Machu Picchu - das Weltwunder in den Anden von Peru

Kaum eine andere Ruine zieht so viele Menschen in ihren Bann wie die Inkastadt Machu Picchu in der wilden Andenwelt Perus. Stets von einer gewissen Mystik umgeben, beeindruckt nicht nur die bauliche Leistung der Inka, sondern auch das Panorama des Urubambatals
Machu Picchu

Machu Picchu ist eines der sieben neuen Weltwunder und die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit in Südamerika

Machu Picchu im Überblick

Wo liegt Machu Picchu?
Die berühmte Ruinenstätte Machu Picchu liegt auf dem gleichnamigen Hochplateau in der Provinz Cusco, im Südosten des südamerikanischen Landes Peru

Wie komme ich nach Machu Picchu?
Als Ausgangsort für Ausflüge nach Machu Picchu gilt die Stadt Cusco. Sie verfügt über einen internationalen Flughafen und diverse Busverbindungen. Von hier aus gibt es verschiedene Optionen, den Ort Aguas Calientes am Fuße des Machu Picchu zu erreichen: mehrtägige Wanderungen sowie eine Kombination aus Bus und Zug.

Wann ist die beste Reisezeit für Machu Picchu?
Wer strikt nach dem Wetter geht, sollte zwischen April und Oktober nach Machu Picchu reisen. Diese trockene Zeit gilt allerdings als Hauptsaison und die Tickets können bereits Monate im Voraus vergriffen sein. Wer mit etwas Nebel und Regen zwischendurch leben kann, sollte in den Übergangsmonaten März und November reisen, dann ist es merkbar leerer.

Auf einem 2400 Meter hohen Anden-Sattel liegt zwischen bewaldeten Bergspitzen eine der berühmtesten Touristenattraktionen der Welt: Machu Picchu. Die Ruinenstadt der Inka besticht durch ihre Größe und Mystik. Reisende aus aller Welt zieht es in das abgelegene Urubambatal im Südosten Perus – sie alle möchten dieses einzigartige Relikt des stolzen Andenvolks erkunden. Doch der nicht abreißen wollende Touristenstrom wird für die Jahrhunderte alte Inkastadt zunehmend zum Problem. Wer Machu Picchu erleben möchte, sollte sich der Sensibilität des Ortes bewusst sein und die Regeln beachten.

Die Entdeckung eines Weltwunders: Machu Picchu

Machu Picchu gilt als eine der letzten Wirkungsstätten der Inka. Geschützt von zackigen Felswänden, zu deren Füßen der ungezähmte Fluss Urubamba durch das dichte Dschungeldickicht rauscht, liegt die Siedlung auf einem abgelegenen Hochplateau in 2430 Metern Höhe. Ohne Metallwerkzeuge, Wagen und Mörtel errichtete das stolze Andenvolk Mitte des 15. Jahrhunderts ein Areal aus über 200 Häusern, die aus aufeinandergeschichteten, exakt in Form gebrachten Steinen bestehen. Doch wofür nahmen sie diese Mühen auf sich? Sollte hier eine Pilgerstätte, eine königliche Sommerresidenz oder ein Verwaltungssitz entstehen? Alles wäre denkbar, nichts endgültig prüfbar.

Es gibt keine überlieferten Schriften, denn die Inka lebten ohne. Noch nicht einmal der ursprüngliche Name der Siedlung ist bekannt, die inzwischen schlicht nach dem Berg benannt ist, auf dessen Rücken sie thront. Bis Hiram Bingham sie 1911 für die westliche Welt entdeckte, hatte sie unter knorrigen Lianen und moosigen Schichten gelegen, denn selbst die Spanier hatten Machu Picchu auf ihren Plünderungszügen durch die unwegsame Bergwelt Perus nicht gefunden. Und hinterließen so die einzigartige Chance, zwischen intakten Bewässerungsanlagen, Wohnhäusern und Tempeln die großen und kleinen Geheimnisse des Inka-Imperiums zu ergründen.

Hiram Bingham inspirierte die Massen

Medienwirksam inszenierte Hiram Bingham seine Reise nach Peru in „National Geographic“. Auf über 20 Seiten schilderte er im Jahr 1913 in Text und Bild, was er in den Tiefen des peruanischen Dschungels, etliche Tagesmärsche von der einstigen Inka-Hauptstadt Cusco entfernt gefunden hatte: Machu Picchu - eine der wichtigsten Entdeckungen unserer Zeit. Nahezu 60 Prozent des gesamten Areals sind bis heute im Originalzustand. Seit 1983 zählt die Inkastadt zum UNESCO-Welterbe und seit 2007 zu den neuen sieben Weltwundern. Ein Komplex aus 216 in sich verschachtelten Gebäuden, über 3000 steilen Treppen, steinernen Fluchten und Pfaden formt die Machu Picchu. Archäologen unterteilen die Heilige Stadt in vier Sektionen: Wohnräume, Werkstätten, landwirtschaftliche Nutzflächen und spirituelle Orte. Der große begrünte Hauptplatz bildet das Zentrum von Machu Picchu.

