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Ernährung: Sind Vegetarier die größeren Umweltsünder?

"Salat umweltschädlicher als Fleisch!" Für solche Schlagzeilen sorgte kürzlich eine amerikanische Studie. Können Vegetarier und Veganer nun einpacken?

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Studie: Kopfsalat schneidet schlecht ab. Schlechter jedenfalls als Schweinefleisch. Aber was heißt das? (Foto von: Aysegul Sanford/The Picture Pantry/Corbis)
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Studie: Kopfsalat schneidet schlecht ab. Schlechter jedenfalls als Schweinefleisch. Aber was heißt das?

Dachten Veggies nicht lange, dass Fleischessen auch deshalb böse sei, weil zu seiner Produktion viel, sehr viel Land (beziehungsweise ehemaliger Regenwald), Energie für den Transport und Wasser notwendig ist? Und weil die Rinder nicht unerhebliche Mengen des extrem schädlichen Klimagases Methan ausstoßen? Um nur mal eine unvollständige Liste der Umweltsünden zu skizzieren?

Wissenschaftler der Carnegie Mellon University veröffentlichten vor kurzem eine Studie, die genau das Gegenteil zu beweisen schien. Was verschiedenen Medien dankbar aufgriffen.

Jetzt sehen sich die Autoren genötigt, ihre Aussage zu präzisieren. "Man kann nicht alle Gemüsesorten zusammenwerfen und sagen, sie seien gut", sagte der Wissenschaftler Paul Fischbeck der Huffington Post. Und Fleisch sei nicht pauschal umweltschädlicher als Obst und Gemüse.

In ihrer Studie hatten die Autoren unter anderem untersucht, wie viele Klimagase bei der Produktion von pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln pro Kalorie entstehen. Klar ist: Kopfsalat schneidet schlecht ab. Schlechter jedenfalls als Schweinefleisch. Was viele Medien geflissentlich übersahen: Brokkoli, Reis, Kartoffeln, Spinat oder Weizen, neben anderen, stehen immer noch besser da als Schweinefleisch.

Auch beim Wasserverbrauch muss man unterscheiden. In ihrer Studie kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass etwa für Kirschen, Pilze und Mangos mehr "blaues" Wasser verbraucht wird als für jede Art von Fleisch. Blaues Wasser ist Wasser, das direkt dem Oberflächen- oder Grundwasser entzogen wird .

Worum es in der Studie eigentlich ging

Der Wirbel über die Studie verdeckt, dass die Wissenschaftler eigentlich auf einer ganz anderen Spur waren. Es ging nämlich ursprünglich nicht darum, eine vegetarische oder vegane Ernährung mit einer fleischhaltigen zu vergleichen. Die Autoren wollten lediglich die Umweltauswirkungen der aktuellen Ernährungsempfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) und des Gesundheitsministeriums abschätzen.

Als besonders umweltschädlich erwies sich dabei eine Ernährungsvariante, die zwar die von der USDA empfohlenen Nahrungsmittel einschloss, bei der aber keine Kalorien reduziert werden. Eine solche Ernährungsstrategie führt der Studie zufolge zu einem 43 Prozent erhöhten Energieverbrauch, zu einem 16 Prozent höheren Verbraucht von blauem Wasser und elf Prozent mehr Klimagasen.

Allerdings war keines der untersuchten Szenarien vegetarisch oder vegan. Und dass Vegetarier unter dem Strich die größeren Umweltsünder als die Fleischesser seien, haben die Autoren nicht behauptet.

Energy use, blue water footprint, and greenhouse gas emissions for current food consumption patterns and dietary recommendations in the US



Mehr zu den Themen: Ökobilanz, Fußabdruck, Vegetarier, Veganer, Fleisch

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Kommentare zu "Sind Vegetarier die größeren Umweltsünder?"

ina | 16.01.2016 19:12

Liebes GEO-Team, so ganz stimmt es nicht, was Sie schreiben. Der Inhalt und das Ziel der Studie werden hier noch mal dargestellt:https://m.facebook.com/veganhoax/posts/159005177789738#!/veganhoax/photos/a.145574785799444.1073741828.128798260810430/161606304196292/?type=3&source=54 Beitrag melden!

Ulrich Winkler | 16.01.2016 10:22

Eine Untersuchung unterschiedlicher Ernährungsstile, die aber den gleichen Kalorienverbrauch a priori voraussetzt, erscheint mir schon in der Fragestellung nicht zielführend. Klar, dass dann Kopfsalat schlecht aussieht, der ja so gut wie keine Kalorien enthält. Wie viele Kopfsalate enthalten so viele Kalorien wie ein T-Bone-Steak? Die Alternativen zum notorischen Fleischkonsum sucht man doch -unter anderem- gerade wegen der geringeren Energiezufuhr. Bliebe zudem die Frage, ob "blaues Wasser" hier definitionsgemäß auch "virtuelles Wasser" beinhaltet. Bei letzterem sind die Gesamtbilanzen der industriealisierten Fleischwirtschaft ja horrend schlecht. Zudem bleibt erst mal unklar, wie der Kopfsalat hergestellt wird. Da ist es schon ein Riesenunterschied, ob er aus einem Treibhaus in Spanien mit künstlicher Bewässerung (viel virtuelles Wasser!) kommt oder aus meinem eigenen Garten.
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Andreas Diethelm | 16.01.2016 00:13

"Wissenschaftler der Carnegie Mellon University veröffentlichten vor kurzem eine Studie, die genau das Gegenteil zu beweisen schien. Was verschiedenen Medien dankbar aufgriffen."
Danke für Ihre Richtigstellung.
Hier liegt das Problem, bei der Selbstaufgabe eines Journalismus, auch eines sog. "Wissanschaftsjournalismus", indem dem Kampf um Aufmerksamkeit die primitivsten Standesregeln geopfert werden, ein Grossteil dieser Schreiber ist weder willens, noch fähig, eine wiss. Studie zu lesen, geschweige denn kritisch zu würdigen. Sie sind sich ihres Defizits nicht mal bewusst, es fehlt nicht bloss an intellektueller Redlichkeit, oder an Verantwortungsbewusstsein, es ist ihnen schlicht alles egal. Nur auffallen.
(Über die fragliche Studie ist damit noch gar nichts gesagt.) Beitrag melden!

Andreas Diethelm | 15.01.2016 18:13

"Wissenschaftler der Carnegie Mellon University veröffentlichten vor kurzem eine Studie, die genau das Gegenteil zu beweisen schien. Was verschiedenen Medien dankbar aufgriffen."
Danke für Ihre Richtigstellung.
Hier liegt das Problem, bei der Selbstaufgabe eines Journalismus, auch eines sog. "Wissanschaftsjournalismus", indem dem Kampf um Aufmerksamkeit die primitivsten Standesregeln geopfert werden, ein Grossteil dieser Schreiber ist weder willens, noch fähig, eine wiss. Studie zu lesen, geschweige denn kritisch zu würdigen. Sie sind sich ihres Defizits nicht mal bewusst, es fehlt nicht bloss an intellektueller Redlichkeit, oder an Verantwortungsbewusstsein, es ist ihnen schlicht alles egal. Nur auffallen.
(Über die fragliche Studie ist damit noch gar nichts gesagt.) Beitrag melden!


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