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Reisebericht: Hongkong und Kambodscha 2009
Ich biete Euch meine subjektive Meinung zu Hongkong und Kambodscha...Zum Nachahmen und Bessermachen :-) Viel Spass beim Lesen!
Hallo aus Kambodscha
Nun schaffe ich es endlich einen kleinen Reisebericht zu verfassen.
Zur Info: Ich befinde mich in Shianoukville, in Kambodscha. Mit dabei: ca 60
Mueckenstiche an jedem meiner Beine (ich habe 2 Beine und das macht dann
zusammen 120 juckende Mueckenstiche). Wofuer sind Muecken gut? Wenn ich mich von
Muecken stechen lasse, ist das besonders gesund fuer mich? Oder ein
Zeichen, dass ich mich mal wieder waschen sollte? Wer weiss das schon? Bin
jedenfalls der festen Ueberzeugung, dass kein anderer Mensch in Kambodscha so
wahnsinnig attraktiv auf Muecken wirkt wie ich!
Hongkong
Waer ich doch in Hongkong geblieben, dort gibt es viele Chinesen, aber die sind
lang nicht so aetzend wie Muecken! Ich war kurz nach meiner Ankunft ziemlich
geschockt. Bilder vom HKG Tourism Board im Kopf habe ich es mir so chinesisch
nicht vorgestellt. Zumal ich eigentlich nicht in einer Touriregion genaechtigt
habe, sondern eher im Wohnblock. Wenn ich aus dem Fenster schaute, sah ich
dreckige Hinterhoefe und gewaschene Waesche im Strassensmog. So what? Andere Laender, andere Sitte und los geht's! Eine knappe Stunde habe ich gebraucht, um die mitgebrachten 10 Kg auf 11 Kg zu erhoehen. Will meinen ich bin seit dem die stolze Besitzerin zweier neuer Kleidungsstuecke! Ich habe die Stadt einfach mal auf mich wirken lassen. Hongkong ist nicht so "toll" wie Singapur.
Hongkong ist autentischer. Ueberall wird getrockneter, stinkender Fisch
angeboten (davor haben die Muecken wahrscheinlich Angst und bleiben deswegen
weg!). Ich habe in Hongkong nix wirklich touristisches gemacht, bin halt mal zum Peak (dem Berg mit Aussichtsplattform) und an der Uferpromenade spazieren gegangen. Tag 4 habe ich mit einem Bekannten aus meiner Heimatstadt verbracht. Wir sind nach Lantau gefahren und haben uns den Riesenbuddha angeschaut. Zum Dank wurde ich dann abends noch im Tennis (jaha, ich habe in HKG nichts Besseres zu tun, als Tennis zu spielen) abgezogen :-( Alles in allem hatte ich ein paar schoene Tage in HKG und muss sagen, dass die Marketing Abteilung der Stadt HKG ganze Arbeit geleistet hat, die Stadt so glitzern darzustellen. Oder aber ich bin inzwischen schon so sehr abgestumpft, dass ich Sehenswuerdigekeiten nicht mehr als diese erkenne! Hongkong hat eine supertolle Skyline und ist natuerlich eine absolute Shoppingstadt. Aber man muss nicht zum Bird oder Flower Market!
Siem Reap und Angkor Wat
Ueber Bangkok ging es weiter nach Phnom Penh. Dort habe ich mich auch sogleich
von einer momentan in Kambodscha lebenden New Yorkerin in die Stadt chauffieren
lassen. Die Gute hatte irgendwie Mitleid mit mir, wie ich aus dem Flughafen kam
und von ca 20 Taxi und Tuk-Tuk Fahren umlagert wurde. Die Arme hat nun allerdings alle Tuk-Tuk und Taxifahrer der Stadt gegen sich aufgehetzt. Ist schon ein krasser Unterschied:
das Leben in New York im Vergleich zu dem Leben in Phnom Penh! Die Strassenverhaeltnisse sind zwar aehnlich chaotisch, jedoch fuehle ich mich in Phnom Penh in einem Tuk-Tuk sicherer, als wenn ich damit durch die Strassen von Manhattan fahren wuerde!
