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Green Growth: "Grünes" Wachstum mit Schattenseiten
Südkorea will mit seiner Green-Growth-Strategie wirtschaftliches Wachstum mit Nachhaltigkeit verbinden. Während der ehemalige Tigerstaat sich selbst als Öko-Vorreiter feiert, kritisieren heimische Umweltorganisationen das grüne Wachstumsparadigma
Während sich Industrieländer verstärkt mit Umweltthemen auseinandersetzen, steht bei Entwicklungsländern zuallererst wirtschaftliches Wachstum im Vordergrund. Südkorea versucht mit seiner "Green Growth"-Strategie einen Mittelweg einzuschlagen: Wirtschaftliches
Wachstum hat weiterhin Priorität, soll aber mit "grünen", sprich sauberen
Technologien erreicht werden.
Präsident Lee Myung-bak präsentierte erstmals im August 2008 während der Feiern zum 60-jährigen Bestehen Südkoreas seine "Low Carbon, Green Growth"-Strategie. Mit erneuerbaren Energien soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert und der CO2-Ausstoß reduziert werden. Weiteres Ziel ist es, im grünen Sektor neue Jobs zu generieren. Dafür investiert die Regierung bis 2013 knapp 60 Millionen Euro.
Auch wenn die Investitionen der Regierung für das grüne Wachstum
insgesamt zwei Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen, plant Südkorea
erstmal in kleinen Schritten: Ziel ist es, bis 2030 einen Ökostromanteil
von elf Prozent zu erreichen und die CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich
zu 2005 um gerade mal vier Prozent zu reduzieren. Weiterhin will
Südkorea, das einen Großteil seiner Lebensmittel aus dem Ausland
importieren muss, die Nahrungsmittelsicherheit des Landes verbessern.
Laut einer OECD-Studie von 2005 rangiert das Land am Hanfluss
diesbezüglich unter 30 OECD Ländern lediglich auf dem 25. Platz.
Im Rahmen der Green-Growth-Politik nimmt Südkorea auch sein größtes
Bauprojekt aller Zeiten auf: das Vier-Flüsse-Projekt, an dem sich die
Geister im Lande scheiden. Befürworter des 18-Milliarden-Dollar-Projekts
meinen, dass durch die Restaurierung der vier großen Flüsse des Landes
die Wasserqualität verbessert und künftige Flutschäden verhindert werden
können. Außerdem sollen über 300.000 neue Arbeitsplätze durch das
Mammutprojekt generiert werden. Kritiker befürchten jedoch eine riesige
Umweltkatastrophe, da Lebensräume zerstört würden und dem Ökosystem
irreparablen Schaden zugefügt würde.
Repräsentatives Aushängeschild der "Green Growth"-Politik ist das am 16.
Juni 2010 gegründete Global Green Growth Institute (GGGI), das sich zur
Aufgabe gemacht hat, Technologien zur Schadstoffreduktion und erneuerbare
Energien voranzutreiben. Weltweit soll das Green-Growth-Konzept
propagiert werden - mit Südkorea als Vorreiterland.
Der ehemalige südkoreanische Premierminister Han Seung-soo setzt sich
bereits seit Jahren für eine nachhaltige Umweltpolitik in Südkorea und
der Welt ein. Mittlerweile ist er Vorstandsvorsitzender des Global Green Growth Instituts in Seoul. "Südkorea ist eines der wenigen Länder, das in den letzten 50 Jahren so einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg erlebt hat", sagt der 74-jährige Han über sein Heimatland, welches als weltweit erstes Land vom Nehmer- zum Geberland aufgestiegen ist. Zählte Südkorea nach dem Koreakrieg im Jahr 1953 noch zu den ärmsten Ländern der Welt, so
gehört es mittlerweile zu den 15 größten Volkswirtschaften.
"Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum gingen Hand in Hand, aber
gleichzeitig wurde dabei die Umwelt vernachlässigt", erklärt Han, der
neben seiner politischen Laufbahn auch als Professor an der Staatlichen
Universität Seoul tätig war. Für den renommierten Ökonomen deshalb
logisch, das die südkoreanische Regierung als erstes Land weltweit, das
grüne Wachstumsparadigma in ihre nationale Planungspolitik aufgenommen
hat.



Kommentare zu ""Grünes" Wachstum mit Schattenseiten"
Interessanter Artikel zu einem Thema, das in den hiesigen Medien nicht auftaucht und doch entscheidend wichtig für die Zukunft sein könnte. Schließlich wäre es ein riesiger Fortschritt, Entwicklungsländern eine Möglichkeir aufzeigen zu können, dass Wachstum auch nachhaltig sein kann. Wenn die Idee überhaupt erfolgreich umgesetzt wird... Man hätte gerne noch näher darauf eingehen können, wie die Umwelt denn geschont werden soll und wie weit das Vier-Flüsse-Projekt geht, zu dem man hier nicht viel konkretes erfährt. Die Atomenergie muss wohl noch Brückentechnologie bleiben... Fraglich allerdings wie viel Druck die Regierung noch ausüben könnte ( in Deutschland gings ja nach Fukushima doch plötzlich schneller...).