Hauptinhalt
GEO.de Seite 1 von 1


Verhalten: Verräterischer "Hundeblick"?

Eine Studie zeigt, dass die meisten Hundebesitzer ihre Vierbeiner falsch verstehen

Text von

Der "schuldige Blick" ist oft trügerisch (Foto von: Franco Vogt/CORBIS)
© Franco Vogt/CORBIS
Foto vergrößern
Der "schuldige Blick" ist oft trügerisch

Findet Herrchen beim Nachhausekommen seine Pantoffeln in tausend Stücke zerfetzt, dann ist klar, wer das auf dem Gewissen hat. Um sich letzte Sicherheit zu verschaffen, genügt meist ein Blick in die Augen des Hundes. Der Kopf ist gesenkt, der Blick unterwürfig nach oben gerichtet – der sogenannte Hundeblick, der den Übeltäter verrät.

Doch offenbar irren die Hundefreunde. Tierforscherin Alexandra Horowitz vom Barnard College in New York bewies jetzt in einer Studie, dass der "schuldige Blick" eines Hundes nichts darüber aussagt, ob er wirklich etwas angestellt hat. Es handelt sich schlicht um eine Reaktion auf die Vorwürfe des Herrchens.

In einem Experiment sollten Hundebesitzer ihrem Hund einschärfen, eine im Raum befindliche Leckerei nicht anzurühren. Nachdem die Besitzer den Raum verlassen hatten, wurde einer Hundegruppe die Leckerei gegeben, der anderen nicht. Allen Teilnehmern wurde später gesagt, dass ihre Hunde sich nicht an das Verbot gehalten hätten.

Das erstaunliche Resultat: Diejenigen Hunde, die besonders nachdrücklich getadelt wurden, wiesen in den Augen der Besitzer einen eindeutig "schuldigen Blick" auf - und zwar unabhängig davon, ob sie die verbotene Leckerei verspeist hatten oder nicht. "Es ist eben das, was die Besitzer sehen möchten", sagt Alexandra Horowitz.

Offenbar neigen Menschen dazu, ihre eigenen moralischen Vorstellungen und Verhaltensweisen auf ihre tierischen Gefährten zu übertragen. Zu solchen anthropomorphen, also vermenschlichenden Einschätzungen neigen wir umso mehr, je näher und länger die Tiere mit uns zusammenleben.




Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Kommentare zu "Verhalten: Verräterischer "Hundeblick"?"

Anneke | 22.10.2014 09:21

Das Wesentliche wird gerne übersehen: Der Hundeblick wurde aufgesetzt, wenn sie besonders nachdrücklich getadelt wurden. Der Hund merkt, Herrchen/Frauchen ist sauer, warum auch immer, und versucht ihn mit dem entsprechenden Verhalten wieder versöhnlich zu stimmen. Vielleicht auch eine Möglichkeit der Interpretation?

Der Hund ist ein soziales Tier und lebt gern im Rudel, wer sich mit dem Sozialverhalten von Wölfen beschäftigt,wird vielleicht ein ähnliches Verhalten finden, also nicht jedes emotionale Verhalten gleich als Vermenschlichung sehen, das ist auch in der Tierwelt vorhanden. Gott sei Dank sind die Zeiten in der Wissenschaft vorbei, wo auch jede Schmerzreaktion bei Tieren als reine Nervenreaktion betrachtet wurde und in keiner Weise vergleichbar mit menschlichem Schmerzempfinden. Man denke da an zahlreiche Tierversuche. Brrrr. Enttäuschend, das sowas als neuste wissenschaftliche Erkenntnis gilt. Beitrag melden!

Elke Führer | 23.09.2009 19:44

Welch eine bahnbrechende Erkenntnis aus den USA!
Dieses Resultat hat der Biologe, Verhaltensforscher und Schüler von Konrad Lorenz, Eberhard Trumler, bereits vor 30 Jahren in seinen Büchern publiziert. Er hat noch die Ergebnisse seiner eigenen Forschungen veröffentlicht und nicht - wie so viele nach ihm - einfach abgeschrieben. Ich stelle immer wieder fest, dass gerade heute zahlreiche selbsternannte "Hundepsychologen" in leicht veränderter Form von ihm abschreiben. Es muss nur etwas alt genug sein, dann wird's schon keiner merken.
Es spricht für Eberhard Trumler, dass er vor 30 Jahren herausfand, was heute noch Bestand hat. Die "Tierforscherin" - was immer das sein mag - Alexandra Horowitz hätte, wenn die Ergebnisse wirklich die Früchte ihres Fleißes sind, nur den einschlägigen Hinweisen folgen müssen um festzustellen, dass sie sich die ganze Arbeit sparen kann, denn sie ist bei alten "Trumlerianern" längst zum geistigen Allgemeingut geworden.
Elke Führer, Koblenz Beitrag melden!

Leuchtenberger | 16.09.2009 16:24

"Der Hundeblick" ist eine typische menschliche Interpretation tierischen Verhaltens und wenn es sich jedesmal um eine Verfehlung handelt, die so dargestellt wird durch den Hund, dann hat sich das Tier bereits an ihre Reaktion gewöhnt und reagiert genauso wie sie es sehen wollen .
Tiere werden genauso geboren wie auch Menschen und zwar dumm, so das sie alles erst lernen müssen wie auch die Menschen .
Und genau hier liegt der gewaltige Irrtum der Menschen, denn die Tiere verstehen sie als Familienmitglied viel besser als sie es ihnen zu gestehen wollen .
Die wenigsten gehen mit ihren Tieren so um, wie sie es sich selber wünschen würden und beweisen dadurch, einen größeren Ábstand zu ihren Lieblingen .
Wie oft gehen sie auf fremde Hunde einfühlsamer ein als wie auf ihre eigenen Tiere, so entsteht die Eifersucht, wie auch viele andere Eigenschaften die schneller im Tier sind als ihnen wieder abgewöhnt .
Die Liebe eines Hundes zu seiner Familie ist größer, als man es sich denken kann . Beitrag melden!

Sarina | 25.08.2009 20:33

Komisch nur, dass ich immer erst am "Hundeblick" sehe, dass einer was angestellt hat und aufgrunddessen überhaupt erst auf die Suche gehe (und immer fündig werde). Auch ein anderes Experiment, das ich mal gemacht habe, das hier aber zu weit führen würde, belegt, dass die Hunde sehr wohl wissen, wenn sie etwas getan haben, was ihnen verboten ist. Die genannte Untersuchung zeigt nur, dass Hunde AUCH den "Hundeblick" aufsetzen, wenn und weil sie mitbekommen, dass Cheffe sauer ist. Beitrag melden!

hans linde | 22.06.2009 09:44

Das wissen Hundeleute seit mindestens 100 Jahren, dass man unbedingt nicht vermenschlichen darf, der hund reagiert auf den Ton/Stimme/Haltung des Führers. Hat kein "Gewissen", der Hund verknüpft, also hier Drohund o.ä. = der Chef ist sauer. Wenn man ihn bei der Tat erwischt und straft, dann verknüpft er richtig, daß das Ärger bringt. Beitrag melden!

GEO im Abo

Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!