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Postwachstumsökonomie: "Wir fahren auf einem falschen Gleis"

Fast 40 Jahre ist es her, dass der Club of Rome erstmals die Grenzen des Wachstums beschwor. Doch während der Klimawandel ungebremst voranschreitet, gilt wirtschaftliches Wachstum immer noch als heilige Kuh. Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech fordert ein radikales Umdenken. Nicht nur von Politikern, sondern von allen. Sein Entwurf einer Postwachstumsökonomie enthält Vorschläge, wie wir ohne Wachstum, dafür aber wirklich nachhaltig leben können

Interview:

Der Wirtschafts-<br />wissenschaftler Niko Paech lehrt an der Universität Oldenburg (Foto von: privat)
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Der Wirtschafts-
wissenschaftler Niko Paech lehrt an der Universität Oldenburg

GEO.de: Die Proteste gegen Banken und das Finanzsystem, die wir gerade erleben - treffen die eigentlich die Richtigen?
Niko Paech: Nur zum Teil. Es kann zwar nicht schaden, gegen ein Finanzsystem zu protestieren, das außer Rand und Band ist. Aber es lenkt von der entscheidenden Frage ab - nämlich von den Pathologien eines zerstörerischen Wohlstandsmodells.

Pathologien?
Unser Wohlstand ist das Resultat einer globalisierten, hoch spezialisierten Industrieproduktion, die wir uns mittels wundersam steigender Kaufkraft aneignen. Wir erklimmen dabei immer höhere Konsum- und Mobilitätsniveaus - obwohl wir selbst gar nicht mehr zu leisten imstande sind. Diese Lebensweise macht uns geldabhängig und darum angreifbar. Klar, wir sollten uns über ein degeneriertes Finanzsystem empören. Aber zugleich müssen wir uns auch die Frage stellen, warum es uns so viel anhaben kann. Sehr treffend hat der Sozialpsychologe Harald Welzer das Motto der Protestbewegung umformuliert: "Empört euch - über euch selbst!"

Plädieren Sie für Verzicht?
Das Wort "Verzicht" existiert in meinen Konzepten nicht. Mir geht es um Entrümpelung, darum, Ballast abzuwerfen. Es geht darum, sich von Abhängigkeiten zu befreien. Befreiung ist kein Verzicht. Es geht darum, Wohlstandsschrott loszuwerden, der unser Leben verstopft und obendrein auch noch die Ökosphäre schädigt.

Sie meinen, weniger ist mehr?
Ja. Konsumieren ist unglaublich zeitaufwändig. Wir müssen immer mehr Kaufmöglichkeiten verarbeiten, abwägen, vergleichen, etwas auswählen und uns damit beschäftigen. Aber der Tag hat nur 24 Stunden. Die frei verfügbare Konsumzeit müssen wir aufteilen auf ein immer größeres Quantum an Konsumaktivitäten, die wir uns leisten können. Denn die Kaufkraft, auch wenn die Linke und die Gewerkschaften das Gegenteil behaupten, ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen - selbst in den Milieus, die man als "arm" bezeichnet. Das führt zu immer mehr Zeitnot, Stress, bis hin zu Burnout und Depression. In reichen Konsumgesellschaften ist Depression mittlerweile die Zivilisationskrankheit Nummer eins.

Wie könnte die Lösung aussehen? 20 Stunden Wochenarbeitszeit, um mehr Zeit zum Konsumieren zu haben? Oder einfach nur weniger kaufen?
Beides. Wenn Sie nur noch 20 Wochenstunden arbeiten, haben Sie auch weniger Geld. Also können Sie sich weniger Konsumgüter leisten. Andersherum: Wenn Sie weniger Konsumgüter nutzen, dafür aber konzentrierter und mit mehr Freude, dann brauchen Sie weniger Geld und erwerbswirtschaftliche Arbeitszeit. Einen Teil der gewonnenen Zeit können Sie für moderne Formen der Selbstversorgung nutzen.

Und was ist mit unserer Wirtschaft?
Die wächst dann nicht mehr - sondern schrumpft radikal. Wenn die Menschen nur noch 20 Stunden arbeiten und nur noch das halbe Einkommen haben, dann brauchen wir auch nur noch eine Wirtschaft, die halb so groß ist wie die jetzige.


