Ilulissat, Grönland

Reisebericht

Ilulissat, Grönland

Reisebericht: Ilulissat, Grönland

Eisberge, Hundeschlitten, Rodebay ...
Eine meiner schönsten Reisen.

Ilulissat, Grönland

Sonntag, 2. April
Flug bei Schönstwetter von Klagenfurt nach Wien, dort 1 ½ Stunden auf den Weiterflug nach Kopenhagen gewartet. Der Bus zum Flieger war schon voll, als es hieß, alles wieder raus. Irgendwas ist geschehen, 1 Stunde Verspätung wurde angesagt. Na gut, leg ich mich halt auf eine Bank und versuche ein kurzes Schläfchen. Nach 20 Minuten werde ich durch eine Lautsprecherdurchsage (!) geweckt, ich muss zum Boarding. Grund der Verspätung: Ein Gepäcktransporter hat am Rollfeld die Maschine nach Kopenhagen gerammt, sie muss auf Schäden untersucht werden ...
Alle Plätze waren besetzt und bei immer mehr Wolken ging es nach Kopenhagen, wo es ordentlich regnete. Mit dem Taxi (13,- EURO) fuhr ich ins Hotel Bel-Air und ließ mir eine Pizza kommen, weil das Hotelrestaurant hatte natürlich zu – es ist ja Sonntag. Es gibt wohl ein Restaurant in der Nähe, aber 20 Minuten bei Regen will ich mir auch nicht antun. Also, eine gute und scharfe Pizza, dazu eine Dose aus meinem Biervorrat und weil im Regional-TV (das Hotel hat kein Sat-TV) nichts verständliches und gescheites lief, ging ich bald schlafen.  
Montag, 3. April
Frühstück um 7 Uhr (4 Semmel mit Salami, Schinken und Käse), dazu Kaffee und Juice. Um halb 8 dann mit dem Taxi (70,- DK – 11 EURO) zum Flughafen und mich in die lange Schlange beim Check-In angestellt – und einen Gangplatz in der linken Fensterreihe bekommen. Der Airbus 330 war bis auf den letzten Platz voll, hauptsächlich mit Dänen und Grönländern. Wir flogen genau über Bergen und Farör Richtung Island, sahen aber nur Wolken unter uns. Als Mittagessen wurden 2 kalte faschierte Laibchen, gebratene Hühnerbrust mit Gemüse und als Nachspeise Kuchen serviert. Getränke wie üblich – nur zum bestellen und trinken ... Auf Höhe der Nordost-Spitze von Island klarte es auf und ich hatte einen herrlichen Ausblick auf die tief verschneite Insel. Nach gut 3 Stunden Flug erreichten wir dann Grönlands Ostküste. Zugefrorenes Meer, das langsam in eine Eis- und Schneelandschaft übergeht. Gletscher, Schnee und Eis, alles in einer wild zerklüfteten Landschaft, bis wir über das Inlandeis fliegen. Und da ist außer Weiß nix zu sehen. Pünktlich um 9,55 Ortszeit (-4 Stunden gegenüber MESZ) landet der Airbus in Kangerlussuaq. Der Weiterflug ist für 14,30 geplant, jedoch ein starker Schneesturm in der ca. 1 Flugstunde südlich liegenden Hauptstadt Nuuk (von wo unser Flieger erst kommen soll) bedeutet Verspätung. Der Internationale Flughafen ist ungefähr halb so groß wie der von Klagenfurt, hat aber einen gut sortierten Duty-free-Shop, wo man noch billig einkaufen kann. Also, der Weiterflug soll sich auf 16,30 verschieben, auf Grund des starken Windes und teilweise Schneeböen bleiben alle Passagiere trotz nur -7 Grad Außentemperatur im Flughafen und warten. Kurz nach 17 Uhr werden wir erlöst, die Maschine kommt. Als Entschädigung erhalten wir JETZT einen Gutschein über 30,- DK, einzulösen im ”Restaurant”. Ich kauf mir ein kleines Bier und zahle 10,- DK drauf. Schnell ausgetrunken und dann drauf geachtet, dass ich beim Boarding ziemlich rasch dran komme. Weil ich will unbedingt auf der rechten Seite einen Fensterplatz ergattern, schließlich fliegen wir doch nach Norden und Grönland ist dann ja rechts zwecks der Aussicht. Gut, ich komme als 3. in den Flieger, alles Bestens. Ein traumhafter Ausblick auf die Küste während dem 40-Minutenflug – und beim Landeanflug auch auf Ilulissat. 10 Minuten nach der Landung gemeinsam mit einem dänischen Ehepaar in den Toyotabus gestiegen und 10 Minuten später im Eisfiord-Hotel eingecheckt. Vom Zimmer aus habe ich einen super Ausblick auf die Bucht, die voll mit Eisschollen und kleineren Eisbergen ist. Das ist ein Bier wert, ein paar sind noch in meinem Rucksack. Danach mache ich mich gleich auf die erste Erkundigungstour in der Umgebung, die jedoch nicht lange dauert. Es ist ziemlich windig und so um die 10 Grad kalt, außerdem schon leicht dunkel. Zurück ins Hotel, der Tag war ja doch lang – und um halb 10 unter die Decke.  
Dienstag, 4.4.
Der Wind hat in der Nacht fast das ganze Eis aus der Bucht hinausgetrieben, nur ein paar große Brocken schwimmen noch herum. Bin um 7 Uhr beim Frühstück, es gibt Juice, Kaffe, Tee, Schinken, Rouladenwurst und diverse Brotsorten. Von Allem ist reichlich vorhanden.
Es ist windig, die Wolken hängen tief über dem Meer. Gegen 9,30 mach ich mich auf den Weg ins ca. 1 km entfernte Zentrum - ich muss ein Reisebüro aufsuchen zwecks Buchung von diversen Unternehmungen. Bei Greenland-Travel Elke Meissner bestelle ich gleich die Bootsfahrt zum Eisfjord, die allerdings von Wetter- und Eisverhältnissen abhängig ist. In zwei anderen Büros hole ich noch weiter Unterlagen. Dann auf Besichtigungstour, der Hafen und die Zions-Kirche stehen am Programm. Lustig war es, Schulkindern beim Rodeln zuzusehen. Das Wetter wechselt zwischen Sonnenschein und Schneefall, auch der Wind ist wechselnd. Und ca. - 5 Grad sind auch erträglich. Am späteren Nachmittag spaziere ich gut 2 km zum Eisfjord Semermiut. Der örtliche Friedhof am Weg sieht sehr interessant aus, doch da es schon nach 18 Uhr und durch die Wolken relativ dunkel ist, breche ich den Rundgang ab und gehe ins Hotel zurück. So um 20 Uhr scheint wieder die Sonne.
 
