Wandern und Whiskey Zehn Dinge, die Sie auf der Isle of Skye erleben sollten

Auf der rauen Schönheit im Atlantik lassen sich sagenumwobene Ruinen erkunden, die Segel setzen und die Gläser heben. Unser Autor hat zehn Dinge, die Sie auf der Isle of Skye erleben und drei die Sie dabei beachten sollten, aufgeschrieben
Dunvegan Castle, Isle of Skye

Selbst Donald Trump hätte über mehrere Ecken Anspruch auf das Dunvegan Castle

Dunvegan Castle – Wo Geschichte zu Hause ist

Die Burg ist Stammsitz des schottischen Clans der MacLeods und mit seinen mehr als 800 Jahren das älteste noch bewohnte Schloss des Landes. In der viktorianischen Zeit massiv umgebaut, präsentiert sich heute eher eine Art kleiner Palast, mit einer dank des Golfstroms üppigen Parkanlage, zwei Wasserfällen, Gewächshaus, Laubengängen und einem Seerosenbecken. Der Clan mit dem charakteristischen schwarz-gelb-roten Tartanmuster wurde durch den Film „Highlander – Es kann nur einen geben“ bekannt, dessen Hauptfigur, gespielt von Christopher Lambert, Connor MacLeod hieß. Und US-Präsident Donald Trump gehört über seine Mutter Mary Anne MacLeod Trump ebenfalls zum Clan, auch wenn man das dort nicht an die große Glocke hängt. Lieber erzählt man die Geschichte von MacLeods Tisch, wie ein Hügel, etwa zehn Kilometer vom Schloss entfernt, heißt: Als der achte Clanchef der MacLeods, der stolze Alasdair Crotach, beim schottischen König König James IV in Edinburgh geladen war, tischte der Monarch hochnäsig auf. Das ließ Crotach nicht auf sich sitzen und lud zum besseren Gegenbesuch ein: Bedienstete wuchteten Mobiliar, Speisen und Getränke auf den Hügel, Clanmänner illuminierten das Essen mit brennenden Fackeln.

Wandern – Zu Fuß durch ein Gemälde

Rau und romantisch, lieblich und majestätisch: Die Landschaft der Isle of Skye schaut ein wenig so aus, als hätten sich Caspar David Friedrich und Gerhard Richter auf ein Bild verabredet, an einem besonders guten Tag. Die rund 1600 Quadratkilometer sind dabei auf wunderbare Art unberechenbar: Gemütliches Grün wird abgelöst von ruppigem Fels, Wolken und Berge scheinen sich gegenseitig abzuschleifen, eine endlose Weite endet bei steil in den Atlantik abstürzenden Klippen, und wer sich eben noch gegen den Wind warf, sitzt auf einem Mal an einem wärmenden Lagerfeuer in einer einsamen Bucht mit Sandstrand. Wer die Herausforderung liebt, geht mit eigenem Zelt den 127 Kilometer langen Skye Trail, sieben Strecken an sieben Tagen, quer über die Insel, teilweise ohne Pfade oder gar Markierungen, auf dem man pro Stunde vielleicht zwei bis maximal drei Kilometer schafft. Und wer danach noch Kraft besitzt, wandert in Ruhe über den Neun-Loch-Platz mit alternativen Abschlägen des Isle of Skye Gold Clubs. Auch das ist eine Übung in Gelassenheit: Der Wind macht hier eh, was er will.

The Cuillin – der Höhepunkt der Insel

Das durch das dunkle Magma-Gestein Gabbro oft düster wirkende Gebirge im Inselzentrum beinhaltet zwölf Gipfel, deren Höhe 900 Meter übersteigt: ein Klettergarten für Alpinisten und Wadentraining pur, sagen die eine, eine Mischung aus Mond und Mordor, sagen die anderen. Die zwei Massive, die schwarzen und die roten Cuillin Hills, zwischen denen das Glen Sligachan liegt, sorgen für bleibende Eindrücke und verfügen mit dem Sgùrr Alasdair und seinen 993 Metern zudem über die höchste Erhebung der Insel.

