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Trinkwasserversorgung Wie Wasserknappheit und Bildung zusammenhängen

In afrikanischen Ländern südlich der Sahara verfügt nur etwa jede zweite Schule über einen Zugang zu Trinkwasser
In afrikanischen Ländern südlich der Sahara verfügt nur etwa jede zweite Schule über einen Zugang zu Trinkwasser
© Confidence /Adobe Stock
Mehr als 440 Millionen Schultage fallen pro Jahr der Wasserknappheit und damit verbundener Auswirkungen zum Opfer. Wir erklären, wie die Versorgung mit sicherem Trinkwasser und die Bildungschancen von Kindern zusammenhängen

Seit dem Jahr 2010 haben alle Menschen auf der Erde ein Recht auf sauberes Wasser. Der Grund für die Entscheidung der Vereinten Nationen liegt auf der Hand: Wasser ist lebensnotwendig. Dass niemand verdursten sollte, versteht sich von selbst. Was weniger offensichtlich ist: Wassermangel oder schlechte Wasserqualität erschweren auch den Zugang zu Bildung – und werden so zu Ursachen für andauernde Armut in vielen Regionen der Erde.

Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es in rund einem Drittel aller Schulen der Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Anlagen. Im Jahr 2019 waren nach Schätzungen nur etwa 69 Prozent aller Schulen mit einer grundlegenden Trinkwasserversorgung ausgestattet. Toiletten fanden sich im selben Jahr nur in 63 Prozent aller Schulgebäude.

Dramatische Situation im südlichen Afrika

Dabei ist die Situation in weniger entwickelten Ländern weitaus ungünstiger als in den Nationen des globalen Nordens. So können sich die Kinder in den Ländern südlich der Sahara und Ozeaniens nur in jeder zweiten Schule die Hände waschen oder sanitäre Anlagen nutzen. Nach UNICEF-Angaben haben mehr als 800 Millionen Kinder weltweit an ihrer Schule keinen ausreichenden Zugang zu Hygiene.

Das ist doppelt problematisch: Denn ohne die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen, steigt das Risiko von Infektionskrankheiten – besonders in den Zeiten der COVID-19-Pandemie. Und ohne ein Trinkwasserangebot steigt das Risiko zu dehydrieren; das Lernen fällt den Kindern schwerer. Hinzu kommt, dass Mädchen in den Tagen ihrer Periode oft zu Hause bleiben müssen, wenn es in der Schule keine geeigneten Waschgelegenheiten und sanitäre Anlagen gibt.

Die Folge: Rund 443 Millionen Schultage pro Jahr, so schätzen die Vereinten Nationen, fallen weltweit aus – wegen Krankheiten, die mit einem Zugang zu sauberem Wasser vermeidbar gewesen wären.

Stundenlange Fußmärsche zur Wasserstelle

Doch selbst, wenn die Kinder gesund sind, können nicht alle von ihnen eine Schule besuchen. Der Grund: Es fehlt einfach an Zeit. Denn viele Kinder sind in trockenen Regionen Afrikas täglich stundenlang mit Wasserholen oder Anstehen beschäftigt, was kaum Zeit für einen regulären Schulbesuch lässt. Kinder seien die größten Opfer der weltweiten Wasserkrise, sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. "Wenn Brunnen austrocknen, sind es die Kinder, die in der Schule fehlen, um Wasser zu holen."

Aus dem Kreislauf der – oft extremen – Armut können Kinder so kaum ausbrechen. Auch die Qualität des Unterrichts leidet unter dem Wassermangel: Wenn gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer die die Wahl haben, werden sie natürlich Schulen mit einer sicheren Wasserversorgung bevorzugen.

Was eine Verbesserung der Wasserversorgung für die Bildung leisten kann, hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen untersucht. Demnach besuchen 15 Prozent mehr Mädchen die Schule, wenn es dort eine Trinkwasserversorgung gibt.


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