Mittwoch, 5.4.
Ziemlich fester Schneefall, auch starker Wind. Mal schauen und abwarten, wie es mit der Bootsfahrt werden wird. Ich ziehe mich warm an und mache mich auf den Weg zum Reisebüro. Dort erfahre ich von Susanne, dass die Fahrt ziemlich sicher stattfinden wird, es ist nämlich Wetterbesserung angesagt. Na gut, dann buche ich auch gleich den großen Heli-Rundflug und die Hundeschlittentour. Rodebay ist schon ausgebucht, sie versucht aber noch eine Tour einzuschieben. Um die Mittagszeit wurde das Wetter tatsächlich besser und um 13,45 finde ich mich wieder beim Reisebüro ein und mit einem Suzuki-Bus geht es zum Hafen. Pünktlich um 14 Uhr ist Abfahrt und das eisbrechtaugliche Schiff kämpft sich mit 6 Passagieren am Freideck aus dem Hafen. Manchmal werden Eisschollen zerbrochen, dann geht es wieder um große Eisbrocken herum. Der Wind weht saukalt, aber egal. Abwechselnd filme und fotografiere ich, weil dieser Anblick gehört festgehalten. Wir fahren am Hotel Eisfiord vorbei bis zu der Stelle, wo die Eisberge heraus aufs Meer treiben. Vor einer unüberwindbaren Barriere aus Eisbergen und Treibeis machen wir eine Pause, es gibt Kaffee zum Aufwärmen. Und dazu einen grandiosen Ausblick auf riesige Eisberge. Auch die Rückfahrt ein Erlebnis, nach 2 ½ Stunden klettern wir alle leicht durchfroren, aber überwältigt vom Schiff. Bei der Einfahrt in den Hafen mussten wir noch als Eisbrecher für 2 kleinere Fischerboote herhalten, die durch die Treibeisbarriere nicht durchgekommen sind.
Gegen Abend dann noch mehr Sonnenschein als am Nachmittag, ich gehe auf Fotorunde zwecks Bilder im Sonnenschein. Zwischen 2 Häusern steige ich über Eisbrocken und Felsen hinab zum Meer, prompt rutsche ich 2mal aus und sitze am Hintern. Keine Gefahr, das Wasser war noch weit genug entfernt. Als ich dann nach einigen Fotos wieder oben auf der Strasse bin, spricht mich eine Frau aus einem der Häuser an wegen meinem Abstieg. Hat mir wohl vom Wohnzimmer aus zugeschaut. Sie bittet mich in das Haus – und mir bleiben die Augen offen. Eine Luxuswohnung. 115 cm Plasma-TV, 4 Meter hohe Fenster bis unter den Giebel, Designermöbel, B&O-Anlage. Sie bietet mir ein Glas Wein und eine Zigarette an und wir unterhalten uns, während die Sonne immer tiefer sinkt. Smalltalk pur. Sie ist Anfang 40 (hab sie auf Mitte 50 geschätzt) und Lehrerin, nebenbei malt sie auch in diversen Techniken und modelliert. Ich mache durch die Terrassenfensterfront ein paar Fotos von der Sonne, wie sie zwischen Eisbergen versinkt, bedanke mich für das Glas Wein (ein 2. hat sie mir leider nicht mehr angeboten) und verabschiede mich – nicht ohne von ihr auf die Wange geküsst zu werden. A Greenland-Kiss ... Als ich ins Hotel zurückkomme, erhalte ich die Meldung, dass der für morgen geplante Heli-Flug ersatzlos gestrichen wurde, Grund wusste Luise keinen ...
 
