Darmhypnose "Stress kann regelrecht auf den Darm schlagen"

Spezialisten für Darmhypnose machen sich die enge Verbindung ­zwischen Darm-Nervensystem und Hirn zunutze. Die Fachärztin Viola Andresen erklärt, warum innere Ruhe oftmals Symptome lindern kann
Darm

Mitunter gibt der Darm ungefilterte Alarmmeldungen ans Gehirn weiter. Wie unser Denkapparat die Informationen bewertet, kann höchst unterschiedlich sein

Altert der Darm eigentlich?

Viola Andresen: Bestimmte Schichten der Darmwand werden mit den Jahren dünner, was die Transportfähigkeit beeinträchtigt. Daher nimmt Verstopfung mit dem Alter oft zu. Und leider gibt es nicht so etwas wie ein Darmmuskeltraining, weil der Darm der bewussten Steuerung entzogen ist.

Kann man trotzdem etwas dafür tun, seinen Darm gesund zu halten?

Möglichst vielseitig und natürlich essen – Vielfalt hält uns gesund. Der Mensch ist evolutionär ge­sehen ein Allesesser, daher gehört für mich auch Fleisch dazu. Das kann man aus ethischen Gründen ablehnen, nicht aber aus gesundheitlichen.

Der Körper hat Selbstheilungskräfte. Könnte das dem Darm helfen?

Es gibt seit einiger Zeit Spezialisten, die die sogenannte Darm- oder auch Bauchhypnose anwenden. Sie machen sich dafür die enge Verbindung ­zwischen Darm-Nervensystem und Hirn zunutze. Durch gezielte hypnotherapeutische Entspannungstechniken kön­nen Bauch­beschwerden gelindert werden, zum Beispiel beim Reizdarmsyndrom oder bei chronisch entzündlichen Erkrankun­gen des Darms.

Wie funktioniert das konkret?

Die Patienten werden erst einmal genau darüber informiert, wie Darm und Gehirn kommunizieren – etwa dass der Darm manchmal ungefilterte Alarmmeldungen ans Gehirn weitergibt, dieses die Informationen jedoch höchst unterschiedlich bewerten kann. Beim Reizdarmsyndrom ist es ja oft so, dass die Wahrnehmungsschwelle in Bezug auf Vorgänge im Darm herabgesetzt ist und Betroffene schon sehr früh etwas als unangenehm empfinden, was andere gar nicht bemerken.

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Die Patienten lernen dann nach und nach, den Alarmsignalen aus dem Darm einfach etwas weniger Beachtung zu schenken. Hierzu wird oft mit Metaphern und Suggestionen gearbeitet. Die mit den Übungen einhergehende Ruhe lindert in vielen Fällen schon die Symptome. Das ist insofern auch nicht erstaunlich, als man weiß, dass umgekehrt Stress regelrecht auf den Darm schlagen kann.

Kann mehr Gelassenheit bei alltäglichen Darmbeschwerden helfen?

Auf jeden Fall. Man sollte sich bewusst machen, dass Blähungen oder ab und zu weicher oder harter Stuhl etwas vollkommen Normales sind – und stark davon abhängen, wie man veranlagt ist und was man gegessen hat. Nicht jedes Zwacken in der Bauch­region sollte einen in Alarm versetzen.

In welchen Fällen sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn neben Schmerzen, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall auch Alarmsym­ptome wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Fieber oder Blut im Stuhl auftreten, sollte in jedem Fall so rasch wie möglich ein Mediziner konsultiert werden.

Die Fachärztin Viola Andresen zählt zu den führenden Expertinnen für das Reizdarmsyndrom. Das Kurzinterview ist Teil der großen GEO-Titelgeschichte "Unser Darm: Wie Mikroben das Wohl und das Wesen des Menschen lenken" - hier bestellen.