Kapverdische Inseln - eine bunte Mischung

Etwas janusköpfig kommen sie daher: karg und lebensfeindlich auf der einen; grün, fruchtbar und üppig auf der anderen Seite. Die Kapverdischen Inseln punkten mit spektakulärer Natur und einem ganz besonderen Lebensgefühl
Santo Antao, Capo Verde

Santo Antão, zweitgrößte Insel der Kapverden, trägt den passenden Beinamen "Insel der Berge"

Die Kapverdischen Inseln im Überblick

Wo liegen die Kapverdischen Inseln?

Die Kapverdischen Inseln sind eine Inselgruppe im Atlantischen Ozean und gehören zur unabhängigen Inselrepublik Kap Verde. Sie liegen 460 Kilometer vor der Küste Westafrikas und 1500 Kilometer südlich der Kanaren.

Welche Inseln gehören zu den Kapverden?

Die Inselgruppe besteht aus etwa 15 Inseln. Zu den bewohnten Inseln zählen Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal, Boa Vista, Maio, Santiago, Fogo und Brava. Unbewohnt sind die Inseln Santa Luzia, Branco und Raso sowie Inselgruppe der Ilhéus do Rombo.

Ein praktischer Stopp auf der Route des Sklavenhandels – mehr hatten die Portugiesen mit den Kapverdischen Inseln ursprünglich nicht im Sinn. Dank der günstigen Lage, 460 Kilometer vor der Küste Westafrikas und 1500 Kilometer südlich der Kanaren, wurde aus dem portugiesischen Überseegebiet schnell ein Drehkreuz zwischen Afrika, Europa und Amerika.

Doch die Kapverdischen Inseln entwickelten mit der ersten Generation der Kreolen, die Kinder weißer Händler und schwarzer Sklaven, ihre eigene Identität. Es entstand ein bunter Mix der Traditionen, Sitten und Bräuche mitten im weiten Blau des Atlantiks. Nach 500 Jahren unter portugiesischer Flagge wurde Kap Verde 1975 unabhängig.

Der Mix der Kulturen und Lebensweisen ist geblieben. Das spiegelt sich auch im Erscheinungsbild des Archipels. Pastellfarbene Kolonialhäuser treffen auf quirlige Märkte, tiefblaues Wasser auf sattes Tropengrün und schimmernde Strände.

Sogar der Name hat Farbe - Cabo Verde - grünes Kap. Was allerdings etwas irreführend ist. Denn einige der 15 Inseln erinnern eher an Wüste oder an Mondlandschaften. Neun Inseln sind bewohnt: Die drei flachen, trockenen Ostinseln Sal, Boavista und Maio haben herrliche Strände und sind bestens für Wassersportler geeignet. Den drei Nord- und drei Südinseln hingegen sieht man ihren vulkanischen Ursprung deutlich an. 

Santo Antão und São Nicolau beeindrucken im Nordwesten mit Gebirgspanoramen und fruchtbaren Tropentälern, São Vicente besticht hingegen mit der pittoresken Hafenstadt Mindelo. Im Süden des Archipels liegen die Hauptinsel Santiago, die Vulkaninsel Fogo und das beschauliche Brava.

Die Südinseln - wo alles begann

Im Süden auf Santiago, Fogo und Brava schlägt das kulturelle Herz der Kap Verden und das ist höchst lebendig.

Santiago: Hauptinsel mit Geschichte

  • Santiago ist die größte der Inseln mit den meisten Einwohnern. In Cidade Velha nahm die Besiedelung des Archipels ihren Anfang. Unter anderem erinnern der Pranger auf dem Dorfplatz und die Befestigungsanlagen über dem Ort noch an die Zeit des Sklavenhandels auf Santiago.
     
  • Der Ort Praia ist die bunte Metropole der Kapverdischen Inseln. Ein Plateau bildet das Zentrum der Stadt mit Kolonialhäusern, Gemüsemarkt und der Kirche Nossa Senhora da Graça. Auch Museen, Kunst und Kultur erzählen vom reichen Erbe der Kreolen.
     
