Hundeschlittenfahren im Yukon

Reisebericht

Hundeschlittenfahren im Yukon

Reisebericht: Hundeschlittenfahren im Yukon

Ich habe zwei Wochen im Yukon, in der Umgebung von Whitehorse verbracht. Frank Turner hat uns beherbergt und wir durften mit seinen tollen Hunden körperlich anstrengende, aber seelisch entspannende Touren unternehmen. Es ist toll, auf einem Schlitten durch die verschneite Landschaft zu fahren, nur das Knirschen des Schnees, das Trappeln der Pfoten und das Hecheln der Hunde im Ohr!

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07.03.2009

Reise nach Whitehorse

Unsere erste Etappe führt uns von Zürich über Frankfurt nach Vancouver, wo wir am Mittag eintreffen. Nachdem wir am Nachmittag Vancouver für ein paar Stunden unsicher gemacht haben, gehen wir abends in ein chinesisches Restaurant. Es schmeckt ausgezeichnet. Endlich haben wir bis 21:00 durchgehalten, es war nicht leicht, aber es ist besser durchzuhalten und das Jetlag gleich zu überwinden. Wir gehen zu Bett.

Am nächsten Tag treffen wir uns zum Frühstück unten. Auch hier schmeckt es wieder ausgezeichnet! Dann haben wir noch kurz Zeit, unser Gepäck aus dem Zimmer zu holen und schon geht es wieder an den Flughafen. Ich besorge mir vor dem Abflug Sushi, das ich bei meinem letzten Aufenthalten am Vancouver Flughafen entdeckt habe. Dann besteigen wir das Flugzeug nach Whitehorse.

Es ist eine Air Canada Jazz Maschine, aber offenbar eine neue. Ein Jahr zuvor hatten Leute mit langen Beinen scheinbar Probleme, da das Flugzeug so extrem klein war, aber das hat sich geändert. Man hat angenehm viel Platz und es sind sogar individuelle Bildschirme am vorderen Sitz angebracht, damit man einen beliebigen Film anschauen kann. Auf diesem Flug haben wir grösseren Luxus als im Überseeflug mit Lufthansa!!!

Mit dem Wetter haben wir Glück. Es hat zwar ein paar Wolken, aber zwischendurch hat man einen atemberaubenden Blick auf das Gebirge, das sich der Küste entlang nach Norden bis nach Whitehorse erstreckt!



Vancouver



08.03.2009

Ankunft im Muktuk Kennel

Am Flughafen werden wir von Kara, einem Crewmitglied des Muktuk Kennels, mit einem kleinen Bus abgeholt. Das erste Mal sehe ich die Monsterschuhe, die auch wir benutzen werden und frage mich, wie sie wohl damit Auto fahren kann.

Das Wetter ist super! Die Sonne strahlt und sooo kalt ist es gar nicht, doch immerhin um die -10°C. Die Kälte hier ist anders als bei uns, es ist eine trockene Kälte und gleich wie in der Wüste, sind die extremen Temperaturen nicht so schlimm, wie sie uns bei uns vorkommen würden.

Auf dem Alaska Highway fahren wir Richtung Fairbanks. Man muss aufpassen, dass man die Abzweigung Richtung Muktuk Kennels erwischt, die bald nach der Kreuzung zu den Takhini Hotsprings nach rechts abbiegt. Einige Kilometer legen wir noch auf einer schneebedeckten Strasse durch den Wald zurück, bis wir schliesslich die Kennels am Ufer des Takhini Rivers erreichen.

Das Haupthaus ist aus Holz und wird ökologisch betrieben. Es ist nicht an irgendwelche Abwasser- oder Stromnetze angeschlossen. Unter dem Haus befindet sich ein riesiges Abwasserlager, wo alles gesammelt und im Frühling geleert wird. Strom wird durch eine Solaranlage und wenn unbedingt nötig durch einen Diesel Generator erzeugt. Zum Kochen wird Gas benutzt. Auch bei der Abfallentsorgung wird auf Trennung der erneuerbaren Abfälle geachtet. Sogar Gemüse und Kräuter werden teilweise in einem eigenen Treibhaus gezogen. Frank Turner ist darauf aus, das Haus so umweltfreundlich wie möglich zu führen.

Vor dem Haus ist ein grosser Platz, wo sich dutzende von Hundehäusern mit ihren Bewohnern befinden. Vor den Häusern sind Pfosten im Boden, wo die Hunde an langen Leinen angekettet sind, aber keine Angst, die Hunde kriegen viele Streicheleinheiten und v.a. viel Bewegung! Im Moment hat Frank 127 Hunde. Einige davon geniessen ihr Rentnerleben und sind nicht mehr in den Hundehütten untergebracht, sondern dürfen in die Garage und sich auf dem Grundstück frei bewegen. Im Gegensatz zu anderen Mushern (Hundeschlittenfahrer) tut Frank seine Hunde nicht ab, sobald er sie nicht mehr für die Arbeit benutzen kann, sondern belohnt sie für ihren lebenslangen Einsatz. Die Hunde gehen bei Frank über alles!

