Stilles Glück

Reisebericht

Stilles Glück

Reisebericht: Stilles Glück

Umbrien ist nicht so in aller Munde wie die Toskana und hat als einzige italienische Region südlich der Alpen keinen direkten Zugang zum Meer. Doch genau darin liegt der Zauber. Es hat noch den Charme vergangener Zeiten, den Reisende in Italien suchen. Im herrlich grünen Herz Italiens ist es leicht, sein stilles Glück zu finden.

Eine oft übersehene Region

Umbrien wird von den meisten Touristen, die zu den Stränden der Tyrrhenischen und Etruskischen Küste oder nach Rom strömen, im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen. So gilt es dank seiner Urtümlichkeit als Geheimtipp. Nebenbei ist es zudem ein wenig preisgünstiger als die meisten der bekannten Urlaubsziele Italiens. Wer die Region zwischen dem Lago Trasimeno im Nordwesten und den Ausläufern der Sibillinischen Berge im Südosten bereist, wird bezaubernde Städte, mittelalterliche Dörfer, poetische Landschaften und viele kulinarische Schätze auf seinem Weg entdecken.



Jazz zwischen alten Mauern

Das Geheimnis der Schönheit Umbriens liegt in der Verbundenheit seiner Einwohner mit der reichen und ruhmreichen Vergangenheit. Etrusker, Römer und Langobarden haben Umbrien insgesamt über 3000 Jahre hinweg geprägt. Im Mittelalter und in der Renaissance war Umbrien eine pulsierende Region der historischen, kulturellen und religiösen Ereignisse. Ihre Städte erlebten eine außergewöhnliche Blütezeit und konnten einen unschätzbaren Reichtum an künstlerischen und kulturellen Schätzen anhäufen. Perugia etwa, die stolze Hauptstadt Umbriens, gründete im 13. und 14. Jahrhundert eine der ersten Universitäten Europas. Kunst, Kultur und Wissenschaft haben hier seit jeher einen hohen Stellenwert.

Die kulturinteressierte heutige Welt erfreut vor allem das Jazz-Festival Umbria Jazz (www.umbriajazz.com). Es ist eines der wichtigsten europäischen Musikereignisse und findet in der Altstadt Perugias seit 1973, jährlich im Juli, an zehn Tagen statt. Oft zieht das Festival mehr als 200.000 Besucher pro Saison an. Neben Jazzmusikern traten auch bereits Rock-, Pop- und Blueslegenden wie Eric Clapton, Carlos Santana, James Brown, Alicia Keys oder Sting auf. In diesem Sommer, vom 10. bis 19. Juli, ziehen Stars wie Paolo Conte, Simply Red, James Taylor und der ehemalige Marlene Dietrich-Pianist Burt Bacharach ihre Fans in den Bann. Dann wird Perugia mit zahlreichen Konzerten wieder von morgens bis abends zum Treffpunkt für tausende Musikliebhaber aus allen Teilen Italiens, Europas und den Vereinigten Staaten.

Nur etwa 20 Kilometer östlich von Perugia wirkte einst der Heilige Franziskus. Seine geschichtsträchtige Heimat Asissi ist einer der berühmtesten Wallfahrtsorte Italiens. Die Fresken der Basilika San Francesco sollten sich Kunstinteressierte nicht entgehen lassen.

Franz von Assisi wanderte bereits vor rund 700 Jahren in den schönsten Gebieten Umbriens, im "wildem Osten", dem Tal der Valnerina und in den Sibillinischen Bergen. Diese abgelegenen und dünn besiedelten Gegenden zeigen noch heute herrliche Landschaftsbilder, vom Tal des Nera mit seinen kleinen alten Dörfern bis zu den Hochebenen bei Norcia und Castelluccio. Auf seinen Spuren können auch heute Urlauber wandern. Weinberge, Olivenhaine und malerische Täler bieten Naturliebhabern tiefe, pure Erholung.



04.09.2009

Öl und Wein als Teil der Alltagskultur

In Umbrien, das sich immerhin einer tausendjährigen Weinbautradition erfreut, kommen auch Genießer auf ihre Kosten. Das Fremdenverkehrsamt in Trevi bietet zum Beispiel am 25. und 26. April ein entspanntes, außergewöhnliches Picknick zu Kunst und Konzerten unter Olivenbäumen an (www.treviturismo.it).

