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  • Fotografie: Von Menschen, die ihre Ruhe in der Weite gefunden haben

Natur-Eremiten Von Menschen, die die Weite suchten – und das Glück fanden

Text: Fred Langer; Fotos: Brice Portolano
  • 23. März 2022
  • 15:05 Uhr
Ihre Sinne sind auf Empfang, ihre Smartphones selten: Die Menschen, die Brice Portolano porträtierte, haben das Weite gesucht – die Natur, das einfache Leben, die große Freiheit. Die fanden sie in den Bergen des Iran, auf einer Leuchtturminsel im Nordmeer und in der Pampa
Ali Ghoorchian lehrte als Kunstprofessor an der Universität Teheran. Dann hatte der 42-Jährige genug von der Hektik der iranischen Metropole. Er verließ die Stadt und wurde Aufseher in den Stallungen am Fuße des Elburs-Gebirges, wo die Pferde reicher Teheraner stehen. Wenn die Arbeit getan ist, geht er tagelang hinauf in die Berge. Dort folgt er seiner Leidenschaft: dem berittenen Bogenschießen in der Tradition alter Steppenvölker. Gelegentlich verlässt er die Abgeschiedenheit, um bei internationalen Wettbewerben anzutreten: Er ist zweifacher Weltmeister seiner Disziplin.   Ein übermütiges Fohlen be­gleitet Ali Ghoorchian beim Üben für das Mogu, ein Reiterspiel mit Pfeil und Bogen. Er zieht einen Stoffballen hinter sich her, der den Wettkämpfern als Ziel dient
Ali Ghoorchian | Elburs-Gebirge, Iran
Ali Ghoorchian lehrte als Kunstprofessor an der Universität Teheran. Dann hatte der 42-Jährige genug von der Hektik der iranischen Metropole. Er verließ die Stadt und wurde Aufseher in den Stallungen am Fuße des Elburs-Gebirges, wo die Pferde reicher Teheraner stehen. Wenn die Arbeit getan ist, geht er tagelang hinauf in die Berge. Dort folgt er seiner Leidenschaft: dem berittenen Bogenschießen in der Tradition alter Steppenvölker. Gelegentlich verlässt er die Abgeschiedenheit, um bei internationalen Wettbewerben anzutreten: Er ist zweifacher Weltmeister seiner Disziplin. 
Ein übermütiges Fohlen be­gleitet Ali Ghoorchian beim Üben für das Mogu, ein Reiterspiel mit Pfeil und Bogen. Er zieht einen Stoffballen hinter sich her, der den Wettkämpfern als Ziel dient
© Brice Portolano
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Ali Ghoorchian lehrte als Kunstprofessor an der Universität Teheran. Dann hatte der 42-Jährige genug von der Hektik der iranischen Metropole. Er verließ die Stadt und wurde Aufseher in den Stallungen am Fuße des Elburs-Gebirges, wo die Pferde reicher Teheraner stehen. Wenn die Arbeit getan ist, geht er tagelang hinauf in die Berge. Dort folgt er seiner Leidenschaft: dem berittenen Bogenschießen in der Tradition alter Steppenvölker. Gelegentlich verlässt er die Abgeschiedenheit, um bei internationalen Wettbewerben anzutreten: Er ist zweifacher Weltmeister seiner Disziplin.   Ein übermütiges Fohlen be­gleitet Ali Ghoorchian beim Üben für das Mogu, ein Reiterspiel mit Pfeil und Bogen. Er zieht einen Stoffballen hinter sich her, der den Wettkämpfern als Ziel dient
