Pellworm: Grünes Idyll in der Nordsee

Wer die nordfriesische Insel Pellworm besucht, entschleunigt innerhalb von Minuten. Auf dem winzigen Eiland im Nationalpark Wattenmeer haben die Menschen Zeit und die Natur bestimmt den Rhythmus. Hektik ist hier ein Fremdwort.
Windmühle auf Pellworm

Die Nordermühle auf Pellworm beherbergt inzwischen Gäste und ein Restaurant

Pellworm im Überblick

Allgemeine Informationen:
Pellworm liegt im Nationalpark Wattenmeer vor der schleswig-holsteinischen Küste. Mit einer Breite von sieben und einer Länge von sechs Kilometern ist sie die drittgrößte nordfriesische Insel und liegt einen Meter unter dem Meeresspiegel. Pellworm hat rund 1200 Bewohner. Die Insel ist komplett begrünt und landwirtschaftlich geprägt, der zweite wichtige Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Pellworm verzeichnet jährlich rund 200.000 Übernachtungen.

Infrastruktur und Freizeit:
Das Straßennetz auf der Insel Pellworm ist gut ausgebaut. Es fährt ein öffentlicher Bus. Neben einer Polizeistation mit dem Inselpolizisten gibt es eine allgemein-medizinische Arztpraxis sowie verschiedene kleine Geschäfte. Das Rungholt-Museum Bahnsen zeigt Funde aus dem Wattenmeer. Außer einer Freizeithalle mit Kino, Minigolf und Tennis gibt es auf Pellworm ein Freizeitbad mit Wellness-Angeboten.

Anreise:
Pellworm ist durch eine Autofähre ganzjährig mit dem Festland verbunden. Der Fähranleger auf der Halbinsel Nordstrand in Schleswig-Holstein ist in Strucklahnungshörn. Auf der Fähre können Wohnmobile mitgenommen werden. Auf Pellworm gibt es dafür einen Campingplatz mit Stellplätzen. Die Insel hat außerdem einen kleinen Flughafen für Privatflugzeuge. Von Pellworm aus gibt es Schiffsverbindungen zu den Halligen Hooge und Süderoog.

Nordstrand: Fähre von Strucklahnungshörn zur Insel Pellworm

Schon die Anreise nach Pellworm mit der kleinen Autofähre von Nordstrand aus sorgt für einen unbewussten Seufzer: Eine leichte Brise, klare Seeluft und blauer Himmel, einige Möwen schweben mit und folgen dem weißen Schiff auf dem kurzen Weg zur Nordseeinsel Pellworm. Der Fähranleger in Strucklahnungshörn bleibt zurück. Von hier aus sind es gerade mal 35 Minuten bis nach Pellworm. Bereits von Weitem ist die komplett grüne Insel zu sehen und ragt als Sehnsuchtsziel der Ruhe aus der Nordsee.

Leuchtturm ragt aus der Insel

Pellworm ist nicht mit Sylt oder Amrum zu vergleichen. Urlaubertrubel und Promi-Partys sucht man hier vergeblich. Die Insel ist mehr wie eine große Wiese, umschlossen von einem Deich, mitten im Wattenmeer. Nur der rot-weiß gestreifte Leuchtturm ragt mit seiner Höhe von rund 40 Metern aus der Landschaft Pellworms hervor.

Fähranleger mit Blick ins Inselbilderbuch

Am Fähranleger der Insel angekommen, öffnet sich Pellworm wie ein Bilderbuch. Schafe grasen auf dem Deich, ein Bauer fährt mit dem Trecker vorbei und grüßt mit einem zackigen „Moin“. Über die Wiesen ziehen gemächlich einige Kühe und schmucke Bauernhäuser lugen mit ihren roten Ziegeldächern zwischen den Bäumen hervor. Willkommen auf Pellworm - im nordfriesischen Inselparadies!

Nordseeinsel war mal Festland

Dass Pellworm heutzutage überhaupt eine Insel ist, liegt an der bewegten Geschichte der Nordsee. Gleich zweimal wurde der Landstrich auf der Westseite des heutigen Schleswig-Holsteins durch Sturmfluten vom Festland abgetrennt. Zum ersten Mal bei der Allerheiligenflut im Jahr 1436. Dieser Schaden wurde durch aufwendige Landaufschüttungen beseitigt – aber vergebens, denn 1634 sorgte eine weitere schwere Sturmflut für den endgültigen Wasserdurchbruch und Pellworm wurde zur Insel.

Und tatsächlich sieht man Pellworm – oder Polweerm, wie die Insel auf Friesisch heißt – die frühere Verbindung zum Festland deutlich an. Sattgrüne Wiesen, Bäume, Wirtschaftswege und sogar ein kleines Wäldchen gibt es. Würde man nicht wissen, dass man auf einer Insel in der Nordsee steht – es könnte auch ebenso gut ein Landstrich irgendwo mitten in Schleswig-Holstein sein. Selbst die Geschichte ist ähnlich. Mal war die Insel friesisch, dann dänisch, dann deutsch.

