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Stanford-Studie 700 Corona-Tote durch Wahlkampfauftritte: Schwere Vorwürfe gegen Trump

Wahlkampf, Trump
Donald Trump am 20. Juni 2020 bei einem Wahlkampfauftritt in Tulsa, der zweitgrößten Stadt im US-Bundesstaat Oklahoma
© Tyler Tomasello/ZUMA Wire/picture alliance
Forschende der renommierten Universität Stanford haben in einer Studie untersucht, zu wie vielen Neuinfektionen und Corona-Toten die Wahlkampfveranstaltungen des US-Präsidenten Donald Trump geführt haben - mit erschreckendem Ergebnis

Auf diese Veröffentlichung der Universität Stanford hätte Donald Trump wohl gern verzichtet: Am 30. Oktober 2020, wenige Tage vor der Wahl des nächsten US-Präsidenten, publizierte das Institut für Politik- und Wirtschaftsforschung eine Studie auf seiner Webseite, in welcher Wissenschaftler die Auswirkungen von 18 Wahlkampfveranstaltungen Donald Trumps auf die Entwicklung der Neuinfektionen und Corona-Toten in den USA untersucht haben.

Das Ergebnis: Rund30.000 Corona-Neuinfektionenund über 700 Corona-Tote werden mit Trumps Wahlkampf-Events, die zwischen Juni und September dieses Jahres stattfanden, in Verbindung gebracht.

Das statistische Modell der Ökonomen unterfüttert damit mit Zahlen, was viele angesichts der Bilder der dicht gedrängten Menschenmassen - allesamt ohne Maske, dafür aber mit roten Trump Caps - bereits befürchtet haben: Trumps Wahlkampfveranstaltungen sind Superspreader-Events - also Veranstaltungen, bei denen sich auffallend viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben.

Fast 100.000 Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Stanford analysierten für ihre Untersuchung 18 Wahlkampfauftritte – 15 unter freiem Himmel sowie drei in Innenräumen - und verglichen die Landkreise, in denen Donald Trump aufgetreten war, mit ähnlichen Orten, in denen es während des Beobachtungszeitraums keine Wahlkampf-Events gegeben hatte.

Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass Donald Trumps Wahlkampfveranstaltungen die Corona-Infektionen im Schnitt um 250 Fälle pro 100.000 Einwohner erhöht haben - stellten jedoch auch fest, dass die Corona-Toten „nicht unbedingt unter den Teilnehmern“ waren.

„Die Gemeinden, in denen Kundgebungen mit Donald Trump stattfanden, zahlten einen hohen Preis in Bezug auf die Krankheits- und Todesfälle“, schreiben die Verfasser der Studie abschließend und machen Donald Trump schwere Vorwürfe: Der Präsident habe seine Anhänger nicht ermutigt, Masken zu tragen oder den Mindestabstand einzuhalten.

Dabei sind Hygieneregeln so dringend notwendig: Allein in den letzten 24 Stunden verzeichneten die USA fast 100.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus.

Kritik an der Studie

Bereits kurz nach der Veröffentlichung hagelte es Kritik an der Studie der Standford University - besonders aus den Reihen des US-Präsidenten. Judd Deere, Sprecher des Weißen Hauses, bezeichnete die Studie als politisch motiviert und schlicht fehlerhaft.

Auch Dr. Amesh Adalja, Experte für Infektionskrankheiten am Johns Hopkins Center for Health Security, äußerte sich kritisch zu dem Forschungspapier. Die Feststellung, dass Versammlungen von unmaskierten Teilnehmern sehr wahrscheinlich zur Verbreitung des Coronavirus führen würden, sei keine große Überraschung, so Adalja. Die Schlüsse der Forscher der Universität Stanford seien daher als suggestiv, aber keinesfalls endgültig zu sehen. Dafür seien weitere Untersuchungen nötig.

Professor Bernheim, einer der Hauptautoren der Studie, entgegnete, die aktuelle politische Situation sei keine Motivation für die jetzige Veröffentlichung gewesen. Außerdem führte er an, dass es gängige Praxis für Ökonomen sei, die eigenen Arbeiten online zu veröffentlichen, bevor sie diese einer akademischen Zeitschrift vorlegen. So könnten andere Experten diese im Vorfeld kommentieren.


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