Apropos Strassenverhaeltnisse:
Es fahren Autos, Laster, Pick-Ups, Mopeds und Fahrraeder! Und zwar alle so
ziemlich quer durcheinander. Das hat mich irgendwie daran erinnert, dass eine
deutsche Bekannte, welche nun in Bangkok lebt mal gesagt hat, Sie habe den
thailaendischen Fuehrerschein gegen eine Flasche Schnapps bekommen ;-).
Von Phnom Penh bin ich gleich weiter nach Siem Reap, per Bus! Siem Reap ist der
Einstieg zu Angkor Wat. Man goennt sich ja sonst nix und der Tag war eh im
Eimer, da kann man sich auch noch einmal 7 Stunden in den Bus setzen. Busfahren ist schon auch sehr anstrengend. Zwar sind die Busse im Vergleich zu anderen asiatischen Laendern echter Luxus, aber der "Highway" ist zu vergleichen mit der Strasse zwischen Niedern- und Oberntudorf. Und zwar ohne Zaeune, um die Kuehe auf den Weiden zu lassen. Das heisst, der Bus bremst und hupt permantent! Damit meine ich ein Stop and Go und ein wirkliches Rumgehupe!!!
Ab da bin ich auch permanent mit Matthew losgezogen. Matthew ist Australier und brauchte mal eine kleine Reisepause! Obwohl Matthew Zahnarzt ist und nicht schlecht verdient, hat der Gute sich trotzdem das Billig-Hostel gegeben, wohingegen ich vergleichsweise im Luxus genaechtigt habe. So billig ist es jedoch in Kambodscha nicht, etwas Luxus zu geniessen. Ich habe 40$ gezahlt
(ohne Fruehstueck und ohne Wifi!) Das ist schon eine ganze Stange Geld in Asien.
Dafuer hatte ich aber auch einen schoenen Pool, den ich spaetstens am nachsten
Tag auch schwer zu schaetzen wusste!!!
Matthew und ich haben uns am Tag 1 unseres Angkor Wat Erlebnisses die letzten
Kraefte abverlangt: Waehrend andere Leute bequem im Tuk-Tuk die Tempel
anschauen, schwingen sich Matthew und Nadine auf das Radl und strampeln sich bei 35 Grad im Schatten und Wahnsinnsluftfeuchte die Beine aus dem Bauch. Nachdem wir uns auch erstmal verfahren haben, kamen wir abends locker auf 30Km. Tja, aber die Locals fahren auch viel Rad und es war auch irgenwie eine schoene Art, die Tempelanlagen zu besichtigen (leicht selbstmasochistisch war es auch, ich gebs ja zu). Guten Gewissens habe ich mir dann abends auch nicht nur den Pool gegoennt, sondern auch eine nette Massage. In Kambodscha werden die Massagen (meistens) von blinden Menschen ausgefuehrt und mein Masseur hatte es so richtig drauf! Jedenfalls bleib der Muskelkater aus. Trotzdem haben wir am naechsten Tag auf das Rad verzichtet und uns auch ein Tuk-Tuk gegoennt. Wobei ganz ehrlich: den Tag haetten wir uns auch sparen koennen. Ich habe jedenfalls mein Tempelbesichtigungsprogramm fuer die naechsten 2 Jahre gedeckt und kann diese von allen so hochgepriesenen Ausgrabungen nicht mehr sehen! Bei 40$ Eintritt habe ich mich auch immer gefragt, wohin eigentlich die ganze Kohle der 1000 Touris am Tag geht. Das Land ist arm, die Leute sehen mir nicht so aus, als sei durch den Eintritt der Wohlstand ausgebrochen. Hier die Antwort: Ein Teil des Geldes geht an eine Hotelgruppe, welche auch das Gebiet bewacht. Ein weiterer, kleiner Teil geht an eine Organisation, welche die Tempel pflegt, auf dem Gebiet forscht und darauf achtet, daß die Anlagen weiterhin geachtet und geschützt werden. Tja, und der größte Teil des Geldes geht an Vater Staat. Und was die Behörde mit dem Geld macht, ist mir schleierhaft. Immerhin wird ja auch 25$ Visagebücht und 25$ Ausreisegebühr kassiert. Was machen die mit der Kohle? Ich glaube, die kaufen Mücken und Kühe, um diese zu züchten und Touris zu nerven!
