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Reisemobile Camper-Sharing: Wie es funktioniert und worauf Vermieter achten sollten

Mutter und Sohn stehen vor einem Wohnmobil und gucken auf den Sonnenuntergang
Wer sich kein eigenes Wohnmobil leisten kann oder möchte, für den ist Camper-Sharing eine Möglichkeit dennoch in den Genuss einer Camper-Reise zu kommen
© Gabriel/AdobeStock
Norman Wycisk vermietet seine vier Wohnmobile so erfolgreich über Yescapa, einem führenden Anbieter für privates Camper-Sharing, dass er der Spitzenreiter der Plattform ist. Im Interview verrät er, worauf Vermieter achten sollten, wie viel sich mit Camper-Sharing verdienen lässt und wonach er seine Mieter aussucht

Wie lange gehen Sie schon campen?
"Als Kind hatte mein Vater einen T3, mit dem wir in den Urlaub gefahren sind. Schon als Kind mochte ich das Lebensgefühl beim Campen sehr. Als ich dann die Werkstatt von meinem Vater übernommen habe, kam der Wunsch in mir auf, ein eigenes Wohnmobil zu besitzen, mit dem ich jederzeit in den Urlaub fahren kann - ob längere Reise oder nur für einen Wochenendtrip. Also habe ich mir Mitte 2017 mein erstes Wohnmobil gekauft und ihn Baron Hugo getauft. Er war so schnell sehr oft vermietet, sodass ich damit gar nicht selbst in den Urlaub fahren konnte. Also folgte das zweite Wohnmobil, Baroness Henriette. Mit der Zeit kamen dann noch zwei weitere dazu."

Welches Modell vermieten Sie?
"Ich habe vier Wohnmobile, die ich aktuell vermiete. Es sind alles alte Fiat Ducato Oldtimer, von denen der Älteste Baujahr 1987 und der Jüngste Baujahr 1992 ist."

Was ist die durchschnittliche Summe, mit der Sie im Jahr über die Vermietung rechnen?
"Im Schnitt habe ich zwischen 4.000 - 5.000 Euro Umsatz pro Wohnmobil. Das macht auf die vier Wohnmobile ca. 20.000 Euro Umsatz, allerdings muss hier bedacht werden, dass das wirklich nur der Umsatz und nicht der Gewinn ist."

Was ist der durchschnittliche Zeitraum für eine Vermietung?
"Der durchschnittliche Zeitraum für eine Vermietung hat sich stark verändert. Vor der Corona-Pandemie waren es noch zwischen 10 - 14 Tagen. Seit Anfang 2020 werden die Wohnmobile eher für Kurzreisen bzw. Wochenendtrips zwischen 2 - 5 Tagen gebucht."

Norman Wycisk sitzt vor einem seiner Wohnmobile
Norman Wycisk kaufte 2017 sein erstes Wohnmobil und besitzt inzwischen vier Modelle, die er auch alle vermietet
© Norman Wycisk

Was sind die gefragtesten Monate Zeiträume für eine Vermietung?
"Am beliebtesten sind die Monate April bis September. Zu dieser Zeit haben wir Hochsaison und die Wohnmobile sind fast durchgängig vermietet. Es spielt auch keine Rolle, ob Sommerferien sind oder nicht. Um Weihnachten und Silvester herum haben wir auch nochmal einen Peak. Da werden die Wohnmobile gemietet, um in den Winterurlaub zu fahren. Von Januar bis Anfang/Mitte März haben wir kaum Vermietungen."

Welche Vorteile bieten Plattformen wie in ihrem Fall Yescapa für Vermieter?
"Ich sehe viele Vorteile in der Vermietung der Camper über Plattformen wie Yescapa. Erstens gibt es überhaupt einen Rahmen, auf dem mein Wohnmobil präsent gelistet ist und gemietet werden kann. Wenn ich mir eine eigene Webseite bauen und die Anzeigen dort schalten würde, dann bekäme das kaum einer mit. Deswegen finde ich es einfach toll, dass es die Plattform gibt, die diesen kompletten Buchungsprozess inklusive Mietverträge und der Versicherung übernimmt und darüber hinaus auch für Werbung und Reichweite sorgt. Der komplette Kundenservice ist einfach sehr gut. Und wenn es Probleme mit den Mietern geben sollte, dann habe ich einen Ansprechpartner beziehungsweise eine Zwischeninstanz, die das dann klärt und ich mich nicht mit den Mietern streiten muss."