Die Weinberge und Olivenhaine machen den unverwechselbaren Charme dieser hügeligen Region aus. Moderne Methoden werden beispielsweise eingesetzt, um eine Verbesserung der Weinqualität zu erreichen. Dies erklärt, warum in einer so kleinen Region insgesamt elf DOC-Weine und zwei DOCG-Weine angebaut werden. Der Verkauf dieser Weine ist auf dem regionalen, nationalen und internationalen Markt sehr erfolgreich.
Eine der bekanntesten Weinkellereien Umbriens ist die von Arnaldo Caprai in Montefalco. Er erwarb 1971 Weinberge im Gebiet Val di Maggio und hatte das ehrgeizige Ziel, die lange Weinbautradition der bodenständigen Rebsorte Sagrantino im Territorium zu erhalten und zu erweitern. Sein Sohn Marco Caprai verwaltet das Familienunternehmen seit Ende der 80er Jahre mit großem Erfolg und internationaler Anerkennung.

Marco Caprai ist auch maßgeblich an der Initiierung und Umsetzung von zahlreichen Kunst-, Kultur-, Gastronomie- und Weinkulturveranstaltungen in Montefalco beteiligt, um das Thema Wein lebendig zu erhalten. Die Notenklänge kleiner Streich- und Blasinstrumentenensembles erfüllen die bezaubernden Straßen und Plätze der romantischen Altstadt ebenso wie wispernd-gemütliche Runden in den Tavernen (www.montefalcodoc.it, www.stradadelsagrantino.it).

Die Straße des nativen Olivenöls extra DOP Umbria

Nicht nur auf ihre Weine, auch auf ihre Olivenöle dürfen die Umbrier stolz sein. Die gesamte Region hat für die Produktion ihres nativen Olivenöls „extra vergine“ das sehr schwer zu erhaltende Qualitätsprädikats D.O.P. „Umbria“ erhalten. Seit 1998 gibt es das vom italienischen Staat erteilte Qualitätsprädikat Denominazione d´Origine Protetta (D.O.P.) „Umbria“. Besucher werden bei Führungen in der Ölmühlen-Genossenschaft „Il Frantoio“ Erstaunliches über die Ölgewinnung erfahren und können Köstliches für ihre heimische Küche entdecken. Eines der Genossenschaftsöle wurde im vergangenen Jahr von der deutschen Zeitschrift „Der Feinschmecker“ unter 800 getesteten Olivenölen prämiert. (www.oliotrevi.it).

Von Trevi ist es nicht weit nach Città di Castello, das mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Pecorino, Salami, Wildschweinwürste, Schinken und Trüffeln lockt. Das Schulungs- und Informationszentrum „Tartufi Bianconi“ bietet dort viele Veranstaltungen rund um die heißbegehrten Edelpilze an (www.tartufibianconi.it). Schulkinder wie ausländische Touristen erfahren in dem Ausstellungsbereich des Trüffel-Museums alles über die lange Tradition des Trüffelsuchens und –bearbeitens. Zum Beispiel welche Hunderasse und Werkzeuge für die Suche nach der würzig duftenden, kostbaren Knolle besonders geeignet sind. Am Ende der Führung haben Sie Gelegenheit neue und traditionelle Trüffel-Kreationen aus der Showküche zu genießen. Deren köstlichste Variationen sind auch Portionsweise verpackt im dazu gehörenden Shop zu erwerben.

Città di Castello ist des Weiteren auch für seine traditionellen Keramikwerkstätten bekannt. Eine der bekanntesten ist die Manufaktur Bizziri, die ebenfalls Führungen anbietet. Sie zählt viele Kunden in Deutschland und den USA, die Ihre persönlichen Einrichtungsgegenstände wie traditionell bemalte Keramiktische oder Vasen hier anfertigen lassen. Die Produkte der Manufaktur Bizziri werden mittlerweile in die ganze Welt exportiert (www.bizzirri.com).