Tinja Myllykangas lebt gut 250 Kilometer nördlich des Polarkreises, mitten in der Einsamkeit, doch nicht allein. Ihr Freund Alex, der Schlittenhunde züchtet, ist bei ihr. Und dann sind da noch ihre eigenen Hunde. Wenn sie von den Tieren spricht, lächeln ihre hellen Augen, und sie schwärmt: "Es sind ­meine besten Freunde. Mit ihnen verfliegen alle Sorgen." Myllykangas hat Biologie studiert, im Süden des Landes, die Stadt aber leichten Herzens verlassen. Sie liebt den Winter oben im Norden, wenn die Temperaturen auf bis zu minus 40 Grad sinken. "Dann zeigt sich die arktische Natur in ihrer ganzen Pracht."
Der Wunsch nach einem 
Leben in Einfachheit zog die 
Biologin Tinja Myllykangas in die 
große weiße Welt Lapplands
Das 400 Jahre alte Bauernhaus auf einem Berg ist nur über eine schwer­ ­befahrbare Piste erreichbar, inmitten tiefer Wälder; in einer Landschaft, die so gar nicht dem klassischen Toskana-Bild entspricht. Als der 32-jährige ­George Lidgley hierherzog, war das Gehöft eine Ruine. Lidgley, geboren in England, hat es mittlerweile so weit hergerichtet, dass er im Sommer ­Touristen aufnehmen kann. Im Winter wurde er stets zum Einsiedler, die Einsamkeit war hart, erinnert er sich – bis ein Gast für immer blieb: Sophie, die seine Frau wurde und die Mutter seiner beiden Kinder.  Glückliche Augenblicke: Lidgley hält inne und lächelt seinem Sohn Cayo zu, während er Feuerholz auf den Geländewagen lädt
Jerry Ryggs lebt in der Wildnis, ohne menschliche Nachbarn. Selten knarzt das Funkgerät, wenn der Pilot des Wasserflugzeugs sich ankündigt, um Kisten mit Austern abzuholen. Ansonsten sind nur die Stimmen der Natur zu hören. Ryggs’ Nachbarn, das sind Adler und Otter, Schwarzbären und Wölfe, das sind die Buckelwale und Orcas, die vor seinem Haus durch die Bucht gleiten. In seinem früheren Dasein, als Immobilienmakler in Michigan, habe er seinen Lebensunterhalt sehr viel leichter verdienen können als jetzt, mit der Austernzucht, die er sich erst mühselig beibringen musste. Aber dieses harte Leben am Nordpazifik bedeutet dem 58-Jährigen wahre Erfüllung
Einst war Zaya Oldov ein amerikanischer Teenager wie Millionen andere auch, mit ihren Eltern besuchte sie im Sommer die Vergnügungsparks. Später studierte sie in Shanghai Interna­tionale Beziehungen, schließlich kehrte sie zurück in ihre ursprüngliche Heimat Mongolei; ein Land, von dem sie kaum mehr kannte als die Hauptstadt Ulan-Bator. Die Arbeit für eine Hilfsorganisation brachte sie mit dem Volk der Tsaatan in Kontakt – und sie schloss sich ihm an. Oldov ging auf in einer ­Gemeinschaft von 130 ­Rentiernomaden und lebt mit ihnen in einem Camp, ­bestehend aus 15 Zelten. Sie hat geheiratet und einen Sohn bekommen. Das ­Leben hier, sagt sie, werde niemals eintönig. "Jahreszeiten vergehen, Babys werden geboren, die Tiere müssen auf neue Weidegründe getrieben und ihre Geweihe geschnitten werden, damit sie sich in Rangkämpfen nicht verletzen." Oldov ist abgetaucht in eine andere Welt, eine vergessene Zeit, in der Schamanen­glaube noch sehr präsent ist, und sie sagt: "Kein Geld der Welt könnte die Werte aufwiegen, die ich hier lebe"
