Nirgendwo begegnet man der schönsten Großkatze des amerikanischen Kontinents häufiger als im brasilianischen Pantanal. Und deshalb ist hier ein Konflikt entbrannt. Viehzüchter, die um ihre Herden fürchten, machen Jagd auf den Jaguar. Naturschützer studieren dessen eigenes Jagdverhalten - und suchen nach Wegen, ihn vor der Ausrottung zu bewahren. Nach Wegen, die bis nach Mexiko führen
Text von
Ruedi Leuthold
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So funktioniert der Empfehlen-Button von Facebook
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Woran erkenne ich diese Plugins?
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Was passiert auf Seiten, die das PlugIn eingebaut haben, mit meinen Daten?
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Wie kann ich mein Facebook-Profil richtig einstellen?
Jeder User hat andere Bedürfnisse und wünscht sich andere Einstellungen. Die Kollegen von stern.de erklären Ihnen hier die Möglichkeiten, die das Soziale Netzwerk Ihnen zum Schutz Ihrer Privatsphäre bietet: » zum Artikel von stern.de
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Was passiert auf Seiten, die den Button eingebaut haben, mit meinen Daten?
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Bildunterschrift: Forscher studieren das Jagdverhalten des Jaguars
Der Abdruck, den er hinterlässt, ist größer als der
von Hund oder Puma, deutlich breiter als lang. Ein
Auftritt so kräftig wie das Tier, von dem er stammt:
Panthera onca, der Jaguar. Er ist gefleckt, manchmal
schwarz, drittgrößte Großkatze nach Tiger und Löwe,
die größte Amerikas, verbreitet von Mexiko bis in
den Norden Argentiniens. Aber nur hier, im brasilianischen
Pantanal, trifft man auf Männchen von 150
Kilogramm Gewicht, deutlich schwerer als jene, die
Amazonasregion und Zentralamerika durchstreifen.
Nirgendwo soll der Jaguar häufiger vorkommen als
hier, in einem der größten Feuchtgebiete der Erde.
Und doch lebt er hier besonders gefährlich.
Im Pantanal befinden sich 95 Prozent des Landes
in Privatbesitz. Rund 2500 Farmen besetzen eine
Fläche,
die größer als Griechenland ist. Beweidet wird
sie von knapp acht Millionen Rindern, die für den
Jaguar
leichte Beute sind. Ihn wiederum lassen die
hiesigen Cowboys, die Vaqueiros, für Verluste ihres
Viehs bezahlen: Sie schießen ihn ab.
Wer den Jaguar im Pantanal schützen will, der
muss diesen jahrhundertealten Konflikt zwischen
Mensch und Tier schlichten. Die im Jahr 2006 gegründete
Tierschutzorganisation Panthera hat sich dieser
komplizierten Friedensmission angenommen. Ein
schwieriges Unterfangen. Im Pantanal kreisen zwar
zahllose Geschichten um den Jaguar und seine Vorliebe
für Vieh. Doch Fakten sind rar. Wann und wo
schlägt die Großkatze bevorzugt zu? Und wie schwer
wiegt der wirtschaftliche Schaden, den sie tatsächlich
anrichtet?
Über die Jagdgewohnheiten des Jaguars weiß die
Wissenschaft wenig. Überhaupt ist sein Verhalten
kaum erforscht. Denn anders als beispielsweise Löwen
pflegen Jaguare kein ausgeprägtes Sozialleben
in einer gut einsehbaren Savannenlandschaft. Sie
streifen als Einzelgänger durch ihre Reviere, oft durch
schwer zugängliche Wälder, häufig nachts - und sind
entsprechend schwierig zu beobachten.
Schlaglichter auf das verborgene Dasein der Jaguare
werfen die Studien der Biologin Sandra Cavalcanti,
die viele Jahre im Pantanal forschte. Dort haben sie
und ihr Team zehn Tiere besendert - fünf Männchen
und vier Weibchen sowie ein Jungtier. Zwölfmal
täglich ermitteln und speichern Halsbänder mit
GPS-Empfängern die Standortdaten ihrer Träger, über
Jahre hinweg. Insgesamt hat Cavalcanti pro Tier 3000
Daten gesammelt und ausgewertet. "Fast alles, was wir über den Jaguar zu
wissen glaubten, erwies sich
als falsch", sagt sie. Weder töte die Großkatze bevorzugt
an Waldrändern
und in Wassernähe, noch schlage
sie besonders häufig in der Dunkelheit zu. "Ein
Riss um die Mittagszeit", sagt Cavalcanti, "kommt sogar
häufiger vor als einer um Mitternacht."
