was an einem Tag machbar ist. Schöner Bericht über eine schöne Landschaft!

  • lautine

    Die Beschreibung eines schönes Tages in Wort und Bild, man möchte gleich losfahren.

  • juergen.k

    Schöner Bericht und bin einen Teil der Strecke wieder im Geiste nachgefahren, nur dass ich anders herum gefahren bin, von Kappeln zur Geltinger Bucht und dann immer die Küste entlang - genau wie hier beschrieben - bis Maasholm. Dort kann ich nur das Cafe "Sand am Meer" auf der Hauptstr. 13 empfehlen mit den selbstgebackenen Kuchen, geöffnet im Winter von FR bis SO.
    Wer Lust hat sollte auch die vielen schönen alten Kirchen dort in Angeln besuchen.

  • Lette

    Sehr gut geschrieben!

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. A day out: Ostseeküste mit dem Rad 3.79 19

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