Donnerstag, 6.4.
Nur ein paar kleine Wolken am Himmel und vielleicht -5 Grad. Um 10 Uhr erfahre ich im Reisebüro, dass mein Heli-Flug deshalb gestrichen wurde, weil der einzige Hubschrauber auf Grund der vielen Ausfälle wegen schlechtem Flugwetter die vor mir gebuchten Flüge nachholen muss. Aber auf der Warteliste stehe ich ganz oben. Ich entdecke noch einige Seitengassen in Ilulissat und um halb 12 mache ich mich auf den Weg nach Semermiut zum Eisfjord. Wolkenlos ist es, daher Sonnenschutzfaktor 15. Wieder am Friedhof vorbei und nach einigen hundert Metern bin ich am Ziel. Ein absoluter Wahnsinn der Ausblick auf den Eisfjord. Eisberge in allen Größen auf einer Fläche von ca. 50 qkm. Manche sicher an die hundert Meter hoch und 400 Meter breit. Das Meer ist nur an ganz wenigen Stellen zu sehen, Eis - Eis und sonst nix. Ich wandere einige hundert Meter am Rand des Fjordes, teilweise sinke ich bis zu den Knien im Schnee ein, dann geht's wieder über nackte Felsen dahin. Manchmal ganz schön anstrengend, aber die Aussicht !!!! Nach 2 ½ Stunden bin ich wieder im Hotel und lese ein bisschen, auch Füße hoch lagern ist angesagt. Jetzt ist es 15,30 Uhr und wenn ich aus dem Fenster in die Bucht voller Eisberge schaue, muss ich mir erst die Sonnenbrillen aufsetzen, so rein weiß glänzen die Eisbrocken. Ich könnte andauernd nur Fotos machen (mach eh viel zu viele, aber was soll's. Die Schlechtesten kann ich ja wieder löschen). Nur eins ist schade: meine doch schon nicht mehr ganz neue Videokamera hat gestern den Dienst aufgegeben, es steht so eine komische Fehlermeldung am Display, mit der ich aber nix anfangen kann.
Um 16 Uhr mache ich mich nochmals auf eine Stadtrunde und als ich zwischen zwei Häusern Richtung Ufer absteigen will, spricht mich eine Frau an. Come in, I am so alone. Na gut, unhöflich will ich auch nicht sein und folge ihr ins Haus. Ziemlich viel Durcheinander und viele alte Fotos verstreut im “Wohnzimmer”. An der Wand ein paar Fotos von Elvis, John Lennon, Mick Jagger. Sie fragt mich woher ich komme und wie alt ich bin. Und sagt mir dann, sie lebt seit ihrer Geburt hier in Ilulissat und war noch nirgendwo anders. Und ihre Geburt war 1959 – geschätzt habe ich aber auf ca. 1945. Und dauernd erzählt sie mir, dass sie so allein ist. Geht dann die Tür auf, ein Mann kommt herein und sie stellt ihn mir als ihren Freund vor. Aha – soooo allein ;-) Und beide haben eine riesen Freude, dass ich gleich alt bin wie der Freund, der sein Geburtsjahr nach einiger Diskussion mit ihr als 1956 bekannt gibt. Da die Gute jetzt eh nicht mehr so allein ist, verabschiede ich mich. Bei der Türe gibt sie mir einen Apfel und einen Scherenschnitt von 2 sich küssenden Inuitt. Da kann man(n) ja fast etwas hineininterpretieren ... Weil es mir am Nachmittag beim Eisfjord so gut gefallen hat, gehe ich nochmals hinaus – diesmal links statt rechts wie zu Mittag. Steige über den einen oder anderen Hügel, jedes Mal eine neue und fantastische Aussicht. Um halb 7 bin ich wieder im Hotel und schau in den Spiegel: uuuups, hallo Rothaut. Und das trotz reichlich Sonnenschutzfaktor 15. Aber eine ordentliche Ladung After Sun verschafft Abhilfe. Solche Anblicke, wie ich sie gestern und heute gehabt hab, kannte ich ja bisher nur vom Fernsehen. Und ich hab mir immer gesagt, so was muss ich unbedingt mal in Natura sehen. Und jetzt bin ich da in Grönland – ich könnt vor Freude hupfen und springen, so toll ist die ganze Szenerie. Die Videokamera lässt mir keine Ruhe, irgendwas muss ich machen. Ich ziehe das Band vorsichtig ein Stück aus der Kassette und spule es in die andere Richtung wieder auf. Testlauf: nix. Das ganze nochmals – und siehe da: Fehler behoben. Na also, selbst ist der Mann! Und da die Sonne noch immer vom wolkenlosen Himmel strahlt, ziehe ich mich schnell wieder an und mache mich auf eine Filmrunde, die mit einem prachtvollen Sonnenuntergang um 21,22 endet.  
Freitag, 7.4.