Wer trotz der hervorragenden regionalen Küche Umbriens das Einzigartige sucht, der wird im rund 20 Kilometer entfernten Foglino sicher fündig. Im „Sparafucile di Brodolini“ bewirtet der gleichnamige Inhaber seine Gäste in historischer Kulisse. Das Tagesmenü zaubert er teils unter freiem Himmel, teils am Kamin. Dieses verteilt er dann mit seinen Angestellten unter seinen Gästen. Denn das Angebot besteht ausschließlich aus den vielen Gängen, die der Chef frisch zubereitet. Etwa eine Frittata mit wildem Spargel, dazu ein Glas edlen Sangrantino oder einen würzigen Montefalco Rosso. An Abenden wie hier denkt man sich dann seufzend: Was braucht man mehr? Schöner kann das Leben gar nicht sein.

Das Behagen des privaten Rückzugs

Umbrien ist sicher kein Ort für den Massentourismus. Und es ist gut, dass das so bleibt, daran liegt den Stadtvätern viel. Die Anreise muss man meist selbst mit etwas Zeit organisieren, dafür liegen die Vorteile auf der Hand: Ruhe, absolute Entspannung, ein hoch qualitatives öno-gastronomisches und kulturelles Angebot, eine ausgeprägte Serviceorientiertheit in allen touristischen Bereichen und viel, viel Privatsphäre sind den Gästen hier geboten. Auf diese haben sich besonders die charmante, familiengeführte Villa Pambuffetti in Montefalcone (www.villapambuffetti.com) spezialisiert und das Hotel Alla Posta Dei Donini in San Martino in Campo. Etwa zehn Kilometer von Perugia entfernt errichtete einst die Adelsfamilie Donini ihre ehemalige Sommerresidenz. Das heutige Hotel empfängt seine Gäste in Superior-Zimmern ab 159,- Euro mit Fresken, Privatpool und einem etwa 20.000 Quadratmeter großen botanischen Garten, der zu den schönsten Mittelitaliens zählt. Auch Gerhard Schröder hat sich hier schon wohl gefühlt. Denn die Posta dei Donini ist nicht nur auf Wellnessurlauber, sondern auch auf Tagungs-, Wellness- und Hochzeitsgäste ausgerichtet (www.postadonini.it). Wer sich einmal wie ein König im idealen Italien fühlen will, der sollte sich hier einen Umbrien-Aufenthalt gönnen.

Kornelia Doren

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INFORMATIONEN

Fremdenverkehrverband:
www.umbria2000.it

Anreise: Mit dem Pkw auf der A 22 über den Brenner und Südtirol nach Florenz und auf der A1 weiter nach Perugia. Wer mit dem Auto nach Perugia, Assisi oder Spoleto fährt, sollte beachten, dass die historischen Städte nur zu bestimmten Zeiten oder gar nicht nicht mit dem Auto befahren werden dürfen. Seinen Wagen kann man auf Parkplätzen am Stadtrand abstellen. Für Hotelgäste sind meist Sonderausweise zum Parken in der Stadt erhältlich. Bequem gelangt man in Perugia über Rolltreppen in die Innenstadt.

Per Flugzeug: Alitalia fliegt via Mailand nach Perugia.

Wohnen:
Villa Pambuffetti
www.villapambuffetti.com

Alla Posta Dei Donini
info@postadonini.it

Regionale Küche:
Sparafucile di Brodoloni
Piazetta Duomo 30, Foglino
Tel. 0039/0742/342602

Events rund um das Thema Olivenöl:
www.stradaoliodopumbria.it

Tipp:
In Solomeo residiert Brunello Cuccinelli. Er produziert weltweit Kaschmir-, feinste Leinen- und Seidenoutfits. Käufer erhalten in Solomeo 40 Prozent Rabatt, gemessen an italienischen Ladenpreisen. www.brunellocucinelli.it

Lektüre:
Patricia Clough, Gebrauchsanweisung für Umbrien, Piper-Verlag, 12,90 Euro



Foto: Mike Kreiten. Weinanbau in Trevi


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Kommentare

  • flowershop

    Toller Bericht..:-) sehr informativ und sehr sehr lockend... :-)

  • annabellebruckner

    Ja, mein schönes Umbrien...hast du dir auch "Piano grande" angesehen? Das ist dann der "Gipfel" einer Umbrien-Reise. Wenn nicht, ich habe einen Reisebericht über Umbrien und Piano grande geschrieben, oder kannst dir auch bei "youtube" ansehen unter www.youtube.com/user/MsMontanana. Umbrien ist eine Reise wert!!!
    Liebe Grüße
    Uta aus "Bella Italia"

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Stilles Glück 4.20 10

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