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GEO Regenwaldverein e.V.

Mangrovenschutz in den Sundarbans, Indien

Dieses Projekt mit der Karl Kübel Stiftung verbessert die Lebensumstände der Bevölkerung und sorgt für Küstenschutz durch Mangroven.


Über die Region

Die Sundarbans sind das größte weltweit noch existierende Mangrovengebiet. Es erstreckt sich zwischen Indien und Bangladesch im Mündungsdelta des Ganges und anderer großer Ströme über eine Fläche von rund 10.000 Quadratkilometern.

Die Insel Satjalia, die in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark der indischen Sundarbans liegt, hat eine Gesamtfläche von 225 Quadratkilometern und ist von 35 Kilometer langen Deichen umgeben, die zum Teil von Mangroven geschützt werden. Die Menschen sind Selbstversorger und leben von Landwirtschaft und Fischerei. Immer wieder bedrohen Naturkatastrophen wie schwere Stürme oder Tsunami-Wellen flache Inseln wie Satjalia. Daher ist hier Küstenschutz zum Erhalt des natürlichen Lebensraums von besonderer Bedeutung und Dringlichkeit.


Das Projektgebiet Satjalia (gelber Pfeil) liegt nördlich des Nationalparks Sundarbans (rot umrandeten). (Foto von: Quelle: Pradiptaray, modifiziert)
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Das Projektgebiet Satjalia (gelber Pfeil) liegt nördlich des Nationalparks Sundarbans (rot umrandeten).

In der Region sind aufgrund der Bodendegradierung die Anbaubedingungen erschwert, die landwirtschaftlichen Erträge gering, das Einkommen der als Tagelöhner arbeitenden Bevölkerung unsicher. Die Menschen vor Ort gehören den niedrigsten Kasten Indiens an ("Scheduled Casts") und sind so auch im Landesvergleich benachteiligt.


Die stelzenartigen Wurzeln der Mangroven halten Schlick zurück und festigen den Boden. (Foto von: KKS)
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Die stelzenartigen Wurzeln der Mangroven halten Schlick zurück und festigen den Boden.

Hintergrund des Projekts

Um 70 Gehölzarten der Tropen und Subtropen sind in der Lage an Meeresküsten und in Flussmündungen zu gedeihen. Zu ihrer festen Verankerung in dem schlammigen, oft sauerstofffreien Boden besitzen sie hoch spezialisierte Wurzelsysteme. Diese oberirdischen, sichtbaren Stütz- oder Stelzwurzeln wachsen vom Baumstamm oder sogar den Ästen in den Untergrund. In einigen Fällen wachsen vom Stamm ausgehend "Kabelwurzeln" horizontal in alle Richtungen; von diesen führen so genannte Atemwurzeln senkrecht nach oben. Mithilfe der Atemwurzeln kann Sauerstoff zu jenen Wurzelbereichen gelangen, die sonst nicht mit dem lebenswichtigen Gas versorgt würden. Außerdem besitzen Mangroven Anpassungen zur Ausscheidung von Salz.


Luftwurzeln junger Mangroven. (Foto von: KKS)
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Luftwurzeln junger Mangroven.

Mangrovenflächen haben herausragende Bedeutung: Sie schützen das Hinterland vor der zerstörerischen Kraft von Sturmwinden und Tsunami-Wellen und mindern die Bodenerosion. Darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle als "Kinderstube" für unzählige Meereslebewesen, die dort Schutz und reichlich Nahrung finden. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) schätzt den Gegenwert dieser so genannten Ökosystemdienste von Mangroven auf jährlich 1,6 Milliarden Dollar.

Trotz vieler Schutzbemühungen hält weltweit die Zerstörung von Mangrovenwäldern an – vor allem aufgrund des erhöhten Bevölkerungswachstums. Die Mangroven schwinden durch Infrastruktur-Maßnahmen, die Errichtung von Aquakulturbetrieben (so etwa in Ecuador), illegale Gewinnung von Feuer- und Bauholz.

