Hauptspalte:
"Große Wildbestände schaden dem Wald"
Damit es dem Wald gut geht, müssen die Jäger Reh und Hirsch verstärkt aufs Korn nehmen - meint Elisabeth Emmert, Bundesvorsitzende des Ökologischen Jagdverbands ÖJV

Für den Laien und Tierfreund ist es schwer nachvollziehbar, dass Reh und Hirsch den Wald schädigen sollen.
Ja, beide Tierarten sind Inbegriffe der lieben, schönen Kreatur. Und für Jäger sind Reh- und Rotwild traditionell die Krönung des Waldes. So etwas kann doch bitteschön nicht problematisch sein! Und doch ist es so, dass durch egoistische, einseitige Ziele der Jägerschaft hohe Wilddichten herangehegt wurden.
Und diese hohen Stückzahlen ...
... sind - wenn wir mal von Jagdpächtern absehen, die möglichst viel Wild im Revier stehen haben wollen - wirklich kein Grund zur Freude. In Rheinland-Pfalz zum Beispiel sorgen Rotwild-Überpopulationen dafür, dass seit 1995 waldbauliche Ziele nur auf der Hälfte der Flächen erreicht werden. Das ist unwirtschaftlich und ungesetzlich.
Aber Ihr großer Konkurrent, der Deutsche Jagdschutzverband DJV sagt, das bestehende Jagdrecht reiche völlig aus, um den Wald zu befrieden.
Seit vielen Jahrzehnten dauert der Wald/Wild-Konflikt nun schon an. Und spätestens seit Heiligabend 1972, als Horst Sterns "Bemerkungen über den Rothirsch" über Deutschlands Schirme flimmerte, ist das Problem öffentlichkeitsbekannt. Und seit Jahrzehnten rügen die Landesrechnungshöfe Steuermittelverschwendung in den Staatswäldern: für Zäune, Nachpflanzungen, Holzeinbußen - pochen auf Vorgaben, Gesetze, Regularien, waldverträgliche Wilddichten ...
Aber es werden gleichwohl zu wenig Rehe und Hirsche geschossen, richtig?
Ja. Nicht zuletzt deshalb, weil die Jägerschaft bisher erfolgreich darauf besteht, die Abschusszahlen quasi in Eigenregie festzulegen und die Erfüllung nicht kontrolliert wird.
Wer sonst sollte sie festlegen?
Der Wald. Es lässt sich anhand sogenannter Verbissgutachten sehr leicht und genau feststellen, ob - beispielsweise - zu viele Rehe im Revier sind, die die natürliche Verjüngung beeinträchtigen oder gar verhindern. Es wäre einfach und zielführend zu sagen: Wenn bestimmte Zeigerpflanzen, etwa der Hasenlattich oder die Eiche, nicht oder kaum verbissen werden, haben wir eine natürliche, eine waldangepasste Wilddichte. Wenn nicht, muss mehr geschossen werden.
Aber so eine Wilddichte ist etlichen Jägern nicht dicht genug?
So ist es. Es wird immer noch im Winter gefüttert, obwohl das von Gesetzes wegen nur in "Notzeiten" der Fall sein dürfte. Notzeiten geben unsere Winter aber schon lange nicht mehr her. Gefüttert wird trotzdem. Und nicht zuletzt durch dieses "Winterhilfswerk" werden die Kopfzahlen übers Jahr künstlich hoch, sehr hoch gehalten.
Kritiker der deutschen Jagd nehmen auch immer wieder die Jagdzeiten ins Visier.
Und das zu recht. Die Jagdzeiten müssen zum einen synchronisiert werden, so dass man sein Abschuss-Soll leichter erfüllen kann und - beispielsweise - nicht unverrichteter Dinge heimkehren muss, weil einem im Winter ein (verbotener) Bock und keine (erlaubte) Ricke vor die Büchse kam. Und zum andern muss die traditionelle, die tief eingewurzelte Trophänenfixiertheit, endlich ein Ende haben. Vor lauter Gehörn- und Geweih-Zucht-Zielen unterbleibt ja meist das Wesentliche: Wild und Wald in ein ausgewogenes, naturnahes Verhältnis zu bringen.
