Kopfschmerzen zählen neben Rückenschmerzen zu den häufigsten Leiden überhaupt – und zu den vielfältigsten. Spezialistinnen und Spezialisten unterscheiden rund 200 verschiedene Kopfschmerzarten. Besonders verbreitet ist der Spannungskopfschmerz: Mehr als die Hälfte aller Kopfschmerzpatienten leidet darunter.
Gerade im Winter klagen Menschen vermehrt über Kopfschmerzen, die während besonders heftiger Kältewellen bis zu mehrere Tage anhalten können. Der Kopf fühlt sich schwer an und schmerzt, die Konzentration lässt nach, die Augen sind müde, man fühlt sich schlapp. Ursachen für den Schmerz sind vor allem die ungewohnt kalten Temperaturen und eisiger Wind.
Kopfschmerzen durch Kälte nicht unüblich
Wer an Frosttagen ohne winddichte Mütze oder gar mit nassen Haaren aus dem Haus geht, sorgt dafür, dass eisige Außentemperaturen das Blut in der Kopfhaut abkühlen. In der Folge verkrampft sich die dünne Muskulatur unter der Kopfhaut und ein allgemeiner Kopfschmerz kann auftreten. Für den Körper sind solche schnellen Temperaturwechsel der pure Stress. Besonders Menschen, die generell mit einem niedrigen Blutdruck zu kämpfen haben und schnell frieren, sind oft betroffen.
Abwehrmechanismen des Körpers können zu Kopfschmerz führen
Ärzte und Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass unser Körper in einem solchen Moment automatische Abwehrmechanismen ergreift, um das schnelle Abkühlen des Gehirns zu reduzieren. Dies führt zu sogenannten Sinusitis-Kopfschmerzen – starke, stechende Schmerzen in der Stirn, die auch mit Schwindel einhergehen können - und Schmerzen im Bereich der hinteren Augenpartie.
Frieren kann Kopfschmerz auslösen
Auch eine allgemeine körperliche Anspannung, die uns beim Bibbern und Frieren im Freien ganz automatisch befällt, kann Kopfschmerz hervorrufen. "Bereits kurzzeitiges Kälteempfinden und Frieren kann dazu führen, dass betroffene Personen die Schultern hochziehen und sich ihre Muskeln in diesem Bereich verspannen. Mit der Zeit dehnen sich die Verspannungen dann über den Nacken und den Kopf aus und können zu Kopfschmerzen führen“, berichtet Dr. Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte.
Risikogruppen
Menschen mit Migräne reagieren auf Temperaturreize meist besonders empfindlich: Plötzliche Kälte, starke Temperaturschwankungen, grelles Winterlicht oder Wetterumschwünge können bei ihnen Kopfschmerzen oder sogar Migräneattacken auslösen, weshalb ein konsequenter Kälteschutz und Sonnenbrille im Winter sinnvoll sind. Hilfreich ist ein Kopfschmerzkalender, in dem Betroffene notieren, wann, wie stark und unter welchen Bedingungen (Kälte, Wind, Sport im Freien) Beschwerden auftreten – so lassen sich individuelle Trigger besser erkennen und vermeiden.
Kinder und Jugendliche sind oft lange draußen und tragen nicht immer eine Mütze; Eltern sollten daher auf wettergerechte Kleidung, eine warme Kopfbedeckung und ausreichendes Trinken achten, damit der Kreislauf stabil bleibt und Kältekopfschmerzen seltener auftreten.
Wer unter chronischer Nasennebenhöhlenentzündung, Allergien oder anderen Erkrankungen der oberen Atemwege leidet, kann im Winter besonders sensibel auf kalte Luft reagieren und häufiger drückende Schmerzen im Stirn‑ und Augenbereich verspüren – hier ist ein guter Kälteschutz für Gesicht und Nase sowie gegebenenfalls eine ärztlich begleitete Behandlung der Grunderkrankung wichtig
Prävention: Was im Alltag gegen den Kälftekopfschmerz hilft
Menschen, die im Winter auf die Kälte besonders empfindlich reagieren und zu Kopfschmerzen neigen, sollten starke Temperaturschwankungen möglichst meiden. Außerdem sollten sie besonders darauf Acht geben, die empfindliche Kopfpartie zu schützen und sich nicht länger als nötig in der Kälte aufhalten. Wer beim Frieren dazu neigt, die Schultern hochzuziehen und dadurch zu verspannen, sollte diese Körperpartie gezielt beobachten und nach Möglichkeit regelmäßig die Schulter bewusst senken.
Wichtig ist zudem eine gute Basisversorgung: ausreichend trinken, regelmäßige Pausen von Bildschirmarbeit einlegen und für erholsamen Schlaf sorgen, damit der Körper weniger anfällig für kältebedingte Kopfschmerzen ist.
Hausmittel: Wie sich Kältekopfschmerzen behandeln lassen
Bei akuten Kopfschmerzen durch Kälte helfen vor allem Wärme und Entspannung: Ein warmes Bad, eine heiße Dusche oder ein Wärmekissen im Nacken lösen verspannte Muskeln und können den Schmerz deutlich lindern. Bewährt haben sich außerdem sanfte Massagen im Schulter‑Nacken‑Bereich sowie Entspannungsverfahren wie Atemübungen oder Progressive Muskelentspannung, weil sie die Stressreaktion des Körpers auf Kälte abmildern.
Viele Betroffene empfinden ätherische Öle, etwa Pfefferminzöl oder Tigerbalsam auf Stirn und Schläfen, als wohltuend, da der Reiz die Schmerzwahrnehmung im Gehirn beeinflussen kann und wohltuend wirkt.
Wann zum Arzt?
Treten Kopfschmerzen bei Kälte plötzlich, sehr stark oder völlig ungewohnt auf, sollte möglichst bald eine Arztpraxis aufgesucht werden. Das gilt vor allem, wenn der Schmerz „wie aus heiterem Himmel“ einschießt, wenn er sich trotz Ruhe, Wärme und einfachen Schmerzmitteln nicht bessert oder über mehrere Tage anhält. Auch wenn Kopfschmerzen immer wieder in Zusammenhang mit Kälte auftreten und den Alltag spürbar einschränken, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, um etwa Migräne, chronische Spannungskopfschmerzen oder Probleme mit den Nasennebenhöhlen zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Ein Warnsignal sind Begleitsymptome: Kopfschmerzen kombiniert mit Fieber, Nackensteifigkeit, starker Übelkeit, Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, starker Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen gelten als Notfall und sollten umgehend in einer Praxis oder Klinik abgeklärt werden. Auch wenn Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf auftreten, wenn sie bei Kindern besonders heftig sind oder wenn bereits bekannte Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen oder eine Schwangerschaft vorliegen, ist ärztlicher Rat wichtig.