Gibt es einen "typischen Mieter" für Ihr Fahrzeug?
"Es gibt eine leichte Tendenz zu jungen Familien. Vom Typ her sind es oft die Prenzlauer Berg Hipster-Familien (lacht). Ansonsten ist von Anfang 20-jährigen Partyboys, die aufs Festival oder zum Surfen fahren bis hin zu 70-jährigen Rentnern, die ihren Urlaub am Gardasee in Italien verbringen möchten, alles dabei."

Was sind mögliche Aufwände, die bei einer Vermietung des Fahrzeugs beachtet werden müssen?
"Definitiv die Schäden an den Wohnmobilen. Wenn sie mehr genutzt und gefahren werden, ist der Verschleiß einfach größer. Dadurch, dass ich eine eigene Autowerkstatt habe, ist das alles händelbar. Ansonsten wäre das mit den vier Wohnmobilen und der Menge an Vermietungen auch schwierig zu realisieren, weil das auch ein großer zeitlicher Aufwand ist. Und wir haben hier zum Glück die Logistik, die Reparaturen auch sehr schnell vorzunehmen."

Bleiben die meisten Mieter in der Gegend oder werden längere Reisen unternommen?
"Das hat sich auch durch die Corona-Pandemie sehr verändert. Vor Corona wurden viele Reisen nach Südfrankreich, Italien, Portugal oder Schweden unternommen. Seit Corona wird vor allem Deutschland bereist. Ich hatte 2020 sogar eine Mieterin, die sich das Wohnmobil vor die Wohnung gestellt hat, weil sie einen Tapetenwechsel brauchte. Die europaweiten Reisen kommen allerdings langsam wieder."

Die drei besten Tipps für Leute, die Fahrzeuge vermieten wollen?
"Man muss sich dessen bewusst sein, dass das Wohnmobil einem größeren Verschleiß unterliegt und dass ein Großteil der Arbeit damit zu tun hat, mit den Kunden zu kommunizieren und zu erklären, wie das Wohnmobil funktioniert, denn nur dann ist eine korrekte Bedienung während der Reise gewährleistet. Auch ist die Vor-und Nachbereitung ein immenser Zeitaufwand. Rückgabezeiten können aufgrund von Stau manchmal nicht eingehalten werden. Dann sitze ich an einem Sonntag um 18 Uhr in der Werkstatt und warte 3 Stunden, bis die Mieter ankommen. Ich möchte betonen, dass es eine schöne Möglichkeit ist, nebenbei ein bisschen Geld zu verdienen, aber von dem Gedanken, dass man damit den großen Reibach machen kann, sollte man sich verabschieden. Nichtsdestotrotz finde ich das Prinzip des Camper Sharings großartig, denn das eigene Wohnmobil steht nicht ungenutzt rum und man macht anderen Leuten eine Freude und bringt ihnen das Campergefühl näher."

Haben Sie einen Prozess, nach dem Sie mögliche Mieter auswählen?
"Nein, den habe ich nicht. Ich habe da eine sehr offene Politik. Bei mir können die Wohnmobil über die Plattform sofort reserviert werden. Wenn jemand das Wohnmobil bucht, dann ist es gebucht. Sobald die Anmietung bestätigt ist, trete ich in Kontakt mit den Mietern und schicke ihnen umfangreiches Informationsmaterial zur korrekten Benutzung des Fahrzeugs. Wenn ich dann merke, dass die Person doch nicht dafür geeignet ist, dann sage ich das schon. So war das mal bei einem Pärchen, bei dem ich ganz klar von der Reise abgeraten habe, weil ich bei der Probefahrt gemerkt habe, dass die eine Person nicht in der Lage war, das Fahrzeug korrekt zu fahren."

Gibt es eine schöne Anekdote zu einer Vermietung, die Sie teilen können?
"Ich habe schon viele Urlaubsgrüße oder Karten erhalten und regelmäßig werden die Wohnmobile von den Mietern auch neu dekoriert (lacht). Die Erfahrung, die ich allerdings nie vergessen werde war eine Anfrage, die reinkam, bei der mein Wohnmobil für eine ARD Videoproduktion gebucht wurde. Ich musste dafür die Räder abschrauben und das Wohnmobil wurde mit einem riesigen Kran über Wohnhäuser balanciert. Beim Dreh dabei zu sein, war eine außergewöhnliche Erfahrung."


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