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Wirtschaft: Sind Wachstum und Umweltschutz vereinbar?

Wenn es um die Auswirkungen des Wirtschaftswachstums auf die Umwelt geht, heißt das neue Zauberwort "Entkopplung": mehr Wirtschaftsleistung - weniger Umweltschäden. Aber bringt Entkopplung die Rettung? Ist sie überhaupt möglich?

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Im April dieses Jahres trat der Chef des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, in Dessau-Roßlau mit einer frohen Botschaft vor die Presse: Der Ausstoß von Treibhausgasen sei in Deutschland im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 um zwei Prozent zurückgegangen. Und das trotz des Atomausstiegs. Und trotz eines Wirtschaftswachstums von rund drei Prozent. Die unausgesprochene Botschaft: Eine Klimagas-Reduktion bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum ist möglich.

Ähnlich zuversichtlich gab sich im Mai die EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard: "Emissionsrückgang und Wirtschaftswachstum können zusammengehen", sagte sie bei einer Vorstellung der Ergebnisse des Emissionshandels. Der Handel mit Verschmutzungsrechten trage erste Früchte. Noch optimistischer meldete sich Klaus Töpfer zu Wort, einer der renommiertesten Umweltexperten Deutschlands. Er sagte jüngst in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau": "Wachstum und Umweltbelastung" - und dazu gehören neben den Klimagasemissionen etwa auch die Abfallproblematik und Flächenverbrauch - "können entkoppelt werden."


Wie groß ist der ökologische Fußabdruck des Wirtschaftswachstums? Experten sind sich uneins (Foto von: David Malan/Photographer's Choice/Getty Images)
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Wie groß ist der ökologische Fußabdruck des Wirtschaftswachstums? Experten sind sich uneins

Entkopplung meint in diesem Zusammenhang: Das Wachstum der Wirtschaft führt nicht zu einem entsprechenden Wachstum der Umweltbelastung. So halten die Anhänger der "Green Growth"-Idee eine "grüne" Wirtschaft für möglich, in der das Bruttoinlandsprodukt steigt, die Umweltschäden aber gleichzeitig abnehmen. Und zwar dank moderner Technologien für mehr Rohstoff- und Energie-Effizienz und dank konsequenten Recyclings. Doch an genau diesem Punkt - ist Entkopplung überhaupt möglich? Und wenn ja, in welchem Maße? - entzündet sich heute eine hitzige Debatte.


Wirtschaftswachstum um jeden Preis?

Längst steht das Wirtschaftswachstum - Kritiker würden sagen: das Dogma des Wirtschaftswachstums - unter dem Verdacht, nur um den Preis immer größerer Umweltschäden zu haben zu sein. Selbst dann, wenn das Wachstum "grün" ist: "Es ist keineswegs ausgemacht, dass wir mit grünem Wachstum alle Probleme werden lösen können", sagt Karin Holm-Müller vom Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU). Gerade hat das siebenköpfige Gremium dem neuen Umweltminister Peter Altmaier das neueste Umweltgutachten übergeben. "Es kann sein", sagt Holm-Müller, "dass man in Bereichen wie CO2-Emissionen über eine Umstellung des Energiesystems sehr weit entkoppeln kann. Das heißt aber noch nicht, dass dies auch insgesamt möglich ist."

Im Konjunktiv formulieren auch andere Experten: "Die absolute Entkopplung ist möglich" - so der Titel eines Artikels des Ökonomen Raimund Bleischwitz über sein Forschungsprojekt "Makroökonomische Modellierung von Nachhaltigkeit, Umwelt und Wirtschaft in Europa". Absolute Entkopplung, das ist nach der Definition der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Umweltauswirkung, die konstant bleibt oder abnimmt, während die Wirtschaftsleistung steigt. Auch relative Entkopplung ist denkbar, bei der die Umweltbelastung zwar zunimmt, aber nicht im gleichen Maß wie die Wirtschaftsleistung.



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