Nicht ganz so wolkenlos wie gestern, aber trotzdem sehr schön. Bin um 10 Uhr beim Reisebüro zwecks dem Heliflug – leider nix. Sämtliche Touristenflüge wurden bis auf weiteres gestrichen, der Heli wird ausschließlich für Transportflüge zu den entlegenen Dörfern und Fischersiedlungen eingesetzt. Dort sind nach dem langen Winter Versorgungsengpässe aufgetreten. Ein dänischer Tourist sagt mir, ich soll mir nichts draus machen, so interessant ist dieser Flug auch nicht, es geht alles sehr rasch, man hat bei der Bootsfahrt zum Fjord viel mehr zum sehen. Na gut, sehe ich halt eine schlechte Nachricht als eine Gute. Eine weitere gute Nachricht bekomme ich auch: die Bootsfahrt nach Rodebay findet am Samstag statt. Zurück ins Hotel, und was passiert? Ich checke die Videocam und die will aber wieder nicht. Versuche das gleiche mit dem Band wie gestern, hilft heute aber nix. Entweder ist Kamera hin – oder die Kassette. Um 13,30 werde ich abgeholt, es steht die Hundeschlittenfahrt am Programm. Hab mich für die 2stündige entschieden, weil wer weiß, ob mein Kreuz die zu erwartende Rumplerei auch aushalten wird. In der Tourbeschreibung wird extra darauf hingewiesen, dass das Ganze für Leute mit Rückenproblemen eher nicht empfohlen wird. Am Startplatz der Tour 100te Hunde, die alle wie verrückt bellen und auf die Abfahrt warten. Manche Gespanne haben 14 und mehr Hunde, da sitzen dann neben dem Führer auch 2 Touristen am Schlitten. Mein Gespann besteht aus 10 relativ jungen (2 - 4 Jahre alten) Hunden. Wie der Führer heißt, hab ich nicht verstanden, aber egal. Nach einigem Nachdenken sagte er mir, dass er 35 ist. Ungefähr halt, genau weiss er es nicht. So, los geht. Mit IU-IU-IU und ILI,ILI,ILI-Rufen werden die Hunde nach links bzw. rechts dirigiert, ab und zu mit der Peitsche zusätzlich ”motiviert”. Ein ziemlich strenger Geruch begleitet jedes Gespann. Auf der Ebene geht's mit gut 20 km/h dahin, die ersten leichten Steigungen sind kein Problem. Nur bei einem ca. 150 Meter langen und ziemlich steilen Anstieg steigen wir beide ab und schieben den Schlitten. Knapp eine Stunde rumpeln wir mehr oder weniger dahin, Richtung Eisfjord. Die Sonne scheint teilweise sehr stark, auch der Fahrtwind trägt einiges zur Gesichtsrötung bei. Am Wendepunkt der Tour gibt es einen Löskaffee, dann fahren wir zu einem Aussichtspunkt auf den Fjord. Eindruck dazu siehe oben weiter. Am Rückweg steht noch ein Abenteuer bevor, das ist klar. Weil wir den gleichen Weg zurück nehmen, weiß ich schon, wo es auf- bzw. abwärts geht. Und freu mich auf die Abfahrt über den steilen Anstieg, wo wir den Schlitten geschoben haben. Ein paar Gespanne sind schon beim ”Start” und ich beobachte das alles: Der Schlittenfahrer stellt sich ganz hinten auf die Kufe, die Hunde hinter sich. Der Passagier sitzt alleine am Schlitten – und los geht's. Volle Wäsch abwärts. Der Schlitten wird so schnell, dass ab und zu ein Hund auf der ja doch unebenen Piste ins Stolpern gerät und einige Meter braucht, bis er wieder auf die Beine kommt. Wenn nicht, wird er halt bis unten mitgeschleppt. So, jetzt sind wir dran. Auf die Plätze, fertig – los. Bist du teppat, da spielt es sich ab. Am Ende der Abfahrt ein kurzer Stopp, damit sich Hunde wieder vor dem Schlitten sortieren können und weiter geht's. Ich dreh mich ein paar mal um und beobachte die anderen Gespanne bei der Abfahrt. Ein Schlitten mit 2 Passagieren hebt bei einer Bodenwelle zu weit ab, landet auf nur einer Kufe und überschlägt sich. Ich sag das meinem ”Piloten”, der zuckt nur die Schultern und sagt so nebenbei, er selber hat schon 8 Unfälle gehabt, erst vor ein paar Tagen ist dabei sein Schlitten in Trümmer gegangen. Na gut, wenn's weiter keine Probleme gibt ... Auf alle Fälle habe ich die Fahrt gut überstanden, auch das Kreuz hat sich nicht gemeldet. Und beim Endpunkt wieder dieser extreme Geruch. Die Hunde werden hauptsächlich mit Fisch gefüttert, die Hundehalter essen selber auch viel Fisch, und das ergibt einen ganz bestimmten ”Duft”, wenn sich viele Hund erleichtern. Zum Thema erleichtern: die Hunde müssen das auch während dem Laufen tun. Schaut schon arg aus, wenn ein Hund sich kurz hinhocken will, aber gleich wieder mitgerissen wird. Und während dem Laufen dann die Hundstrümmerln herauskommen. So, später Nachmittag ist, Zeit zum relaxen und Reisebericht schreiben. Um 18 Uhr suche ich ein Lokal auf und gönne mir Rentier-Variationen. Vom Feinsten, muss ich sagen.
 