Aber auch die per Jagdgesetz vorgegebene Hegepflicht zielt ja - so jedenfalls steht es geschrieben - auf gesunde Wildbestände?
Hegepflicht und Weidgerechtigkeit - beides im Übrigen äußerst unklare Begriffe - gelten einseitig für Reh, Hirsch und Gams. Auf Fuchs und Sau dagegen darf man - Weidgerechtigkeit hin oder her - fast einschränkungslos schießen, während die wirksame und unverzichtbare Bewegungsjagd (Treib- und Drückjagd) auf Rehe gern mit jagdethischen Bedenken diskreditiert wird.
Bedenken müssten doch eigentlich auch die Waldbesitzer haben, in deren Wäldern zu viel verbissen wird?
Ja. Aber um sich zu wehren, müssten Waldbesitzer erst einmal umfassend informiert sein, wie sie sich gegebenenfalls schadlos halten können, wenn Verbiss ins Geld geht. Wir erleben es aber, dass etliche, die an Jäger verpachten, Schäden hinnehmen, als wären es Quasi-Naturereignisse. Das schadet ihnen und dem Wald.
Interview: Claus-Peter Lieckfeld

Stürme, Dürren, Schädlingsplagen: Nur naturnähere Mischwälder werden dem Klimawandel trotzen können. Doch der Umbau der deutschen Stangenforste aus Fichten und Kiefern misslingt bisher. Weil Monokulturen schneller Geld abwerfen. Weil zu viel Wild den grünen Nachwuchs verbeißt. Weil zu wenige Jäger richtig jagen. Lesen Sie mehr darüber im neuen GEO Magazin Nr. 5/2011.



Kommentare zu ""Große Wildbestände schaden dem Wald""
- Die Jagd schadet dem Gleichgewicht der Natur - Durch die Jagd steigt die Überpopulation der Wildscheine & andere Waldtiere immer weiter: - Familienverbände werden auseinandergerissen, worauf die Wildschweine mit vermehrter Fortpflanzung reagieren - Durch das Ausstreuen von Nahrung werden die Waldtiere angeregt sich noch mehr zu vermehren - Die Bejagung des Fuchses führt zur Flucht und damit zur Ausbreitung von Tollwut - Alle wesentlichen von der Jägerschaft genannten Gründe für die Jagd sind heute wissenschaftlich widerlegt - Der Jagd fallen jährlich zusätzlich ca. 400.000 Katzen und ca. 65.000 Hunde zum Opfer
Die "ökologische" Jagd in Deutschland ist ein Märchen, denn dann müsste man mit dem Ziel jagen sich selbst als Jäger überflüssig zu machen. Aber dafür jagt jeder Jäger selbst zu gern, auch die angeblichen "Ökojäger". Wer viel Geld und Zeit in den Jagdschein und seine Ausrüstung investiert, wird doch nicht darauf hinarbeiten sich ein neues Hobby suchen zu müssen. Er will auch nicht wirklich ausprobieren, ob es ohne ihn geht. Er will jagen. Da ist Forstpropaganda wie "Wald vor Wild" durchaus recht, Hauptsache die persönliche Lizenz zum Freizeit-Töten bleibt erhalten. Es geht weder Forstleuten noch "Ökojägern" um den Wald als Ökosystem. Wer ist denn bereit auf Forstwirtschaft und Jagd zu Gunsten natürlicher Prozesse zu verzichten? In Deutschland haben wir eher zuviel Jagd (mit allem Drumherum) statt zu wenig. Für die Forstwirtschaft gilt das auch. Die Holzvorräte im "Ökojäger"-Förster-Wald betragen weniger als die Hälfte von Naturwäldern. Von wegen CO2-neutrale Forstwirtschaft und "ÖKO"!
