"Huygens" landet auf Saturn-Mond Titan

Im Januar 2005 raste die europäische Sonde "Huygens" durch die Atmosphäre des größten Saturn-Trabanten - und funkte dabei den ersten Wetterbericht vom Rand unseres Sonnensystems zur Erde
In diesem Artikel
Höhepunkt der Mission
Warum Titan?

Höhepunkt der Mission

Mit 18.000 Stundenkilometern ist die Sonde in die Atmosphäre des Saturn-Mondes Titan eingetreten - und hat damit ein gemeinsames Großprojekt von Esa und Nasa, der europäischen und der amerikanischen Weltraumbehörde, gekrönt: die Erforschung von Saturn und seinen Monden.

Höhepunkt der "Cassini-Huygens"-Mission

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Die Sonde "Huygens" kurz vor dem Eintritt in die Titan-Atmosphäre (Illustration)

Zur Zufriedenheit des Bodenpersonals vom European Space Operations Centre (ESOC) in Darmstadt, hat der Hauptfallschirm den Flug des 349 Kilogramm schweren Messlabors von 1500 auf weniger als 300 Stundenkilometer abgebremst. In einer Höhe von rund 160 Kilometern klinkte sich das Hitzeschild der Sonde aus und die sechs Messinstrumente der Sonde konnten die Zusammensetzung und den Aufbau der Atmosphäre untersuchen. Die Daten wurden anscließend zum Mutterschiff "Cassini" geschickt. Von dort brauchten die Daten dann noch 67 Minuten für die rund 1,2 Milliarden Kilometer zur Erde.

Eine Sonde, die Rekorde bricht

Am 15. Oktober 1997 startete "Cassini-Huygens", die mit 5,8 Tonnen größte jemals gebaute interplanetare Sonde, in Cape Canaveral zu ihrer über siebenjährigen Reise zum Planeten Saturn. Für die Reise in die äußeren Bezirke unseres Sonnensystems musste die Sonde verschlungene Pfade gehen: So holte sie sich Schwung im Vorbeiflug an Venus (April 1998 und Juni 1999), an der Erde (August 1999) und Jupiter (Dezember 2000). Im Juni 2004 erreichte "Cassini-Huygens" schließlich den Zielplaneten, schwenkte in eine Umlaufbahn und klinkte am 25. Dezember ihre kostbare Fracht aus - rund 400 Millionen Euro kostete die Entwicklung und der Bau der "Huygens"-Sonde.

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Titan in einer Gesamtansicht (r.) und die Landestelle der "Huygens"-Sonde im Detail. Der Ausschnitt ist rund 400 Kilometer breit

Warum Titan?

Der niederländische Astronom Christiaan Huygens entdeckte 1656 nicht nur die Ringe des Saturn. Er hatte schon im Jahr zuvor mit dem Fernrohr den mit 5150 Kilometern Durchmesser größten der 47 heute bekannten Saturnmonde ausgemacht. Seither fasziniert der zweitgrößte Mond des Sonnensystems die Astronomen - vor allem darum, weil er der einzige ist, den eine Atmosphäre einhüllt.

Rund 400 Kilometer dick ist die Schicht aus Stickstoff und Methan, die große Ähnlichkeit mit der Atmosphäre von Planeten aufweist. Und nicht nur das: Astronomen vermuten in den atmosphärischen Bedingungen ein Modell für die Uratmosphäre der Erde. Ziel der Mission ist es darum auch, herauszufinden, woher das Methan stammt, das in der Mondatmosphäre so reichlich vorhanden ist. In den Modellen von der Entstehung des Lebens auf der Erde spielt Methan eine entscheidende Rolle.

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Die Animation zeigt im Zeitraffer, wie sich die Sonde "Cassini-Huygens" dem Saturn-Mond Titan nähert

"Cassini" hält die Stellung

Das Mutterschiff "Cassini" wird noch vier Jahre lang den Saturn umkreisen und erforschen. Die Wissenschaftler erhoffen sich Erkenntnisse über den Ursprung der enormen Hitze im Inneren des Saturn, über die Entstehung und Zusammensetzung der farbigen Ringe des Planeten - und hoffen auf die Entdeckung weiterer Monde.

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