In Indien und Südostasien gingen in den vergangenen 60 Jahren etwa 80 Prozent aller Mangrovenflächen verloren (IUCN 2012). Die Gesamtfläche der globalen Mangrovenwälder ist nur schwer zu bestimmen. Laut FAO waren 2001 weltweit weniger als 15 Millionen Hektar von Mangroven bedeckt – 1980 waren es noch 19,8 Millionen Hektar, also 25 Prozent mehr. Die größten Verluste in den 1980er Jahren gab es in Brasilien, Indonesien, Pakistan und Mexiko. In jüngeren Jahren hat sich der dramatische Schwund der Mangrovenflächen zum Glück wieder verlangsamt.

Mehr als jede sechste Mangrovenart weltweit ist laut Ergebnis einer globalen Studie bedroht (Polidoro und Kollegen 2010). Die IUCN hat deshalb elf der 70 bekannten Mangroven-Spezies auf die Rote Liste bedrohter Arten gesetzt.


 (Foto von: KKS)
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Das neue Vorhaben baut auf dem Ende 2010 abgeschlossenen Projekt "Mangrovenschutz in den Sundarbans, Indien" auf, in dem „GEO schützt den Regenwald e.V.“ ebenfalls mit der Karl Kübel Stiftung (KKS) kooperierte. Die im Vorgängerprojekt in fünf Dörfern realisierten Maßnahmen werden nun in allen sieben Dörfern der Insel Satjalia verwirklicht. Die Begünstigten des neuen Projektes sind 2.100 benachteiligte Kleinbauern-Familien, etwa 8.400 Personen, die unter den rund 38.000 Bewohnern der Insel nach Armutskriterien ausgewählt wurden.


Wie Michael Holländer von der KKS bei seinem Besuch im Februar 2010 feststellen konnte, waren nach Abschluss des Vorgängerprojekts auch die größten Skeptiker vor Ort von der Bedeutung des Küstenschutzes durch Mangroven überzeugt. Seit dem Wirbelsturm AILA im Jahr 2009 zeigt die Bevölkerung enormes Interesse am Küstenschutz durch Aufforstung: Denn nur dort, wo Mangroven vor den Dämmen wuchsen, haben die Deiche selbst der Jahrhundertflut standgehalten.


Dauer

Januar 2012 - Dezember 2015
(Projekterweiterung)


Ziele

  • Wald- und Artenvielfalt
  • Verbesserte Schutzfunktion der Mangrovenwälder
  • Nachhaltige Bewusstseinsstärkung und Verbesserung der Lebensbedingungen der armen, ländlichen Zielgruppen
  • Stärkung der Selbsthilfekapazität
  • Sicherung des Nutzholzbedarfs
  • Wissenstransfer


Aktivitäten

Aufforstung und Verdichtung von Mangroven auf einer Fläche von 150 Hektar und Verbesserung des Mangrovenbesucherparks

Pflanzung von Fruchtbäumen und Bäumen zur Feuerholzgewinnung auf 50 Hektar

Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge durch die Rehabilitierung von 350 Bewässerungsteichen und Landentwicklung auf einer Fläche von 60 Hektar

Schaffung eines Dorfentwicklungsfonds für Einkommen schaffende Maßnahmen

Aufbau von Basisstrukturen: 70 Selbsthilfegruppen; 70 Aufforstungsgruppen sowie 10 Dorfkomitees


Verteilung von Obstbäumen und anderen Nutzpflanzen an die Bevölkerung zur Bepflanzung von Brachflächen. (Foto von: KKS)
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Verteilung von Obstbäumen und anderen Nutzpflanzen an die Bevölkerung zur Bepflanzung von Brachflächen.

