Winterbaden Wie gesund ist Eisbaden wirklich?

Ein bisschen beneiden wir sie ja schon: die Freaks, die unerschrocken in eiskaltes Wasser steigen. Aber tun sie sich damit tatsächlich einen Gefallen?
Eisbaden

Badespaß für Unerschrockene

Warmduscher dürften schon bei dem bloßen Gedanken erschauern: Schwimmen in eiskaltem Wasser. Für andere dagegen bedeutet genau das pure Lebenslust. Spektakulär sind die Bilder von Menschen, die sich in Finnland oder Russland mit Äxten und Motorsägen Löcher in die Eisdecken von Flüssen und Seen hacken oder sägen – und hineinsteigen. Manche sogar minutenlang.

Eisschwimmer sind wohl die Härtesten von ihnen. Sie schwimmen in weniger als fünf Grad kaltem Wasser. Etwa bei den Ice Swimming German Open in Veitsbronn (5.-7. Januar), wo die Teilnehmer bis zu 1000 Meter zurücklegen müssen. Für diese Distanz brauchen die schnellsten von ihnen immer noch mehr als ein Dutzend Minuten. Es gibt aber auch Schwimmer, die bis zu einer Stunde in solch kalten Fluten aushalten.

Etwas moderater geht es dagegen beim Eisbaden zu. Eisbader hüfpen nur für einige Sekunden ist eisige Nass - längstens aber fünf Minuten.

Verantwortlich für den massiven Chill-Effekt des Wassers ist übrigens seine im Vergleich zu Luft viel größere Dichte. Sie sorgt dafür, dass Wasser Körperwärme rund 20 Mal schneller ableitet als Luft. Vier Grad kalte Luft sind auf der nackten Haut unangenehm. Vier Grad kaltes Wasser dagegen wirkt wie ein Schock, wenn es uns umspült.

Hat der Kälteschock gesundheitsfördernde Nebenwirkungen?

Die Liebhaber des kalten Wassers schwören auf den Gesundheitseffekt des Kälteschocks. Doch auch wenn es heißt, der winterliche Badespaß stärke das Immunsystem, habe positive Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem und mache resistenter gegen Stress: Belastbare Daten gibt es kaum. Es gibt keine Studie, die eindeutig zeigt, dass der winterliche Badespaß "abhärtet", also gegen Erkältungen schützt.

Fakt ist allerdings, dass sich beim Eintauchen ins eisige Nass die Gefäße in der Haut verengen und die Blutbahnen im Körperinneren sich weiten, damit der Körper seine Kerntemperatur halten kann. Außerdem werden Adrenalin und andere Stresshormone freigesetzt. Sie sorgen für den besonderen „Kick“ und ein euphorisches Gefühl nach dem Bad.

Eisbader leben vielleicht nicht gesünder, aber sie sollten unbedingt gesund sein, wenn sie sich ins eisige Nass stürzen. Denn dazu braucht man nicht nur gute Nerven, sondern auch einen gesunden Kreislauf. Wer Herz- oder Gefäßprobleme hat, für den ist Eisbaden tabu. Wichtig ist auch – wegen der Gefahr des Unterkühlens –, dass Eisbader nicht zu lange im kalten Wasser bleiben. Und sich danach nicht zu schnell aufwärmen.