Während Autobauer noch zweistelligen Wachstumsraten nachtrauern, fordert Niko Paech den "Rückbau ökologisch desaströser Industrien" (Foto von: Ocean/Corbis)
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Während Autobauer noch zweistelligen Wachstumsraten nachtrauern, fordert Niko Paech den "Rückbau ökologisch desaströser Industrien"

Nach einer gängigen Meinung hängen vom wirtschaftlichen Wachstum nicht nur Wohlstand und Freiheit, sondern auch ein effektiver Umweltschutz ab ...
Das stimmte noch nie. Ich halte es für vollkommen unmöglich, das Wirtschaftswachstum zu steigern, ohne die Ökosphäre zu schädigen. Egal, ob Sie nun eine Windkraftanlage bauen oder Dienstleistungen anbieten - beides ist nicht ökologisch neutral. Sehen Sie sich nur unser Bildungs- und Gesundheitssystem an, von denen man glaubte, es seien Prototypen der CO2-neutralen Wertschöpfung. Das Wachstum dieser Sektoren erfordert immer mehr internationale Logistik und Flugreisen, Gebäude und Infrastruktur. Es sind gigantische, ökologisch ruinöse Komplexe geworden.

Welche Rolle spielen effizienzsteigernde Innovationen oder neue Technologien wie die Kernfusion für unsere Zukunft?
Die Vorstellung, dass wir mit Fusionskraftwerken unsere Energieprobleme lösen könnten, ist Science-Fiction. Wir wissen ja noch nicht einmal, wie solche Kraftwerke aussehen müssten, geschweige denn, wie wir diese Technologie im großen Stil nutzen könnten. Die Kernfusion ist keine Innovation, sondern vorerst eine Invention, eine Erfindung. Aber auch die weniger spektakulären Entwicklungen - Energiesparbirnen, Windkraft, Solarenergie, Biomassekraftwerke, Passivhäuser - verlagern nur die Probleme, statt sie zu lösen. Sie immunisieren unser Wohlstandsmodell gegen die Notwendigkeit einer Reduktion. Das wird im Energiebereich besonders deutlich. Es ist in Deutschland bisher nicht gelungen, den gesamten CO2-Ausstoß durch Effizienzmaßnahmen und regenerative Energien zu verringern. Übrigens schon deshalb nicht, weil der Atomausstieg fast vollständig durch neue Kohlekraftwerke kompensiert wird. Jede Innovation, die wir eingesetzt haben, um die Umwelt zu entlasten, hat versagt oder wurde systematisch durch Nachfragesteigerungen neutralisiert. Nennen Sie mir ein Gegenbeispiel!

Geothermie?
Geothermienutzung durch Wärmepumpen macht nur Sinn in energetisch optimalen Neubauten. Neubauten sind aber ökologisch immer ein Schaden, auch wenn es sich um Passiv- oder Aktivhäuser handelt, also Häuser, die sehr wenig Energie verbrauchen oder sogar noch überschüssige Energie erzeugen. Denn bei der Errichtung von Häusern werden kostbare Flächen und Rohstoffe verschlungen und große Mengen CO2 freigesetzt. Das größte Problem sind aber die bestehenden Immobilien. Die lassen sich nur selten so dämmen, dass Wärmepumpen energetisch sinnvoll sind. Geothermie im größeren Stil funktioniert in Island; in Deutschland sind die damit verbundenen Aufwände und Gefahren zu groß.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Was würden Sie mit 16 Milliarden Euro anfangen?"



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Kommentare zu ""Wir fahren auf einem falschen Gleis""

Lars Lonte | 11.11.2011 00:51

Präsidentschaftskandidat Cheminade: "7 Milliarden Menschen: Willkommen - Aber Sarkozy muß gehen!"
5. November 2011 • 11:17 Uhr

Anläßlich der Nachricht, daß die Weltbevölkerung die 7-Milliarden-Grenze überschritten hat, veröffentlichte der französische Präsidentschaftskandidat Jacques Cheminade (Solidarite et Progres) am 31. Oktober 2011 die folgende Erklärung:


http://www.bueso.de/node/5049


15 Mind-Blowing Facts About Wealth And Inequality In America. Information Clearing House, Grafiken über Einkommens- und Vermögensverteilung in den USA

http://www.informationclearinghouse.info/article25399.htm

http://www.pauljorion.com/blog/?p=11384

http://elboheme.blogspot.com/2010/05/die-wahren-ursachen-der-krise_12.html
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Lars Lonte | 10.11.2011 18:18

17:12|
Gutachten
Der Mindestlohn ist besser als sein Ruf

Sechs Forschungsinstitute haben im Auftrag der Regierung die Auswirkungen des Mindestlohns untersucht. Demnach gibt es kaum negative Effekte. Von Stefan von Borstel mehr...

http://www.welt.de/wirtschaft/article13710075/Der-Mindestlohn-ist-besser-als-sein-Ruf.html


16:36|
Verschuldete Länder in Europa
CDU will Euro-Austritt für Krisenstaaten ermöglichen

Bislang ist der Austritt eines Staates aus der Euro-Zone nicht geregelt. Die CDU will das ändern: Schuldenstaaten sollen eine andere Währung wiedereinführen können. mehr...

