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Illegaler Holzhandel: Raubbau am Regenwald
Die Raubfäller im Regenwald glauben, man könne ihnen nichts nachweisen. Ihre Camps liegen tief im Dschungel, Polizisten und Zöllner sind bestochen, die Rechtslage ist verworren – und internationale Kunden profitieren davon. Doch die verdeckten Ermittler einer kleinen Naturschutzgruppe sind den Plünderern auf der Spur. Ein GEO-Team hat sie in Madagaskar begleitet
Gitarrenbauer und Vanillehändler
Um eine glaubwürdige Legende aufzubauen, hatte der Mann uns zuvor gesagt, müsse man nah an der Wahrheit bleiben. Sonst laufe man Gefahr, sich zu verhaspeln. Und so versucht er am Anfang des Gesprächs, nur wenig zu lügen. Es habe einige Zeit gedauert, sagt er seinem Gegenüber, bis er gewusst habe, was aus seinem Leben werden solle. Er mustert den Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches, gibt sich entspannt, plaudert. Bei der US-Eliteeinheit Marines sei er gewesen, habe Soldat werden wollen. Vielleicht, um die Last seiner berühmten Familie abzuwerfen, die er manchmal als bedrückend empfinde. So weit, so korrekt. Auf einer Reise sei ihm dann klar geworden, dass er einen Beruf suche, in dem er der Natur nah sein könne. Und was gebe es natürlicheres als Bäume?

Der Erzähler trägt Lederschuhe
und Anzughose, sein Hemd ist bis
zum obersten Knopf zugeknöpft,
und obwohl die Sonne mit tropischer
Wucht vom Himmel brennt
und die feuchtheiße Luft zwischen
den mit dunklem Rosenholz
getäfelten Wänden des Büroraums
steht, schwitzt er nicht.
Auch dann nicht, als er mit den
Unwahrheiten beginnt: Seither
handle er eben mit Holz. Er beliefere
die Hersteller von Musikinstrumenten
mit bester Qualität.
Das sei es auch, was er in Madagaskar
suche. Der Mann faltet die
Hände vor dem Bauch wie zum
Gebet. "Die beste Qualität."
Wie war noch gleich Ihr Name,
fragt sein Gegenüber.
Alexander von Bismarck, Biologe,
37 Jahre alt, Chef der Washingtoner
Umweltschutzgruppe
Environmental Investigation
Agency (EIA), schiebt eine Visitenkarte
über den Schreibtisch.
Darauf steht: "Thomas C. Bolton,
President. Nexis Trading."
Der Fotograf Toby Smith und
ich reden so wenig wie möglich.
"Thomas C. Bolton" hat uns dem madagassischen Geschäftsmann als seine Kunden vorgestellt, Gitarrenbauer, die mit ihm auf die Suche nach dem besten Material gegangen sind. Die Wahrheit: Wir begleiten Alexander von Bismarck bei seiner Undercover-Aktion und wollen verfolgen, wie er den illegalen Handel mit bedrohten Hölzern dokumentiert. Bismarck dreht nun ebenfalls eine Visitenkarte seines Gegenübers zwischen den Fingern. "Roger Thunam" steht darauf, "Vanillehändler." Vanille? Der mächtige Boss der Holzmafia in Nordmadagaskar lacht. Vor der Tür stehen zwei Leibwächter. Thunam fühlt sich sicher. Doch alles, was er sagt, wird gefilmt. Denn "Bolton" trägt eine versteckte Kamera.
Der letzte Weg der roten Riesen
Roger Thunams Büro in
Antalaha ist ein Zentrum
für das größte illegale
Geschäft des Landes.
Thunam und seine
Leute fällen und verkaufen Edelholz.
Vor allem Rosenholz, ein
Sammelbegriff für mehrere vom
Aussterben bedrohte Arten aus
der Gruppe der Palisanderhölzer.
Und Ebenholz, hervorragend geeignet
für den Bau von Musikinstrumenten.
Von 103 Ebenholzarten
gelten nur zwei als nicht
bestandsgefährdet.
Roger Thunam verstößt mit
seinen Geschäften seit Jahren gegen
die Gesetze seines Landes.
Schon im Jahr 2000 hat die Regierung
von Madagaskar das Fällen
von Rosenholz und Ebenholz in
"sensiblen Zonen" verboten; ohnehin
kommen die Bäume längst
fast nur noch in den Nationalparks
vor.
Doch seit dem Sturz des gewählten Präsidenten im März 2009 ist der korrupte Staatsapparat fast völlig zusammengebrochen. Auf Madagaskar wird so viel Holz gefällt wie nie zuvor. Oft wird es als Sturmbruchholz oder alter Lagerbestand deklariert, für deren Verkauf es begrenzte Ausnahmegenehmigungen gibt. Ein Nationalparkdirektor spricht vom "Drehtüreffekt": Sobald Teile des alten Bestandes verkauft sind, füllen die Sägewerke die Lücken im Lager heimlich mit frisch geschlagenem Holz auf - und erklären dies dann erneut zum Altbestand.
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Kommentare zu "Illegaler Holzhandel: Raubbau am Regenwald"
Vielen herzlichen dank für den Artikel. Ich komme aus Madagaskar (ich lebe in Deutschland) und muss den Herrn Alexander von Bismarck für sein Engagement für die Umwelt loben und dass er sich Mühe gegeben hat um die Wahrheit hinter dieser Gewalt gegen die Natur zu entdecken. Ich war auch sooo entsetzt als ich erfuhr, dass seit d Beginn der politischen Krise in Madagascar, 660 403 ha Regenwälder zerstört wurden ( www.vakanala.org) . Das größte problem in Madagaskar ist dass, die jetzige Übergangsregierung nicht sehr viel unternimmt um das definitiv zu stoppen (das sehe ich so).
Danke für den informativen Artikel über Tropenholz und Lacey Act.
hola,companeros! ich schaetze eure arbeit seit jahren,wuerde gerne fuer euch arbeiten.... wie funktioniert das... was muss ich tun..... wie finanziere ich meinen lebensunterhalt bei save de world......
Super Artikel. Ohne haertere Strafen fuer Umweltdelikte dieser Art werden die Beteiligten weiter machen bis es keine Baeume mehr gibt.
Herzlichen Dank an Alexander von Bismarck und sein Team - was Ihr gemacht habt, ist extrem mutig, denn diese Mafia schreckt vor nichts zurueck ! 10 % waren vor den Rosenholzpluenderungen noch von Madagaskars Primaerwaeldern uebrig, aber inzwischen duerfte sich der Bestand weiter verringert haben. Hinzu kommt die weitverbreitete Praxis derBrandrodung und die Produktion der Holzkohle, weil die Menschen zwar heute zum Mond fliegen, aber in Madagaskar immer noch kochen wie im Mittelalter - in den Staedten in fast 100 % der Haushalte. Laut DRYNET - einem Netz von Umwelt-NROs - sind schon 2/3 der einst Gruenen und heute Roten Insel von DESERTIFIKATION betroffen - Deforestierung war gestern. Das kannte man bisher nur von den Randzonen der Sahara, z.B. Burkina Faso und Mali. Die einzige Hoffnung ist die Jugend - es gibt in Madagaskar immer mehr engagierte Umweltclubs in den Schulen, weil die jungen Leute begriffen habe, dass es um ihre Zukunft geht.