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Umweltschutz: Ein Leben ohne Plastik

Die Österreicherin Sandra Krautwaschl beschloss mit ihrer Familie, ihren Plastikkonsum drastisch zu reduzieren. Wir sprachen mit ihr über den Langzeitversuch

Interview:

GEO.de: Umweltbelastungen gibt es viele. Warum haben Sie sich entschlossen, ausgerechnet gegen Plastik zu kämpfen?
Sandra Krautwaschl: Es gab im Wesentlichen zwei Auslöser: Der eine war ein Urlaub in Kroatien. Am Strand lagen viele Plastikflaschen und anderer Müll, jeder Strandurlauber kennt das. Das fiel unseren Kinder auf, sie stellten Fragen, woher das alles kommt, wer schuld ist, warum die Menschen das machen. Der zweite Auslöser war der Film „Plastic Planet“ von Werner Boote, den ich kurz darauf sah. Der Film führte mir zum ersten Mal auch die Gesundheitsproblematik von Kunststoffen vor Augen. Und dann beschlossen wir spontan, einen Monat ohne Plastik einzukaufen. Wir haben aber nie den Anspruch gehabt, damit etwas besonders Wertvolles für die Umwelt zu tun.


Plastikreichtum zum Abgewöhnen: Sandra Krautwaschl mit Mann Peter, ihren Kindern Marlene, Leonard und Samuel - und Filmemacher Werner Boote (hinten) (Foto von: Alexandra Guggenberger)
© Alexandra Guggenberger
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Plastikreichtum zum Abgewöhnen: Sandra Krautwaschl mit Mann Peter, ihren Kindern Marlene, Leonard und Samuel - und Filmemacher Werner Boote (hinten)

Plastikflaschen sollen ja auch Vorteile haben. So spart der Transport von Mineralwasser in leichten Plastikflaschen Sprit beim Transport ...
Das mag stimmen. Allerdings ist das eigentliche Problem nicht "Glas oder Plastik?", sondern dass wir generell zu viele Flaschengetränke verwenden. In Österreich oder Deutschland können wir bedenkenlos das Wasser aus der Leitung trinken. Das spart noch viel mehr CO2-Emissionen - und Geld. Es wäre also wichtiger, dafür zu sorgen, dass das Wasser auch in Ländern gut trinkbar ist, in denen das bisher nicht der Fall ist.

Es gibt ein Foto, das Sie mit Ihrer Familie und den ausgemisteten Plastiksachen zeigt. In der ersten Reihe sind Fahrradhelme zu sehen. Heißt das, Ihre Kinder fahren jetzt ohne Helm?
[Lacht] Das werde ich oft gefragt. Nein, sie fahren natürlich nicht ohne Helm. Wir unterscheiden zwischen sinnvollen und nicht sinnvollen Anwendungen von Kunststoff. Wir haben die ganze Tupperware ausgemistet, überflüssige Einrichtungsgegenstände, Kinderspielzeug. Wir waren uns aber einig, dass wir andere Dinge, zum Beispiel Fahrradhelme, weiterverwenden wollen. Und wenn wir so etwas neu kaufen, achten wir darauf, dass es hochwertige Produkte sind, die man lange verwendet.

Es gibt inzwischen hochwertige Fahrradhelme aus Recycling-Pappe ...
Davon habe ich gehört. Die Unternehmen bieten immer mehr nachhaltige Produkte an. Man muss allerdings sehr aufpassen. Es gibt auch viel Augenwischerei.

In Australien und Indien sind Plastiktüten verboten. Warum geht das eigentlich nicht in Europa?
Vor so einem Verbot schrecken Industrie und Politik zurück, weil sie den Verlust von Umsatz und Arbeitsplätzen befürchten. Es sind immer dieselben Argumentationsketten. Es werden ja auch Arbeitskräfte gebraucht, wenn man nachhaltigere Produkte herstellt. Aber statt das konsequent weiterzudenken, wird der hohe Plastikkonsum mit dem Hinweis auf ein gut ausgebautes Recycling-System heruntergespielt. Wir wissen alle: Wir sollten weniger verschwenden. Aber bei den einfachsten Dingen scheitert es schon daran, dass die politischen Entscheidungen dazu nicht getroffen werden. Also muss jeder für sich selbst entscheiden.

Verstehen Sie, dass viele Menschen sich überfordert fühlen, wenn sie beim Einkaufen alles richtig machen müssen? Zum Beispiel Plastik vermeiden?
Natürlich, ich kenne sogar hauptsächlich solche Menschen. Es ist unglaublich schwierig, beim Einkaufen alles richtig zu machen. Zumal in dieser schnelllebigen Zeit, in der alles darauf ausgerichtet ist, immer mehr zu verbrauchen. Darum glaube ich, dass die Menschen mehr Raum für Veränderungen brauchen. Sie müssen raus aus dem Hamsterrad von Geldverdienen und Konsumieren. Sie haben ja gar keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, ob das sinnvoll ist, was sie tun.

Sie wurden als Populistin und "Plastiktaliban" beschimpft. Wie gingen und gehen Sie damit um?
Der Ausdruck stammt aus einem Online-Forum. So etwas berührt mich nie persönlich. Es ist der Ausdruck einer extremen Abwehrhaltung, einer Not, in einer Welt des Überflusses den eigenen, aufwendigen Lebensstil zu rechtfertigen.

Ihr Selbstversuch läuft nun seit drei Jahren. Was ist für Sie das wichtigste Zwischenergebnis?
Das Gefühl, etwas bewegen zu können. Ich habe unglaublich viele Menschen kennengelernt, die sich uns zum Vorbild nehmen. Das motiviert ungemein.



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Kommentare zu "Ein Leben ohne Plastik"

Thomas | 22.10.2012 13:57

ich verzichte schon seit jahren auf alle möglichen plastiksäcke (ist ja auch schon mal was)
flaschen kaufe ich hauptsächlich in glasflaschen und sollte es doch mal plastik sein, verwende ich es öfters. für den bioabfall verwende ich bioabfalltüten (www.naturabiomat.com), und für das obst eigene beutel, wo das obst und brot deutlich länger frisch bleibt, den sack verwende ich natürlich solange es geht und danach dienen sie oft noch für den biomüll. Beitrag melden!

Zeisel | 19.10.2012 13:56

Als sehr alter Mann habe ich absolutes Verständnis für diese bewundernswerte Familie. In meiner Jugend gab es kein Plastik und wir haben es auch nicht vermisst, weil es auch noch keine Supermärkte gab und man nicht so viel Geld zur Verfügung hatte. Man kaufte Milch und Butter bei der Milchfrau, Brot und Gebäck beim
Bäcker, Fleisch und Wurst beim Fleischhauer, Gemüse und Obst beim Kräutler und den Rest beim
" Greißler". Alle diese Geschäfte waren zu Fuß innerhalb von Minuten erreichbar, denn Auto hatte ja auch kaum einer. Die Verpackungen waren aus Papier und das landete im Ofen. Die Milchkanne wusch man aus und nächsten Tag war sie wieder im Einsatz. Der Krebsschaden unserer, ach so modernen Zeit sind die Supermärkte und das Fehlen jeglicher Nahversorger. Das neue Schlagwort der Nachhaltigkeit bringt uns auch nicht weiter. Beitrag melden!

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