Inka-Trail

Wer sich die Ruinenstätte Machu Picchu über den Inka-Trail erschließt, genießt unterwegs das Landschaftspanorama

Auf den Spuren der Inka durch die Anden

Nahezu der gesamte Osten von Peru birgt Siedlungen, Opfer- und Zeremonieplätze sowie Tempel der Inka. Das gilt insbesondere für die Provinz Cusco mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt, die auf über 3400 Metern Höhe liegt. Sie bildete das Zentrum des Inkareichs und verfügt noch heute über gut erhaltene Relikte aus jener Zeit, wie die Callejón de Siete Culebras (Gasse der sieben Schlangen) oder die Grundmauern des wichtigsten Sonnentempels von Cusco Coricancha. Nordwestlich der Stadt erschließt sich das Heilige Tal der Inka. Hier liegen mit Pisac und Ollantaytambo weitere wichtige Städte der Inka. Im Gegensatz zu Machu Picchu wurden sie von den Spaniern entdeckt und geplündert. Dennoch sind sie unbedingt einen Besuch wert und stimmen Reisende bereits auf ihren Tag am Weltwunder ein.

Doch dieser Tag möchte geplant sein, denn Machu Picchu besucht man nicht mal ebenso zwischendurch.

Ob Wanderung oder Zug: Alle Wege führen über Aguas Calientes

Auch wenn es nicht mehr ganz so mühsam ist, wie zu Zeiten der Inka, Machu Picchu zu erreichen, sind die Wege zur Welterbestätte weiterhin zeitintensiv. Es gibt im wesentlichen zwei Möglichkeiten: eine mehrtägige Wanderung oder eine kombinierte Anreise bestehend aus Bus und Zug. Ausgangspunkt für alle ist die Stadt Cusco. Alle Treks, wie der berühmte Inka-Trail, der einem freigelegten Teil des alten Straßensystems der Inka bis Machu Picchu folgt, beginnen vor den Toren von Cusco. Wer nicht wandern möchte, muss den Ort Aguas Calientes am Fuße des Hochplateaus anders erreichen. Da es ab Cusco keine durchgängige befahrbare Straße bis Aguas Calientes gibt, ist die einzige Möglichkeit ein Bustransfer zu den Bahnhöfen Ollantaytambo oder Poroy. Ab hier fahren Züge bis in die kleine Siedlung unterhalb von Machu Picchu (Fahrtdauer: ab 1 ½ Stunden, Inca Rail oder Peru Rail). Aguas Calientes ist das touristische Zentrum Machu Picchus und verfügt über Restaurants, Hotels sowie Geschäfte. Um den Haupteingang der Ruinen zu erreichen, bieten sich ab Aguas Calientes abermals zwei Möglichkeiten. Eine serpentinenreiche Straße windet sich die steile Bergflanke des Machu Picchu hinauf. Sie darf nur von den örtlichen Shuttlebussen befahren werden, die rund 30 Minuten für eine Strecke benötigen und nahezu im Minutentakt fahren (ab 5:30 Uhr, Tickets an VVK im Ort). 

Egal, ob Individualreisender oder Reisegruppen: Für die Busse im Tal müssen sich alle anstellen. Besonders in der Hauptsaison zwischen April und Oktober kann die Wartezeit für einen Sitz bis zu drei Stunden betragen. Einzige Option den Massen zu entkommen: Wandern. Die Strecke zum Haupteingang von Machu Picchu ist ausgeschildert und in anderthalb Stunden machbar.

Das richtige Ticket zur Heiligen Stadt

Der Ticketkauf für Machu Picchu ist zwar keine rocket science, aber dennoch etwas komplexer. Schließlich ist die Inkastadt auch kein normales Museum. Es gibt drei unterschiedliche Ticket-Kategorien:

  • Die Günstigste bietet lediglich den Zugang zu den Ruinen. Bereits bei Erwerb müssen sich die Besucher für eine Zeit entscheiden, zu der sie die Welterbestätte betreten möchten (frühester Eintritt 6 Uhr, spätester 14 Uhr, ab 40 Euro). 
  • Die zweite Option ermöglicht zudem den Zutritt zur Spitze des Berges Machu Picchu (La Montaña). Von dieser werden täglich nur 400 Tickets angeboten sowie drei mögliche Startzeiten für die rund zweistündige Wanderung (früheste 7 Uhr, späteste 10 Uhr, 52 Euro).
  • Die dritte Kategorie beinhaltet neben den Ruinen den Zutritt zum Huayna Picchu, dem zuckerhutförmigen Berg an der Spitze der Ruinenstadt. Auch hier sind nur 400 Tickets pro Tag verfügbar und der Start der Wanderung ist an drei vorgegebene Zeiten gekoppelt (früheste 7 Uhr, späteste 10:30 Uhr, 52 Euro). Die dreistündige Rundwanderung ist körperlich anstrengend und nur für schwindelfreie Personen geeignet. 