Samstag, 8.4.
Trüb, fast regnerisch. Nur 3 Grad Minus. Um halb 10 werde ich abgeholt, um in den Hafen zu fahren. Heute steht die Schiffsreise nach Rodebay am Programm, dauert hin und retour 5 Stunden. Ein kleines Schifferl nimmt uns an Bord, auch ein dänisches Ehepaar mit 2 Kindern (2,5 Jahre und 5 Monate) sind dabei. Es ist ziemlich windig, als wir uns aus dem Hafen durch die Treibeisfelder hinauskämpfen, von Sonne keine Spur. Die Route führt uns nach Norden, immer an der felsigen Küste entlang. So nach einer knappen Stunde sehen wir ein paar einsame Hütten, wo die Fischer während der Saison übernachten. Ab und zu kommt die Sonne ganz leicht durch, aber nicht für lange. Und die Wellen werden immer höher, teilweise über 2 Meter. Ich stehe mit 2 Deutschen ganz hinten am Schiff, da ist der Seegang nicht so stark zu spüren. Die Dänen sitzen eingemummt in Felle vorne im Fahrtwind, die restlichen Touristen haben sich in die 2 mal 2 Meter große Kajüte in den Bauch des Bootes verzogen. Bin mir sicher, dass es da unter mehr schaukelt als hinten an der Reling. Nach ziemlich genau 1,30 Stunden erreichen wir Rodebay. Das ist ein kleines Dorf mit ein paar Fischerbooten und Hütten. Unser Schiff kämpft sich die letzten Meter mühsam durch das Packeis, bis nix mehr geht und der Kapitän ca. 200 Meter vom gedachten Ufer entfernt anlegt. Wir gehen von Bord und stapfen über die dick zugefrorene Bucht ins Dorf. Ziel ist das Restaurant H8, das von einem deutschen Aussteigerpaar betrieben wird. Der Wind bläst wie verrückt, was den Eindruck von Minus 40 Grad entstehen lässt. Der Wirt aber schaut auf sein Thermometer und sagt, es hat ja eh nur -3,4 Grad. Na also, was soll das alles zwecks Wind und Kälte. Das H8 ist sehr heimelig, das von Ilulissat aus bestellte Essen (ich habe kalte, gemischte Fischplatte) schmeckt wunderbar, sogar ein frisches Radieschen ist als Garnierung dabei. Und der hausgemachte Kuchen – einfach köstlich. Kaffee und Tee sind gratis, für ein Bier verlangt er 35,- Kronen, ca. 5 Euro. Auch nicht schlimm. Nach dem Essen dann noch eine Runde durch das im Aussterben begriffene Dorf, an der Schule, wo derzeit nur noch 2 Kinder unterrichtet werden vorbei, dann zur Fisch”fabrik”, wo einige getrocknete Fische hängen. Nach 2 Stunden Aufenthalt geht's wieder auf die Reise nach Ilulissat. Es ist nicht mehr so windig, auch die Sonne zeigt sich ab und zu. Etwas nach 15 Uhr sind wir wieder im Hafen, ich gehe die halbe Stunde ins Hotel, aber nicht ohne mir im Supermarkt ein paar Bierchen zu kaufen. So, war ein ergiebiger Tag, ich setzt mich noch vor den PC und schreibe am Reisebericht, auch schau ich mir an die 200 meiner Fotos an. Abends dann bei Sonnenschein wieder eine Runde durch die Stadt, den vorletzten Abend ausklingen lassen.
 