  • Bei Tarrafal, im Nordwesten Santiagos, liegt eine kleine Bilderbuchbucht mit weißem Sandstrand, gesäumt von Kokospalmen und bunten Fischerbooten.
Velha, Cabo Verde

Velha ist die ehemalige Hauptstadt Kap Verdes auf der Insel Santiago

Feurig, feurig: die Vulkaninsel Fogo

Ein aktiver Vulkan, kreisrund und etwa 3000 Meter hoch: Der Pico do Fogo hat zwei Gesichter: Bizarre schwarz-graue Landschaft auf der einen Seite, die andere, dem Wind zugewandte, ist grün und fruchtbar. Das Wahrzeichen der Insel Fogo spuckte vor mehr als 200 Jahren das letzte Mal Feuer. Die Wanderung zum Gipfel dauert vier bis fünf Stunden, wird aber mit herrlicher Aussicht belohnt.

  • Chã das Caldeiras, der Einsturzkrater des Urvulkans misst 9 Meter im Durchmesser. Drumherum Lava- und Aschefelder. 2014 sind hier bei einem Vulkanausbruch zwei Dörfer von Lava verschlungen worden – verletzt wurde zum Glück niemand.
     
  • São Filipe, die Hauptstadt von Fogo, ist aufgeteilt in Ober- und Unterstadt. Sie trennten einst die adlige Oberschicht von den Sklaven. Das ist noch gut in der Architektur zu sehen…

Brava: die Blumeninsel

Kreisrund und mit gerade mal zehn Kilometern im Durchmesser ist sie die Kleinste der Kapverdischen Inseln. Brava schmiegt sich im Südwesten in den Windschatten von Fogo. Ein Glück, denn so hängt fast immer eine Wolkendecke über den 1000 Meter hohen Berggipfeln und macht die Insel zu einer grünen Oase mit buntem Blumenflor. Brava ist ideal zum Wandern. Auf zahlreichen alten Maultierpfaden geht es kreuz und quer durchs Hochland. Aber Achtung: Beschilderungen gibt es nicht. Außerdem sehenswert:

  • Fajã dÀgua, früher ein wichtiger Ort für den Walfang, liegt an einer vom Vulkankrater gebildeten Bucht mit türkisblauem Wasser und pittoresken schwarzen Felsen.
     
  • Die Hauptstadt Nova Sintra liegt luftige 500 Meter über dem Meer. Die angenehme Brise machte Brava im 18. und 19. Jahrhundert zur idealen Sommerresidenz der Oberschicht von Fogo und Santiago.

Die Nordinseln - Hoch hinaus im Norden

Gigantische Berge, zerklüftete Hänge und abgrundtiefe Schluchten: Auf den Nordinseln türmen sich 2000 Meter hohe Berge, regelrechte Wolkenfänger, die so fruchtbare grüne Täler formen. Hinzu kommen viel Musik und Kultur. Ein schöner Mix, der Reisende auch in den Norden des Archipels lockt.

São Vicente: Hier spielt die Musik

Die Hafenstadt Mindelo ist die Kulturmetropole der Kapverdischen Inseln, Geburtsort vieler populärer Musiker und Ursprung der kapverdischen Kunst und Kultur. Im Städtchen mit kleinen Cafés und der historischen Markthalle lässt es sich gemütlich Flanieren und abends gibt es Livemusik. Wer wann wo spielt, erfährt man zum Beispiel in der Touristeninformation.

Von São Vicente aus erreicht man auch Santa Luzia, die Größte der nicht bewohnten Inseln. Früher siedelten hier eine Zeit lang Hirten, aber die Insel erwies sich als zu unwirtlich. Santa Luzia ist karg, hat aber an der Südwestküste eine weite Bucht mit Sandstrand. Von Calhau aus kann man mit Fischerbooten übersetzen. Dauer: etwa zwei Stunden.

Santo Antão: spektakuläre Bergwelt

Diese Insel besticht durch zweierlei: eine waghalsige Passstraße und Grogue - Zuckerrohrschnaps. Angeblich der beste des ganzen Archipels. Die Insel selbst ist ein einziges gigantisches Gebirgsszenario und ein Paradies für Wanderer – von gemütlichem Spaziergang bis zu anspruchsvollen Touren ist hier alles möglich. Nicht verpassen sollte man:

  • Ribera do Paúl, der vermutlich grünste Ort auf den Kapverdischen Inseln, der sechs Kilometer lange Taleinschnitt überwindet 1000 Höhenmetern, hier wächst vom Nebelwald bis zu Zuckerrohr alles, was die Natur zu bieten hat.
     