Die Leute der Gruppe, die schon mal hier waren, gehen die Hunde begrüssen. Und auch wir "Neuen" wagen uns zwischen die Hundehütten. Man weiss gar nicht, wo man anfangen soll. Manche der Hunde sitzen nur da und schauen einen aus grossen Augen an, andere gebärden sich wie wild, um meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Am liebsten würde ich zu jedem gehen. Manche der Hunde sind stürmisch, wieder andere scheu. Die meisten möchten gestreichelt werden und viele stehen an einem hoch, wenn man nahe genug kommt. Allesamt sind sie totale Schätze! Man kann ihnen beim fressen die Fressnäpfe wegnehmen und sie schauen einen nicht mal böse an!

Schliesslich taucht Manuela, ein weiteres Crewmitglied, auf und wir werden ins Haus gebracht, wo wir unsere erste Hot Chocolate bekommen, mmmmmmh! Auch eine kleine Zwischenmahlzeit wurde schon vorbereitet. Im Moment haben sie einen belgischen Koch und der ist wirklich SUPER! Das Essen ist die ganzen zwei Wochen absolut köstlich! Wir erhalten die ersten Informationen über den Ablauf unseres Aufenthaltes. Danach werden wir zu unseren Cabins gebracht.

Unser Cabin ist bereits vorgeheizt. Im Erdgeschoss ist eine kleine Küche, d.h. ein Paar Behälter mit Nüssen und ähnlichem, ein Spühlbecken, dessen "Abfluss" direkt in einen Eimer unter dem Becken führt und ein Plastikbidon voll Wasser. In einer Ecke steht ein Holzofen. Das Cabin hat weder fliessend Wasser noch eine Heizung. Die Toilette ist ein kleines Häuschen ein paar Meter entfernt vom Cabin mit einem Plumpsklo. Für uns reicht es völlig.

Schon bald ist es Zeit für das Abendessen. Wir gehen wieder ins Haupthaus. Unsere Jacken und Schuhe deponieren wir in der Garderobe im Vorraum. Danach gelangen wir in einen Raum, wo sich die Küche mit dem "Buffet" befindet und eine Polstergruppe, wo man sich gemütlich hinsetzen, lesen, Tee trinken, Kekse essen und plaudern kann. Wir sind natürlich erst mal hungrig. Wir werden verwöhnt mit einer Auswahl verschiedenen Fleisches, wie Bison und Renntier. Wir bedienen uns am "Buffet" und begeben uns ins Esszimmer. Wir sind nicht die einzigen. Zum einen isst die Crew hier und auch ein britisches Päärchen, dass seine Flitterwochen hier verbringt, mal was ganz anderes!

Nach dem Essen zeigt uns Frank eine Dokumentation über den Yukon Quest. Da sehen wir schon mal ansatzweise, was uns morgen erwartet. Aber unsere Ausflüge werden natürlich niemals so anstrengend wie dieses Rennen. Unglaublich, was Mensch und Tier hier leisten! Nach dem Film gehen wir bald zu Bett. Das Feuer im Ofen ist inzwischen aus. Wir wollen ein neues Feuer in Gang bringen, aber wir haben weder Kleinholz noch Papier. Wir sind zu faul nochmal ins Haupthaus zu gehen, wahrscheinlich wären auch alle im Bett, also entschliessen wir uns, die Nacht so zu überstehen. Es wird die kälteste Nacht der ganzen zwei Wochen (-40°C)...



Muktuk Kennel


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Kommentare

  • RdF54

    Was für Abenteuer - eindrucksvoll beschrieben und mit aussagekräftigen Fotos unterlegt!

    LG Robert

  • avialle

    Vielen Dank :-)

  • trollbaby

    Na, das ist ja mal ein ganz anderer Urlaub! Bei Deinen Erzählungen kann man sich das Abenteuer mit dem Schlitten und den Hunden so richtig gut vorstellen. Vielen Dank fürs "Mitreisen lassen"!
    LG Susi

  • worldmonster

    Hört sich super interessant und ziemlich lohnenswert an!
    Mich würde nur auch interessieren, was das ganze gekostet hat und wie du auf diese Art von Reiseangebot aufmerksam geworden bist?
    lg Julia

  • u18y9s26

    Meine Tochter schwärmt seit langem für eine solche Reise, Whitehorse, Touren fahren im Yukon, Pflege der Hunde. Ihre Begeisterung für die Hunde ist das tragende Element. Zurzeit ist sie noch durch ihre kleine Tochter gebunden, aber für 2012 plant sie eine solche Reise. Gibt es viele Anbieter solcher 2 Wochen? Auf welche Kosten muss man sich einstellen? Kann man es genau so gut in Schweden machen? Vielleicht kannst du ihr mit der Beantwortung der Fragen ein Stück weiterhelfen.
    Auf mich ist der Begeisterungsfunken auch nach dem Lesen dieses Berichtes noch nicht wirklich übergesprungen. Würdest du diese Reise wiederholen wollen.
    LG Ursula

  • brandriba

    Tolle Reise und ein schöner Bericht, schnalle gleich die Schneeschuhe an und ziehe los... Muss mir die Bilder noch in Ruhe betrachten LG DAni

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