Weiterfahrt von Siem Reap nach Shianoukville
Von Matthew habe ich mich in Siem Reap verabschiedet. Er faehrt weiter nach Laos,
mein Weg fuehrt mich an den Strand in den Sueden von Kambodscha. Und zwar wieder ueber Phnom Penh, da der Strand ausgerechnet genau in der gegensaetzlichen Richtung zu Siem Reap liegt. Da ich dort nicht wieder per Bus landen wollte, habe ich mich fuer die vom Lonely Planet abgeratene Bootstour entschieden. Ok, die Tour kostet im Vergleich zum Bus das Doppelte. Aber ich kann nicht sagen, dass ich die Tour bereut habe. Man stelle sich 30 Backpacker jeder Altersklasse und Nationalitaet auf dem Dach eines Speedbootes vor. Ich habe mich die Fahrt mit einer Schwedin unterhalten, war nett und sowas liebe ich ja auch am Reisen! Abgesehen davon habe ich so auch mehr von der Natur sehen koennen. Es ging vorbei an Fischdoerfer, in denen die Einwohner wirklich mit dem Minimum leben. Obwohl das Land sehr arm ist, habe ich nicht das Gefuehl, dass die Menschen frustriert in ihre Zukunft schauen. Die Leute sind sehr freundlich, lachen und winken. Die Kinder machen einen froehlichen und ausgeglichenen Eindruck. Sie sind kreativ, erfinden Spielzeug und baden in Wasserloechern, in die ich noch nicht einmal meinen grossen Onkel baden wuerde! Bei der Bootsfahrt dachte ich kurzzeitig, ich muesste meinen Arbeitgeber anrufen und ihm sagen, dass ich leider zum 1. Maerz nicht arbeiten kommen kann: Wir sind geradewegs auf Grund gelaufen. Es ging nicht vor und nicht zurueck. Aeber da sind kleine Asiaten ja auch ganz schmerzfrei: Die springen kurzerhand in das Dreckwasser des Mekong und buddeln irgendwie das Boot aus dem Schlamm! Aber wo das Boot so stand, hat man auch erstmal gemerkt, wie intensiv die Sonne scheint. Gott sei Dank hatte ich mich gut eingecremt, aber als wir nach 6 Stunden das Boot verliessen, sahen Einige wie gekochte Krebse aus!
So bin ich wieder in Phnom Penh gelandet und wollte mir diese Goldene Pagode
anschauen. Ausgerechnet an dem Tag muss das Ding natuerlich geschlossen haben! Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Pagode eh nicht mit dem großen Palast in Bangkok mithalten kann. Und so habe ich den Abend vor dem Computer verbracht. Ich hatte ein ganz gutes Guesthouse und da PNH nicht soooooo spannend ist, habe ich sogar den Pizza Service kommen lassen. Beim Essen hatte ich Gesellschaft von den kambodschanischen Muecken! War also gar nicht so einsam! Heute morgen bin ich dann weiter: Per Bus nach Shianoukville im Sueden von Kambodscha. Die 4 stuendige Busfahrt war der Horror: Der Bus hatte einen Fernseher mit DVD und schraebelnde Lautsprecher aus denen ohrenbetaubend dieses kambodschanische Bollywood Geschraebbel kam, dazu hat der Busfahrer mit seinem Gehupe das ganze noch unterstuetzt und DAZU musste noch das Kleinkind hinter mir an zu plaerren fangen. Das Einzige, was mich etwas wieder beruhigte war das ausgeglichene Design der Innenausstattung: Mamornachbildung mit Rosentapete. Dazu hellblaue Rueschchengardinen. Ich sags ja immer wieder:
Auf Reisen kann man sich gute Ideen holen, wie man die eigene Wohnung stilvoller und zeitgemaesser einrichten kann!