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13709894/CDU-will-Euro-Austritt-fuer-Krisenstaaten-ermoeglichen.html

17:20 Staatsverschuldung: Mit der Euromantik der Parteien muss Schluss sein

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13709940/Mit-der-Euromantik-der-Parteien-muss-Schluss-sein.html Beitrag melden!

Wolf Thom | 10.11.2011 17:17

Geplant: Die Klimadiktatur bis 2050

November 5, 2011

Hans-Joachim Schellnhuber, Klimaberater der Kanzlerin, hat einen Masterplan vorgelegt

Weiterlesen »

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2011/11/05/geplant-die-klimadiktatur-bis-2050/


Jürgen Elsässer spricht:

3.11., Berlin: "Wutbürger gegen Euro-Wahn: OCCUPY GERMANY und/oder Tea-Party?" COMPACT-Premiere, 19 Uhr, Viethaus, Leipziger Straße 54
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Lars Lonte | 07.11.2011 16:45

100 Mal Niedergang
[07.10.2011] 100 Zahlen und Fakten über den Niedergang der US-Ökonomie.

China kommt natürlich auch darin vor, unter Nr. 65, 67, 68 und 69.

#100 A staggering 48.5% of all Americans live in a household that receives some form of government benefits. Back in 1983, that number was below 30 percent.

#99 During the Obama administration, the U.S. government has accumulated more debt than it did from the time that George Washington took office to the time that Bill Clinton took office.

#98 Since Barack Obama was sworn in, the share of the national debt per household has increased by $35,835.

#97 The U.S. national debt has been increasing by an average of more than 4 billion dollars per day since the beginning of the Obama administration.

#96 It is being projected that the U.S. national debt will hit 344% of GDP by the year 2050 if we continue on our current course.

#95 The Congressional Budget Office is projecting that U.S. government debt held by the public will reac Beitrag melden!

PeeWeeBee | 02.11.2011 22:06

Die Idee der Selbstbeschränkung als ein Atom im Molekülkomplex der Individualität ist eine alte Forderung - gleich mit welcher Zielrichtung. Aber sie muss, um wie jedes Molekül wirken zu können, "verkauf"t werden - an Politiker, die Wirtschaft und vor allem an den" Konsumenten". Bisher ist das noch keinem System und keiner "Ideologie" (ob grün oder rot) wirklich gelungen. GEO zeigt in vielen Beiträgen, wie das gehen kann. Das reicht natürlich nicht - jeder Einzelne, unabhängig von Bildung, Einkommen und Herkunft, muss nachvollziehen können, warum sich Verzicht in nichtexistenziellen Fragen lohnt. Das ist eine Aufgabe für alle Autoren, Wissenschaftler und Medien (Bildzeitung nicht ausgenommen). Fangt an, Leute, und kommuniziert Eure Pläne, Erfahrungen und Fehler in Blogs und Medien, damit alle profitieren können. Denn merke: Die Erde ist eine Kugel - und damit ist ALLES beschränkt. Beitrag melden!

Hansa | 28.10.2011 14:29

Astrologisch stehen die Zeichen für Einschränkung schon lange Zeit am Himmel.
Das vielzitierte Age of Aquarius heisst auch Gürtel enger schnallen, damit andere Menschen auch etwas erhalten - "weniger ist mehr" ist die Devise.

Heute ist der letzte Tag der Maya-Zeitrechnung und der Beginn einer neuen Ära. Dieser Artikel passt da hin. Vielleicht kommt auch das "Wörgl-Experiment" wieder, wo Zinsen auf Guthaben EINGEHOBEN wurden. So konnte keiner Geld anhäufen und es rollte, wie es sollte. Beitrag melden!

Lars Lonte | 27.10.2011 17:39

9.11. und Peak Oil

http://www.fromthewilderness.com

Michael C. Ruppert "Crossing the Rubicon - the decline of the American empire at the end of the age of oil"

Ölverknappung durch unrentabel werdende Förderbedingungen, Überschreitung der Höchstfördermenge und steigende Nachfrage...auch Gas und Uran verknappen sich in 20 bis 30 Jahren massiv...ebenso in bälde Kupfer und andere strategisch wichtige Metalle sowie Phosphor...

Bernd Senf nach Wilhelm Reich

http://www.berndsenf.de

Psychosoziale Hintergründe... Beitrag melden!


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