Sky Carrithers ist eine Gaucha, ein argentinisches Cowgirl: Ihre Ranch sieht aus wie die Kulisse eines Wildwestfilms. Geboren wurde sie in den USA, als Tochter einer wohlhabenden Hippiefamilie, die einen Teil des Jahres in Argentinien verbrachte. Mit 30 gab sie ihrer Sehnsucht nach und siedelte ganz über nach Südamerika. Dort züchtet sie Rinder mit ihrem Ehemann, der aus der Gegend stammt. "Wir haben auch Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen und 30 Pferde." Unbeschwert ist ihr Dasein nicht. "Wir haben Angst, dass unsere Wasserquellen versiegen. Es wird von Jahr zu Jahr heißer und trockener."  In der Hitze des argentinischen Sommers treibt Sky Carrithers mit ihren Helfern mehr als 600 Rinder auf ein 2000 Meter hoch gelegenes Plateau
"Unser Familienleben dreht sich um Tiere. Es wäre seltsam, irgendwo zu sein, wo keine Hühner gackern oder Vögel singen". Sky Carrithers, hier ihr Sohn Leo mit einem Gürteltier, lebt auf einer Ranch am Rande der Anden
Benjamin Bombard und seine Frau Katherine züchten Gänse, Hühner, ­Enten, sie fischen Forellen, bauen Obst und Gemüse an, im Keller gären Bier und Wein. Im Herbst, sobald der erste Schnee fällt, steigen sie hinauf in die Berge, um einen Elch zu erlegen. Mit mehreren Hundert Kilogramm Fleisch, auf Packpferde verladen, kehren sie zurück, sie machen daraus Trockenfleisch, Eintopf, Würstchen, davon können sie ein Jahr lang leben. "Es gibt vieles, was ich an unserer Konsumgesellschaft kritisiere", sagt der 34-Jährige, "aber einer der schlimmsten Auswüchse ist die industrielle Fleischproduktion."  Nahrung selbst produzieren – für das Paar ein Stück Lebensglück. Benjamin und Katherine Bombard werden die Schweine­hälfte gemeinsam verarbeiten
"Menschen sind einfachnicht dafür geschaffen, den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu sitzen." Benjamin Bombard und seine Frau Katherine leben radikal autark und gehen auf Distanz zur Konsumgesellschaft
Eine einsame Insel, darauf ein Leuchtturm – dieses Bild hatte Elena ­Hansteensen lange schon im Kopf. Sie arbeitete als Journalistin, spezialisiert auf den Nahen Osten, "aber ich wollte immer so nah wie möglich am Meer sein." Auf Litløya machte sie ihren Traum wahr. Noch bis in die 1950er Jahre wohnten Fischer auf der Insel, doch mit dem Aufkommen starker Boots­motoren gab es für sie keinen Grund mehr, dort draußen auszuharren; das Dorf zog um aufs Festland. Mit Hansteensen kehrte wieder Leben ein. Sie ist jetzt der gute Geist im einst verlassenen Haus des Leuchtturmwärters.  Litløya, vom Nordmeer umtost und von Seeadlern und Kormoranen besucht, gehört zum Archipel der Vesterålen. 300 Stufen führen vom Anleger steil hinauf zu Hansteensens Haus
Elena Hansteensen bezog vor 13 Jahren das verlassene Haus des Leuchtturmwärters, als einzige Dauerbewohnerin der Insel