Wann immer ein Tier sich länger an einem Ort
aufhielt, suchte Cavalcanti diesen auf. Sie entdeckte
so 438 Skelette von Beutetieren, darunter Kaimane,
Ameisenbären, Wasserschweine, Anakondas, Rinder.
Der Anteil, den das Nutzvieh unter der Beute ausmacht,
schwankt mit den Jahreszeiten. Jedes Jahr
zur Regenzeit fließen Milliarden Liter Wasser in die
Tiefebene
des Pantanal. Da der Paraguay-Fluss dort
sehr langsam fließt, kann er längst nicht alles davon
aufnehmen, vier Fünftel des Landes werden überschwemmt.
In dieser Phase ernährt sich der Jaguar
vor allem von im Wasser lebenden Tieren. In der
Trockenzeit
aber greift er Rinder an, sie machen dann
über 50 Prozent seiner Beute aus.
Anders als vermutet, stieß Cavalcanti bei ihren
Studien
auf keine sogenannten Problemtiere: Katzen,
die früh auf das Jagen von Rindern geprägt wurden
und keine andere Beute mehr fassen. Nicht einmal
Weibchen mit Nachwuchs, berichtet die Forscherin,
bevorzugten Vieh. Auch töteten die beobachteten
Jaguare
nie um des Tötens willen: Zwischen jedem
Jagdakt lagen drei bis sechs Tage - und jedes Opfer
wurde bis auf den letzten Bissen verzehrt.
Der Jaguar ist besser als sein Ruf
Seine Rolle
als Viehräuber halten Forscher wie Cavalcanti deshalb
für überschätzt - Fehlgeburten und Infektionen
richteten in den Herden weit größeren Schaden an.
Diese Botschaft an den Mann zu bringen versucht
Rafael Hoogesteijn, ein Veterinär, der Jaguare in seiner
Heimat Venezuela studierte. Inzwischen arbeitet
er in Brasilien für Panthera. Die Organisation hat
Ende
2007 im Pantanal eine Fazenda erworben, mehr
als 20 000 Hektar Land, Tausende Rinder: São Bento.
Modellhaft soll Hoogesteijn den Vaqueiros hier beibringen,
wie man das Vieh vor den Angriffen eines
Jaguars schützt, ohne diesen zu erschießen. Doch mit
einigen seiner Ideen stößt er auf Skepsis.
Zwar sind die Muttertiere und deren Kälber mittlerweile
in der Nähe der Fazenda versammelt, wie
der Forscher es vorschlägt. Aber mit seinem Einfall, in
der Nacht einen Vaqueiro mit dem Traktor die Herde
umrunden zu lassen und etwa sich anschleichende
Jaguare mit Leuchtraketen zu vertreiben, ist Hoogesteijn
gescheitert: Kein Vaqueiro will die Nacht draußen
verbringen.
Mit Erfolg dagegen hat er andernorts schon die
Methode getestet, Wasserbüffel in die Herden zu
mischen,
die sich gegen Jaguarattacken zu wehren
wissen. Auf São Bento hat er sie noch nicht durchsetzen
können.
"Am schwierigsten ist es", sagt Hoogesteijn, "althergebrachte
Mentalitäten zu ändern." Seit 200 Jahren
verstehen sich die Menschen im Pantanal als Vorposten
der Zivilisation, nur den Gesetzen unterworfen,
die sich im Kampf gegen die Natur herausgebildet
haben.
Auch der Jaguar gilt als Feind, aber anders als
die Fluten ist er bezwingbar. Im Kampf gegen ihn
beweisen
die Männer des Pantanal ihren Mut - und
mit Erzählungen von der Jagd auf den Jäger vertreiben
sie sich an langen Abenden die Langeweile.
Immerhin: Einige Fazendeiros im Pantanal zeigen
sich mittlerweile aufgeschlossen gegenüber
dem Gedanken,
den Jaguar zu schützen. Sie haben den
Tourismus als Geschäft erkannt und bieten Unterkunft
und Führungen in die Wildnis an. Forscher
haben
665 Vogel-, 263 Fisch- und 123 Säugetierarten
in dieser für Menschen schwer zugänglichen Landschaft
gezählt.
Hauptattraktion für Naturbeobachter: der Jaguar.
"Wo darf der Jaguar leben?" starten