Woher der Name Pellworm stammt, ist nicht sicher. Eine Erklärung ist, dass die erste Silbe vom Eigennamen Pille oder Pilla stammt. Es wäre aber auch möglich, dass „Pell“ auf das friesische „Pule“ als Bezeichnung für einen Pfahl als Seezeichen zurückgeht. Die Silbe „Worm“ wird zurückgeführt auf das friesische Wort „werrem“, das eine Erhöhung am Wasser beschreibt. Erstmalig besiedelt wurde die Gegend ab dem Jahr 800 von den Friesen.

Turmruine auf Pellworm

Die Turmruine der alten Kirche St. Salvator von 1200 ist die wohl bedeutendste Sehenswürdigkeit auf der nordfriesischen Insel Pellworm

Turmruine auf Pellworm als Zeitzeuge aus Ziegeln

Heute spiegelt Pellworm selbst wenig dieser langen Geschichte. Einer der sichtbaren Zeugen dieser Zeit ist die Turmruine der Alten Kirche aus dem Jahr 1095. Sie taucht beim Inselspaziergang plötzlich auf und steht mit ihren wettergegerbten roten Backsteinen wie ein stummer Zeitreisender mitten auf der Wiese. Im Jahr 1611 ist der Ziegelturm auf Pellworm zusammengebrochen. Der Wattboden war zu weich für das Gewicht. Heute ragt der verwitterte Turm immerhin noch 26 Meter auf – soll aber als „Friesendom“ mal doppelt so hoch gewesen sein.

Ein einmaliges Orgelkonzert mitten in der Nordsee

Dass die Pellwormer sich trotz der Küstenwidrigkeiten, typisch norddeutsch, nicht unterkriegen lassen, zeigt das Kirchenschiff gleich dahinter. Der Bau aus dem 11. Jahrhundert steht immer noch und beherbergt einen Schatz: eine Arp-Schnittger-Orgel von 1711. Verpassen Sie auf keinen Fall eines der Orgelkonzerte im Sommer. Immer mittwochs erfüllt die Orgel die fast 1000 Jahre alte Kirche mit ihrem einmaligen Klang – ein Gänsehauterlebnis.

Mit dem Wohnmobil im Wattenmeer

Gut 1200 Insulaner leben heute auf Pellworm. Da scheint es fast schon erstaunlich, dass es mehr als 2000 Betten für die Übernachtung gibt. Die Auswahl reicht vom Hotel über die Pension bis zum eigenen Ferienhaus. Sogar einen Campingplatz gibt es auf der Insel und der ist wo? Na klar, am Wasser. Es gibt hier sogar Stellplätze für Wohnmobile, auch wenn sich auf der kleinen Insel naturgemäß nicht unbedingt weite Strecken fahren lassen. Auf Pellworm ist man mehr zu Fuß unterwegs oder mit dem Pferd.

Das gilt vor allem auch für das Land vor dem Deich. Das Wattenmeer taucht alle zwölf Stunden bei Ebbe wie aus dem Nichts auf und gibt reichlich Raum für Ausflüge jeder Art und in alle Richtungen. Allerdings sollten Sie die Tour durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer bestenfalls mit einem der Insel-Wattführer machen. Die kennen sich bestens aus, erzählen spannende Geschichten und wissen vor allem, wann es höchste Zeit ist, auf die Insel zurückzukehren, bevor die Flut das Watt um Pellworm wieder unter Wasser setzt.

Halligen werden bei Sturmflut überschwemmt

Die Wattwanderung durch den Nationalpark Wattenmeer auf die Hallig Süderoog gehört definitiv zu den Höhepunkten des Urlaubs auf Pellworm. Halligen sind kleine Inseln vor der Küste, die bei Sturmflut überschwemmt werden können und die Hallig Süderoog ist etwas ganz Besonderes. Sie ist eine der kleinsten Halligen Deutschlands und hat dementsprechend auch eine kleine Bevölkerungszahl: genau drei. Die Hallig wird von einer jungen Familie bewirtschaftet und ist der einzig Arche-Hof mit alten Tierrassen in Deutschland auf einer Hallig.

Hallig Süderoog hat eigenen Postboten

Bereits vom Deich aus ist die Mini-Erhebung im Wattenmeer zu sehen. Die sechs Kilometer weite Strecke durchs Watt gehen Sie am besten mit dem Inselbriefträger, Knud Knudsen. Er läuft ein paar Mal in der Woche zur Hallig Süderoog rüber und bringt die Post dorthin. Auf dem Weg erzählt der gut 60-Jährige gern Geschichten über das Leben auf Pellworm, das Wattenmeer und die bewegte Vergangenheit der rauen Nordseeküste.