Alexander der Große, ­Heerführer der Griechen, besucht Diogenes von Sinope, den Totalverweigerer, der angeblich sogar in Tonnen hauste. Der Militärmanager tritt näher und bietet dem vermeintlichen Obdachlosen ­Hilfe an. Der, nun im Schatten Alexanders liegend, hat einen einzigen Wunsch: "Geh mir nur ein wenig aus der Sonne."

Das Denken des Diogenes, asketischer Philosoph und Habenichts aus freien Stücken, kreiste vor knapp zweieinhalbtausend Jahren um Themen, die heute hochaktuell sind: Wahrhaft glücklich ist nur, wer sich von überflüssigen Bedürfnissen und äußeren Zwängen freigemacht hat. Diogenes ist ein antiker Postwachstums-Praktiker, der die autárkeia, die Selbstgenügsamkeit, zum zentralen Begriff seiner Philosophie macht. Und sie konsequent lebt.

Ähnlich wie die Menschen, die Brice Portolano mit seiner Kamera begleitet hat. Seine Diogenes-Nachfolger sind so unterschiedlich wie die Orte, an denen er sie traf. Doch ein Gefühl teilen sie: den Überdruss am Zuviel.

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"Ich wusste, in meinem Kopf würde es immer einen Raum für Kleingeistigkeit geben. Aber die Einsamkeit lehrte mich, es zu akzeptieren"

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Markus Torgeby ist ein vielversprechender Ultraläufer, als eine Verletzung seine Karriere beendet und ihn ins Nichts stürzt. Lediglich mit einer Axt, einem Schlafsack und den Kleidern am Leib wandert er in die Wälder, getrieben von der Frage: Wer bin ich, wenn alles andere weg ist? Vier Jahre lang lebt Torgeby in einem selbst gebauten Unterstand. Die Geschichte einer Rückkehr

Tinja Myllykangas etwa, die junge Frau, die ein Leben gut 250 Kilometer jenseits des Polarkreises führt; nicht als Bettlerin in der Tonne, sondern, als autarke Herrscherin über ein selbst gegründetes Reich, in einer 20 Quadratmeter kleinen Hütte. Eine Eiskönigin von eigenen Gnaden, die den Winter liebt, in dem sich, wie sie sagt, die Arktis in ihrer ganzen Pracht offenbare; mit den Sternen am Himmel und den wehenden Nordlichtern, die sie mit nie endender Ehrfurcht betrachtet.

Geh mir ein wenig aus dem Polarlicht: Die Offerten von Zivilisation und Konsumgesellschaft schlägt Myllykangas dankend aus. Fließendes Wasser? Gibt es am Fluss, in dessen Eisdecke sie allmorgendlich ein Loch hackt, um zwei Eimer zu füllen. Heizung? Holz für den Ofen schlägt sie selbst. Strom? Kerzen erleuchten das Haus; warmer Schein fällt auf die Bilder der Schlittenhunde an den Wänden, die ihr Gefolge sind.

In inniger, kompromissloser Verbindung mit der Natur

"Ein Mensch ist reich im Verhältnis zur Zahl der Dinge, auf die er verzichten kann", schrieb ein anderer Philosoph der Ab- und Einkehr: Henry David Thoreau, der sich 1845 in eine selbst gebaute Hütte in Massachusetts zurück­zog und sein Daseinsexperiment in dem Buch "Walden oder Leben in den Wäldern" beschrieb.

"Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so herzhaft und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, aufs Haupt geschlagen würde." Dieser Satz Thoreaus beschreibt erstaunlich präzise auch die Lebensmaxime der jungen Frau in ihrem arktischen Reich. Portolano sagt, sie habe ihn am meisten beeindruckt von all den Sinnsuchern, die er während seiner fünfjährigen Arbeit an dem Fotoprojekt traf. Warum? Weil sie in so inniger, kompromissloser Verbindung mit der Natur stehe.

Von Natursehnsucht durchdrungen ist auch Portolano. Acht Jahre hat er im Zentrum von Paris gelebt, dann verließ er die Metropole. Weil er nach etwas Größerem suchte, als Städte es bieten können. Genau wie die Menschen, die er in seinen Bildern zeigt.

Die Entschlossenheit, den urbanen Zentren mit ihren Verlockungen den Rücken zu kehren, ist keineswegs nur ein Phänomen westlicher Überflussgesellschaften – auch das ist eine überraschende Erkenntnis aus diesem Fotoprojekt. Ali Ghoorchian etwa floh aus der iranischen Hauptstadt Teheran hin­auf ins Elburs-Gebirge. Dort, unter dem Gipfel des 5600 Meter hohen Damavand, den die persische Dichtung "Kuppel der Welt" nannte, jagt er seinen Träumen nach; zu Pferde und mit Pfeil und Bogen. "Ich wollte ungebunden sein und den wesentlichen Dingen des Lebens gegenübertreten", schrieb Thoreau – als hätte er Ghoorchian gemeint.

Funkstille stärkt die Wahrnehmung

Der Fotograf sagt, die Begegnung mit diesen Menschen habe seine Natursehnsucht angefacht. Ein Gefühl, das aufsteigt aus der Kindheit. Sein Elternhaus stand auf ­einem weiten, wilden Grundstück in Südfrankreich mit Blick auf einen markanten Gebirgszug: Der Montagne Sainte-Victoire, dessen Konturen im klaren Licht der Provence schon Maler wie Cézanne, Renoir und Picasso inspirierten. "Wir Kinder lebten sehr ­einfach", sagt Portolano, "die Natur war unser Abenteuerspielplatz, wir haben Baumhäuser gebaut. Wir hatten viel Zeit. Ich bin dort ohne TV aufgewachsen."

