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Spiritualität Die Schulen der Meditation: Ein Überblick

Vipassana-Meditation vor der Buddha-Statue
Meditation vor einer Buddha-Statue: Vipassana ist eine der verbreitesten Meditationsformen im Fernen Osten
© SantiPhotoSS - Shutterstock.com
In vielen Regionen der Welt haben Menschen Methoden der inneren Einkehr ersonnen. Wir geben eine Übersicht der größten Schulen der Meditation

Weltliche Orientierung

Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR)

  • Seit den 1980er Jahren von dem US- Amerikaner Jon Kabat-Zinn etabliert.
  • Ziel: verbesserter Umgang mit Stress, Angst und Schmerz durch Einsicht in eigene Verhaltensmuster und Akzeptanz.
  • Techniken: Achtsamkeitsübungen zur Stressreduktion, meist abgeleitet aus spirituellen Meditationsschulen, und Bewegungsübungen aus dem Yoga.
  • »Wir können die Ganzheit in diesem Moment realisieren, mit diesem Atemzug können wir Ruhe und Frieden erlangen.« Jon Kabat-Zinn

Monotheistische Traditionen

Christliche Mystik

  • Weg der Gebetslehre und Kontemplation, im 3. Jh. von Wüstenmönchen geprägt, später von Mystikern des Mittelalters.
  • Ziel: die Einswerdung mit Gott.
  • Techniken: Askese, Gebetsformen wie das „Ruhegebet“, das ekstatische „Glut­gebet“ und das besonders in den Ost- kirchen verbreitete „Herzensgebet“.
  • »Mein Auge und Gottes Auge, das ist ein Auge und ein Sehen und ein Erkennen und ein Lieben.« Meister Eckhart

Kabbala

  • Mystische Lehre des Judentums.
  • Ziel: Wer übt, sein Ich zu durchschauen, kann debekuth erreichen, die Verbun- denheit mit Gott.
  • Techniken: Die geheimen kabbalistischen Meditationsanleitungen lernt der Schüler von seinem Lehrer.
  • »Alles ist in Dir und Du bist in allem … als das All entstand, warst Du im All; bevor das All ent- stand, warst Du das All.« Jüdischer Gesang

Sufismus

  • In den Islam eingebetteter mystischer Weg.
  • Ziel: allumfassende Reinheit und fan, das „in Gott Vergehen“.
  • Techniken: Atemübungen, Meditations­ritual zikr, Drehtanz der Derwische.
  • »Wo immer du dich hinwendest, da ist Gottes Angesicht.« Koran

Indische und fernöstliche Traditionen

Yoga

  • Klassische indische Meditationslehre, entstanden vor mehr als 2000 Jahren; im Hinduismus verwurzelt, aber auch vom Buddhismus beeinflusst.
  • Ziel: Auf dem Weg über mehrere Stufen kann der Übende samadhi erreichen, einen Zustand, in dem der Erkennende und das Erkennen eins werden.
  • Techniken: tiefe, ausdauernde Sitz- meditation; die heute populären, körper­bezogenen Praktiken – Haltungen (asanas) und Atemübungen (pranayama) – dienten dabei ursprünglich nur zur Vorbereitung.
  • »Es gibt nur eine Wahrheit, die Weisen geben ihr verschiedene Namen.« Rigveda

Vipassana

  • Auf dem klassischen Yoga aufbauende buddhistische Achtsamkeitsmeditation, in Myanmar, Thailand, Sri Lanka verbreitet.
  • Ziel: Befreiung von allen Hemmnissen und Einsicht in die wahre Natur der Realität.
  • Techniken: Sitzmeditation mit Atem­beobachtung und Entfaltung von liebe­voller Güte (metta), Mitgefühl (karuna), Mitfreude (mudita) und Gleichmut (upekkha).
  • »Wer die Erlösung verwirklicht, wird von nichts anderem erlöst als von seinen falschen Vorstellungen.« Buddhistische Weisheit

Tibetischer Buddhismus

  • Im Mittelpunkt stehen das Streben nach Erleuchtung zum Wohle aller Lebewesen und die Weisheit als Mittel, den Geist von allen Täuschun- gen zu befreien.
  • Ziel: die Buddha-Natur zu verwirklichen.
  • Techniken: Sitzmeditation, Visualisie- rung von Buddha-Symbolen, Rezita- tion; Einweihung in besondere Rituale und Praktiken durch den persönli- chen Lehrer.
  • »Je tiefer wir das Leiden durchschauen, umso näher kommen wir dem Ziel der Befreiung vom Leiden.« Dalai Lama

Daoismus

  • Dao nennen Chinesen das Urprinzip des Universums, das im Spiel komplementärer Kräfte (Yin und Yang) wirksam wird.
  • Ziel: Vereinigung von Ich und Kosmos.
  • Techniken: Atemtechniken, Visuali­sierungs- und Konzentrationsübungen, Körperübungen wie Tai-Chi und Qigong, um die Lebensenergie qi in Balance zu bringen.
  • »Der Sinn, der sich aussprechen lässt, ist nicht der ewige Sinn.« Laozi

Zen

  • Vom Daoismus beeinflusste buddhistische Strömung in Ostasien, besonders in Japan.
  • Ziel: das Denken völlig zur Ruhe zu bringen und spontane Erleuchtung, satori, zu erreichen – die Einsicht in die univer- selle Einheit.
  • Techniken: zazen, Meditation im Sitzen; kinhin, Meditation im Gehen. In der Tradition des Rinzai-Zen auch „Koans“, Rätsel, die nicht durch Denken, sondern nur durch intuitive Einsicht zu lösen sind.
  • »Euch, die ihr auf der Suche nach der Wahrheit seid, möchte ich eine Sache ans Herz legen, in der alle Vollkommenheiten enthalten sind: das Loslassen.« Huaihai

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