Interview Was Instagrammer Max Muench über seinen Erfolg denkt

Der Fotograf Max Muench über seinen Erfolg bei Instagram, den Spagat zwischen Kunst und Kommerz und melancholisch stimmende Filter. Unser Autor hat ihn auf einer Reise nach Schottland begleitet
Max Muench

Instagrammer Max Muench auf der Isle of Skye in Schottland

GEO.de: Herr Muench, heute Morgen habe ich Sie vor dem Frühstück auf dem Klavier des Hotels spielen gehört. Was war das?

Eine Polonaise von Chopin. Ich hätte mir fast den Daumen gebrochen.

Sind Sie nicht hauptberuflich Fotograf? Quasi aus dem Nichts kommend wurde eines Ihrer Bilder von Instagram zu einem der besten Fotografien des Jahres 2015 ernannt …

Heute ja. Vorher habe ich aber an der Hochschule der populären Künste Berlin Musikproduktion studiert. Das muss ich noch abschließen.

Warum sind Sie von der Musik zur Fotografie gewechselt?

Fotos habe ich eigentlich immer gemacht, ich bin schon als Fünfjähriger mit der Kamera meiner Eltern rumgerannt. Ende 2014 aber gab es ein Schlüsselerlebnis, das ist etwas peinlich …

… wie alle guten Geschichten.

Na, gut. Meine damalige Freundin wohnte im Harz. Als ich wieder einmal da war, hat sie mich allerdings Knall auf Fall verlassen. Ich kenne bis heute den Grund dafür nicht, es gab keine Erklärung, nichts. Ich bin dann wie ein Wahnsinniger durch den Harz gelaufen und habe fotografiert. Das war mein Portal zur Natur. Danach habe ich auf Instagram nur noch Naturfotos gepostet. Im Harz habe ich auch den anderen Max getroffen, Max Fischer, der in Clausthal studierte. Erst sind wir zusammen losgezogen, dann haben wir die „German Roamers“ gemeinsam mit zehn weiteren Amateurfotografen aus Deutschland gegründet, eine Community für Outdoor-Fotografie auf Instagram.

Gab es hinter der Gründung ökonomische Erwägungen?

Nein, damals war auf Instagram der Community-Gedanke stärker, wir haben uns darüber mit Gleichgesinnten verbunden. Aber ich habe registriert, da sind Leute dabei, die viel mehr reisen können als ich. Student halt. Da stellt man sich die Frage, wie die das finanzieren.

Ja, und wie?

Sie arbeiten für Firmen, als Influencer. So ist Instagram auch für mich von der Spaß-App neben dem Studium und der Musik zum Business-Tool auf Vollzeit geworden. Kleinere Kooperationen haben mich von Berlin nach Hamburg und Italien gebracht, dann habe ich eine Reise nach Utah gewonnen. Seither, Ende 2015, trage ich zur Kommerzialisierung von Instagram bei. (lacht)

Wie viele Länder haben Sie inzwischen bereist?

Um die 40.

Unterscheidet sich Ihr Reisen von dem anderer Menschen?

Mit Sicherheit. Reist man, um Content zu produzieren, der möglichst spektakulär ist, geht man anders vor als die, die ohne Druck fotografieren können. So schön es auf Instagram auch immer aussehen mag, es stecken Unmengen an Arbeit dahinter, jeder Tag dauert bis zu 20 Stunden. Man braucht eine gute Vorbereitung hinsichtlich der Position des Lichts. Ausdauer, vor allem in den Bergen, wenn man von Spot A zu Spot B rennen. Und man muss das Bild im Kopf haben und trotzdem offen für unerwartete Motive sein.

Deine Bilder sind meist sehr blaustichig. Warum?

Melancholie?

Im Ernst?

Ja. Mit einem wolkenlosen Himmel kann ich nichts anfangen, das kann jeder. Regen, Nebel, Schneesturm, das ist mein Mood. Am liebsten fotografiere ich kleine Menschen in großer Umgebung. Ich finde es unglaublich spannend, die Größenrelationen dafür zu nutzen, die Menschen anzuregen, sich selbst als kleinen Teil des Ganzen zu verstehen. Darüber nachzudenken, wie man mit der Natur respektvoller umgeht, sie letztlich mehr schätzen zu lernen.

