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GEO Magazin Nr. 01/12 Seite 1 von 2
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Ökolandbau: Fruchtbare Kapitalanlage

Diese Rubrik stellt zukunftsfähige Projekte und Lösungen vor. Folge 12: Die Finanzkrise lehrt Anleger umzudenken. Wer Geld in die ökologische Landwirtschaft investiert statt in riskante Hedgefonds, erwartet keine große Rendite. Aber zur Dividende gehören glückliche Kühe und eine lebenswerte Umwelt


Gute Ideen für eine nachhaltige Zukunft gibt es schon. Aber nicht immer genügend Geld, um sie zu realisieren. Kennen Sie alternative Finanzierungskonzepte für solche Ideen? Erzählen Sie uns von Beispielen aus Ihrer Region oder aus aller Welt! Bitte nutzen Sie dazu die Kommentarfunktion unten auf dieser Seite.


"Grünes" Wachstum: Investitionen in Ökolandbau zahlen sich aus (Foto von: Hauke Dressler/LOOK-foto)
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"Grünes" Wachstum: Investitionen in Ökolandbau zahlen sich aus

Joel Siegel hatte einen Traum. Er träumte von Äpfeln, von Zwetschgen und Birnen, von Feldern voller Erdbeersträucher. Er träumte von einem eigenen Hof. Siegel war Mitte zwanzig, er hatte Obstbau studiert. Seine Eltern besaßen ein paar Gärten, aber keinen Hof, den er hätte übernehmen können. Also arbeitete er, sparte und suchte. Fünf Jahre lang. Menschen wie Siegel haben es schwer. Die Landwirtschaft ist ein ungewisses Geschäft mit hohem Kapitalbedarf. Wer einen Hof übernimmt, muss Felder pachten oder kaufen, Maschinen erwerben, Saat säen. Das finanzielle Risiko ist hoch. Höfe ohne Erben werden daher meist von Großbetrieben aufgekauft und auf Monokultur umgestellt.


Siegel aber wollte gesundes Obst anbauen, Bio-Obst. Und im März 2009 schien es, als habe er das Glück doch noch gefunden: In Norsingen, nur wenige Kilometer von Freiburg entfernt, konnte er Hof und Felder eines kinderlosen Bauern übernehmen, rund 20 Hektar. Doch der Einstieg in die Biolandwirtschaft kostete mehr, als Siegel berechnet hatte. In den ersten Jahren der Umstellung dürfen Landwirte ihre Erzeugnisse noch nicht als Bioware verkaufen. Schon im ersten Jahr war Siegels Kapital aufgebraucht. Er stand vor dem Aus. Die Banken verweigerten ihm einen Kredit. Zu unsicher sei die Landwirtschaft, zu wenig Erfahrung konnte er vorweisen.

Da erfuhr Joel Siegel von Christian Hiß. Der Mann, der Siegel rettete, sitzt zwei Jahre später in Freiburg vor einer Grünkern-Moussaka und schaut ein bisschen gehetzt drein. Das Jackett sitzt nicht ganz, das Hemd ist zerknittert, bis zum Vortag war er noch in Paris auf ein paar Konferenzen. Überall wollen sie von ihm wissen, wie man die heimische Landwirtschaft retten kann.


Hiß, ehemaliger Biogärtner aus Eichstetten am Kaiserstuhl, musste jahrelang zusehen, wie die Höfe der Nachbarn aufgekauft wurden und um ihn herum am Oberrhein irgendwann nur noch pestizidgespritzter Mais gedieh. Dann dachte er nach. Er überlegte, wo Kapital herkommen könnte außer von den Banken: vom Verbraucher.

Im Jahr 2006 gründete er die Regionalwert AG, eine Bürgeraktiengesellschaft nach einfachem Prinzip: Anleger, denen an regionaler und ökologischer Landwirtschaft gelegen ist, zeichnen Aktien. Mit dem Geld unterstützt die Regionalwert AG den Biolandbau, in der Regel durch Beteiligung am Unternehmen. Joel Siegel erhielt 45 000 Euro; das verschaffte seinem Betrieb eine solide Basis. Für genauso wichtig hält Hiß, „dass die Verbraucher wieder einen direkten Bezug bekommen zu den Menschen, die ihre Nahrung anbauen“.



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