Die Tickets der letzten beiden Kategorien sind sehr beliebt. Auch in der Nebensaison von November bis März sind sie Monate im Voraus ausgebucht, während die einfachen Eintrittskarten zur Ruinenstätte spontaner an den offiziellen Vorverkaufsstellen in Cusco und Aguas Calientes sowie online verfügbar sind. Wer sichergehen möchte, sollte die Tickets für den Wunschtermin online kaufen. Die Webseite des peruanischen Kultusministeriums ist der direkteste Weg zum Ticket. Wer kein Spanisch spricht, tut gut daran die Organisation der Anreise sowie der Tickets zu Machu Picchu in die Hände einer lokalen Agentur zu legen.

Da die Besucherströme der vergangenen Jahrzehnte deutliche Spuren hinterlassen haben, bemühen sich die peruanischen Behörden um einen besseren Schutz ihres Weltwunders. Immer wieder wird mit der Aufenthaltsdauer und der Koordination der Touristen vor Ort experimentiert. Durften sich die Besucher vor einigen Jahren noch ihre eigenen Wege über das Gelände suchen und so lange bleiben, wie sie wollten, geht es heute deutlich strenger zu. Entsprechend sollten Sie sich vor dem Kauf und vor Ihrem eigentlichen Besuch über eventuelle Änderungen informieren.

Aguas Calientes

Der kleine Ort Aguas Calientes liegt am Fuße von Machu Picchu und gilt als das touristische Zentrum. Da es keine durchgängige Straße von Cusco nach Aguas Calientes gibt, können Reisende nur zu Fuß oder per Zug hierherkommen

So funktioniert Machu Picchu heute

Kaum ist das Ticket gescannt, tickt die Uhr. Vier Stunden hat jeder der täglich zugelassenen 2500 Besucher, um Machu Picchu zu erkunden – offiziell die ersten beiden Stunden mit Tourguide und die restliche Zeit auf eigene Faust. Mit den 2019 neu eingeführten strengeren Reglementierungen versucht die peruanische Regierung den Touristenmassen Herr zu werden und den Status als gefährdete UNESCO-Welterbestätte abzuschütteln. Für die zentralen Stellen wie den Intihuatana-Stein oder den Sonnentempel wird bereits über noch engere Zeitfenster nachgedacht. 

Da es in der Inkastadt selbst weder Toiletten noch Rastplätze gibt, sollten alle menschlichen Bedürfnisse vor dem Betreten der Ruinen gestillt werden. Denn wer Machu Picchu einmal verlassen hat, darf inzwischen nicht noch mal eintreten. Dafür, dass sich jeder Tourist an diese Regeln hält, sorgen inzwischen rund 80 Parkwächter, die sich auf dem Areal verteilen und jeglichen Verstoß mit einem energischen Griff zur Trillerpfeife ahnden.

Wer ohne Anpfiff auskommen möchte, sollte sich bereits am Haupteingang für eine der drei ausgeschilderten Routen entscheiden, denn auch das Wechseln der Richtung oder des Weges ist untersagt.

  • Nur Circuit 1 führt durch alle Sektionen und somit über die gesamte Stätte inklusive Pförtnerhaus und Sonnentor. Eine Runde dauert rund drei Stunden und spricht nur körperlich fitte Menschen an.
  • Circuit 2 spart die steile Passage zu den oberen Anbauterrassen aus. Diese Route richtet sich an Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen
  • Circuit 3 ist nur für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gedacht.

Wie der perfekte Trip nach Machu Picchu gelingt

Eins vorweg: Sie werden Machu Picchu nie ganz für sich haben. Aber es gibt Möglichkeiten sich die Stätte nicht gleich mit mehreren Tausend Menschen teilen zu müssen. Und zwar so: Der Trip findet in den Übergangsmonaten März oder November statt, dann ist das Wetter stabil, aber es sind weniger Touristen unterwegs als in der Hauptsaison. Weitere Faustregel: Nehmen Sie sich Zeit. Wer die weite Reise nach Peru antritt, um die wohl bekannteste Ruine Südamerikas zu sehen, der sollte sie nicht in Form eines stressigen Tagesausfluges durchstreifen. Verbringen Sie also den Tag vor Ihrem Besuch auf Machu Picchu mit der Anreise und schlafen in Aguas Calientes.

