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GEO Magazin Nr. 04/12 Seite 1 von 1


Technik: Die Glühpflanze

Neue Vorschläge zur umweltschonenden Energiegewinnung setzen auf Pflanzenstrom - ohne dafür Biomasse zu vernichten


Pflanzenkraftwerk: In Wahrheit die Arbeit von Bakterien (Foto von: Jan von Holleben)
© Jan von Holleben
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Pflanzenkraftwerk: In Wahrheit die Arbeit von Bakterien

Die Revolution begann 2006 mit einem Nagel, den Gordon Wadle in einen Baum trieb. Als der Erfinder aus Illinois ihn mit einer Kupferelektrode im Boden verband, floss Strom: Wie sich später herausstellte, enthält der Boden eine höhere Konzentration an Wasserstoff-Ionen als der Saft des Baumes. Dieses Gefälle lässt sich zur Energiegewinnung nutzen.

Aber würde sich das Prinzip rentieren? Nach etlichen Rückschlägen - Wadles Baumstrommethode wirft gemessen am Aufwand einfach nicht genug Energie ab - sind Forscher nun erstmals zuversichtlich. Laut Bert Hamelers und David Strik von der niederländischen Universität Wageningen ließe sich pro Quadratmeter Grünfläche unter optimalen Bedingungen bereits heute etwa ein Fünftel dessen gewinnen, was Solarpaneele oder Windkraftanlagen auf derselben Fläche bereitstellen. Der Vergleich mit Biomassekraftwerken ist noch eindrücklicher: Die neue Art der Stromgewinnung mit Pflanzen könnte demnach das Siebenfache dessen abwerfen, was man aus Biomasse pro Quadratmeter Anbaufläche gewinnt!

Elektrischer Strom durch Bakterien-Aktivität
Der Trick: Bakterien im Boden ernähren sich von organischen Molekülen, die Pflanzen über ihre Wurzeln abgeben. Sie setzen dabei elektrisch positive Ionen und negative Elektronen frei. Wie in einer Batterie streben die Elektronen zur Anode – das sind in diesem Falle Matten aus Graphit, die im Erdreich versenkt sind und von denen der Strom via Kabel "abgeerntet" wird. Für die optimale Ausbeute, so die Forscher, müsse man die jeweils produktivsten Mikroorganismen benutzen und ihnen die geeignetsten Pflanzen anbieten. Zuckerrüben etwa produzieren reichlich Zucker, der den Bakterien als Nahrung dienen kann. Probleme bereiten noch die wenig effizienten Matten, für die sich bald bessere Materialien finden lassen dürften.

Als Pflanzenkraftwerk kommt im Prinzip jede Grünfläche infrage: bepflanzte Felder, ungenutztes Marschgelände oder ein Dachgarten, aus dem sich 20 Prozent des Haushaltsstroms abzapfen ließe. Und das selbst nachts, da im Gegensatz zum Solarstrom die Sonne keine direkte Rolle spielt.




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Kommentare zu "Die Glühpflanze"

Mika | 07.08.2012 12:50

ARD Tagesschau Beitrag melden!

marino | 09.06.2012 15:20

Nur mal so zum Spaß: Ich habe so viel Metall im Mund, dass gerade bei schwül-warmen Wetter der Stromfluss tatsächlich spürbar wird. Ist das nicht ein fantastischer Ansatz! Habe zwar keine Ahnung wie die Energie in die Baterie kommen soll - kann mir aber schon bildhaft vorstellen, wie rechts und links jeweils ein Kabel aus dem Mund kommt und zu den als Ohring getarnten Baterien geführt wird. Wow - Modemacher - auch ihr seit dann gefragt. Ungeahnte Möglichkeiten. .... Beitrag melden!

Unternehmer | 12.04.2012 07:37

@physikochemiker:
das ist das Leid mit unserem Ausbildungssystem: es bringt (manchen) zwar viel Wissen bei, vernachlässigt aber völlig, Ihnen unternehmerisches Denken zu vermitteln...
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Physikochemiker | 29.03.2012 22:17

"Erfinder" Gordon Wadle beschreibt ein Experiment, das jeder nachvollziehen kann: Man treibt einen Dachnagel aus Aluminium in einen Baum und ein kupfernes Wasser-Rohr in den Boden. Dann misst man eine Spannung von ca. 0.8 bis 1.2V "Baum-Elektrizität". http://www.sitnews.us/0506news/050206/050206_energy_source.html Tatsächlich hat der Erfinder einfach eine galvanische Zelle nacherfunden Al Cu als Elektroden und Baum und Boden als Elektrolyt. Man könnte die Elektroden ebenso gut in eine Weisswurscht aus Bayern stecken oder in einen Kuhfladen. Der pH-Unterschied spielt dagegen eine vernachlässigbare Rolle: Nach der Nernst-Gleichung ergibt sich eine Spannung von 50 mV pro pH Einheit. Für die erwähnte Potentialdifferenz von einem Volt wäre eine pH Differenz von 16 pH-Einheiten nötig: Völlig unrealistisch.... Beitrag melden!


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