Als ebenfalls erfahrender Forstmann möchte ich mal ein paar Worte an all die Skeptiker und Ultra-Jagdgegner wenden: Verstehe einerseits sehr gut, dass sich systematische Zusammenhänge häufig nachvollziehen lassen. Hier wurde bisher nur das Bild des geschädigten Waldes (verursacht durch eine kleine "priveligierte" Bevölkerungsgruppe) dargestellt und die eigene Betroffenheit fällt aus dem Rahmen. Doch sind die Landwirte auch hierbei betroffen. Jährlich entstehen auch hohe Summen an Wiesen und bestellten Äckern, hohe Wildunfallzahlen, welche eindeutig im Zusammenhang mit zu hohen Wilddichten stehen. Ergo: Es geht her defenitiv auch um uns alle! Es wäre zu schön wenn sich bestimmte Personen sich vom "Bambi-Syndrom" befreien und ein wenig weiter denken. Will damit aber nicht meinen, die Jagd in allen Belangen zu befüührworten. In Gegenden Deutschlands wo Wolf und Luchs zurückgekehrt sind wäre es durchaus sinnvoll über den Verzicht der Bejagung nachzudenken.
Danke für den Artikel! Kurz und knapp auf den Punkt gebracht! Weil es sonst auch nicht einfach ist, Öffentlichkeit in größerem Umfang zu erreichen und für diese Thematik zu sensibilisieren. Schalenwild gehört in unseren Wald, aber bitte in den für das Waldökosystem verträglichen Stückzahlen! Und dabei noch an die Adresse an eine (leider) sehr große Zahl von Jägern, bitte nicht immer nur allzu polemisch auf Kritiker „einschießen“. Leider wird in der Jungjägerausbildung das Fach Zoologie (und vielleicht auch mal etwas Waldökologie) deutlich vernachlässigt! Wer mitreden möchte, der sollte Fakten kennen und Zusammenhänge erkennen können. Revierleiter (Förster) auf 1200ha Privatwald
Lebensräume vernetzen und Luchse und Wölfe gedeihen lassen - Problem gelöst. PS: In der Schweiz geht die Thematik in eine andere Richtung. Es wird zur Zeit an der eidgenössischen Jagdverordnung herumgeschraubt und es kommt (hoffentlich nicht) soweit, dass die zwei oben genannten Prädatoren (neben anderen Wildtieren) leichter zum Abschuss freigegeben werden - wegen der Konkurrenz zu den Jägern...absurd.
Geschickt wird hier am Wildschwein vorbei der Abschuß von Reh und Hirsch gefordert. Ohne Frage trägt eine hohe Zahl dieserTiere zum "VERBISS" bei. Ein gesndes Verhältnis Tier-Wald ist natürlch immer anzustreben Es ist leicjhter ein Reh oder Hirsch zu jagen, als die ständig zunehmende Zahl der Schwarzkittel. Das Wildschwein vermehrt sich ungebremmst. Lassen sich diese Tiere tatsächlich so schwer jagen ? Eine schöne Wildschwein-Salamie schmeckt lecker.
Ich halte die Kommentare von Frau Emmler für sehr einseitig und teilweise völlig unqualifiziert. Wir Jäger haben heute auch den Auftrag, durch eine der jeweiligen Reviersituation angepasste Bejagung den Wald vor zu hohen Verbissschäden zu schützen. Da wird sicherlich an der einen oder anderen Stelle etwas zu wenig getan, allerdings derart übergreifend von einer zu geringen Bejagung zu sprechen, ist völlig unangemessen. Ich kann nur sagen, das in den ostwestfälischen Wäldern vielerorts auch ohne Wildschutzzäune die Naturverjungung so dicht ist, das man keine 10 Meter in die Bestände schauen kann. Und das bei Rehwildbeständen, die nach den geltenden Maßstäben bejagt werden.
Endlich nimmt sich mal jemand dieses Themas an. Vielen Dank!!! Ich bin der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in der Südpfalz: Annweiler am Trifels. Wir sind der siebtgrößte kommunale Waldeigentümer in Rheinland-Pfalz. Unsere Waldbestände sind durch eben den hier genannten Wildverbiss gefährdet. Finanzieller Schaden in den vergangenen Jahren: mehr als 800.00 Euro. Eines unserer Jagdreviere mit Rotwild wird schon nicht mehr verpachtet, da es nicht intensiv genug bejagt wurde. Unsere kommunalen Förster kümmen sich seit Kurzem selbst um die Jagdorganisation. (Übrigens, für alle Laien, die es unter den Kommentatoren den einen oder anderen zu geben scheint: Förster ist nicht gleich Jäger!)