Denn Machu Picchu ohne eine Übernachtung vor Ort bedeutet: Mitten in der Nacht aufstehen, mindestens vier Stunden Anreise für eine zweieinhalb stündige geführte Tour über die Ruinenstätte, um dann wieder vier Stunden zurück nach Cusco zu fahren. Entscheiden Sie sich bereits vor dem Kauf der Tickets, was Sie erkunden möchten, und wählen dann einen passenden Slot. Wer nicht an eine der Eintrittszeiten zu Huayna Picchu oder Montaña Machu Picchu gebunden ist, beginnt seinen Besuch erst gegen Mittag, dann sind die Tagestouristen bereits wieder auf dem Rückweg und die restlichen Gäste verteilen sich mehr.

Frühaufsteher besorgen sich ein Ticket für den ersten Slot und stellen sich den Wecker auf 4 Uhr. Sie folgen ab dem Sammelpunkt der Shuttlebusse in Aguas Calientes den Schildern zum Haupteingang zu Fuß (Kopflampe nicht vergessen!). Bis der erste Bus das Plateau erreicht hat, sind die Wanderer schon auf Machu Picchu unterwegs und genießen für kurze Zeit die sagenumwobene Morgenröte (fast) allein. 

Lohnen sich Huayna Picchu oder Montaña Machu Picchu?

Machu und Huayna Picchu. Der große und der kleine Berg, wie sie übersetzt werden, überblicken die Szenerie wie sanftmütige Riesen. Beide Bergkuppen schaffen das, was einem inmitten der Ruinen verwehrt bleibt – sie bieten den Blick für das große Ganze. Während La Montaña den Gipfel des Bergrückens beschreibt, auf dem die Inkastadt selbst liegt, ist Huayna Picchu jener zuckerförmige Berg, der das Panorama der Inkastadt dominiert. Etwas entrückt, wird die Dimension und die exponierte Lage der Ruine deutlich. Entsprechend sei jedem, der sich körperlich fit genug fühlt, einer der beiden Ausflüge ans Herz gelegt. Der Zugang zu La Montaña ist deutlich besser erschlossen und einfacher.

Wer sich am Huayna Picchu versuchen möchte, sollte schwindelfrei sein und sich auch in den Höhenlagen gut fühlen. Denn der Weg hinauf auf die umwehte Spitze folgt einem unstetigen Muster aus Stufen und rutschigen Pfaden. Vereinzelt sorgen Seile oder Handläufe für etwas Trittsicherheit in steilen Passagen. Doch ein Blick in die Tiefe reicht, um zu verstehen: Ein falscher Schritt endet hier fatal. Da es in der Vergangenheit bereits Todesfälle gab, raten inzwischen einige Veranstalter von der Wanderung auf die Spitze des Huayna Picchus ab. Die Inka erschlossen den schwerzugänglichen Berg mit Treppen, mit weiteren Anbauterrassen und Häusern, die den Wegesrand säumen. Historiker gehen davon aus, dass die Gebäude auf dem 2720 Meter hohen Zuckerhut für die wichtigsten Priester der Inka vorgesehen waren. Wer es auf den Gipfel des Huayna Picchu schafft, dem liegt Machu Picchu sowie das gesamte Urumbatal zu Füßen.

Gibt es Alternativen zu Machu Picchu?

Auch wenn es für die wenigsten eine Option sein mag, Peru zu verlassen, ohne Machu Picchu besucht zu haben, so gibt es sie. Die Inka-Stätten, die deutlich weniger Besucher zählen. Eine ist die Ruinenstadt Choquequirao. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Aufbau und Architektur wird sie als die kleine Schwester Machu Picchus bezeichnet. Choquequirao liegt auf einem Hochplateau in rund 3000 Metern Höhe in den Ausläufern der Salcantay-Gebirgskette, rund 180 Kilometer westlich von Cusco und blieb wie Machu Picchu von den Spaniern unentdeckt.

Momentan ist Choquequirao nur über eine drei- bis viertägige Wanderung durch die Andenwelt erreichbar. Doch auch hier könnte es bald vorbei sein mit der Ruhe. Die peruanische Regierung plant, die Ruinenstadt zu erschließen, um den großen Bruder zu entlasten. Bis die Pläne in die Tat umgesetzt sind, genießen nur ungefähr ein Dutzend Besucher am Tag die Abgeschiedenheit von Choquequirao.

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