Gibt es fotografische Vorbilder?

Eher nicht. Wenn, dann alte Maler. Caspar David Friedrich. William Turner. Mein Opa ist Karikaturist und Künstler, als Kind war ich viel in Museen. Auch die Musik ist voller Bilder. Und ich besitze einen großen, großen Respekt davor, was andere mit anderen, schwierigeren Mitteln erreicht haben.

Auf Instagram gibt es eine unendliche Bilderflut …

Stimmt, ist mir aber egal. Ich will vor Ort sein, um die Geschichten und die Kultur zu erleben. Es ist doch so: Du hast ein Motiv tausendmal gesehen, also: gähn. Wenn Du dann vor Ort bist, ist es aber keinen Gähn mehr, sondern ein: Wow!

Was verbinden Sie mit der Isle of Skye?
(überlegt lange) Ich bin jetzt das zweite Mal hier. Die Insel ist unfassbar rauh und zugleich unfassbar saftig. Das Wort, welches vielleicht am besten passt: epic. Im Sinne von majestätisch, monumental, gewaltig. Man kommt sofort zur Ruhe, so groß ist das, so klein ist man.

Tobt in Ihnen ein Kampf zwischen Kunst und Kommerz?

Nein. Zum einen sind das verschiedene Baustellen, verschiedene Rollen. Zum zweiten lerne ich unter beiden Bedingungen jeden Tag dazu. In Jordanien hatte ich beispielsweise vom Tourism Board den Auftrag, Landschaften zu fotografieren. Persönlich fand ich die Menschen aber viel interessanter. Also habe ich beides gemacht.

Sie stellen Ihre Filtereinstellungen aus dem Bildbearbeitungsprogramm „Lightroom“ zum Download bereit. Verraten Sie damit nicht Ihr Geheimnis?

Vielleicht bin ich da altmodisch: (lacht) Sharing is caring. Die Idee dahinter ist die, auf Instagram sind wahnsinnig viele Kopisten unterwegs, die glauben, wenn sie dasselbe Foto machen wie ich, seien sie schon kreativ. Viele sagen auch: Ich möchte – aber sie packen es nicht. Denen gebe ich nur ein Handwerkszeug in die Hand und sage damit: Macht was damit! Geht raus. Bilder sind ja schön und gut, aber es sind die Erlebnis, die prägen. Ganz banal.

Sie sind jetzt 25 Jahre alt. Wo sind Sie in weiteren 25?
Wenn ich so weiter arbeitete, erreiche ich die vielleicht nicht. (lacht) Keine Ahnung. Bei Fotos habe ich immer einen Plan B, sogar einen Plan C. Aber im eigenen Leben? Wann immer ich etwas Neues erlebe, verändert sich die Perspektive.

Die Abschlussfrage für die Freaks: Was für Material benutzen Sie?
Seit kurzem die benutze ich eine Canon EOS 5D Mark IV, absolut zuverlässig und robust, genau wie ihre Vorgängerin. Mein Lieblingsobjektiv ist das Sigma 35mm F1.4 DG HSM ART, ein Weitwinkel-Objektiv, in dessen Schärfe und Bildlook ich mich verliebt habe. Kopflampe, Powerbanks und immer eine Ersatz-SD gehören ebenfalls zum Standard. Aber manchmal nehme ich auch einfach das Handy. Die beste Kamera ist die, die man gerade dabei hat.

Die private Abschlussfrage: Tragen Sie eigentlich immer einen Hut?
Beim Schlafen nicht, sonst schon.

Und warum?
Am Anfang war es nur wegen der wenigen Haare (lacht). Dann wurde es ein Markenzeichen, ich weiß gar nicht, der wievielte es jetzt schon ist. Und, nicht zu vergessen: So ein Hut ist auch ein prima Versteck.

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