Der Rest ist dann zensiert worden....
Wie wäre es, wenn die Waldflächen einfach mal vergrößert werden, damit sich die ökologische Vielfalt ausweiten kann und das Wild wieder mehr Freßfeinde bekommt. Jäger unter dem Deckmäntelchen der Ökologie: Einfach nur lächerlich.
Schon komisch... Sonst heißt es immer, die Jäger schießen auf alles was sich bewegt. Hier jetzt genau anders herum - die schießen gar nicht, sondern züchten viel zu viel Wild. Logik ist im Artikel wohl auch nicht gewünscht: wenn die Jäger alles abknallen würden, gibt es keinen Verbiss an Jung-Eichen. Damit ist nach der Logik dieses Artikels " eine waldangepasste Wilddichte" hergestellt. Na, prima. Offenbar handelt es sich um einen Tippfehler. Die Dame ist nicht vom ökologischen, sondern vom ökonomischen Jagdverband. Wer zahlt die Frau? Kleiner Tipp: schlicht mal googeln, wann z.B. Füchse gejagt werden dürfen. Zur Zeit z.B. gar nicht. Es gibt also sehr wohl Schonzeiten.... Hoffentlich geht die Frau nie auf die Jagd. Ich seh schon meine Kinder einen Haselnuss-Stock abschneiden. Nach ihrer Logik wird die Dame wohl "mehr schiessen", damit solch flächendeckende Vernichtung von Wald/Euros verhindert wird... Liebe Frau Emmert, vielleicht einfach mal was sinnvolles machen.
Jetzt zeichnen sich aber zwei riesige Probleme ab. Erstens können und wollen sich viele Jäger diese horrenden Pachtpreise bei ebenfalls riesigen Verbissschäden mit fast unkalkulierbarem finanziellen Risiko nicht mehr leisten. Weiter ist die Jägerschaft überaltert und die Lage wird sich zunehmend zuspitzen. Zweitens entwickeln sich die Fichtenmonokulturen zum Desaster für die Waldbauern. Jetzt muss der Wald aber "umgebaut" werden. Und darum sollen jetzt unsere Wildtiere dran glauben. Beim Reh mag das ja noch ohne Folgen gehen - wenn sie die denn in den üblichen Quoten überhaupt noch zu Gesicht bekommen! Ich kenne Jäger, die sind fast jeden Tag "draussen" und bekommen ihre Abschussziele dennoch nicht mehr erfüllt! So ein Reh ist halt nicht blöd. Eine Erhöhung der Abschüsse beim Rotwild wäre aber eine Katastrophe auf Generationen. Die dürfen nämlich in Deutschland längst nicht mehr einfach frei rumlaufen. Eingepfercht in viel zu kleine "Kerngebiete" mit kaum noch genetischem Austausch,
Ach der liebe "ökologische" Jagdverband... Ein Verband, der der zwar kaum Mitglieder hat, die aber durch den Anstrich "ökologisch" gut in wichtigen Positionen der Ämter unter bekommt. Die Mitgliedschaft soll ein guter Katalysator für die Karriere sein... Was wir im Kopf behalten sollten - wir haben fast keinen Wald in Deutschland. Das, was wir dort sehen, ist meist Agrarfläche für landwirtschaftlich genutzte Grosspflanzen! Und die Grundbesitzer (Kirchen und Staat voran) versuchen gerne ihre Gewinne zu maximieren. Über eine Verpachtung der Jagdrechte zu überteuerten Preisen wird da die Kasse gerne zusätzlich gefüllt. Und natürlich wollen Jäger bei diesen Preisen auch ihren Nutzen habe. Und das ging viele Jahre sehr gut so. Wildschäden sind nun aber zunächst ein Problem der Grundbesitzer bzw. ihrer Jagdgenossenschaften. Lange Zeit wurde die Begleichung dieser Schäden aber vertraglich auf die Jagdpächter abgewälzt.