Portree, Isle of Skye

Bunt, klein und charmant ist die Inselhauptstadt Portree

Portree – die, nun ja, Hauptstadt

Die einzige Stadt auf Skye – gälisch Port-an-Righ, der Hafen des Königs – ist Verkehrskontenpunkt und teilt die Insel in die Nord- und die Südseite. Allerdings leben gerade mal 2100 Menschen hier. Rund um den Somerled Square findet man alles Nötige, von ihm geht zum Hafen die kleine „Touristenmeile“ Wentworth Street ab, die bunt angestrichenen Häuser an der Hafenzeile, der Quay Street, geben dem Ort etwas Pittoreskes und Verwunschenes. Wer schon mal hier ist, sollte zum Aussichtsturm „The Lump“ aus groben schwarzen Stein hochsteigen: Wo früher der Henker zum Tode Verurteilte aufknüpfte, bietet sich heute eine lebensfrohe Aussicht.

The Old Man Of Storr – Der Griff zum Himmel

Es verwundert nicht, dass dieser bizarre Fels immer wieder in Hollywood-Produktionen auftaucht. Etwa in Science-Fiction-Filmen wie „Prometheus“, in dem Archäologen im Jahr 2089 auf der Isle of Skye in einer Höhle steinzeitliche Wandmalereien entdecken, die sie als Schöpfungsgeschichte der Menschen durch Außerirdische deuten. Wenn schon die Wikinger hier waren… Die reale Felsnadel, gigantische 48 Meter hoch, steht an einer Abbruchkante. Man kann sie von verschiedenen Orten der Insel aus erkennen, lohnend ist aber die etwa einstündige und nicht ganz einfache Wanderung, die mit einem noch recht klaren Pfad beginnt, dann immer mehr über gebirgige Senken führt. Am Ziel angekommen, wird man mit einem grandiosen Überblick über die dahinter liegende Ebene belohnt.

Quiraing, Isle of Skye

Obwohl die größten Erdbewegungen etwa 15.000 Jahre her sein sollen, ist die Region rund um The Quiraing weiterhin in Bewegung

The Quiraing – Erdrutsche mit Aussicht

Trotternish, die nördliche Halbinsel der Isle of Skye, gilt als die schönste der Insel: schroff, schief, faltig. Der Quiraing wiederum ist das Areal, in dem gewaltige Erdrutschungen Felsformationen der „Aaah“- und „Oooh“-Klasse hervorgebracht haben. Obwohl die größten Erdbewegungen etwa 15.000 Jahre her sein sollen, ist die Region weiterhin in Bewegung, erkennbar etwa an den Rissen im Asphalt. Manche der sind so bizarr,  dass sie eigene Namen erhielten, die spitze „Nadel“ etwa oder das festungsgleiche „Gefängnis“.

Skye Ghillie – Im Dienste des Abenteuers

„Ghillie“ ist das gälische Wort für Diener. Und als ein solcher versteht sich der 1967 geborene Mitchell Partridge. Nur sollte man von ihm keine gebügelte Zeitung erwarten. Mit dem Vollbartträger steht man eher hüfthoch in abgelegenen Bergseen, während er einem zeigt, wie Fliegenfischen funktioniert. Mit ihm lernt man Zelten in der Wildnis, wie man bei Regen Feuer macht und welche Pflanzen auf der Insel essbar sind und welche tödlich wirken. Oder er führt vor, wie man sich unbemerkt an Wild anschleicht. Mitch – verheiratet und Collie-Besitzer, ernst, wenn nötig, und sonst ein herzlicher Entertainer – ist also ein Diener, der seine Kunden für ein paar Stunden zu Königen über die schottische Landschaft macht.

