Ligurien – Italien ganz kompakt

Feinsandige Strände und mondäne Städte, einsame Wanderwege und romantische Klippendörfer – auf mehr als 300 Kilometern Küste bietet Ligurien Abwechslung pur. Ob Kultur- und Kunstgenuss, Sonnenbaden oder Aktivurlaub – und der Gaumen kommt garantiert auch nicht zu kurz
Manarola

Das pittoreske Fischerdorf Manarola schmiegt sich an die Steilküste über dem Meer

Ligurien im Überblick

Wo liegt Ligurien?
Ligurien ist die drittkleinste Provinz von Italien, ein schmaler Küstensaum von der Cote d'Azur bis zur Toskana.

Wann ist die beste Reisezeit?
Wegen des milden Klimas ist die Region Ligurien ein Ganzjahresziel. Perfekte Wetterbedingungen und damit die ideale Reisezeite sind aber das Frühjahr sowie der Früh- und Spätsommer.

Die Sonne schiebt sich über die Gipfel des Ligurischen Apennins, akkurat ausgerichtet warten Schirme und Liegen am Strand auf Gäste, das Meer ist ruhig, wie ein Spiegel und im Gran Hotel Londra in Sanremo wird Frühstück serviert. 1860, als Aristokraten und Literaten im milden Riviera-Klima den Winter verbrachten, war es die erste Luxusherberge am Platz.

Auch in Bordighera und Alassio stehen noch alte Nobelhotels und Sommervillen in schattigen Parks und zeugen vom Glanz vergangener Zeiten. Heute ist Sanremo vor allem für sein Jahrhundertwende-Casino berühmt und für die Blumen. Rund um die Stadt floriert die Blumen- und Pflanzenzucht und auch sie selbst schmückt sich mit tropischer Vegetation, als sei die Stadt ein einziger großer Garten. Dem Riviera-Klima sei dank.

Zwischen dem Ort Ventimigli an der französischen Grenze und Imperia nennt sich die Küste auch Riviera dei fiori - Blumenriviera. Hier reihen sich bunte Badeorte und schönste Sandstrände aneinander. Und wem der Trubel zuviel wird, zieht sich einfach in die Berge im Hinterland Liguriens zurück.

Unbedingt besichtigen sollte man an der Blumenriviera:

  • Sanremo, einst Inbegriff der Belle Époque-Gesellschaft mit nostalgischem Flair der Riviera-Sommerfrische.
     
  • Girdanini Botanici Hanbury in Ventimiglia: Gartenanlage mit der größten Pflanzenvielfalt Norditaliens. Der Terrassengarten wurde ab 1867 angelegt.
     
  • Hinter Imperia liegt das Le Valli dell' Olivo. Die Täler bei Imperia sind das wichtigste Olivenanbaugebiet der Region. Ligurisches Olivenöl zählt zu den feinsten und begehrtesten Speiseölen der Welt. Die langwierige Ernteprozedur beginnt im Tal Anfang November, in höheren Lagen kann sie bis Ende März dauern. Alles rund um das Öl erfahren Besucher im Olivenölmuseum im Örtchen Oneglia.
     
  • Die Küste weiter nordwärts liegt Noli. In dem intakten mittelalterlichen Städtchen zeigt sich die Riviera von ihrer älteren Seite.
     
  • Savona ist die drittgrößte Stadt in Ligurien, mit stattlichen Boulevards aus dem 19. Jahrhundert. Die Altstadt von Savona lädt zum Bummeln und Stöbern ein. Rund ums Hafenbecken locken Cafés und Restaurants und über allem thront die Festung Priamar.

Ligurien – mare e monti

Ligurien ist die drittkleinste Provinz von Italien. Eigentlich nur ein schmaler Küstensaum von der Cote d'Azur bis zur Toskana, bei dem auf das Mittelmeer direkt die Berge folgen. Eben "mare e monti". Östlich liegt die Riviera di Levante, westlich die Riviera di Ponente und in der Mitte die Hauptstadt Genua. Auf kleinstem Raum findet man Meer und Hochgebirge, die ligurischen Seealpen.