  • Einsturzkrater Cova do Paúl: Am Rand des Kraters bietet sich ein fantastischer Blick von Ribera do Paúl bis zum Meer und über den gesamten gezackten Krater.
     
  • Hauptstadt von Santo Antão ist Ribeira Grande, geschäftiger Treffpunkt mit verwinkelten Gassen und kleinen Läden.

São Nicolau: eine gelungene Kombi

Die Insel sind oft als die kleine Schwester von Santo Antão bezeichnet. Die Berge sind weniger hoch, weniger schroff und Tourismus noch nicht weit entwickelt. Das macht São Nicolau zu einem echten Geheimtipp, denn imposant ist die Bergwelt natürlich trotzdem. Dazu gibt es im Südwesten kilometerlange Strände, etwa Praia Baixo Rocha mit hellem Sand, türkisklarem Wasser und sogar einigen schattenspendenden Felsen.

  • In Caberinho hingegen regiert schiere Naturgewalt mit bizarr ausgewaschenen Gesteinsformationen in tosender Brandung.
     
  • Ribeira da Prata: Die Flanken dieser Schlucht reichen bis in die Wolken. Das sorgt teilweise für eine entrückte Lichtstimmung. Unter schroffem Fels zieht sich satt grün das Tal und lässt sich auf verschiedenen Wanderrouten erforschen.
     
  • Erlaufen sollte man auch Ribeira Brava, die Hauptstadt im Inselinneren mit Kolonialarchitektur und einer Kathedrale, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts Bischofssitz war und jahrzehntelang die Denker des Archipels anzog.
Praia de Santa Monica

Der "Praia de Santa Monica", auf der Insel Boa Vista

Die Wüsteninseln im Osten

Karge Geröllfelder oder sichelförmige Sanddünen - Wüste gibt es auf den Inseln im Osten tatsächlich reichlich: Doch sie bieten nicht nur Staub und flirrende Hitze, sondern auch kilometerlange feine Strände. Da bleiben für Wasserratten keine Wünsche offen.

Sal: Eldorado für Surfer

Auf der Insel Sal spielte, wie der Name schon sagt, der Salzhandel eine große Rolle. Die Salinenanlage ist inzwischen stillgelegt. Touristen können aber ein Bad in den Salzpfannen nehmen - wie im Toten Meer geht man auch hier nicht unter…

Im Süden von Sal liegt das Flagschiff der Kap Verden: Praia de Santa Maria. Von November bis Juni begeistert der Passatwind Surfer, Segler & Co. Neun Kilometer ist der Strand lang mit Hotels, Strandbars und Beachclubs, mit Surf- und Tauchstationen. Wem das zu trubelig ist, der fährt an die Westküste von Sal. Und echte Surf-Könner zieht es nach Ponta Preta, hier wurden schon mehrere Windsurfing-Weltmeisterschaften ausgetragen.

Boa Vista: mit Saharafeeling

Schöner Anblick und schöner Ausblick: Auf Boa Vista erstreckt sich die einzige größere Sandwüste von Kap Verde, die Deserto de Viana mit feinsandigen Dünen. Auch Sal Rei, die Hauptstadt von Boa Vista, insbesondere deren Fischerviertel, ist einen Besuch wert.

Außerdem hat Boa Vista die schönsten und längsten Strände der gesamten Kapverdischen Inseln: Beispielsweise der Praia de Santa Mónica mit pudrig weißen 18 Kilometern – er ist leider nur mit einem Allradfahrzeug zu erreichen. Am besten gleich inklusiven Fahrer buchen…

Maio: Ruhe pur

Kein Remmidemmi, stattdessen Ruhe und Stille. Die kleinste der Wüsteninseln, Maio, ist ein Refugium für bedrohte Tierarten und gestresste Urlauber… Das Städtchen Cidade de Porto Ingles lädt zum gemütlichen Bummel ein und Strände gibt es rund um die Insel Maio. Zum Schwimmen am besten geeignet sind jene an der Westküste, da liegt Kilometer um Kilometer feinsandiger Badestrand.

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