Carbost – City of the Single Malt

Verwirrenderweise gibt es gleich zwei Orte namens Carbost auf der Insel, einen kleinen Weiler in der Nähe des Hauptortes Portree und das Dorf an der Südküste von Loch Harport, etwa 15 Kilometer südwestlich. In letzterem findet sich die Whisky-Brennerei von Talisker, einem der Hauptarbeitgeber von Skye, die täglich verschiedene Führungen anbietet. Direkt daneben am Wasser liegt der urige Pub „The Old Inn“, eine Hochburg der schottisch-gälischen Sprache, wo man sich darauf einstellen sollte, das man kaum ein Wort versteht. Gut einen Kilometer weiter findet sich „The Oyster Shed“, eine ungeschliffene Mischung aus Lagerhalle, Gemüsemarkt und Fischhandel. Wer Meeresfrüchte mag: Hier gibt es sie täglich zwischen 11 und 17.30 Uhr direkt aus dem Loch, wie es frischer nicht geht.

Neist point lighthouse, Isle of Skye

Neist Point Lighthouse gilt als einer der bekanntesten Leuchttürme Schottlands

Neist Point Lighthouse – Kleiner Mensch, großartige Natur

Am westlichsten Zipfel der Insel steht ihr Wächter: einer der berühmtesten Leuchttürme Schottlands. 19 Meter hoch, rund, in der Farbgebung weiß und golden. Auf einer wie eine Sprungschanze geformten Landzunge mit hundert Meter hohen Steilklippen gelegen und nur über zu überkletternde Viehgitter und grobe, in den Fels gehauene Stufen erreichbar. Wer den Ort trittsicher erreicht, kann mit Glück Delphine oder gar Orcas sehen, aber auch die verwitterten Reste einer Seilbahn und ein rostiges Nebelhorn entdecken – und spüren, wie klein und leise er im Vergleich zu diesem mächtigen Donnerschlag der Natur ist.

Segeln – Die Macht des Meeres

Wenn man die obigen Punkte gesehen hat, weiß man: Wasser gibt es auf der Isle of Skye reichlich. Als Nebel, als Regen, als Fluss, als spektakulären Wasserfall. Richtig zu spüren bekommt man das Element aber erst auf See – wenn man die größte Insel der Inneren Hebriden von Bucht zu Bucht umsegelt, etwa mit dem 32 Meter langen Zweimaster „Lady of Avenel“. Die Macht des Meeres lässt einen schaukeln. Der Blick auf den Horizont und die Insel – auf das Grün der Wiesen, das Grau und Braun der Klippen, das Schwarz der Höhlen – beruhigt. Und schließlich geht man kraftvoll und breitbeinig von Bord, als hätte man die Wellen im Griff.

Drei Dinge, die Sie dabei beachten sollten

Das Wetter

Auf der Isle of Skye kann man alle Jahreszeiten erleben, vom Kaisersommer bis zum Wintereinbruch – und das durchaus an einem Tag. Der Spruch „If you don’t like the weather, wait a minute“ kommt nicht von ungefähr. Der Wechsel bringt zwar einzigartige Lichtspiele, aber regenfeste und wärmende Kleidung sollte stets dabei sein und nach dem Prinzip des „Layering“, des Lagenlooks getragen werden. Im Frühling und Sommer sind zudem Midgies-Schwärme unterwegs, kleine fiese Beißmücken. Keiner weiß, warum, aber die zwei Millimeter reinen Terrors hält die Bodylotion „Avon Skin So Soft“ fern.

Die Entfernungen

Natürlich misst auch auf der Isle of Skye ein Kilometer einen Kilometer. Allerdings sind die Straßen sogenannte Single Road Tracks, also nur von einem Fahrzeug befahrbar, das bis zur nächsten Ausweichbucht das Tempo vorgibt. Das kann sich ziehen.

Der Untergrund
Auf der Isle of Skye darf jeder überall laufen, wo es nicht ausdrücklich verboten ist – und zwar in knöchelhohen Wanderstiefeln. Die Trittsicherheit wird in den Bergen und an den nicht immer sicheren Klippen auf die Probe gestellt – vor allem aber im hohen und sumpfigen Gras: Darunter können glitschige Steine liegen oder gar knietiefe Löcher, mal mit Schlamm, mal ohne.

 

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