Diese Lage macht Ligurien einzigartig. Es ist alles möglich von Sonnenbaden bis Extremsport. Der Verein der Freunde des Outdoorsports in Ligurien hat sich ganz dem Drachenfliegen und Paragliden verschrieben. Freeclimber finden mehr als 1500 Kletterrouten allein bei Finale Ligure und neben Tauchen, Kiten, Surfen oder SUP wird auch Wildwasserrafting angeboten. Weniger Adrenalin getrieben geht es beim Wandern oder Radfahren zu.

Außerdem punktet Ligurien mit Kunst und Kultur. Vor allem Genua hat und hatte schon immer, bedeutende Kunstsammlungen zu bieten. Und das alles rund ums Jahr. Im März beginnt zwar "die Saison", aber wegen des milden Klimas ist die Küste von Ligurien ein echtes Ganzjahresziel.

Straßenzug in Genua

Genua mausert sich zu einer Stadt, die besucht werden möchte

Genua - Aschenputtel wird Hafenmetropole

Lange sah es so aus, als hätte Genua die besten Zeiten hinter sich. Vergessen das goldene 16. Jahrhundert. Im Schlepptau der spanischen Flotte kamen Genueser Kaufleute und Bankiers zu Reichtum und steckten das Geld in prachtvolle Palazzi und Gemälde der angesagtesten Künstler. 42 dieser Prachtbauten stehen auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste und sind an der Via Garibaldi und der Via Balbi zu besichtigen.

In den vergangenen Jahrzehnten ging es mit Genua vom heruntergewirtschafteten Industriehafen wieder aufwärts – zur lebendiger Kulturstadt. Die Erkundung startet man am besten in der Altstadt an der Piazza De Ferrari und taucht dann ein in das Gassenlabyrinth. Ein Muss:

  • Der Blick über die Stadt vom Aussichtskran im Porto Antico, dem alten Hafen oder vom historischen Leuchtturm La Lanterna, dem Wahrzeichen von Genua.
     
  • Die Kirche San Lorenzo ist ein apart schwarz-weiß gestreifter Bau, im Domschatzmuseum steht der sogenannte Heilige Gral. Eine Schale, die der Legende nach das Blut Christi, den Wein des Abendmahls, enthalten soll.
     
  • Wer Märkte liebt, sollte auch noch einen Abstecher zum Mercato Orientale im Alten Hafen von Genua machen, mit seiner sagenhaften Auswahl ein Gaumen- sowie Augenschmaus.
     
  • Überhaupt das Essen: Ligurien hat einige Spezialitäten zu bieten. Die wohl bekannteste ist das Focaccia, ein im Ofen gebackener Hefefladen mit Kräutern und das Pesto alla genovese mit jeder Menge frischem Basilikum. Nahezu überall duftet es nach würzigen Kräutern aus Beeten und Töpfchen auf Balkonen oder in Hauseingängen.

Santa Margherita Ligure und Portofino – vom Fischerdorf zum Nobelort

Der wohl edelste Jachthafen der Riviera liegt in Santa Margherita Ligure. Hochseetaugliche Boote mit exotischen Flaggen wecken Fernweh. Das ehemalige Fischerdörfchen zählt zu den beliebtesten Ferienorten in Ligurien – was ihm nicht überall gut bekommt. Doch allem urban-mondänen Flair zum Trotz laufen auch täglich noch Fischerboote ein und beliefern den Fischmarkt am Hafen.

Ein zweites berühmtes Fischerdorf liegt auf der Halbinsel Portofino. Eine tief eingeschnittene Bucht nahe Genua trennt sie vom Festland. Insel und Meeresgrund stehen unter Naturschutz, Autoverkehr ist verboten und Portofino lässt sich hervorragend erwandern. Ein Spaziergang zur Spitze der Halbinsel mit der Kirche San Giorno gehört zu einem Besuch unbedingt dazu.

Etwas länger, rund 90 Minuten, dauert eine Tour über den Bergkamm nach San Fruttuoso. Belohnung: spektakuläre Ausblicke über Ligurien. In der Hafenbucht ankern die Jachten des Jetsets, entsprechend nobel geht es auch an der Uferpromenade von Portofino zu.

