Logo GEO Wissen
Den Menschen verstehen

Spiritualität Die Schulen der Meditation: Ein Überblick

In vielen Regionen der Welt haben Menschen Methoden der inneren Einkehr ersonnen. Wir geben eine Übersicht der größten Schulen der Meditation
Vipassana-Meditation vor der Buddha-Statue

Meditation vor einer Buddha-Statue: Vipassana ist eine der verbreitesten Meditationsformen im Fernen Osten

Weltliche Orientierung

Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR)

  • Seit den 1980er Jahren von dem US- Amerikaner Jon Kabat-Zinn etabliert.
  • Ziel: verbesserter Umgang mit Stress, Angst und Schmerz durch Einsicht in eigene Verhaltensmuster und Akzeptanz.
  • Techniken: Achtsamkeitsübungen zur Stressreduktion, meist abgeleitet aus spirituellen Meditationsschulen, und Bewegungsübungen aus dem Yoga.
  • »Wir können die Ganzheit in diesem Moment realisieren, mit diesem Atemzug können wir Ruhe und Frieden erlangen.« Jon Kabat-Zinn

Monotheistische Traditionen

Christliche Mystik

  • Weg der Gebetslehre und Kontemplation, im 3. Jh. von Wüstenmönchen geprägt, später von Mystikern des Mittelalters.
  • Ziel: die Einswerdung mit Gott.
  • Techniken: Askese, Gebetsformen wie das „Ruhegebet“, das ekstatische „Glut­gebet“ und das besonders in den Ost- kirchen verbreitete „Herzensgebet“.
  • »Mein Auge und Gottes Auge, das ist ein Auge und ein Sehen und ein Erkennen und ein Lieben.« Meister Eckhart

Kabbala

  • Mystische Lehre des Judentums.
  • Ziel: Wer übt, sein Ich zu durchschauen, kann debekuth erreichen, die Verbun- denheit mit Gott.
  • Techniken: Die geheimen kabbalistischen Meditationsanleitungen lernt der Schüler von seinem Lehrer.
  • »Alles ist in Dir und Du bist in allem … als das All entstand, warst Du im All; bevor das All ent- stand, warst Du das All.« Jüdischer Gesang

Sufismus

  • In den Islam eingebetteter mystischer Weg.
  • Ziel: allumfassende Reinheit und fan, das „in Gott Vergehen“.
  • Techniken: Atemübungen, Meditations­ritual zikr, Drehtanz der Derwische.
  • »Wo immer du dich hinwendest, da ist Gottes Angesicht.« Koran

Indische und fernöstliche Traditionen

Yoga

  • Klassische indische Meditationslehre, entstanden vor mehr als 2000 Jahren; im Hinduismus verwurzelt, aber auch vom Buddhismus beeinflusst.
  • Ziel: Auf dem Weg über mehrere Stufen kann der Übende samadhi erreichen, einen Zustand, in dem der Erkennende und das Erkennen eins werden.
  • Techniken: tiefe, ausdauernde Sitz- meditation; die heute populären, körper­bezogenen Praktiken – Haltungen (asanas) und Atemübungen (pranayama) – dienten dabei ursprünglich nur zur Vorbereitung.
  • »Es gibt nur eine Wahrheit, die Weisen geben ihr verschiedene Namen.« Rigveda

Vipassana

  • Auf dem klassischen Yoga aufbauende buddhistische Achtsamkeitsmeditation, in Myanmar, Thailand, Sri Lanka verbreitet.
  • Ziel: Befreiung von allen Hemmnissen und Einsicht in die wahre Natur der Realität.
  • Techniken: Sitzmeditation mit Atem­beobachtung und Entfaltung von liebe­voller Güte (metta), Mitgefühl (karuna), Mitfreude (mudita) und Gleichmut (upekkha).
  • »Wer die Erlösung verwirklicht, wird von nichts anderem erlöst als von seinen falschen Vorstellungen.« Buddhistische Weisheit
Wie Meditation gegen belastende Gedanken hilft
Gelassenheit
Wie Meditation gegen belastende Gedanken hilft
Wer zu meditieren gelernt hat, kann mit belastenden Gedanken und Gefühlen besser umgehen, sagt die Hirnforscherin Britta Hölzel

Tibetischer Buddhismus

  • Im Mittelpunkt stehen das Streben nach Erleuchtung zum Wohle aller Lebewesen und die Weisheit als Mittel, den Geist von allen Täuschun- gen zu befreien.
  • Ziel: die Buddha-Natur zu verwirklichen.
  • Techniken: Sitzmeditation, Visualisie- rung von Buddha-Symbolen, Rezita- tion; Einweihung in besondere Rituale und Praktiken durch den persönli- chen Lehrer.
  • »Je tiefer wir das Leiden durchschauen, umso näher kommen wir dem Ziel der Befreiung vom Leiden.« Dalai Lama

Daoismus

  • Dao nennen Chinesen das Urprinzip des Universums, das im Spiel komplementärer Kräfte (Yin und Yang) wirksam wird.
  • Ziel: Vereinigung von Ich und Kosmos.
  • Techniken: Atemtechniken, Visuali­sierungs- und Konzentrationsübungen, Körperübungen wie Tai-Chi und Qigong, um die Lebensenergie qi in Balance zu bringen.
  • »Der Sinn, der sich aussprechen lässt, ist nicht der ewige Sinn.« Laozi

Zen

  • Vom Daoismus beeinflusste buddhistische Strömung in Ostasien, besonders in Japan.
  • Ziel: das Denken völlig zur Ruhe zu bringen und spontane Erleuchtung, satori, zu erreichen – die Einsicht in die univer- selle Einheit.
  • Techniken: zazen, Meditation im Sitzen; kinhin, Meditation im Gehen. In der Tradition des Rinzai-Zen auch „Koans“, Rätsel, die nicht durch Denken, sondern nur durch intuitive Einsicht zu lösen sind.
  • »Euch, die ihr auf der Suche nach der Wahrheit seid, möchte ich eine Sache ans Herz legen, in der alle Vollkommenheiten enthalten sind: das Loslassen.« Huaihai