Lecker Kuchen und Tee auf Hallig Süderoog

Barfuß geht es am besten durchs Watt und das massiert außerdem herrlich die Füße. Achten sollten Sie auf scharfe Muscheln, damit Sie sich nicht unter dem Fuß schneiden. Gut anderthalb Stunden dauert der spannende Fußmarsch. Auf der Hallig warten schon leckerer Kuchen und frischer Tee auf dem Hof des jungen Bauern-Paares. Auch hier gibt die Natur den Rhythmus vor. Nach gut einer Stunde mit Hofführung und seltenen Tieren von der Pommerngans bis zum Ramelsloher Huhn geht es zurück nach Pellworm: Die Flut kommt.

Wattwanderung von Pellworm

Wind und Wetter sind egal, Hauptsache Ebbe! Dann nämlich lässt sich die Hallig Süderoog von Pellworm aus durch eine Wattwanderung erreichen

Der Bus auf Pellworm fährt immer eine Inselrunde

Wem nach der ganzen Lauferei dann die Füße wehtun, der kann sich auf Pellworm zum Glück auch mal getrost zurücklehnen: in einem Sitz der Buslinie 1091. Tatsächlich fährt dieser Bus auf der kleinen Insel immer in der Runde und lässt so die Entfernungen angenehm schrumpfen. Auch für Fahrradfans gibt es gute Nachrichten. Der Fahrrad-Service auf Pellworm ist exzellent. Es gibt nicht nur mehrere Radverleiher, sondern die Räder werden auf Wunsch auch zur Unterkunft gebracht und wieder abgeholt. Dass manchen Urlauber auf Pellworm ein erstaunlicher Expeditionsdrang treibt, zeigt der eindringliche Hinweis des Radvermieters bei der Fahrradübergabe: „Nicht durch Seewasser fahren!“

Wer ohne Fahrrad ins Wasser möchte, der ist auf Pellworm genau am richtigen Ort. Die Möglichkeiten zum Baden und Schwimmen sind vielfältig:

  • Strand Hooger Fähre – tiefes Wasser, sandiges Watt, Blick auf die Halligen
  • Strand Schütting –  kleiner Strand mit Blick auf die Hallig Süderoog
  • FKK-Strand Hören – geräumiger, ruhiger Strand mit Sandwatt
  • Südstrand am Pellwormer Leuchtturm – ideal für Familien und zum Wattwandern
  • Hundestrände – gleich viermal an verschiedenen Orten der Insel

Und wer sich für die Wellness-Abteilung entscheidet, muss das nicht auf den Tag im Strandkorb mit Butterstulle reduzieren. Das Freizeitbad PelleWelle bietet eine klasse Bademöglichkeit für die ganze Familie und noch dazu Wohlfühlprogramme von der Sauna über die Massage bis zur Gesichtspflege.

Eine Nordseeinsel hat ihre eigene Zeit

Pellworm ist eine Welt für sich - umschlossen von einer ganz eigenen Wasserwelt. Die klare Luft, das helle Pfeifen der Wattvögel, Möwengeschrei, endlos lange Sonnenuntergänge über dem glitzernden Wasser, selbst die Schiffe scheinen hier langsamer aus dem Hafen zu fahren als anderswo. Diese Ruhe findet sich auch in den Restaurants und Kneipen der Insel wieder. Ein gutes Bier dauert eben mal die klassischen sieben Minuten und das Essen wird mit Hingabe und viel Zeit frisch in der Küche zubereitet. Das schmeckt man aber auch. Der Tipp: Probieren Sie unbedingt die Krabben in Knoblauchsauce in Arno‘s Hafen Pub – aber fragen Sie seine Frau Sina gar nicht erst nach dem Familienrezept. Sie rückt es einfach nicht raus.

Juist
Nordseeinsel
Juist - Entschleunigung total
Töwerland – Zauberland nennen die Einheimischen ihr Eiland. Und in der Tat hat die längste der ostfriesischen Inseln ordentlich Magie-Potenzial. Wer auf Juist Urlaub macht, dem zaubert sie Ruhe und Gelassenheit

Pellworm ist eine Urlaubsinsel für jede Jahreszeit

Die Nordseeinsel Pellworm ist perfekt für den entspannten Sommerurlaub, aber auch im Winter außerhalb der Saison ein tolles Ziel. Wenn die Wildgänse über den klaren Himmel ziehen und in der Abenddämmerung aus den Fenstern der Kneipen warmes Licht scheint, dann freut man sich ganz besonders auf einen gemütlichen Platz am Tisch - und kann auf Pellworm so richtig herrlich in das Inselleben eintauchen.

Mit den Insulanern gemütlich zusammensitzen

Es gib nämlich auf der kleinen Insel eine ausgeprägte Skat-Kultur und besonders in der heimeligen kalten Jahreszeit viele öffentliche Turniere. Bei Bier, Krabbenbrötchen, Pommes und Currywurst zusammen mit den Einheimischen ordentlich „Skat zu dreschen“ macht unheimlich Spaß und wird nur noch von einer Sache getoppt: Dick eingepackt in der Winterjacke nach dem Kartenspielen auf dem Deich bei sternenklarer Nacht zurück ins Hotel zu schlendern. Andere buchen dafür einen Selbstfindungskurs.

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