Riviera di Levante und die Dörfer des Cinque Terre

Vernazza

Schöner geht es kaum: Der malerische Ort Vernazza liegt auf einer kleinen Halbinsel an der italienischen Küste

Östlich von Genua beginnt die Riviera di Levante, die Küste der aufgehenden Sonne. Hier tragen die Buchten so verlockende Namen wie Golfo Paradiso oder Golfo dei Poeti (nach den Lord Byron oder John Keats, die hier schrieben). Im Vergleich zu der weitläufigeren Rivierea di Ponente schieben sich die Berge dicht und steil ans Wasser heran. Manche Ortschaften klammern sich regelrecht an die Felswände.

Absolutes Highlight sind die Dörfer des Cinque Terre. Die "fünf Länder" kurz vor La Spezia, halten viele für das Schönste, was Italien zu bieten hat. Der 1999 eingerichtete Nationalpark schließt auch den Meeresgrund vor der Küste ein, fördert Landschaftsschutz, Bio- Landwirtschaft sowie sanften Tourismus.

Häusergewürfel balanciert auf Felsspitzen und Kuppen oder hängt über steil abfallenden Felswänden: Schon zur Römerzeit siedelten bei Cinque Terre Menschen. Immerhin bot die unwegsame Lage Schutz. Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine einzigartige Terrassenlandschaft.

Rund 8000 Kilometer Steinmäuerchen, die sich über die Steilküste verteilen, die selbst nur 10 Kilometer lang ist. So sind kleine Parzellen für Rebstöcke, Gemüse, Oliven und Zitronenbäumchen entstanden.

Zu Fuß kommt man am besten voran auf einem Netz aus Maultierpfaden, Steintreppen und Küstenwegen, die die autofreien Dörfer Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola, Riomaggiore miteinander verbinden.

  • Monterosso, das größte der Cinque Terre Dörfer, hat die meisten Hotels und Restaurants. Und sogar einen den einzigen richtigen Sandstrand der Cinque Terre Küste.
     
  • Vernazza gilt als das schönste der Cinque Terre Dörfer und ist entsprechend beliebt sowie überlaufen. Besonders verschachtelt ziehen sich schmale Häuser in allen Rottönen den Hang entlang. Sehr fotogen!
     
  • Corniglia: Das kleinste der Cinque Terre Dörfer hoch oben über dem Meer und am schlechtesten zu erreichen. Deshalb ist es hier etwas weniger voll.
     
  • Manarola klammert sich malerisch an die Klippen einer Felsbucht. Oberhalb des Hafens gibt es eine Piazetta voller Cafés und Restaurants. Hingucker: Boote werden mit einem Kran zum Parken auf die Piatzetta von Manarola und die Hauptstraße gehievt.
     
  • Riomaggiore, der südöstlichste Ort, ist besonders eng zwischen zwei Felsen eingeklemmt und zieht sich steil hinauf. So steil, dass vom Bahnhof ein Aufzug in den oberen Ortsteil von Riomaggiore führt.

La Spezia - die Stadt für den Aperitivo

In der Bucht von La Spezia liegt ein bedeutender Militärhafen. Das ist der Stadt in den Weltkriegen nicht unbedingt gut bekommen. Aber sie ist eine gute Basis für Ausflüge nach Cinque Terre. Plus: Bei der Anfahrt eröffnet sich ein großartiger Ausblick.

  • Hoch über La Spezia liegt das Catello San Giorio, die Festungsanlage bietet ebenfalls einen fantastischen Blick auf den Golf und beherbergt das Archäologische Museum. Höhepunkt sind die Stelen aus Lungiana sowie geheimnisvolle Steinfiguren, die man auf Feldern und im Wald fand und vermutlich einem vorrömischen Kult entsprungen sind.
     
  • Der Ort Zoagli nahe La Spezia ist bekannt für Samt und Seidendamast. Früher gab es jede Menge Handwerksbetriebe, einige Werkstätten bestehen noch und man kann bei der Arbeit zuschauen, etwa bei Tessitura Artigianale.
     
  • Und schließlich lohnt auch ein Bummel durchs lebhafte Innenstadtviertel Prione von La Spezia. Vor allem zur Aperitifstunde, wenn die Sonne gegenüber hinter den Meeralpen und der Blumenriviera verschwindet.
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