FAQ Coronavirus: Was Reisende jetzt wissen müssen

Der Coronavirus hat viele Teile der Erde im Griff und betrifft auch lang geschmiedete Reisepläne. An Urlaub ist für die meisten momentan nicht zu denken. Ein FAQ, das die wichtigsten Fragen zu Einreiseverboten und Stornierungen beantwortet
Coronavirus in Europa

Sehenswürdigkeiten wie der Mailänder Dom sind momentan für die Öffentlichkeit geschlossen. Dies ist Teil der Vorsichtsmaßnahmen, die wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Europa getroffen werden

In diesem Artikel
Reisen ins Ausland: In diesen Ländern gelten Beschränkungen und Verbote für Deutsche
Mit welchen Umständen muss ich rechnen, wenn ich eine Reise in die betroffenen Gebiete plane?
Hilft eine Reiserücktrittversicherung, wenn ich die Reise aufgrund des Coronavirus nicht antrete?
Welche Rechte haben Pauschalurlauber?
Müssen Individualurlauber die Kosten einer nicht angetretenen Reise selbst tragen?
Wer trägt die Kosten, wenn Reisenden die Einreise verweigert wird?
Wer übernimmt die zusätzlich entstandenen Kosten bei Quarantäne-Maßnahmen?
Zahlt die Auslandskrankenversicherung bei einer Corona-Behandlung?

Reisen ins Ausland: In diesen Ländern gelten Beschränkungen und Verbote für Deutsche

Für Reisende aus Deutschland gelten wegen der Ausbreitung des Corona-Virus zunehmend Beschränkungen, was Reisen ins Ausland betrifft. An immer mehr Landesgrenzen werden verstärkt Einreisekontrollen durchgeführt - inklusive Messungen der Körpertemperatur, Quarantänemaßnahmen bei Verdachtsfällen. Teilweise gibt es totale Einreisesperren.

Es ist also zwingend notwendig sich vor Reiseantritt über die momentane Situation am Zielort sowie an möglichen Zwischenstationen (geschlossene Grenzen) zu informieren. Eine ständig aktuelle Übersicht für alle Länder der Erde bietet das Auswärtige Amt.

Mit welchen Umständen muss ich rechnen, wenn ich eine Reise in die betroffenen Gebiete plane?

Wer seinen Urlaub trotz der Umstände wie geplant antritt, sollte sich möglicher Einschränkungen bewusst sein. So kann es, wie bereits mehrfach passiert, im Zugverkehr zu mehrstündigen Verzögerungen kommen, falls aufgrund von Verdachtsfällen die Weiterfahrt von Zügen gestoppt wird. Gleiches kann auch spontan an Grenzübergängen oder auf bestimmten Routen passieren, sollte die Ausbreitung des Coronavirus in einer Region sprunghaft ansteigen und Abriegelungen vorgenommen werden. Reisende sollten sich also bewusst sein, dass dies jederzeit überall auf der Welt auftreten und zu immensen Einschränkungen oder Quarantänemaßnahmen führen kann.

Zudem kann die Ausbreitung von Corona zu spontanen Schließungen von Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen des öffentlichen Lebens führen. Auch bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist hygienische Vorsicht geboten.

Hilft eine Reiserücktrittversicherung, wenn ich die Reise aufgrund des Coronavirus nicht antrete?

Wer aus Sorge vor einer Ansteckung seine Reise nicht antreten oder abbrechen möchte, kann nicht auf eine Kostenerstattung durch seine Reiserücktrittsversicherung bzw. Reiseabbruchversicherung hoffen. Diese greifen nur, wenn der Grund für die Stornierung der Reise, den Reisenden selbst betrifft – etwa eine unerwartete und schwere Erkrankung oder ein Unfall. „Die Angst zu erkranken, ein hohes Ansteckungsrisiko oder eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes stellen kein versichertes Ereignis dar“, teilt etwa die HanseMerkur seinen Versicherten mit. 

Welche Rechte haben Pauschalurlauber?

Wer eine Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter gebucht hat, kann kostenfrei zurücktreten, sofern „außergewöhnliche Umstände“ eintreten und die Reise nicht wie geplant durchgeführt werden kann. Ein solcher "außergewöhnlicher Umstand" ist zum Beispiel erfüllt, wenn ein Einreiseverbot oder nicht fahrende Züge vorliegen. Auch wenn vor Ort alles abgesperrt ist und keine Sehenswürdigkeiten besichtigt werden können, kann eine Stornierung verlangt bzw. Geld zurückgezahlt werden. Als Pauschalreise gilt bereits, wenn Sie zum Beispiel Zug und Hotel in Kombination gebucht wurden.

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Müssen Individualurlauber die Kosten einer nicht angetretenen Reise selbst tragen?