Sonntag, 9.4.  
Heute steht nix fixes am Programm, also packe ich ein paar Sachen ein und nach dem Frühstück geht's wieder los. Die Eiszapfen beim Hotel sind grad beim Abtauen, es ist angenehm warm, wolkenlos und windstill. Gehe wieder auf Motivsuche, auf der Speicherkarte ist ja noch Platz für ca. 200 Bilder. Gegen 14 Uhr wieder ins Hotel, kurze Pause. Dann wieder hinaus in die Sonne und bis 16 Uhr auf Sightseeing. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken, ist doch Sonntag und Leute haben frei. Kinder spielen, die Erwachsenen genießen die Sonne. Und manche haben einen Eislutscher in Arbeit. Zurück ins Hotel, die neuesten Fotos begutachten und den RB weiterschreiben. Heute ist der letzte Tag, ich muss unbedingt nochmals zum Eisfjord gehen. Obwohl mir die Füße schon weh tun. Aber egal, kann mich ja morgen erholen.
So um 17 Uhr dann wieder zum Eisfjord, anschließend ins Restaurant – heute steht Moschusochsen-Steak am Programm.  
Montag, 10.4.
Tagwache um 5 Uhr, Frühstück, um 10 vor 6, dann Transfer mit einem Taxi (das hoteleigene Auto wollte nicht anspringen) zum Flughafen. Pünktlich um 7 Uhr dann Abflug. Noch ein paar letzte Blicke vom Flieger aus auf Ilulissat und 40 Minuten später Landung in Kangerlussuaq. 3 Stunden auf den Weiterflug (fußfreier Fensterplatz beim Notausgang) gewartet und pünktlich um 19,30 in Kopenhagen gelandet.
 