Nun bin ich jedenfalls am Strand, habe ein Strandbungalow auf einem Huegel mit Blick ueber das Meer. Und ich habe ein Moskitonetz, was ganz um mein Bettchen passt. Und jetzt ist es dunkel und die Moskitos sind weg! Ich kenne naemlich schon deren Zeitplan (hab das ja intensiv die letzten Tage studiert!): Kein Morgengrauen,
kein Sonnenuntergang! Erst wieder ins freie, wenn es dunkel ist. Zudem habe ich mir eine asiatische Muecken-Abwehr-Keule an der Rezeption bestellt (aehnlich gefahrlich und ungesund wie eine Atombombe, 1a in der Wirkung!!!). Werde mich also nun auf meine Korbstuehlchen auf den Balkon legen, dem Meeresrauschen zuhoeren und lesen!
Nachtrag
Leider war mein Holzbungalow doch nicht so idyllisch, wie angenommen: Ich bin an dem Abend noch eingebrochen. Will meinen: Eine Latte meines Komfortbungalows ist durchgebrochen und ich hing mit einem Bein nahe des Absturzes. Dem Tode (naja, das ist jetzt etwas übertrieben) entronnen, stellte ich fest, daß mein Holzbungalow stellenweise etwas morsch war. Bei Tageslicht erwies sich auch das stellenweise braunes Badezimmer nicht gerade als Wellnessbereich, so daß ich die 20$ doch etwas übertrieben fand und aus dem Queen Hill Resort ausgecheckt und im Orchidee Guesthouse eingecheckt habe. Zum Vergleich: 28$, Klimaanlage, Fernseher, direkter Poolzugang, 150m zum Strand, inkl. Frühstück. Der Stadtstrand war leider auch nicht mehr so idyllisch, wie mein Otres Beach. Tipp: Fahrt auf die Inselchen vor Shihanoukville (Lazy Beach Resort)...dort soll es sehr schön sein. Meiner Meinung nach packen die Khmer den Tourismus in Kambodscha von der falschen Seite an. Ich bin kein Fan von 1$ Cocktails, welcher mir von unterbezahlten Khmers serviert wird, so daß die ausländischen Investoren sich eine goldene Nase verdienen. Ebenso könnte man auch auf die Idee kommen, den vielen Bettlern (meist Mienenopfer) Geld zu geben, damit diese statt zu betteln den Müll aus den Städten bzw. vom Strand entfernen. Hier könnte man gut das oben erwähnte Geld einsetzen, welches Kambodscha nicht zu knapp an den Touristen verdient. Aber ich glaube, daß Kambodscha im moment noch so viele soziale und wirtschaftliche Probleme hat, daß meine subjektiv geschilderten Anregungen wahrscheinlich verpuffen, wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Schade für das Land, welches das vorhandene tolle Potential teilweise falsch nutzt.
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Lach!! ...
Mücken sind der ultimative Test für die innere stoische Ruhe! :-)
Wer eine Reise tut, kann was erzählen! Und Du kannst es in einer fröhlichen und lockeren Art, die einen beim Lesen lächeln läßt - vor allem, wenn man sich an die eigenen Reisen erinnert wird.
LG Robert -
Großartig, dein Reisebericht, da ist man direkt dabei und kratzt sich die Beine.
Danke auch für die Infos, da ich immer noch mit mir ringe, ob ich mir die Reise dahin gönne (oder antue) waren das ein paar gute Denkanstösse.
Maria -
Sehr informativer und kurzweiliger Bericht. Hat mir sehr viel Freude bereitet zu lesen.
LG Ursula
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