"No Signal", kein Empfang, so nennt Portolano sein Fotoprojekt. Radikale Technikverächter aber sind seine Protagonisten nicht. Sky Carrithers etwa, die ein Gaucho-Leben am Rande der Pampa in Argentinien führt, nutzt ihr Smartphone. Nur muss sie zum Telefonieren einen windgepeitschten Hügel emporsteigen, um dort, mit etwas Glück, ein Signal zu empfangen.

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Es ist auch der Überdruss an zu viel Kommunikation, am Diktat der totalen Erreichbarkeit, der Portolanos Pioniere das Weite suchen lässt. Funkstille stärkt die Wahrnehmungsempfindlichkeit für Signale, die untergehen im Rauschen der Städte, fortgetragen werden von der anschwellenden Mitteilungsflut. "Aber siehe – nun ist es Abend geworden und nichts Berichtenswertes ward getan", schreibt Thoreau. Heute, da viel zu viel für berichtenswert gehalten wird, klingt der Satz wie das Versprechen einer anderen, stillen Welt.

Thoreau war ein Meister solcher federleichten Sentenzen. Er konnte sie sich auch gut zu eigen machen, da er nie allzu weit weg von der Zivilisation lebte, die Stadt stets in greifbarer Nähe. Wer den radikalen Bruch wagt, kommt mit schwärmerischem Philosophieren nicht weit. Oder geht daran zugrunde, so wie der unglückselige Glücksritter Christopher McCandless.

"Ich habe ein absurdes Leben verlassen, um frei zu sein"

McCandless war ein junger Mann aus wohlhabender Familie, der sich nach einem Leben fernab des Wohlstands sehnte. Zunächst vagabundierte er durch die Vereinigten Staaten, nur mit dem Notwendigsten ausgerüstet, wie Diogenes. Schließlich zog es ihn in die Wildnis Alaskas, wo er 1992 an Hunger und Entkräftung starb. Weil ein Survivalbuch nicht reicht, um so weit draußen in der stillen Weite überleben zu können. "Into the Wild", in die Wildnis, heißen Buch und Film, mit denen die Aussteigertragödie weltbekannt wurde.

"Werde ich nicht genug damit zu tun haben, das Fortschreiten der Jahreszeiten zu beobachten?" Jerry Ryggs, ein ehemaliger Immobilienmakler, der sich in die Wildnis Alaskas zurückzog, würde über diesen Satz Thoreaus lächeln. Er schuftet mindestens zehn Stunden am Tag, meist ab 4.30 Uhr, auf seiner selbst gegründeten Austernfarm, um überleben zu können, wo er leben will.

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"Ich habe ein absurdes Leben verlassen, um frei zu sein, für mich selbst zu arbeiten und im Herzen der Natur zu sein", sagt Ryggs. An einem Ort, an dem man alle vier Jahreszeiten an einem Tag vorüberziehen sehen kann, ergänzt Portolano. Er dufte Ryggs für zwei Monate besuchen, weil er sich ihm als Hilfsarbeiter angedient hatte.

Portolanos Bilder erzählen Geschichten von Verzicht und Entbehrung, die Erfüllung bedeuten. Sie zeigen Orte, besiedelt und beseelt von offenbar glücklichen Menschen. Die innere Ruhe, die sie ausstrahlen, weckt Sehnsüchte. Wie schon in Alexander dem Großen.

"Geh mir nur ein wenig aus der Sonne." Der Feldherr der Griechen war berührt von der selbstgenügsamen, auch wohl etwas spöttischen Reaktion des so einfach lebenden Mannes. Zu seinen Be­glei­tern soll er gesagt haben: "Wahrhaftig, wenn ich nicht Alexander wäre, dann möchte ich wohl Diogenes sein!" Ja, wenn.

Portolanos Bilder erzählen auch Geschichten von Wagemut und Entschluss­kraft. Wer sind diese Menschen, die ­ihren Träumen ohne Wenn und Aber fol­gen? Aussteiger, Sinnsucher, Leistungsverweigerer, Glücksritter, Abenteurer, Freigeister, Freaks? Brice Portolano sagt: "Es sind einfach unheimlich starke Charaktere."

Erschienen in GEO Nr.9 (2020)
  • Natur
  • Lebensstil
  • Fotografie
27. Februar 2021,00:15
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