Dienstag, 11.4.
Flug nach Wien, dann weiter nach Klagenfurt, wo mich Brigitte abgeholt hat.
 
Schön war es. Wunderschön. Sehr viel gesehen und noch mehr Eindrücke gesammelt. Die Grönländer sind freundlich und sehr nett, das Essen sehr gut. Der Supermarkt steht vom Angebot her einem Billa-Laden um nix nach, die Preise sind halt ein wenig höher als bei uns, aber das ist ja in allen nordischen Ländern so.  

FOTOS auf http://herr-bert.nit.at/Greenland/index.html

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Kosten:
Flüge: 1.200,- EUR (KLU-VIE-CPH-Kangerlussuaq-Ilulissat und retour)
Hotel: 680,- EUR (inkl. 2 Übernachtungen in Kopenhagen)
Ausflüge: 300,- EUR
Sonstiges: 320,- EUR
Gesamt: 2.500,- EUR
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Die wichtigsten Links:
Ilulissat: http://www.greenland.com/Orte_und_Regionen/Nordgroenland/Ilulissat.php
Hotel Eisfjord: http://www.hotelicefiord.gl
Eis und Schnee: http://www.greenland-guide.gl/de/ice_snow.htm
Reisebüro Meissner: http://www.greenland-guide.gl/gtem/de/default.htm
Rodebay: http://iserit.greennet.gl/gtem/rodebay.htm  



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Kommentare

  • Raudi

    Für deinen Klasse geschriebenen Reisebericht die höchstpunktzahl. Ich würde am liebsten gleich aufbrechen um auf deinen Spurren zu Wandern,
    LG Hans

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Ilulissat, Grönland 3.20 5

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