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Interview: Strom aus dem hauseigenen Kraftwerk: Interview: Strom aus dem eigenen Kraftwerk

Mit einer völlig neuen Idee wartet der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick am deutschen Energiemarkt auf: Gemeinsam mit VW will er künftig bis zu 100.000 Haushalte und Gebäude mit Minikraftwerken ausstatten, die Strom ins öffentliche Versorgungsnetz einspeisen. Ab Frühjahr 2010 gehen die ersten Anlagen ans Netz. GEO hat den Geschäftsführer von Lichtblick, Christian Friege, befragt


LichtBlick Vorstandsvorsitzender Dr. Christian Friege  (Foto von: LichtBlick)
© LichtBlick
LichtBlick Vorstandsvorsitzender Dr. Christian Friege

GEO: Wie funktioniert ein solches Minikraftwerk?
Christian Friege:
Das Prinzip ist einfach. Im Heizungskeller eines Gebäudes treibt ein VW-Gasmotor einen Generator an. Dieser erzeugt Strom. Dabei entsteht Wärmeenergie, die direkt vor Ort genutzt werden kann, entweder zum Erwärmen von Wasser oder zum Heizen. Der Strom dagegen wird ins öffentliche Versorgungsnetz eingespeist.

Was unterscheidet die Anlage von herkömmlichen Stromerzeugern?
Anders als ein Kern- oder Kohlekraftwerk produziert das Minikraftwerk nur dann Strom, wenn die Nachfrage nach Energie hoch ist oder die Wärmespeicher im Haus leer sind. Dafür ist jedes dieser knapp mannshohen Geräte per Mobilfunk mit unserer Hamburger Leitzentrale verbunden. Die reguliert, wann jede der einzelnen Anlagen Strom liefert. Außerdem vernetzen wir dadurch einen "Schwarm" aus Tausenden kleiner Zuhausekraftwerke zu einem gigantischen virtuellen Großkraftwerk mit einer Leistung von 2000 Megawatt. Das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken.


Wie effizient ist der "Schwarmstrom" im Vergleich zu konventionell erzeugtem Strom?
Während die Energieausbeute eines Kohle- oder Atomkraftwerkes nur 30 bis 50 Prozent beträgt, liegt der Wirkungsgrad eines Zuhausekraftwerkes bei 94 Prozent. Das liegt daran, dass unsere Anlagen aus dem Erdgas nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die Wärme sinnvoll nutzen. Auf diese Weise lassen sich bis zu 60 Prozent der CO2-Emissionen vermeiden. Um noch umweltverträglicher zu werden, wollen wir langfristig auch von Erdgas auf Biomethan umsteigen. Schwarmstrom wird dann wie Sonne, Wasser und Wind zu einer regenerativen Energie.

Was bietet ein Minikraftwerk dem Verbraucher?
Rentabel ist eine Anlage bei einem Verbrauch von etwa 40.000 kWh im Jahr. Sie eignet sich daher vor allem für sehr große oder ältere Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude, lässt sich kostengünstig aber auch in kleineren Häusern installieren, etwa wenn sich Nachbarn eine Anlage teilen. Betreiber des Kleinkraftwerks bleibt dabei Lichtblick. Der Hauseigentümer vermietet uns lediglich einen Stellplatz in seinem Heizungskeller. Wir übernehmen Ausbau und Entsorgung der alten Heizung, bauen das Zuhausekraftwerk anschlussfertig ein, liefern den Brennstoff, warten und reparieren die Anlage. Dafür zahlen die Kunden einen einmaligen Einbauzuschuss von 5000 Euro und schließen mit Lichtblick einen Wärmeliefervertrag ab. Für den Strom, den wir ins öffentliche Netz einspeisen, bekommt der Kunde einen jährlichen Strombonus.

Weshalb kooperiert ein Ökostromanbieter mit einem Autohersteller?
Diese Idee für das Minikraftwerk geisterte schon lange durch die Köpfe der Lichtblick-Ingenieure. Dafür brauchten wir aber ein Unternehmen, das Gasmotoren in hoher Qualität serienmäßig zu günstigen Preise produziert. So kamen die Wolfsburger ins Spiel. Wir wussten, dass VW schon seit geraumer Zeit mit Blockheizkraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplung experimentiert und konnten den Motorenhersteller schließlich von einer Kooperation überzeugen.

Das Interview führte Kirsten Milhahn



Mehr zu den Themen: Ökologie, Strom, Atomkraft, Interview

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Kommentare zu "Interview: Strom aus dem eigenen Kraftwerk"

Peter Türr | 14.12.2009 23:12

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Florian Poser | 21.10.2009 12:01

Ich bin begeistert - eine super Idee.
Leider bin ich kein Hausbesitzer, sonst würde ich mich sofort um den Einbau einer solchen Anlage bemühen!
MfG
#Prof. F. POSER Beitrag melden!

Plato | 07.10.2009 09:22

Anlagen dieser Art lassen wir (Architektur- und Ingenieurbüro) seit einigen Jahren nicht nur in Ein- und Mehrfamilienhäusern einbauen, sondern vorrangig auch in gewerblich genutzten Objekten. Hier werden hauptsächlich Anlagen der Fa. Ecopower (E 3,0 od. E 4,7) mit modulierbarer thermischer und elektrischer Leistung verwendet. Nicht selbst benötigte elektrische Energie wird gegen Vergütung in das Netz abgegeben. Als Antriebsenergie wird Erd- oder Flüssiggas verwendet. Einbau ist für jede beliebige Vorlauftemperatur einer Warmwasserpumpenheizug möglich. Die erste Anlage dieser Art habe ich 1979 zur Beheizung einer Lagerhalle einbauen lassen. Damals wurde ein Gasmotor der Serie "Totem" der Fa. Fiat in Heilbronn installiert. Leider war damals das Umweltbewußtsein noch nicht so ausgeprägt wie heute! Auch die Stromanbieter waren damals noch nicht bereit, elektrische Energie von Privatseite in das Netz einspeisen zu lassen. Das hat sich endlich geändert!! Beitrag melden!


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