Fortschritte

Das Projekt ist Anfang 2012 sehr gut gestartet. Nahezu alle Aktivitäten entwickeln sich planmäßig. Die Zielgruppe von 2.100 Familien wurde zu Beginn durch eine detaillierte Studie in den sieben Projektdörfern identifiziert. Der verspätete Beginn der Monsunzeit – so negativ er für die Bauern vor Ort war – hatte zur Folge, dass im ersten Projektjahr teilweise sogar mehr Aktivitäten umgesetzt werden konnten als ursprünglich geplant (s. Auf- forstung, Bewässerungsteiche). Bis Dezember 2012 wurden folgende Fortschritte erreicht:


Aufforstung und Verdichtung von Mangroven; Besucherpark
Die aufzuforstenden Flächen wurden per GPS vermessen. Alleine in diesem Jahr hat die Bevölkerung 37 Hektar Küstenvorland mit 143.000 Setzlingen von sechs Mangrovenarten bepflanzt – Jahresziel war die Bepflanzung von „nur“ 30 Hektar gewesen. Bei den aufgeforsteten Arealen handelt es sich zum Teil um geschlossene Flächen, an manchen Stellen wurden neue Arten angesiedelt und die Zahl der Bäume erhöht .

Der Mangroven-Besucherpark bei Dayapur dient der Vermittlung von Bedeutung und Artenvielfalt der Mangroven an die Bevölkerung und Besucher aus Fachkreisen. Der Park wurde im Vorgängerprojekt angelegt. Im Jahr 2012 wurden hier fünf Mangrovenarten gepflanzt; inzwischen sind 36 Baumarten vertreten. Außerdem wurde der Bambuszaun um das Gelände erneuert.


Informationstafel im Besucherpark bei Dayapur, die die verschiedenen Mangrovenarten auflistet. (Foto von: KKS)
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Informationstafel im Besucherpark bei Dayapur, die die verschiedenen Mangrovenarten auflistet.

Pflanzung von Fruchtbäumen und Bäumen zur Feuerholzgewinnung
Jeder der 2.100 Haushalte hat sieben Baumsetzlinge erhalten und diese an geeigneten Stellen, etwa im Garten, an Ställen oder Bewässerungsteichen, gepflanzt. Rund 16.800 Obstbäume (veredelte Mango, Zitronen und Guaven) und andere Nutzbäume (etwa Eukalyptus und Akazie) hat die Bevölkerung auf insgesamt 7,8 Hektar Brachflächen gepflanzt (Jahresziel 2012: drei Hektar).

Verbesserung der Erträge: Bewässerungsteiche, Kompostherstellung
Insgesamt konnten 96 Bewässerungsteiche instandgesetzt, d.h. vertieft und um bis zu 220 Kubikmeter vergrößert werden. Diese können in der Trockenzeit zur Bewässerung von Gemüse und Nutzbäumen, zur Fischzucht und zum Baden genutzt werden. 84 Kleinbauern haben Saatgut sowie andere Produktionsmittel erhalten, insgesamt 500 wurden zu den Themen Ackerbau, Kompostherstellung und Hühnerhaltung geschult.

Einkommen schaffende Maßnahmen
Das Projekt hat 70 landlose Familien dabei unterstützt, ihre bestehenden wirtschaftlichen Aktivitäten zu verbessern. Gefördert wurden Teestände, Lastenrikschas und Verkaufsstände für Lebensmittel. 49 landlose Frauen haben Schulungen und weitere Hilfen (Küken, Futter u.a.) zum Aufbau kleiner Hühnermastanlagen erhalten.

Aufbau von Selbsthilfegruppen
Die Mitglieder der 70 Selbsthilfe- und 70 Aufforstungsgruppen treffen sich regelmäßig und werden in die Projektaufgaben eingebunden. Die Gruppen haben mit Spar- und Kreditaktivitäten begonnen; alle verfügen über Bankkonten. Bis Jahresende 2012 haben sie insgesamt umgerechnet 6.200 Euro angespart.


Die Leiterin des Projekts mit ihrem Fahrrad. (Foto von: KKS)
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Die Leiterin des Projekts mit ihrem Fahrrad.

Unsere Partner

Implementiert wird das Projekt vor Ort durch die "Tagore Society For Rural Development", Partner der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie. „GEO schützt den Regenwald e.V.“ arbeitet seit Jahren mit der KKS erfolgreich zusammen. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

Letzte Aktualisierung: April 2013




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