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Gesunde Alternativen? Vegane Ersatzprodukte fallen in Tests reihenweise durch - die Gründe sind vielfältig

Veganer Aufschnitt auf Brot
Auf Aufschnitt zu verzichten, fällt vielen Veganerinnen und Veganern nicht leicht. Die Lösung: Fleischimitate auf Pflanzenbasis
© MissesJones - Adobe Stock
Die Deutschen lieben ihre Brotkultur – und das heißt nicht selten: Butter, Wurst und Käse. Auch Menschen, die sich vegan ernähren, möchten auf diese Geschmacksnote nicht verzichten. Der Markt veganer Imitate ist in den letzten Jahren deshalb rasant gewachsen. Doch Lebensmitteltests zeigen: Die pflanzlichen Alternativen sind oft nicht gesünder als ihr Original

Es ist noch nicht allzu lange her, da bekamen Menschen, die bewusst auf tierische Produkte verzichten, im Restaurant noch Möhrenbratlinge und Kroketten vorgesetzt. Das hat sich mittlerweile geändert, denn Fleisch und Lebensmittel tierischen Ursprungs aus dem eigenen Speiseplan zu streichen, liegt im Trend.

Die Zahl der Vegetarierinnen und Veganer in Deutschland wächst seit Jahren. So wird die Zahl der Vegetarier mittlerweile auf etwa 7,5 Millionen geschätzt, die Anzahl vegan lebender Menschen auf 1,41 Millionen. Die Lebensmittelindustrie reagiert auf diesen Ernährungstrend, der Markt für vegane Ersatzprodukten wird seit Jahren immer größer.

Hersteller entwickeln ständig neue Lebensmittel, die Fleisch und Milchprodukten in Aussehen und Geschmack ähnlich sind, jedoch aus anderen, meist pflanzlichen Rohstoffen bestehen. Zweideutige Bezeichnungen wie "Veganer Burger" oder "Tofu Hackfleisch" sind gängige Slogans, mit denen die Produzenten werben. Solch widersprüchliche Bezeichnungen scheinen Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch nicht zu stören: Seit 2012 hat sich der Umsatz mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen vervielfacht.

Mineralöl und zu viel Salz in veganem Aufschnitt

Längst wollen die großen Wurstproduzenten das Geschäft nicht mehr Nischenherstellern überlassen, das Angebot nimmt rasant zu. Beim Aufschnitt werden am häufigsten Fleischwurst-Varianten für Lyoner und Mortadella nachgeahmt, auch Salami-Varianten finden den Weg ins Kühlregal. Viele Menschen greifen im Supermarkt zu diesen Ersatzprodukten mit dem guten Gefühl, sich für eine gesündere Alternative entschieden zu haben.

Doch wie die Stiftung Öko-Test in der April-Ausgabe ihrer Zeitschrift berichtet, weisen viele vegane Aufschnitte eine lange Mängelliste auf: Belastungen mit Mineralöl, umstrittene Zusatzstoffe und viel zu viel Salz vermiesen das Ergebnis der 19 getesteten Wurstersatzprodukte. Ganze 13 Produkte wurden mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewertet.

In den meisten Produkten fand Öko-Test Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge), die sich im menschlichen Körper ansammeln. Zwei Mal wurden sogar aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen. Zur Gruppe der MOAH können krebserregende Verbindungen gehören.

Zwölf der getesteten Produkte enthielten außerdem das Verdickungsmittel Carrageen. Der aus Rotalgen gewonnene Stoff steht in Verdacht, Entzündungen im Darm auszulösen. Ein weiterer ärgerlicher Punkt: Einige der veganen Aufschnitte im Test enthielten viel zu viel Salz. Sogar so viel, dass sie, wären sie wirkliche Wurstwaren, in Finnland einen Warnhinweis tragen müssten, so Öko-Test.

Vegane Aufstriche: Zweifelhafter Gemüseanteil

Eine gute und gesunde Alternative zum Aufschnitt können vegane Aufstriche sein, die es in vielen Geschmacksrichtungen und häufig in Bioqualität zu kaufen gibt. Meist in bunten Einweggläsern verpackt, füllen sie mittlerweile ganze Regalfächer im Supermarkt.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich jedoch nicht vom grünen Image der Gemüseaufstriche blenden lassen. Wie die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) jüngst vermeldete, enthält ein Aufstrich, nur weil dieser vegan und aus biologischen Zutaten hergestellt ist, nämlich nicht unbedingt auch viel Gemüse. Die VZSH hat den Gemüse- und Nährwertgehalt von 120 veganen Aufstrichen verglichen.

"Leider ist kaum erkennbar, wie viel Gemüse enthalten ist. Hersteller machen dazu selten Angaben," berichtet Saskia Vetter, Ökotrophologin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Nur bei 21 untersuchten Produkten war der gesamte Gemüsegehalt auf dem Etikett nachzuvollziehen. Bei den meisten Aufstrichen könnten Kundinnen und Kunden den Gemüsegehalt bestenfalls grob schätzen, da Prozentangaben fehlten oder die Aufstriche konzentrierte Zutaten enthielten, so die Verbraucherzentrale.

Auch von den Abbildungen auf den Gläschen sollte man sich nicht allzu schnell in die Irre führen lassen, warnt Vetter: "Etiketten von veganen Brotaufstrichen zeigen meist frisches Gemüse – das ist eher ein Hinweis auf die Geschmacksrichtung als auf die Hauptzutat. Nur bei 27 Produkten sind die Hauptzutaten abgebildet."

Bei vielen Aufstrichen sei das abgebildete Gemüse nur in kleinen Mengen enthalten. Vor allem Kräuter- oder Gewürzcremes, zum Beispiel mit Bärlauch oder Meerrettich, enthalten häufig nur zehn Prozent Gemüse. Auch Pilz- oder Auberginenaufstriche enthalten eher große Mengen an Wasser und Öl statt Gemüse (10 bis 20 Prozent).

Bei der Wahl des veganen Aufstrichs sollten Verbraucherinnen und Verbraucher daher genau auf die Zutatenliste schauen. Ein gutes Zeichen ist es, wenn Gemüse an erster Stelle der Zutatenliste steht. Tomaten-, Paprika- oder Spinatcreme schneidet dabei häufig am besten ab. Zudem sollten nicht mehr als  20 Gramm Fett und höchstens 1,5 Gramm Salz in 100 Gramm Aufstrich enthalten sein.


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