Wer selbst mit dem Auto anreist oder die Bausteine Bahn und Hotel einzeln gebucht hat, hat keinen Vertrag nach deutschem Reiserecht geschlossen. Entsprechend müssen Individualreisende auf die Kulanz des jeweiligen Vertragspartners, wie dem Hotel oder der Mietwagenvermietung hoffen. Nur wenn Anreise und Hotel über einen Anbieter gebucht wurden, zählt dies als pauschales Angebot und die Reisenden können eine Erstattung bei dem Reiseanbieter geltend machen.

Allerdings kommen im Fall des Reiselandes Italien die ersten Anbieter auch Individualtouristen entgegen. So bietet zum Beispiel die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB laut ihrer Pressesprecherin wegen der aktuellen Lage an, dass alle Tickets für den Personenverkehr von und nach Italien kostenlos storniert werden, da man sich dazu entschieden habe den Zugverkehr nach Italien einzustellen. Allerdings würde die ÖBB gemeinsam mit den Behörden ie Lage ständig erneut evaluieren. Auch Zugreisende innerhalb Italiens bleiben nicht auf ihren Kosten sitzen, sollte die Reise aufgrund des Coronavirus abgesagt werden. Trenitalia will nach eigenen Angaben Zugfahrten unabhängig vom Tarif komplett erstatten – allerdings in Form eines Gutscheins, der ein Jahr gültig ist. Dieses Angebot betrifft alle Reisenden, die ein Ticket für einen Hochgeschwindigkeits- oder Fernzug gebucht haben. Die Deutsche Bahn erstattet den Ticketpreis hingegen nur im Falle eines Zugausfalls beispielsweise aufgrund von Abriegelungen, die mit Corona begründet werden. Wer in Besitz eines Flugtickets der Lufthansa, Emirates oder Finnair ist, kann darauf hoffen, seine Reise kostenlos umbuchen oder stornieren zu können, falls sich diese aufgrund geänderter Einreisebestimmungen oder der Ausbreitung des Coronavirus nicht antreten lässt.

Wer trägt die Kosten, wenn Reisenden die Einreise verweigert wird?

Manche Staaten verweigern Reisenden aus Corona-Gebieten derzeit die Einreise. Der Reiserechtswissenschaftler Prof. Dr. Ernst Führich erklärt, worauf man achten sollte: "Bei einem behördlichen Einreiseverbot, auch wenn dies mit einem Quarantänegebot verbunden ist, liegt ein Fall von höherer Gewalt vor. Es handelt sich um einen unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstand. Sowohl eine Pauschalreise als auch eine Hotelbuchung oder ein einzelner Flug lassen sich kostenfrei stornieren. Schadenersatz oder Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung sind jedoch ausgeschlossen."

Etwas anders ist die Sachlage, wenn die Behörden kein generelles Einreiseverbot ausgerufen haben: "Besteht zwar kein allgemeines Einreiseverbot für ein spezielles Land, doch ein Urlauber wird bei der Einreise auf Grund von Corona-Virus-Symptomen von den örtlichen Behörden einer Zwangs-Quarantäne unterzogen, so muss der Reisende etwaige Stornierungskosten seiner Reise selbst tragen. Insoweit trägt er sein persönliches Lebens- und Reiserisiko", erklärt Führich.

Wer übernimmt die zusätzlich entstandenen Kosten bei Quarantäne-Maßnahmen?

Sollten Sie am Urlaubsort von Quarantäne-Maßnahmen betroffen sein und weitere Übernachtungen im Hotel anfallen, müssen Sie die Kosten dafür nicht tragen. Die Quarantäne wird von staatlichen Institutionen angeordnet, in den meisten Fällen von den ortsansässigen Gesundheitsämtern, damit wäre auch der jeweilige Staat für die anfallenden Kosten zuständig, so Reiseexperten. Dies müsse nachträglich allerdings gerichtlich geklärt werden. Auch in diesem Fall sind Pauschalurlauber über die Beistandspflicht des Reiseveranstalters besser gestellt, als individuell Reisende. Der Reiseveranstalter muss demnach Sorge dafür tragen, dass der Urlauber sicher nach Hause kommt, ihm beispielsweise alternative Rückflüge organisieren. Individualreisende sind hingegen auf die Kulanz der Airlines angwiesen, sollten sie wegen Quarantäne-Maßnahmen ihre Flüge nicht antreten können.

Zahlt die Auslandskrankenversicherung bei einer Corona-Behandlung?

Unabhängig vom Coronavirus ist eine Reisekrankenversicherung für alle Auslandsreisen zu empfehlen, da diese auch den Rücktransport abdecken. Bei der Wahl des Tarifs sollten Sie darauf achten, dass dieser schon erfolgen kann, wenn er medizinisch "sinnvoll" ist. Gemäß manchen Bedingungen muss der Rücktransport medizinisch "notwendig" sein. Konkret zu Corona teilte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) mit, dass der Schutz einer privaten Auslandsreisekrankenversicherung unverändert gelte. Eine medizinische Behandlung wegen einer Coronavirus-Infektion sei versichert. Aber Achtung: Wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Coronavirus als Pandemie klassifiziert, übernehme manche Versicherungen die Kosten für die Behandlung dieser Infektion nicht.

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